In eigener Sache

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Autor

Thomas Öchsner

verfasst am

16.04.2013

im Heft

journalist 4/2013

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  • 21. Februar 2013: "Künstlersozialkasse ist Pflicht" weiter
Arbeitsministerin Ursula von der Leyen will die Existenz der Künstlersozialkasse sichern. Nächste Woche beschäftigt sich der Bundestag mit ihrem Gesetzentwurf. (Bild: dapd/Oliver Lang)

Künstlersozialkasse

Aus Mangel an Kontrolle

Weil sich zahlreiche Unternehmen und Verlage um die Abgabe für die Künstlersozialkasse (KSK) drücken, drohen der KSK Einnahmen von 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr zu entgehen. Das gesamte System – und damit die Altersversorgung der freien Journalisten – steht auf dem Spiel. Eine Gesetzesänderung soll jetzt Abhilfe schaffen.

Freie Journalisten und Bildhauer gehören dazu, genauso Zauberer und Quizmaster. Ja sogar Geräuschemacher und Show-Eiskunstläufer: In der Künstlersozialkasse (KSK) sind derzeit knapp 180.000 Selbstständige mit mehr als 100 verschiedenen Berufen versichert, allein 43.000 davon im Bereich Wort – also Menschen, die mit dem Schreiben von Texten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die allermeisten von ihnen sind alles andere als Großverdiener, wenngleich mit TV-Juror Dieter Bohlen auch ein prominenter Topverdiener Beiträge zahlt. Das Jahreseinkommen eines Mitglieds in der KSK beläuft sich im Durchschnitt auf gut 14.000 Euro. Bei Journalisten und Publizisten in der Kategorie Wort sind es knapp 17.600 Euro. Für viele dürfte es gerade genug sein, um sich über Wasser zu halten.

Für die allermeisten Versicherten ist die Kasse daher lebensnotwendig: Sie übernimmt die Hälfte der Beiträge für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung und behandelt die selbstständigen Autoren und Künstler quasi als Angestellte. Viele Freiberufler lassen sich dieses Privileg nicht entgehen: Seit ihrer Gründung im Jahr 1983, als gerade einmal 12.000 Selbstständige die KSK nutzten, ist die Mitgliederzahl rasant gewachsen. Doch nun steht diese europaweit einmalige Errungenschaft der früheren sozial-liberalen Koalition auf dem Spiel. In Berlin wird derzeit um die Zukunft der Künstlersozialkasse gerungen. Und wie so oft geht es dabei ums Geld.

Die KSK finanziert sich zu einem Fünftel aus dem Etat des Bundes, 2012 betrug dieser Zuschuss rund 160 Millionen Euro. Weitere 30 Prozent kommen von Theatern, Orchestern und Firmen, die etwa einen Fotografen für Prospekte, einen Webdesigner für die Gestaltung ihres Auftritts im Internet oder einen Autor für eine Broschüre beauftragen. Diese sogenannten Verwerter müssen in diesem Jahr eine Künstlersozialabgabe in Höhe von 4,1 Prozent auf ihre gezahlten Honorare entrichten. Das Finanzierungssystem funktioniert also nur, wenn die abgabepflichtigen Unternehmen tatsächlich ihren Obolus beisteuern. Das aber wird zunehmend zum Problem.

Ein lästiger Fremdkörper

Als im neuen Jahrtausend mehr und mehr Mitglieder in die KSK strömten, belastete dies die Kasse stark. Gleichzeitig zahlten viele der potenziellen Verwerter, die Betreiber von Theatern, Verlagen, Galerien oder Filmproduktionsgesellschaften nicht, weil niemand sie dazu aufforderte oder sie schlichtweg nichts von ihren Pflichten wussten. So kletterte der Abgabensatz für diejenigen, die zahlten, bis auf 5,8 Prozent im Jahr 2005. Die Wirtschaft protestierte. Die Politiker suchten eine Lösung. Neue Kontrollen waren nötig. Seit 2007 soll deshalb die gesetzliche Rentenversicherung im Rahmen ihrer üblichen Betriebsprüfungen das Thema Künstlersozialabgabe einbeziehen. Sie soll kontrollieren, ob die derzeit etwa 150.000 Verwerter den Obolus auch wirklich zahlen, und gegebenenfalls nicht überwiesene Beträge einfordern.

