Detail-Informationen

Autor

Marvin Milatz und Olaf Wittrock

verfasst am

31.01.2014

im Heft

journalist 2/2014

Redaktionsumzüge

Berlin vor Hamburg – Hier arbeiten die meisten Journalisten

Ingesamt sind 70.023 Menschen in Deutschland fest als Journalisten und Redakteure angestellt. Aber wo arbeiten die meisten von ihnen? Was ist Deutschlands neue Medienhauptstadt? Und welcher Standort verliert? Der journalist hat mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit die wichtigsten Zahlen zusammengestellt.

In den vergangenen zehn Jahren hat Berlin als neues politisches und kulturelles Zentrum der
Republik von den Umzügen verschiedener Medienunternehmen profitiert – und liegt nun auf Platz eins der deutschen Medienstädte.
Das heißt aber nicht, dass immer mehr Journalisten in den großen Städten arbeiten: Die Konzentration auf die Metropolen Berlin, Hamburg, München und Köln hat sogar leicht abgenommen. Rund 70 Prozent der angestellten Journalisten und Redakteure sind anderswo aktiv. Heißt: Der Zug nach Berlin ging – jedenfalls gemessen an festen Stellen – nicht zu Lasten der Provinz. Vielmehr stehen die großen Städte hier untereinander im Wettstreit.

Die Zahl der fest angestellten Journalisten – bis zum Jahr 2011 statistisch in der Gruppe der Publizisten geführt – ist in den ver­gangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Von 60.292 im Jahr 2004 auf 70.023 Mitte 2013. Und das, obwohl die Arbeits­agentur die Berufsgruppe vor drei Jahren um PR-Kräfte, Autoren und Lektoren bereinigt hat. Von 2013 an erfassen die Daten nun ausschließlich Redakteure und Journalisten. Nach alter Zählung wäre die Zahl also noch höher.

Im Jahr 2011 hat Berlin Hamburg als Hauptstadt der Journalisten abgelöst. Erstmals haben mehr fest angestellte Publizisten an der Spree gearbeitet als an der Elbe. In Berlin kamen – nicht zuletzt durch den Umzug von dpa und der Bild-Gruppe – allein in den vergangenen sechs Jahren mehr als 1.000 Stellen hinzu. Die nächsten Umzügler – wie die Kultur- und Politik­redaktion des Nach­richtenmagazins Focus – sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Das Ende der Financial Times Deutschland, der Wegzug von Bild und dpa – Hamburg als Medienstadt leidet. Immerhin will Gruner+Jahr den Standort wieder auf­werten, indem der Verlag seine Magazinredak­tionen aus München abzieht. Dass tatsäch­lich alle in München wegfallenden Stellen in Hamburg neu besetzt werden – damit ist eher nicht zu rechnen.

Auch in München wird die Zahl der fest an­gestellten Journalisten wohl wieder sinken. Nicht zuletzt durch den Wegzug der Gruner+Jahr-Magazine und eines Teils der Focus-Redaktion. Immerhin konnte die bayerische Landeshauptstadt durch den Zuzug von Sat.1 aus Berlin ihren Rang halten: Mit 5.000 angestellten Journalisten ist der Standort bislang drittgrößte Medienstadt in Deutschland. Das könnte sich schon dieses Jahr ändern ...

... Unter den vier größten Städten hält allein Köln dem Sog in die Hauptstadt stand. Hier wächst die Zahl der Redakteure seit Jahren – zumindest seit dem Weggang der Deutschen Welle nach Bonn 2003. Im Vergleich zum Jahr 2006 kamen bis zum vergangenen Jahr fast 1.500 Stellen dazu. Die Stadt kann sich dabei offenbar auf die Zugkraft von WDR und RTL verlassen, die den Standort nie ernsthaft infrage stellten.

Update, 5. Februar 2014

Die Übersicht über fest angestellte Journalisten in deutschen Städten wurde um Stuttgart (2.954 fest angestellte Journalisten) und Mainz (2.450) ergänzt.

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Medienkonzerne im ganzen Land ziehen ihre Kräfte zusammen und verlagern ihren Sitz teils quer durch die Republik. Was die Umzüge bringen sollen – und was der Sog der Hauptstadt für die Journalisten in der Provinz bedeutet, lesen Sie in der Februar-Ausgabe des journalists.

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Titelthema: Das große Kistenpacken. Wo in Deutschland die meisten Journalisten arbeiten

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