Detail-Informationen

Autor

Peer Schader

verfasst am

13.09.2010

im Heft

journalist 9/2010

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Erlaubt? Verboten? Die Zusammenarbeit zwischen Automobilfirmen und der ZDF-Sendung Wetten, dass ..? bleibt undurchsichtig. (Bild: dpp/Ronald Wittek)

ZDF-Kooperationen

Der "Partner" zahlt

Audi investiert Millionen, um seine Autos bei der ZDF-Sendung Wetten, dass ..? einem großen Publikum präsentieren zu können. Product Placement sei das nicht, behauptet das ZDF. Aber was ist es dann?

Manchmal ist nicht ganz klar, wo beim ZDF die größere Kreativitätsleistung erbracht wird. Bei der Entwicklung neuer Programmideen – oder doch eher beim Verschachteln undurchsichtiger Kooperationen mit Partnern aus der Industrie? Das beste Beispiel dafür ist Wetten, dass ..?. Seit Jahren werden Autos verlost oder verschenkt, die Moderator Thomas Gottschalk in der Unterhaltungssendung vorstellt. Eine Zeit lang war Mercedes "Automobilpartner", derzeit ist Audi am Zug. Der Rundfunkstaatsvertrag definiert so etwas als Beistellung (siehe journalist 8/2010). Eine Beistellung ist zulässig, sofern ein Unternehmen, das eines seiner Produkte für ein Gewinnspiel zur Verfügung stellt, nicht dafür bezahlt. Soweit die Theorie. 

Dass ausgerechnet Audi schon seit Jahren in Wetten, dass ..? vorfahren darf, ist unübersehbar – und für den Hersteller von großem Vorteil, da er seine Modelle in der Sendung vor Millionen Zuschauern präsentiert. Informationen des journalists zufolge zahlt Audi für die Kooperation mit Wetten, dass ..? 1,8 Millionen Euro für zwei Staffeln. Abgewickelt wird der Deal über die Firma Dolce Media, die Thomas Gottschalk und seinem Bruder Christoph gehört, der auch die Geschäftsführung innehat. Laut Definition des 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrags ist eine Kooperation, bei der es um Bildschirmpräsenz geht und für die das Unternehmen bezahlt, Product Placement. Und seit Inkrafttreten dieses Staatsvertrags im April ist Product Placement öffentlich-rechtlichen Sendern grundsätzlich verboten. 

Das ZDF bestreitet einen derartigen Zusammenhang. ZDF-Sprecher Walter Kehr teilt verschwurbelt mit: "Dolce Media ermöglicht es weder Audi noch anderen Unternehmen, gegen Geldzahlungen als Gewinnspielpartner in Wetten, dass ..? eingebunden zu werden." Es sei lediglich so, dass die ZDF-Tochterfirma ZDF Enterprises an "Erlösen aus der Markennutzung" der Sendung beteiligt sei: "Dolce Media hat entsprechende Lizenzen erworben." 

Bei der Münchner Firma mag man sich auf Anfrage des journalists nicht zu der Kooperation äußern und verweist auf das ZDF. Dass der Mainzer Sender auch zu Angelegenheiten Stellung nimmt, die unmittelbar die Geschäfte von Dolce Media betreffen, scheint in München selbstverständlich zu sein. Und so erklärt tatsächlich ZDF-Sprecher Kehr, unter welchen Voraussetzungen Dolce Media mit Audi kooperiert: "Audi zahlt ausschließlich für Lizenzen, für umfangreiche Medien- und Beratungsleistungen in den Bereichen Print und Online, für die Einräumung der Persönlichkeitsrechte von Thomas und Christoph Gottschalk, für Events und Event-Organisationen sowie für Werbemaßnahmen im Rahmen ausländischer TV-Produktionen." Um welche Leistungen es sich dabei handelt, wird nicht näher erläutert. 

Dolce Media meldet sich auf die Bitte um Konkretisierung gar nicht mehr. Bei Audi ruft Bastian Kaltofen,  Leiter Messen, Veranstaltungen und Sportvermarktung, zurück und erklärt: "Aus Wettbewerbsgründen möchten wir dazu keine Aussage machen." 

So bleibt offen, um welche "Eventorganisationen" es geht und was genau "Werbemaßnahmen" für welche "ausländischen TV-Produktionen" sind. Im Internet sind zumindest Spuren der Zusammenarbeit zu finden: Wer wetten-dass.de in seinen Browser eingibt, gelangt auf eine Vorschaltseite, auf der das ZDF Nutzern die Möglichkeit zur Auswahl gibt: Ein Link führt zu Sendungsinhalten auf zdf.de, ein anderer zu wetten-dass.com, wo unter anderem Audi seine Produkte in einer "Promotion" vorstellen darf. Als Herausgeber der Seite wird Dolce Media ausgewiesen, der Betrieb erfolgt bei Bauer Digital, einer Tochter des Hamburger Bauer-Verlags, in dem auch TV Movie erscheint. Der Programmzeitschrift liegt regelmäßig das gedruckte Wetten-dass..?-Magazin bei. 

Eigentlich geht die Automobilbranche relativ offen mit Kooperationen um, die mit Sendern oder Filmproduzenten geschlossen werden. International gehören die Hersteller zu den Vorreitern bei Product Placement, vor  allem in Kinofilmen. Selbst offenherzige Gespräche verstummen allerdings, sobald man sich nach Dolce Media und Wetten, dass ..? erkundigt – auch bei denen, die derzeit nicht mit ihren Modellen in der Sendung vertreten sind. 

Alles sieht danach aus, dass Dolce Media fürs ZDF das erledigt, was der Sender nicht darf. In einem Interview mit dem Focus vor sechs Jahren äußerten sich die Brüder Gottschalk sehr deutlich zu den Kooperationen. Auf die Frage, was genau die Geschäftsidee für die Firma Dolce Media gewesen sei, antwortete Thomas Gottschalk damals: "Es lag nahe, sich um die Vermarktung von Wetten, dass ..? zu kümmern. (...) Mein Bruder hat sich dann mit dem ZDF zusammengesetzt und Partner gesucht. Ich komme ja aus einer Zeit, in der das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Sendungen, die es produziert hat, auch noch bezahlen konnte. Heute sagt der Sender schon mal, diesen Gast können wir uns nicht leisten, dieses Bühnenbild ist uns zu teuer. Deshalb muss es neue Ideen zur Finanzierung geben. (...) Was mit Gebühren nicht mehr zu finanzieren ist, fällt eben weg, oder es müssen Sponsoren ran." Ob und wie Einnahmen aus Wetten, dass ..?-Partnerschaften direkt der Sendung zugute kommen, beantwortet das ZDF nicht. 

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