Das hat am Anfang gut geklappt. Allein von Juni 2007 bis Juli 2009 trieb die Rentenversicherung bei 24.000 Betrieben 62 Millionen Euro zusätzlich ein, obwohl sie nur bei den Arbeitgebern nachhakte, die vermutlich laut Gesetz abgabepflichtig sind. Das zuständige Bundesarbeitsministerium konnte deshalb die Abgabe bis auf 3,9 Prozent im Jahr 2010 senken. Seit 2010 lässt der Eifer bei den Prüfungen jedoch nach, in zwölf Monaten kamen bei gut 6.000 Prüfungen nur noch 16 Millionen Euro an Nachforderungen zusammen. 2011 waren es gerade einmal 560.000 Euro, obwohl die Umsätze der potenziellen Verwerter bereits auf 137 Milliarden Euro jährlich gewachsen sind.

Steigt die Künstlersozialabgabe im Jahr 2014 auf 6,0 Prozent? Das könnte die Akzeptanz des gesamten Systems infrage stellen.

Der Grund: Die Kontrolleure hakten nur noch eingeschränkt nach – der Deutschen Rentenversicherung (DRV) passt das ganze Prüfverfahren nicht, weil sie dafür kein Geld extra bekommt. In einer Stellungnahme der DRV heißt es: "Problematisch ist, dass die Rentenversicherung bisher keine finanzielle Vergütung für die Prüfung der Künstlersozialkasse erhält." Sämtliche Kosten dafür müssten "von der Solidargemeinschaft der Rentenversicherung getragen werden, ohne dafür einen Ausgleich zu erhalten". In der Rentenversicherung betrachtet man die KSK als lästigen Fremdkörper – auch wenn das keiner in der Öffentlichkeit laut sagt.

Die Folgen bekommen die Verwerter bereits in diesem Jahr zu spüren: Das Arbeitsministerium hat den Abgabesatz auf 4,1 Prozent erhöht. Der Streit war schon vorher eskaliert. Erst verpflichtete das Bundesversicherungsamt als zuständige Rechtsaufsicht die Rentenversicherung, wieder stärker zu prüfen – ein ungewöhnlicher Vorgang. Die Rentenversicherung zog wiederum dagegen vor den Kadi und klagte vor dem Sozialgericht Berlin. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen wollte angesichts der zunehmend prekären Finanzsituation der KSK aber nicht womöglich jahrelang auf ein Ende des Gerichtsverfahrens warten. Die Ministerin griff ein mit einer kleinen, aber feinen redaktionellen Änderung im "Entwurf eines Gesetzes zur Neuorganisation der bundesunmittelbaren Unfallkassen, zur Änderung des Sozialgerichtsgesetzes und zur Änderung anderer Gesetze" – und löste damit einen Proteststurm in der Wirtschaft aus.

Schon jetzt prüft die Rentenkasse jedes Unternehmen alle vier Jahre. Die Abgabe kontrollierten die Rentenversicherer davon getrennt aber nur per Stichprobe. Dazu versenden sie einen Erhebungsbogen, in dem die Firma angeben muss, zu welcher Branche sie gehört und ob sie an Selbstständige für künstlerische oder publizistische Werke Geld bezahlt hat. Nur in Fällen, die sich schriftlich nicht klären lassen, wird im Betrieb selbst geprüft. Künftig soll die Rentenversicherung dies bei allen 3,6 Millionen Arbeitgebern in Deutschland tun, auch wenn sie nicht zu den Betrieben gehören, bei denen Aufträge für KSK-Mitglieder naheliegen.

Handelskammer interveniert

Die Wirtschaftsverbände halten davon gar nichts. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), wandte sich deshalb hilfesuchend an den wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer. In seinem Schreiben an den Abgeordneten, das dem journalist vorliegt, heißt es: Während die Rentenversicherung normalerweise genauer auf die Lohnbuchhaltung schaue, müsse sie bei der Künstlersozialabgabe "alle Rechnungen für Veranstaltungen, Seminare, Übersetzungen, Publikationen" überprüfen. Die Prüfungen könnten dabei "im Einzelfall sehr kompliziert sein". Auch hänge die Abgabepflicht davon ab, ob ein Auftrag "regelmäßig" erteilt werde. "Diese Regelmäßigkeit selber ist jedoch nicht klar definiert." Er glaube deshalb nicht an "die Möglichkeit einer effizienten einheitlichen Prüfung". DIHK-Lobbyist Dercks fordert Pfeiffer auf, "sich im parlamentarischen Verfahren gegen die Auswei-tung der Prüfung auf alle Unternehmen einzusetzen".

