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Autor

Benjamin O'Daniel

verfasst am

18.09.2012

im Heft

journalist 9/2012

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Mehr zum Thema auf journalist.de

  • 11. September 2012: Riesa-Lokal: Absender unbekannt weiter
  • 4. Oktober 2011: Extra nah dran. weiter
  • 7. Juni 2011: Lokale Onlineportale testen Gedrucktes weiter
  • 4. Juni 2010: Woran DerWesten krankt weiter

Der Vermarkter, der Fotograf und die Grafikerin: Andreas Moll, Dirk Gebhardt und Tamara Soliz (v. l.) gründeten vor gut zwei Jahren meinesüdstadt.de – davon leben können sie nicht.

Hyperlokale Webseiten

Die zweite Welle

Prenzlauer Berg Nachrichten, Ruhrbarone und das Heddesheim Blog – gut drei Jahre ist es jetzt her, dass hyperlokale Webseiten von sich reden machten. Eine neue Vielfalt, hieß es damals, eine Art lokaljournalistische Blogosphäre, könnte entstehen. Inzwischen machen manche Seiten fünfstellige Umsätze, große Anzeigenkunden klopfen an die Tür. Ein Besuch bei den Machern von Meine Südstadt in Köln.

65.000 Euro Umsatz. Und das, nachdem sie gerade mal gut zwei Jahre im Geschäft sind. Die drei müssen laut lachen, wenn ihnen jemand sagt, dass sie ja schon richtig Geld verdienen mit ihrem Projekt. Die drei, das sind die Gründer von Meine Südstadt, Andreas Moll, Tamara Soliz und Dirk Gebhardt. "Richtig Geld verdienen ist noch was anderes", sagt Andreas Moll, der fürs Anzeigeneintreiben zuständig ist. Meine Südstadt hat die Anfangsphase überstanden. Jetzt beginnt die "zweite Welle", wie sie es nennen. Die zweite Welle spült neue Journalisten an, die mitmachen wollen. Die zweite Welle hat sechs Anzeigengespräche bei den großen Unternehmen der Stadt eingebracht.

Hyperlokale Angebote – das ist zuerst einmal ein Hype. Als vor etwa drei Jahren die ersten Seiten ans Netz gingen, war die Begeisterung vor allem unter freien Journalisten groß. Eine neue Vielfalt könnte entstehen, neben den etablierten Verlagen. Eine Art lokaljournalistische Blogosphäre. Vom kleinen Dorf Heddesheim bis zum schicken Berliner Viertel Prenzlauer Berg graben unabhängige Journalisten tiefer als es die örtliche Zeitung tut. Doch wie bei Blogs steht auch bei den hyperlokalen Projekten die Frage im Raum: Kann man damit Geld verdienen? Die Antwort lautete bisher: leider nicht genug.
Auch die drei Kölner und die freien Journalisten, die für sie schreiben, können von diesem Projekt allein nicht leben. Andererseits: Welcher Selbstständige kommt nebenberuflich in zwei Jahren von null Euro auf 65.000 Euro Umsatz?

Regionalzeitungen machen sich online verzichtbar

Seitenwechsel. Für viele Onlineredakteure, die Webseiten regionaler Tageszeitungen betreuen, spielen hyperlokale Informationen im Alltag keine Rolle. Sie suchen nach klickstarken Storys. Und das sind überspitzt gesagt: Polizeimeldungen, Bilderstrecken von Konzertbesucherinnen mit tiefem Ausschnitt. Dazu kommen dpa-Meldungen mit für Suchmaschinen optimierten Überschriften. Mehr Besucher heißt mehr ausgespielte Werbebanner heißt mehr Umsatz.

"Der geschäftliche Erfolg gibt den Verlagen recht – zumindest vorerst", sagt Unternehmensberater Marian Semm, der Crossmedia-Strategien für Medienunternehmen entwickelt. Er hört oft, dass sich die Onlineredakteure mit dieser Strategie auch Diskussionen im Haus entziehen. "Wenn sie richtig gute regionale Informationen liefern würden, wer sollte dann noch das Printprodukt kaufen?" Dennoch rät er den Verlagen, ihre Strategie anzupassen, um nicht an Relevanz zu verlieren.

Auch wenn der Umsatz stimmt, entfernen sich die Regionalzeitungen von den Informationsbedürfnissen ihrer Onlineleser. Sie machen sich verzichtbar. Jeden Tag trudeln Tausende regionale Suchanfragen bei Google ein: Tagesmutter + Köln Südstadt. Zahnarzt + Düsseldorf. Kneipe + Prenzlauer Berg. Wer solche Information googelt, der merkt schnell: Man findet die Infos auf irgendwelchen Seiten, nur nicht auf der Website der Tageszeitung am Ort.

