ProSiebenSat.1
"Qualität ist der einzige Business-Plan"
Seit Jahresanfang gibt es bei ProSiebenSat.1 keine Chefredakteure für die einzelnen Sender mehr. Stattdessen: markenübergreifende Instanzen. Fernsehchef Andreas Bartl sieht keine Gefahr für die Eigenständigkeit der Programme.
Finanzielle Gründe seien für den jüngsten Umbau bei ProSiebenSat.1 nicht ausschlaggebend gewesen, sagt German-Free-TV-Vorstand Andreas Bartl dem Medienmagazin journalist. „Qualität ist in einem kreativen Umfeld der einzige Business-Plan. Nahezu alle unsere Geschäfte beginnen mit gutem Programm."
Andreas Bartl ist für die deutschen Free-TV-Sender von ProSiebenSat.1 verantwortlich und damit der wichtigste Mann im Senderverbund. Innerhalb kürzester Zeit hat er die Struktur der ProSiebenSat.1-Sender auf den Kopf gestellt. Seit Anfang des Jahres lässt die Sendergruppe ihre Programme mit Ausnahme von N24 in senderübergreifenden Ressorts, den „Content-Bereichen“, entwickeln – Chefredakteure und Unterhaltungschefs gibt es nicht mehr.
Hinter den neuen Zuständigkeiten steckt nichts anderes als die Auflösung von ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins als eigenständige Einheiten. Eine Gefahr, dass die neuen Bereichsleiter sich zulasten kleinerer Projekte vor allem auf die erfolgreichen Formate der großen Sender konzentrieren könnten, sieht Bartl nicht. „Unsere Programmverantwortlichen müssen nun mehr als eine Sendermarke denken – etwas, das für die TV-Produzenten schon länger eine Selbstverständlichkeit ist.“
Noch haben ProSieben und Kabel Eins eigene Geschäftsführer – den Posten als Sat.1-Geschäftsführer hat Bartl als Nachfolger von Guido Bolten „bis auf weiteres“ übernommen. Dass die Zuständigkeit vollends auf ihn übergeht, mag Bartels nicht dementieren: „ ,Bis auf weiteres’ bedeutet nicht ,für immer’ “ Ob die drei Geschäftsführer-Posten der Sender über kurz oder lang wegfallen werden? „Es wird sich nichts ändern“, sagt Bartl. „Die Senderchefs haben die Senderhoheit und verantworten die Sender in ihrer Ganzheit, das heißt: ihre Identität, Zuschauerpositionierung, Strategie, Programmauswahl, Leistung im Zuschauermarkt und das wirtschaftliche Ergebnis.“
Mehr zum Thema: Eine Analyse der Neuordnung der Programmzuständigkeiten bei ProSiebenSat.1 liefert Peer Schader in der März-Ausgabe des Medienmagazins journalist.
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