Der DIHK fand damit bereits Gehör: Einige Wirtschaftspolitiker der Union machen sich dafür stark, auf schärfere Kontrollen zu verzichten. Der Normenkontrollrat, der Gesetze auf Folgekosten für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung überprüft, hat Zweifel, ob Aufwand und Ertrag in einem angemessenen Verhältnis stehen. Die Rentenversicherung rechnete in einer Stellungnahme für den Bundesrat vor, dass durch das neue Kontrollverfahren Mehrkosten in Höhe von 50 Millionen Euro entstehen würden. Das Arbeitsministerium hält dies für völlig aus der Luft gegriffen und spricht von 500.000 Euro höheren Verwaltungskosten.

Die Fachleute im Haus der Arbeitsministerin sehen das Gegenteil von mehr Bürokratie: Wenn die Rentenversicherung die Künstlersozialabgabe und die Sozialbeiträge nicht mehr getrennt prüfe und das Anschreibeverfahren mit den Fragebögen wegfalle, reduziere dies den Verwaltungsaufwand der Unternehmen sogar. Auch in Zukunft werde nur dann genauer geprüft, wenn Anhaltspunkte für eine Abgabepflicht vorlägen. Anders als DIHK-Vertreter Dercks unterstellt, werde sich für die allermeisten Arbeitgeber, auch für Kleinunternehmer wie Bäcker und Metzger, gar nichts ändern. Kleinbetriebe ohne Beschäftigte seien von der Regelung ohnehin nicht betroffen, argumentiert das Ministerium. Von der Leyens Beamte sind überzeugt: Ohne neue Vorschriften entgehen der KSK Einnahmen von 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr. Der Abgabesatz werde 2014 deutlich auf etwa 6,0 Prozent klettern und in den Folgejahren weiter steigen. Das stelle die Akzeptanz des gesamten Systems infrage.

Rückendeckung vom Kulturausschuss

Die Arbeitsministerin wird dabei vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, unterstützt. Der Staatsminister im Bundeskanzleramt hat die Mitglieder des Kulturausschusses im Bundestag schriftlich aufgefordert, für von der Leyens neues Regelwerk zu stimmen. Sonst müssten "die abgabeehrlichen Arbeitgeber für die anderen mitbezahlen. Das ist mit dem Grundsatz der Abgabengerechtigkeit nicht vereinbar", heißt es in seinem Schreiben. Neumann warnt sogar: "Ein stark steigender Abgabesatz bringt die Künstlersozialversicherung auch als solche in Gefahr." Diese sei aber "aus kultur- und sozialpolitischer Sicht von herausragender Bedeutung".

Auch die Gewerkschaften gewähren von der Leyen Rückendeckung: Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Michael Konken, bezeichnete es als nicht nachvollziehbar, dass die große Zahl der ehrlichen Abgabezahler unter den Unternehmen mitansehen müsse, dass unternehmerische Schwarzfahrer keinerlei Sanktionen zu befürchten hätten. "Die Künstlersozialkasse ist kein bürokratisches Monster, das Unternehmen drangsalieren will, sondern das soziale Rückgrat von Tausenden Künstlern und freien Journalisten."

Von der Leyen will nicht lockerlassen. Sie pocht weiter darauf, das Kontrollverfahren zu ändern. Ob es dafür im Bundestag eine Mehrheit gibt, ist offen. Die FDP ist gegen den Vorstoß der Ministerin. Am 22. April wird der Ausschuss für Arbeit und Soziales in öffentlicher Sitzung Sachverständige zu dem Gesetzentwurf anhören. Auch der Bundesrat, in dem einige Länder zunächst ihre Gesetzesinitiative für "nicht praktikabel" hielten, hat eingelenkt. Sollte die Arbeitsministerin es nicht schaffen, sich durchzusetzen, steht die Existenz der Künstlersozialkasse auf dem Spiel.

