Detail-Informationen

Autor

Lars Radau

verfasst am

05.01.2015

im Heft

journalist 1/2015

Link zum Thema

  • 5. Januar 2015: Medium.com: We are building an accelerator to wake media industry from it's innovation freeze weiter
Bild: Screenshot

dpa-infocom

Loslegen, ausprobieren, scheitern dürfen

Jetzt ist es offiziell: dpa-infocom wird im Frühjahr eine Art Trainingscamp für Medien-Start-ups gründen. Mit im Boot sind mehrere Verlage.

Meinolf Ellers ist noch etwas zurückhaltend. Zu tief will sich der Geschäftsführer der dpa-infocom noch nicht in die Karten schauen lassen. Etliche Details würden möglicherweise erst im Februar geklärt. Oder auch später. Doch grundsätzlich, bestätigt Ellers dem journalist, sei die Tochter der altehrwürdigen Deutschen Presse-Agentur (dpa) seit geraumer Zeit dabei, eine Art Brutkasten für Medien-Start-ups aufzubauen: den next media accelerator. Die dort entwickelten Ideen, so hofft Ellers, könnten für die traditionellen Medien Werkzeuge liefern, mit den Herausforderungen des digitalen Geschäfts klarzukommen. Gewissermaßen "Schraubenschlüssel für das Neuland".

Das Konzept klingt nach betreutem Trainingscamp: Über mehrere Monate sollen die Start-ups ein Rundum-sorglos-Paket mit Büroräumen, Mentoren und einer Summe X für die Anschubfinanzierung zur Verfügung gestellt bekommen. Erstes Ziel: Die Ideen sollen sich "primär um Inhalte" drehen und möglichst flott marktreif sein. Zweites Ziel – und eher Bedingung: Die Ergebnisse sollten für klassische Medienhäuser unkompliziert nutzbar sein.

Eines von Ellers' Vorbildern ist der Accelerator Matter.vc aus San Francisco. Dort gibt es 50.000 Dollar und fünf Monate Zeit für die Start-ups. Wie die Konditionen im dpa-Brutkasten sein werden, der höchstwahrscheinlich in einem Gründerzentrum am Hamburger Hafenrand angesiedelt wird, ist noch nicht endgültig festgezurrt. Das hängt auch damit zusammen, dass dpa-infocom das Projekt nicht allein stemmen wird. Mit im Boot sind mehrere Verlage, die ohnehin schon Kunden und Gesellschafter von dpa sind. Sie sollen sich vor allem finanziell beteiligen, sagt Ellers. Die dpa wolle ihr "großes Netzwerk" einbringen, die Verlage liefern neben dem Geld auch wertvolle Marktzugänge.

"definitiv noch im ersten Quartal 2015"

All dies soll dazu beitragen, dass die Start-ups schnell eine "gewisse Flughöhe" erreichen. Wann und wie genau die ersten Teams ins komfortabel vorbereitete Nest einziehen können, ist noch offen. Festlegen lässt sich Ellers nur auf die Aussage, dass der dpa-Accelerator "definitiv noch im ersten Quartal 2015" starten soll.

Während die Start-ups ganz bewusst "einfach mal loslegen und ausprobieren" und dabei auch scheitern dürfen sollen, ist Ellers überzeugt, dass der infocom-Brutkasten ein Erfolgsmodell sein wird. Ellers, mittlerweile fast 15 Jahre bei infocom, hat oft genug erlebt, dass der klassische Werkzeugkasten der Zeitungsverlage an seine Grenzen stößt. Nicht von ungefähr setzt infocom auch jenseits des Accelerator-Projekts auf Vernetzung. Wenn aus dem Brutkasten funktionierende Geschäftsideen entstehen, kann das letztlich der gesamten Branche zugutekommen – unabhängig von sonst gern gepflegtem Konkurrenzdenken.

Möglicherweise fühlt sich Ellers bei dem gesamten Projekt auch ein kleines Stück an seine eigene Vergangenheit erinnert: Die infocom, die der 53-Jährige mitgründete, startete gewissermaßen auch im warmen Bauch der Mutter dpa. Aus einem automatisierten Nachrichten-Ticker für Verlagswebseiten wuchs eine Agentur in der Agentur – spezialisiert auf digitale journalistische und technische Dienstleistungen. Und demnächst auf Brutkästen für digitale Geschäftsideen.

Die Januar-Ausgabe des journalists ist erschienen. Hier geht es zum E-Paper.

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