Detail-Informationen

Autor

Ferry Batzoglou

verfasst am

12.04.2012

im Heft

journalist 4/2012

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Ob ein Bild-Artikel tatsächlich einen "gezielten Angriff" auf den griechischen Politiker Alexis Tsipras darstellt, soll das Landgericht Athen entscheiden.
Bild: journalist

Griechenland

Die 1-Million-Euro-Klage gegen Bild

Der griechische Politiker Alexis Tsipras will gegen einen Bild-Artikel und dessen Autor vorgehen. Er fühlt sich verleumdet und beschimpft.

"Kommunisten, Judenhasser, Halb-Kriminelle. Regieren diese Radikalen bald Griechenland?" Unter diesem Titel erschien am 16. Februar auf bild.de ein Artikel zur schwelenden Griechenland-Krise. Der Beitrag, den Bild-Reporter Paul Ronzheimer geschrieben hat, geht mit Blick auf die für Ende April anvisierten Neuwahlen ausführlich auf die politische Lage in dem krisengebeutelten Land ein.

Der Verfasser beschäftigt sich dabei unter anderem mit Alexis Tsipras, dem Parteiführer der im griechischen Parlament vertretenen Linksallianz Syriza: "Alexis Tsipras sympathisiert offen mit gewalttätigen Anarchisten. Ihm wird vorgeworfen, selbst Mitglied zu sein und die Gruppe zu finanzieren. Zuletzt hatten Chaoten am Sonntag mehr als 40 Häuser in Brand gesteckt. Athen stand in Flammen."

Der 37-jährige Parlamentsabgeordnete und Fraktionsführer von Syriza hat nun vor dem Landgericht Athen eine Klage gegen Bild, bild.de sowie Autor Paul Ronzheimer eingereicht. Die Zuständigkeit des Landgerichts Athen sei gegeben, denn: Bild ist in Griechenland erhältlich, bild.de öffentlich zugänglich.

In der Klageschrift vom 6. März, die dem journalist vorliegt, heißt es, bereits der Titel des Artikels sei "provokativ" und "brandstiftend". Die in einem "extrem verleumderischen Ton" über Tsipras und Syriza gehaltenen Ausführungen würden den Kläger "als Menschen, Abgeordneten, Präsidenten und Fraktionsführer von Syriza beleidigen". Der Beitrag stelle einen "gezielten Angriff" dar.

Wegen der "illegalen Beleidigung seiner Persönlichkeit, verleumderischen Diffamierung und Beschimpfung" seien der Klageschrift zufolge Bild sowie Ronzheimer zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro zu verurteilen. Werde die Geldstrafe nicht beglichen, sei gegen den Autor eine Haftstrafe von einem Jahr zu verhängen. Außerdem, so die Forderung, sei eine Zusammenfassung des Urteils in Bild und auf bild.de zu veröffentlichen.

Fest steht: In der griechischen Gesetzgebung genießt der Schutz in der Öffentlichkeit stehender Personen vor verleumderischen und ehrabschneidenden Medienberichten eine hohe Bedeutung. Es drohen drakonische Geldstrafen – eine Obergrenze existiert nicht. Und: Die Urteile können in Deutschland zwangsvollstreckt werden. Für in Griechenland verhängte Gefängnisstrafen gilt: Sie sind per Rechtshilfeersuchen auch in Deutschland zu verbüßen.

Tspiras erfreut sich im südeuropäischen Krisenland hoher Popularität. Auf journalist-Anfrage teilte der Politiker mit: "Der Pressekodex und die Verantwortlichkeit setzen von alleine Grenzen fest. Diese hat Bild überschritten. Derartige Presseberichte schaffen ein Klima der Feindseligkeit zwischen dem deutschen und dem griechischen Volk."

Zwei Punkte sind juristisch noch strittig: Hat der Kläger in seiner Klageschrift formal den richtigen Beklagten angegeben? Und erschien der Artikel überhaupt in der gedruckten Griechenland-Ausgabe von Bild?

Weder Ronzheimer noch Springer wollten sich zu der Klage äußern. Bild-Sprecher Tobias Fröhlich verwies darauf, dass die Klage den Verlag noch nicht erreicht habe.

 

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

13.11.2015 10:35

Andreas Meyer

Soeben ist eine Studie der Otto Brenner Stiftung erschienen (http://bit.ly/1HM5LF3). A propos, wie ist der aktuelle Stand der Klage? Ich befürchte, dass die Klage nie eingereicht wurde ...

08.04.2015 12:30

Gisela Füger

Diese Klage gegen "Bild" unterstütze ich! Bild war für mich und meine große deutsche Familie schon immer ein Blatt, das wir weder kaufen noch, wenn es dann nötig war, nur mit spitzen Fingern anfassen und dann in den Müll werfen!

06.04.2015 11:17

Christina Papadopoulou

Ich finde es richtig, dass Griechenland bzw. der Ministerpräsident gegen Bild vorgehen. Ich als Griechin sage "Schluss mit der Hetze und der Verleumdung. Schlussmit den Lügen".

05.04.2015 20:39

Dietmar Zieger

Das hätte Griechenland schon vor einiger Zeit tun müssen. Den unerträglichen Hetzkampagnen muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Das hat mit Journalismus nix mehr zu tun.

 
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