 

Von Hollandfahrrädern bis Damenstiefel

In solch eine Lücke stoßen die Macher von Meine Südstadt. Sie berichten über ihr Szeneviertel, das zugleich dörflichen Charakter hat, über die Kultureinrichtungen und die privaten Initiativen. Im prominent platzierten Terminkalender stehen Veranstaltungen. In der Kategorie Südkids gibt es Spielplatzchecks und Kinderbuchempfehlungen der Buchhändler am Ort. Auf einer Pinnwand bieten die Anwohner Altbauwohnungen, Hollandfahrräder, Damen-Lederstiefel und Gespräche in einer philosophischen Kreativgruppe an.

Aber auch heikle Themen finden auf der Website ihren Platz: Über meinesüdstadt.de hat sich etwa der Protest Veedel ohne Waffen gegen einen Waffenladen formiert; in einem Dossier begleiten die Journalisten die Diskussion um eine brachliegende Fläche auf dem ehemaligen Gelände einer Kölschbrauerei. Die Website ist hundertprozentig hyperlokal. Sie hat das Potenzial, die zentrale Anlaufstelle für 60.000 Südstädter zu werden – auch wenn sie nicht annähernd so schnell und so viele Informationen liefert wie die Website einer Tageszeitung. Mehr als 3.000 Besucher hat Meine Südstadt bisher täglich. Das sind also in Zahlen gut fünf Prozent der Südstädtler – zum Vergleich: Rein rechnerisch nutzen rund 12 Prozent der Kölner die Website des Kölner Stadt-Anzeigers.

"Wir vernetzen die Anwohner untereinander", sagt Andreas Moll. Wenn ein Kino französische Filmtage anbietet, schicken sie Information an die Französischlehrer der weiterführenden Schulen. Wenn eine Bürgerinitiative Hilfe braucht, rufen sie zur Unterstützung auf. Im Grunde das, was gute Lokaljournalisten machen. Nur eben im Netz. Was das Angebot im Kölner Süden zusätzlich auszeichnet: Die Gründer haben ein Geschäftsmodell entwickelt, das sich langsam, aber sicher herumspricht. Die Macher der Prenzlauer Berg Nachrichten etwa haben es übernommen, auch aus anderen Städten kommen Anfragen.

Sie alle leben von anderen Jobs

In einem siebenwöchigen Marathon haben die drei Kölner ihre Seite entworfen, programmiert und im April 2010 gestartet. Dirk Gebhardt ist Fotograf und Programmierer, Tamara Soliz ist Grafikerin, Andreas Moll vermarktet Fachzeitschriften und kennt sich mit Anzeigenakquise aus. "Hinter der Seite liegt ein komplettes Redaktionssystem. Wenn man so etwas auf dem Markt einkauft, zahlt man dafür locker 50.000 Euro", sagt Gebhardt. Für alle drei war von Anfang an klar, dass ihre Seite zuerst einmal ein Projekt ist, mit dem sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können. Sie alle leben von anderen Jobs.

Die Rubrik, die ihnen Geld einbringt, sind die sogenannten Partnerseiten. Dort stellt Meine Südstadt die kleinen und mittelständischen Unternehmen des Viertels vor. Sozusagen die hyperlokale Wirtschaft. Die Journalisten porträtieren die Partner und legen eine Fotogalerie an. Ein kleiner schöner Artikel, gespickt mit Adresse, Öffnungszeiten und einem Link zu Google Maps. 50 Euro pro Monat kostet der suchmaschinenoptimierte Service.

Das klingt schon fast nach zu viel Nähe zwischen Journalist und Anzeigenkunde. Das Meine-Südstadt-Team hält dagegen: Da jeder Partner nur 50 Euro im Monat zahle, würden sie von einzelnen Unternehmen finanziell unabhängig bleiben – und redaktionell autark. Man könne jederzeit kritische Artikel über das jeweilige Unternehmen veröffentlichen. Allerdings haben die Macher auch strukturell vorgebeugt: Sie kümmern sich um manche Themen bewusst nicht. Restaurantkritiken sucht man vergeblich.

Hartes Brot

Alle Partnerseiten erscheinen im Wechsel auf der Startseite; zwei Newsletter, die an mehrere tausend Südstädter gehen, verlinken die Firmenseiten immer wieder. Täglich gibt es einen Newsletter mit den Mittagsmenüs der Restaurants, jedes Wochenende einen mit Veranstaltungen. "Die Partnerseiten sind eigentlich eine ganz neue Publikation, am ehesten noch mit einem Branchenbuch zu vergleichen. Sie sind eng verwoben mit den weiteren Inhalten und damit von Relevanz getragen", sagt Unternehmensberater Semm.