 

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Der Autor

Thomas Öchsner arbeitet in der Berliner Parlamentsredaktion Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung.

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

16.03.2014 23:18

Sabine Reinhart

Kleine Selbstständige im Text- und Grafikbereich werden von der KSK abgelehnt, weil die Inhalte ihrer Arbeit vorrangig werblich und nicht künstlerisch sind. Gleichzeitig sind aber für diese Kreativen KSK abzuführen. Das ist total ungerecht! Und dann ist die Abgabe auch noch kaskadenförmig: für den Texter, der einen Beitrag an einen Grafiker gibt, zahlt der Grafiker KSK. Kauft der Texter oder er ein passendes Foto, fällt hierfür die KSK an. Gestaltet der Grafiker aus beidem (bei bereits geleisteter KSK) eine Seite und verkauft diese an einen Zeitschriftenverlag, zahlt der Verlag nochmals KSK auf die gesamten und gesammelten Leistungen. So wird 3 bis 4 Mal KSK abgeführt. Fies finde ich, dass in den 90ern jeder Werbesepp in die KSK aufgenommen wurde, die "Prüfung" war ein Witz. Heute wird so gut wie keiner mehr aufgenommen, was eine Frechheit ist, wenn man die Listen betrachtet, für wessen Leistungen die KSK im Gegenzug Abgaben erzwingt als vermeintlich "Künstlerische Arbeit". In meinen Augen ist das Willkür. Gerne würde ich Künstlern helfen. Durch diese Zwangsabgabe und die Prüfung durch die Rentenkassen treibt man aber gegenteilig kleine Einzelunternehmungen wie mich mit nur zwei Angestellten in den Brass. Der Tipp der KSK, nur noch mit GmbHs (die sind grundsätzlich von der KSK-Zahlung befreit) zusammenzuarbeiten, schadet den ganzen feinen kleinen Selbstständigen, mit denen man als kleiner Selbstständiger so gerne zusammenarbeitet.

20.08.2013 12:13

Anonym

Ich würde am liebsten meine Auftraggeber selbst "anschwärzen", denn ich weiß, dass sie keinen Cent an die KSK zahlen und das schon über etliche Jahre. Und ich verstehe einfach nicht warum, denn es ist wahrlich ein bisher akzeptabler Prozentsatz, der den Auftraggebern nicht weh tut. Das macht mich so unglaublich wütend, dass durch uns "Freie" das Unternehmen Geld spart. Das Schlimmste aber ist, dass ICH durch mein Schweigen die Drückeberger unterstütze und somit die Krise der KSK anheize. Was soll ich tun? Anonym anzeigen und gleichzeitig das Honorar einsacken? Ein verzwickte Situation ...

22.07.2013 11:01

Grit Hasselmann

Ich war freie Journalistin, habe ein Kind bekommen und weil ich danach nicht gleich wieder genug verdient habe, hat die KSK mich rausgeschmissen. Ich musste (ohne Einkommen) immens hohe KK-Beiträge selbst zahlen und so weiter.

Was für eine Sozialkasse ist das bitte, die mich rausschmeißt, wenn ich sie nach Jahren des Zahlens zum ersten Mal brauche? Es muss bessere Lösungen geben.

22.07.2013 09:48

Robert Fishman

Guter Beitrag, es fehlt noch der dringende Hinweis auf die Petition zum Erhalt der KSK: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_06/_10/Petition_43188.mitzeichnen.html

30.05.2013 17:22

Dolores H.

Dass eine Partei wie die FDP, die nur noch im Promille-Bereich vorkommt, die Macht hat, die Existenz Tausender Künstler zu zerstören und somit den Kunst- und Kulturbetrieb insgesamt gefährdet, finde ich einen Riesenskandal! Mit der Demokratie als solche stimmt doch in Deutschland etwas nicht, mit unserem Sozialstaat ... Unser reiches Land spart hier an der falschen Stelle.

