
Seit einem Monat auf Sendung: FAN-TV-Gesellschafter Georg Mahn (l.) und Kay Zimmer.
FAN TV
Schuhversand finanziert TV-Sender
Beim niedersächsischen Lokalsender FAN TV setzen die Gründer auf heimatnahe Berichterstattung, professionelle Arbeitsteilung und ein ungewöhnliches Geschäftsmodell.
Hört man den Verantwortlichen zu, dann könnte man meinen, sie machen eine Regionalzeitung. "Wir sind heimatnah, dicht dran an den Menschen", sagt der Chefredakteur und Geschäftsführer des Fernsehsenders FAN TV, Georg Mahn, im Gespräch mit dem journalist. Dazu gehöre auch, dass der Sender über Vereine am Ort berichtet, über Lokalsport und Politik. Denkbar sei künftig etwa auch eine Reportage über ein Krankenhaus im Sendegebiet.
Möglich wurde FAN TV – die Abkürzung steht für Fernsehen aus Niedersachsen – erst durch eine Änderung des niedersächsischen Mediengesetzes. Seit 2011 erlaubt es werbefinanziertes lokales und regionales TV. Dass diese Möglichkeit irgendwann kommen würde, ist laut Mahn absehbar gewesen: "Wir haben den Sender acht Jahre lang geplant", so der Chef.
Wichtig ist dem ausgebildeten Fernsehjournalisten professionelles Arbeiten. Der Sender setzt dabei auf Arbeitsteilung, Videojournalisten setzt Mahn aus Überzeugung nicht ein. Bei FAN TV gehen Zweierteams raus, um einen Beitrag zu drehen, den anschließend Cutter in Form bringen.
Die Gründer von FAN TV hielten nichts davon, Kredite aufzunehmen oder sich einen finanzstarken Partner zu suchen. Um ihren Sender zu finanzieren, machten sie zuerst einen Internetshop für Schuhe in Übergröße auf. Dieses Geschäft läuft seit einigen Jahren so gut, dass sich das Programm damit aktuell finanzieren lässt. "Wir wollten den Sender über ein starkes Unternehmen schuldenfrei aufbauen", so Georg Mahn. FAN TV ist der einzige der niedersächsischen Privatsender, der nicht an einen größeren Zeitungsverlag gebunden ist.
Das Konzept ist ungewöhnlich, hat aber Chancen auf Erfolg. Dieser Ansicht ist zumindest Branchenkenner Andre Zalbertus, der die Lokalsenderkette Center.tv entwickelt hat. "Ich finde die Idee nicht schlecht", sagte Zalbertus dem journalist. Einen Vorteil sehe er in den "schlanken Wegen", die sich durch das Finanzierungskonzept ergeben und die es dem Geschäftsführer ermöglichen, Entscheidungen zu treffen, ohne einen Geldgeber fragen zu müssen. Ein weiterer Vorteil sei das Internet-Know-how durch den Onlineshop. "Das setzt den Sender von vielen anderen ab", so Zalbertus.
Natürlich soll FAN TV irgendwann Geld abwerfen. "Ziel ist, dass sich der Sender durch Werbung von außen finanziert", sagt Mahn, der auch schon mal zwei Jahre bei Center.tv Bremen gearbeitet hat. Bislang ist auf FAN TV jedoch vor allem Werbung für den hauseigenen Schuhversand zu sehen. Derzeit beschäftigt der Sender 22 Mitarbeiter: zehn in der Redaktion, zehn in der Technik und zwei im Vertrieb. Das Programm ist über Kabel im Nordosten Niedersachsens und übers Internet zu empfangen.
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