Detail-Informationen

Autor

Jakob Schulz

verfasst am

03.07.2014

im Heft

journalist 7/2014

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"Guys, big news!" So verkündete Juliane Lepold bei Twitter, dass sie ab September für Buzzfeed Deutschland arbeiten wird. (Bild: journalist)

Buzzfeed Deutschland

Start wird konkret

Den September können sich deutsche Verlagsmanager rot anstreichen. Dann startet Buzzfeed seinen Ableger in Deutschland. Die erste Mitarbeiterin ist nun bekannt, unklar bleibt, wer Chefredakteur wird.

Allein die Vorstellung dürfte für Generationen von Journalisten bizarr geklungen haben. Warum sollte jemand einen Job beim renommierten Zeit-Verlag aufgeben, um zu einem Start-up mit vier Mitarbeitern zu wechseln? Einem Projekt dazu, das in der Branche zuweilen als "Totengräber des Journalismus" gehandelt wird? Dutzende Twitter-Nutzer zumindest schienen den Gedanken nachvollziehen zu können. "Gratulation!", "Sehr geil" und "wuhuuuu!" kommentierten sie, nachdem Juliane Leopold verkündet hatte, statt bei Zeit Online ab September für Buzzfeed Deutschland zu arbeiten.

Nicht nur mit Artikeln in Listenform hat Buzzfeed.com den Geschmack der Generation Smartphone gefunden. Mit 400 Mitarbeitern auf fünf Kontinenten erreicht das Portal nach eigenen Angaben bereits 130 Millionen Nutzer weltweit. Mehr als 150 der Mitarbeiter sind Journalisten, sie berichten mittlerweile nicht nur aus New York, sondern auch aus Syrien, Ägypten und der Ukraine.

Juliane Leopold ist die erste Mitarbeiterin, die aus dem Gründungsteam von Buzzfeed Deutschland bekannt wird. Nach dem Publizistik-Studium arbeitete sie zunächst für local.ch und die Neue Zürcher Zeitung. Wolfgang Blau holte sie zu Zeit Online, seit 2012 ist sie dort Social-Media-Redakteurin. "Ich sehe den Wechsel zu Buzzfeed als großartige Gelegenheit, eine internationale Nachrichtenorganisation kennenzulernen und meinen Erfahrungsschatz zu erweitern", sagte Leopold dem journalist.

Von der Zeit zum Start-up

Dass Redakteure einen Wechsel von der Zeit zu einem Start-up heute nicht als Abstieg, sondern als Karrieresprung begreifen, zeigt, wie sehr sich die Gewichte in der Medienbranche verschoben haben. Auch dass Leopold von Buzzfeed als einer Nachrichtenorganisation spricht, ist bezeichnend für das Selbstverständnis des Portals. Zwar sagte Buzzfeed-Vize Scott Lamb dem journalist, dass sich die deutsche Ausgabe mit einem kleinen Team von drei oder vier Mitarbeitern zunächst auf Social News und Übersetzungen konzentrieren werde. "Wir wollen eine Leserschaft aufbauen und herausfinden, welche Inhalte deutsche Nutzer gerne teilen." Auch Anzeigen wolle man zunächst außen vor lassen. Doch man braucht nicht viel Fantasie, um sich eine professionelle Nachrichtenredaktion, wie sie Buzzfeed schon heute in New York hat, langfristig auch in Berlin vorzustellen.

Um die Vorlieben der deutschen Nutzer zu ergründen, dürfte Scott Lamb mit Leopold eine kluge Wahl getroffen haben. Die 31-Jährige ist eine der lauteren Netzgestalten, die bei Debatten in- und außerhalb der Medienszene mitstreitet.

Unklar ist, wer die deutsche Dependance leiten wird. Es soll bereits eine erste Einigung gegeben haben, ein Vertrag war Ende Juni aber noch nicht unterschrieben. Buzzfeed-Vize Scott Lamb wollte das nicht kommentieren. Er sagt: "Wir haben unseren Deutschland-Chefredakteur noch nicht eingestellt."

Die Juli-Ausgabe des journalists ist erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

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