Detail-Informationen

Autor

Monika Lungmus

verfasst am

25.02.2011

im Heft

journalist 3/2011

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Programmumbau bei HR4: freie Journalisten bangen um Aufträge, Redakteure um Qualitätsverluste

Hessischer Rundfunk

Regionales in fünf Minuten

Aktuelle Regionalberichterstattung definiert der Hessische Rundfunk als eine seiner Kernaufgaben. Doch der Sender ist klamm. Deshalb wird jetzt ausgerechnet in der Region gespart.

Die Stimmung ist so trüb wie das Wetter. So und ähnlich äußern sich Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks (HR), wenn sie auf die Sparpläne ihres Senders angesprochen werden. Der HR, der mit einem Defizit von 26 Millionen Euro in das Jahr 2011 startete, will seine Regionalstudios in Gießen, Fulda und Darmstadt verkleinern und zu Selbstfahrerstudios umbauen. Die Budgets für die freien Reporter sollen gekürzt werden. 

Rund 30.000 Euro an Honorarkosten sollen die Regionalstudios jeweils pro Jahr einsparen – und damit nahezu ein Fünftel weniger ausgeben als bisher. Damit verbunden ist ein Programmumbau der Schlagerwelle HR4. Das regionale Mittagsmagazin, das montags bis freitags um 12.05 Uhr für eine knappe Stunde in die drei Regionen Südhessen/Rhein-Main, Mittelhessen und Nord-Osthessen auseinander schaltet, soll ab Mai wegfallen. Stattdessen sollen kompakte Fünf-Minuten-Regionalfenster ausgestrahlt werden. 2012 soll dann auch das einstündige regional gesplittete Nachmittagsmagazin verschwinden. 

Freie Mitarbeiter bangen, seitdem sie von diesen Plänen wissen, um Aufträge und Redaktionsdienste in den Regionalstudios. Denn die Festangestellten sollen künftig Moderation und Redaktion der verbleibenden Sendungen übernehmen. Die Redakteure wiederum befürchten, dass die regionale Berichterstattung qualitative Einbußen erleidet. 

Bereits Mitte Januar hatten sich rund 40 Regionalkorrespondenten, Gebietsreporter und Redakteure mit einer Erklärung an Intendant Helmut Reitze und Hörfunkdirektor Heinz Sommer gewandt. Die kurzen Nachrichtenfenster würden dazu führen, "dass die Regionen nur noch recht oberflächlich und eher durch spektakuläre Themen und Ereignisse abgebildet werden", heißt es darin unter anderem. "Die Gebietsreporter werden weniger in den Regionen unterwegs und weniger präsent für den Hessischen Rundfunk sein, weil die geänderten journalistischen Präsentationsformen ein persönliches Erscheinen des Reporters an Ort und Stelle in vielen Fällen unnötig werden lassen." 

HR4-Wellenchef Rainer Götze, der im Auftrag des Intendanten und des Hörfunkdirektors prüfen sollte, wie Kosten strukturell gesenkt werden könnten und damit die Planungen verantwortet, bestritt im Gespräch mit dem journalist, dass es sich bei dem Konzept um eine Reduzierung der Regionalberichterstattung handelt. Die Berichterstattung sei lediglich "kürzer und kompakter". 

Das Einsparvolumen bezifferte Götze mit einer sechsstelligen Summe. Er erklärte, dass der HR der einzige Sender innerhalb der ARD sei, der noch ein in verschiedene Regionen auseinander geschaltetes Magazin anbiete. Ohnehin sei noch nichts entschieden. "Wir befinden uns noch im Diskussionsprozess", sagt Götze. Wie der journalist erfuhr, haben HR-Mitarbeiter inzwischen ein Alternativkonzept vorgelegt, das auch der Redakteursausschuss befürwortet. Er forderte die Geschäftsleitung auf, das Konzept bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. 

Beim sogenannten Radioforum am 22. Februar, einem internen Treffen mit HR-Mitarbeitern, informierten Hörfunkdirektor Sommer und Wellenchef Götze über den aktuellen Stand der Planungen, die vom Rundfunkrat des Senders noch abgenickt werden müssen. Dabei räumte Sommer, wie der journalist erfuhr, interne Kommunikationsschwierigkeiten ein und kündigte eine engere Zusammenarbeit mit den Betroffenen an. In einem für März angekündigten Workshop mit den HR4-Reportern soll jetzt beispielsweise geklärt werden, wie die künftigen Fünf-Minuten-Sendungen konkret gestaltet werden könnten. Anwesende HR-Mitarbeiter äußerten sich dennoch besorgt zu den Überlegungen und sparten nicht mit Kritik.

Zumindest an den betroffenen Standorten sorgten die bislang in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Überlegungen auch auf politischer Ebene für Unmut. So kündigte der SPD-Politiker Gerhard Merz eine entsprechende Initiative im hessischen Landtag an.

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

25.02.2011 20:06

Thomas Auerswald

Die Aussage, dass außer dem hr kein anderer ARD-Sender keine regionalen Stundensendungen fährt, ist eindeutig falsch. Nahezu jeder ARD-Sender legt großen Wert auf regionale Berichterstattung und hat auf seinen Wellen entsprechende Sendeplätze teilweise seit vielen Jahren geschaffen. Selbst der WDR hat verstanden, dass die Hörer vor allem das interessiert, was vor ihrer Haustür geschieht. Und lässt dem Regionalen mehr Platz.

 
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