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Autor

Jannis Papadimitriou

verfasst am

27.09.2011

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60 Millionen Euro will Griechenland im kommenden Jahr bei den staatlichen Medien einsparen.

Griechenland

Vetternwirtschaft und Hofjournalismus

Griechenland tritt auch bei den staatlichen Medien auf die Kostenbremse. Neben dem TV-Programm ET1 trifft es Radioprogramme und Digitalsender. Während die Mitarbeiter zum Streiken auf die Straße gehen, bleiben die Griechen relativ gelassen.

Griechenland spart an allen Ecken und Kanten. Auch die staatlichen Medien werden dabei nicht verschont. Allein von der Schließung des ersten TV-Programms ET1 verspricht sich die Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou im kommenden Jahr eine Kostenersparnis von mehr als 60 Millionen Euro. Unter Spardruck gerät auch der Rest der staatlichen ERT-Familie: Zwei digitale Spartensender schrumpfen, regionale Radiosender fallen dem Rotstift zum Opfer, und auch die defizitäre Programmzeitschrift Radiotileorasi soll nach 43 Jahren eingestellt werden.

Der für Medien zuständige Minister Elias Mossialos hat deutlich zu verstehen gegeben, dass er eine Personalkürzung von mindestens zehn Prozent beabsichtigt. Kündigungen sind nicht zulässig, aber Hunderte von ERT-Arbeitnehmern werden sich mit Abschlägen in den Vorruhestand verabschieden müssen, und so manch befristeter Vertrag wird nicht mehr verlängert. Geschätzt 3.000 Festangestellte arbeiten heute für die ERT-Gruppe, davon 700 bei ET1. 

Die Gewerkschaften warnen vor Sparmaßnahmen zulasten der Beschäftigten und rufen zum Streik auf. Einen Vorgeschmack erhielten Medienpolitiker Mitte September während einer Parlamentsdebatte über die Schließung von ET1. An diesem Tag kamen zahlreiche ERT-Beschäftigte vor dem Parlament zusammen und lieferten sich ein Handgemenge mit der Polizei; vier Menschen wurden leicht verletzt. Seitdem geht der Streik weiter – in der Regel für fünf bis sechs Stunden pro Streiktag. Vergangenen Sonntag wurden die Abendnachrichten von demonstrierenden Studenten unterbrochen, die das Live-Studio stürmten, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. 

Dabei haben die Streikenden ein Problem: Sie können kaum auf die Unterstützung der Bevölkerung zählen, denn in den Augen vieler Griechen gilt die staatliche Senderfamilie als Inbegriff der Vetternwirtschaft und des Hofjournalismus. Parteibücher und Beziehungen scheinen bei ET1 wichtiger zu sein als fachliche Qualifikation – ganz zu schweigen von den Gerüchten über unlautere Geschäfte einiger Journalisten mit dem Staat. Besonders deutlich zeigt sich die Abhängigkeit nach Regierungswechseln: Dann werden nicht nur die obersten TV-Chefs, sondern auch Vorstandsmitglieder, Berater, Politikjournalisten und Nachrichtenmoderatoren ausgewechselt – oder es kommen auserwählte Neue dazu.

Kein Wunder, dass Staatsmedien in Griechenland nur bedingt als glaubwürdige Informationsquelle wahrgenommen werden. Hoch geschätzt wird hingegen ihre Bereitschaft, Künstlern und Intellektuellen eine Bühne zu geben, die im Trash-TV des privaten Rundfunks keine Chance hätten – erst recht nicht in Zeiten einer Wirtschaftskrise, die den griechischen TV-Werbemarkt um bis zu 40 Prozent schrumpfen lässt.

Daraus hat ET1 längst die Konsequenzen gezogen. Seit zwei Jahren laufen dort keine Nachrichten mehr, sondern vor allem Kultur- und Kindersendungen. Dazu kommen ausgewählte Filmklassiker und Live-Sportübertragungen – wie neulich die Basketball-EM in Litauen. Dennoch: Auch 2011 wird sich ET1 wohl mit einer bescheidenen Einschaltquote von drei bis vier Prozent zufriedengeben müssen. Einen Stichtag für die Schließung von ET1 gibt es noch nicht.

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