Ich möchte mir kein Leben ohne Zeitung, Theater, Musik, Galerien vorstellen, ja ohne Mode, Grafik und sogar Werbung – alles wäre trist, ohne Sinnlichkeit sinnlos! Vielleicht reicht dem FDPler sein Yachtclub, mir reicht's mit der FDP!!! Es geizen die reichen Lobbyisten, weil sie die größten Verwerter sind ... Die KSK muss gestärkt werden – die FDP muss weg!!!

20.04.2013 16:44

Maik M.

Jetzt mal andersherum. Wir bezahlen schon jahrelang die KSK-Beiträge und ich bin absolut dafür, dass alle gleich behandelt werden. Soll nun wieder der der Doofe sein, der seinen Pflichten als Unternehmer nachkommt, und die anderen sind fein raus?

Ehrlich habe ich keine Lust, nur weil wieder jemand keinen Bock zum Prüfen hat, mehr zu zahlen. Das System kennen wir ja schon von der GEZ. Eine Gebühr, die einige prellen. Auf die aktuelle Thematik dazu möchte ich nicht eingehen.

Das Thema Vermeidung von Zahlungen scheint in Deutschland auch ein heißes Thema zu sein. Kommt allerdings auch daher, dass einem für alles mögliche immer wieder EXTRA in die Taschen gelangt wird. Es wäre auch mal an der Zeit, ehrlich vom Steuerzahler abzukassieren und nicht in der Salamitaktik wie dies bisher - auch undurchsichtig - geschieht.

17.04.2013 23:21

R K

Ich finde die KSK eine sehr undurchsichtige Kostruktion.

Keiner weiß, welche Leistungen denn jetzt abgabepflichtig sind und welche nicht. Besonders seltsam ist es, dass bei einem Projekt ggf. viele Abgaben an die KSK zu leisten sind.

Folgender Fall: eine Grafikerin ist in der KSK und zahlt ihre Beiträge, beauftragt eine andere Grafikerin mitzuarbeiten und muss hierfür auch KSK Abgabe bezahlen, aber auch die beauftragte Grafikerin selber und am Ende noch der Kunde, der die Leistung verwertet. Das ist doch nicct normal? Da muss man sich doch nicht wundern, wenn sich Menschen weigern, da mitzumachen.

17.04.2013 21:16

p. r.

Es ist eine Sauerei – in der KSK sind neben den armen Journalisten übrigens auch noch Tausende Musiker und private Musiklehrer, die als hochqualifizierte Fachkräfte völlig unterbezahlt an Musikschulen unterrichten.

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Was ist das? Arbeitslosenversicherung? Was ist das? Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder irgendwelche Gratifikationen? Fehlanzeige. Die KSK bietet hier wenigstens einen kleinen Ausgleich für all die Abstriche und beruflichen Risiken, indem sie die freiberuflichen Musiklehrer versicherungstechnisch als Angestellte behandelt. Wenn diese Lehrkräfte in Zukunft ihre Beiträge vollumfänglich selbst bezahlen soll, dann werden die Musikschulsätze irgendwann steigen müssen und musische Bildung wird für Viele nicht mehr bezahlbar sein.

Ich bewundere eh schon den Idealismus meiner Kollegen an den Musikschulen. Wenn ich nicht Privatdozent wäre, der die Verwaltungskosten einer Musikschule quasi selbst mitverdient, wüsste ich gar nicht, wie ich von der Musik leben sollte.

17.04.2013 20:34

Nina Stein

Wenn man solch einen ahnungslosen Schwachsinn liest, wie den Kommentar des "nebenberuflichen Künstlers" Herrn Diekmann, dann kann man sich nur fürchten!

Zunächst einmal haben Sie als nebenberuflicher Künstler gar nichts mit der KSK zu schaffen. Die versichert nämlich selbständige Künstler im HAUPTBERUF. Allein Veranstalter, die Sie buchen (was auch immer Ihre "Kunst" sein mag), haben Abgaben an die KSK zu leisten, und das in einem wirklich überschaubaren Rahmen. Dass man Drückebergern, die sich dem Sozialsystem nicht anschließen mögen, auf die Pelle rückt, ist nur richtig.

Zweitens: Künstler sind nicht "zu blöd", um sich um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Sie tun dies, und die KSK ist eine der wenigen sinnvollen, bezahlbaren (auch für Verwerter!) und vor allem gerechten Institutionen, durch die die chronische Unterbezahlung von Kunst- und Kulturarbeit aufgefangen und wenigstens auf diesem Wege ausgeglichen wird.

