Detail-Informationen

Autor

Peer Schader

verfasst am

13.04.2011

im Heft

journalist 4/2011

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Bild: SWR/Frank Eidel

Der ARD-Digitalsender Einsplus muss weiter ohne Einsfestival auskommen.

ARD-Digitalkanäle

Einsplus wagt Neuanfang

Nach der gescheiterten Fusion der ARD-Digitalkanäle wagt der SWR einen ungewissen Spagat zwischen Service- und Jugendkanal.

Die Fusion ist abgesagt. Ende des vergangenen Jahres gingen die Redaktionen der beiden Digitalsender Einsplus und Einsfestival noch fest davon aus, sich bald mit einem gemeinsamen Kanal um junge Zuschauer bemühen zu können (journalist 11/2010). Nun ist die Zusammenlegung überraschend abgeblasen worden, weil sich die federführenden Sender WDR und SWR nicht auf eine Zielgruppenfokussierung einigen konnten. Einsfestival soll vom WDR zur Internationalen Funkausstellung relauncht werden und einen neuen Namen bekommen, geboten werden weiterhin Kultur und Unterhaltung für 30- bis 50-jährige Zuschauer. Doch was wird aus Einsplus?

Der Sender ist per Staatsvertrag als "Fernsehprogramm mit Servicecharakter" festgelegt, das "grundsätzliches Wissen über wissenschaftliche, gesellschaftliche und ökonomische Zusammenhänge" vermittelt. Das wurde bisher – zumindest ansatzweise – mit Eigenentwicklungen wie in.puncto oder Es geht um mein Leben geleistet. Jetzt sollen offensichtlich auch deutlich jüngere Zuschauer angesprochen werden, vor allem 14- bis 29-Jährige. Das zumindest legt eine Kooperation mit den Kollegen vom SWR-Hörfunk (Das Ding, SWR3) nahe, die in einer Arbeitsgemeinschaft mit den Redakteuren von Einsplus Programmkonzepte entwickeln sollen. Intern ist von Ambitionen des Hörfunks die Rede, innerhalb des Senders intensiver in die Bewegtbildproduktion einbezogen zu werden.

"Der SWR will sich sehr viel stärker bimedial und trimedial ausrichten. Daher kommt der gemeinsame Impuls aus der Fernseh- und der Hörfunkdirektion, ausgehend von bisherigen gemeinsamen Projekten die Zusammenarbeit zu stärken und eine Formatwerkstatt zu gründen", sagt Sylvia Storz, stellvertretende Fernsehdirektorin des SWR. "Wir führen die Gruppen, die im SWR an jungen Formaten arbeiten, zusammen." Dabei soll auch über fernsehähnliche Formate im Netz diskutiert werden.

Spekulationen, auf diese Weise werde eigenmächtig der von SWR-Intendant Peter Boudgoust geforderte ARD-Jugendkanal vorbereitet, weist Storz zurück. "Wir haben weder die Absicht noch die Möglichkeit, Einsplus als Programmfläche wesentlich zu verändern. Es wird einzelne Sendeplätze geben, die für ein junges Publikum zur Verfügung stehen. Aber man kann deswegen nicht von einem Jugendkanal reden." Das würde auch deutlich über die erlaubten "Service-, Ratgeber- und Wissensformate" hinausgehen, die als Einsplus-Schwerpunkte von der Medienpolitik genehmigt wurden. Nach einer klaren Strategie für seinen Digitalsender scheint der SWR jedenfalls immer noch zu suchen. Ein Mischprogramm mit Inhalten fürs ganz junge Publikum und den im Staatsvertrag selbst bestimmten Themen "Erziehung, Tiere und Natur, Umwelt und Energie, Kochen" sowie "Werte-, Glaubens- und Lebensberatung" ist nämlich zunächst einmal eins: kurios.

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