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Autor

Lisa Srikiow

verfasst am

07.02.2012

im Heft

journalist 2/2012

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Eurovision Song Contest

Alle Augen auf Baku

Im Mai wird der 57. Eurovision Song Contest ausgetragen. Ort des Spektakels ist das autoritär regierte Aserbaidschan. Wie bereiten sich deutsche Journalisten vor?

221 Punkte brachten Ell und Nikki den Sieg. Platz eins für Aserbaidschan. So war es beim Eurovision Song Contest (ESC) 2011. In Sachen Pressefreiheit rangiert das zentralasiatische Land jedoch auf Platz 162. Reporter ohne Grenzen listet Aserbaidschan noch hinter dem Irak und Afghanistan.

Um das negative Image abzustreifen, investiert die Regierung viel. Angeblich will das durch Erdöl reich gewordene Land eine Milliarde Euro für den ESC ausgeben, der diesmal in Aserbaidschans Hauptstadt Baku gastiert. Aserbaidschan als würdiger Gastgeber – das sollen die Medien nach dem Willen des Regimes abbilden.

Wie bereiten sich deutsche Journalisten auf Baku vor? Jan Feddersen berichtet seit vielen Jahren für die taz und den NDR über den ESC. Von einem Boykott der Veranstaltung, wie er teils in der Politik gefordert wurde, hält Feddersen nichts. "Aserbaidschan hat die Teilnahme am ESC immer sehr ernst genommen. Warum sollte man ihnen die Gastgeberrolle verwehren – zumal alle, die nach Baku fahren, besonders empfindsam auf Menschenrechtsprobleme reagieren werden." Der Wettbewerb sei "immer schon politisch" gewesen. Feddersen setzt auf Entspannungspolitik, verbittet sich aber jede Einflussnahme. "Wenn ich in Baku etwas zu kritisieren habe, werde ich das auch tun."

Die Vorwürfe von Amnesty International und anderen Organisationen gegen Aserbaidschan wiegen schwer: Journalisten und Menschenrechtler würden unterdrückt. Demonstrationen seien verboten und auch Homosexuelle müssten Repressalien fürchten.

Dass die Arbeit ausländischer Journalisten ernsthaft eingeschränkt werden könnte, glaubt der aserbaidschanische Aktivist Rasul Cafarov nicht. Cafarov leitet die Kampagne Sing for Democracy, die anlässlich des ESC ins Leben gerufen wurde. Für ihn ist der ESC eine der seltenen Chancen, die Aufmerksamkeit der Medien zu nutzen. "Die Regierung wird unter internationaler Beobachtung stehen, sie darf sich keine Fehler erlauben", sagt Cafarov. "Gerade deshalb hoffen wir, dass die Journalisten genau hinschauen und über die Missstände in Aserbaidschan berichten."

Hohe Erwartungen an Journalisten, die vor allem wegen der Unterhaltung anreisen. Auch Medienblogger Lukas Heinser wird nach Baku fahren. Bereits aus Oslo und Düsseldorf hat er vom ESC berichtet. Für ihn ist in erster Linie die Veranstaltung – nicht der Ort – die Geschichte. "Der Eurovision Song Contest ist immer ein Paralleluniversum. Düsseldorf war für zwei Wochen nicht Teil Deutschlands, sondern gehörte zu dem glitzernden ESC-Raumschiff. Ich denke, in Baku wird es ähnlich." Trotzdem will er Kritik nicht ausklammern. "Menschenrechte waren von Anfang an ein Thema. Viele ESC-Fans sind homosexuell. Die möchten natürlich wissen, was sie dort erwartet." Er werde stets im Hinterkopf haben, dass Aserbaidschan kein freies Land ist. "Meinem Blog wird man das aber nicht immer anmerken."

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