Und nur mal fürs Protokoll: diese Unterbezahlung hat weder mit Qualitätsmangel noch mit "Blödheit" zu tun, sondern damit, dass bis heute in den Köpfen nicht angekommen ist, dass die Allgemeinheit sehr wohl profitiert von einer lebendigen Kulturszene.

17.04.2013 18:19

Winfried Diekmann

Warum sind eigentlich Künstler zu blöd, um sich um ihre Altersversorgung zu kümmern? So etwas ist "Diskriminierung" einer Berufgruppe und nicht Gesetzeskonform. Die Künstlersozialkasse ist ein bürokratischer Moloch und keine Glanzleistung der Sozial-liberalen Koalition. Wer das verzapft hat, sollte sich heute noch schämen! De facto handelt es sich hier um eine Steuer auf künstlerische Leistungen, die es so nur in Deutschland gibt.

Ich bin Unternehmer und Künstler (nebenberuflich) und sehe nicht ein, dass auf meine Einnahmen als Künstler KSK anfällt, obwohl ich de facto nie in den Genuss der KSK kommen kann. Gleichzeitig soll ich als Unternehmer für Leistungen von ausländischen "Künstlern" in die KSK zahlen, obwohl diese auch per Gesetz nie davon profitieren können. Die KSK gehört abgeschafft und durch eine vernünftige einfache Versicherung für hauptberufliche Künstler ersetzt.

Profis müssen die Konkurrenz der Hobbykünstler nicht fürchten, den Profis sind einfach besser, oder sollten es sein!

17.04.2013 14:15

Joachim Griebe

Seit über 9 Jahren betreibe ich ein Forum zum Thema Künstlersozialkasse (kskforum.de). Auf dem Rücken der Künstler hat man die Finanznot der KSK ausgetragen! Es ist Sabine Schlüter (ehemalige Leiterin) zu verdanken, dass vor einigen Jahren 3.660 Prüfer ENDLICH begonnen haben zu prüfen! Dass seit Einführung der KSK in den 80ern sich gerade die großen Verwerter ihrer Abgabepflicht entzogen haben, war bekannt.

17.04.2013 12:11

POM Remscheid

Vielen Dank für diese umfangreiche Information. Jetzt wird auch klar, warum die KSK so unverschämt vorgeht und auch das Sozialgericht in Düsseldorf per Beschluss einer Gaststätte, die ihren Veranstaltungsraum an Bands vermietet die Abgabepflicht per Urteil aufzwingt. Die einmalige Situation in Europa wird spätestens vor dem Europäischen Gerichtshof gestoppt.

So wie es seit ein paar Jahren gehandhabt wird – zerstört es die komplette Kulturszene in Deutschland!!!

Denn wir sind nicht mehr in der Lage diese komplette finanzielle Situation (KSK und GEMA und UST und ...) zu stemmen.

17.04.2013 09:20

Peter R.

Deutsche Sprache. Wir sind dazu da, sie zu pflegen.
Daher bitte entweder:
1) "meines Wissens sind die ..." oder
2) "meines Erachtens sind die ..." oder
3) "meiner Meinung nach sind die ..."
aber Wissens + nach = geht nicht.

16.04.2013 22:51

Frank Amrein

... wie sieht es eigentlich mit den zehntausenden von Laien-Chören und -Orchestern in Deutschland aus??? Meines Wissens nach sind die und ihre Dachverbände nämlich genau solche unternehmerische Schwarzfahrer und kümmern sich keinen Deut um die Alters- und Krankenversorgung ihrer meist sehr bescheiden bezahlten DirigentInnen!!! Aber die politische Lobby der Laienverbände ist natürlich unglaublich stark, und wir Dirigenten zu blöd, um für unsere Altersvorsorge zu kämpfen! Wenn die KSK abgeschafft wird, dann sollten alle Dirigenten für eine Weile in den Generalstreik treten, dann kann die CDU beim ihrem nächsten Neujahrsempfang oder der Bürgermeister beim Volkstrauertag ja mal alleine für musikalische Feierlichkeit sorgen!!

 
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