Die Anzeigenkunden für Meine Südstadt wirbt Andreas Moll an. Das Geschäft ist hartes Brot, selbst für ihn, der vom Fach ist. "Es kostet Überzeugungsarbeit, zu erklären, welche Idee hinter unserem Portal steckt und welchen Service wir bieten." Werbung schalten, das heißt für die Unternehmen schließlich seit Jahrzehnten: Man schaltet Anzeigen in einer Zeitung. Und nicht in irgendeinem Self-Made-Onlineportal. Auf der anderen Seite: Viele Händler investieren mittlerweile in regionale Google-Anzeigen-Kampagnen; Frittenbuden-Besitzer eröffnen Facebook-Fanseiten und bekommen in Kürze Kultstatus; Restaurants experimentieren mit Rabatt-Coupons im Netz. Warum nicht 50 Euro pro Monat, 600 Euro im Jahr, in solch eine Werbeform investieren und schauen, was draus wird?

"Die Monopolstruktur der regionalen Werbebranche bricht im Web auseinander", sagt Marcel Weiß, der sich als Autor und Berater seit Jahren mit der E-Commerce-Branche auseinandersetzt. "Unternehmen verteilen ihr Marketingbudget im Internet auf viele Schultern und wollen dort als Marke präsent sein. In diese Lücke könnten Lokalblogs stoßen." Innerhalb weniger Jahre verändern sich jahrhundertealte Denkmuster der Anzeigenwirtschaft. Und Meine Südstadt ist Teil dieser Veränderung.

Sind 19 Euro Honorar genug?

Rund 600 Kilometer weiter süd-östlich. Peter Posztos ist gerade unterwegs zum nächsten Kundengespräch. Sein hyperlokales Projekt Tegernseer Stimme wirft nach dem gleichen Prinzip Geld ab. Neben den gut gefüllten Partnerseiten gibt es auf der Startseite Platz für Premiumsponsoren. Rund 54.000 Euro Umsatz pro Jahr macht Posztos im zweiten Jahr nach der Gründung. "Die Partnerseiten haben den Vorteil, dass man weg kommt von der Startseiten-Vermarktung", sagt der studierte Betriebswirt. Der Preis für eine Partnerseite: ebenfalls 50 Euro pro Monat. Die Premiumsponsoren zahlen 500 Euro pro Monat. Mit den Anzeigenkunden schließt Posztos Jahresverträge ab. "Das ist den lokalen Unternehmen recht, sie wollen sich nicht ständig mit diesem Thema beschäftigen. Und wir haben keinen monatlichen Akquisedruck. Ich kann besser kalkulieren und dementsprechend auch in die Redaktion investieren."

Die Redaktion. Die Kostenseite. Kein einfaches Thema. In der Redaktion der Tegernseer Stimme arbeiten ein Halbtagsredakteur und einige Honorarkräfte. In Köln sind es rund 20 Journalisten, die nebenher für das Projekt arbeiten – und fest hinter den Gründern stehen. Das Jahr 2012 hatte frisch begonnen, als die drei beschlossen, die Honorare zu erhöhen. Statt 19 Euro pro Aufmacher sollte jeder Autor 33 Euro bekommen – so hatten es sich die Onlineverleger überlegt. Für einen Artikel in einer Lokalzeitung kein unübliches Honorar. Doch die Journalisten, die für sie schreiben, lehnten die Erhöhung ab. Zu viel, fanden sie und schlugen stattdessen vor, einen Finanztopf für größere Recherchen einzurichten und Kurzmeldungen zu bezahlen. Dafür gab es bisher noch kein Honorar.

"Wir arbeiten völlig transparent. Deswegen steht die Redaktion auch hinter uns", sagt Tamara Soliz. Die drei legen regelmäßig alle Zahlen auf den Tisch und schütten 50 Prozent der Einnahmen an die Redaktion aus. Inhaltlich lassen sie ihren Redakteuren viele Freiheiten. Jeder kann sich kreativ austoben und obendrein bei einem unabhängigen Projekt mitmachen. Bei einem Projekt, von dem niemand finanziell abhängig ist. So hat das hyperlokale Unternehmen die Chance, sich zu entwickeln. Auch die drei Gründer stecken jeden Tag mehrere Stunden in ihr Projekt. "Man muss unternehmerisch denken, und dazu gehört auch, dass man das unternehmerische Risiko eingeht", sagt Dirk Gebhardt und schiebt direkt hinterher: "Das wollen und können nicht alle." Deswegen schrecken auch immer wieder Journalisten zurück, die mit den Kölnern sprechen. Es geht eben nicht bloß darum, journalistisch tätig zu sein. "Es geht darum, wie gut man den Metzger um die Ecke kennt und ob man ihn überzeugen kann, Werbepartner zu werden", sagt Andreas Moll.

Die Leuchtturmprojekte der Verlage

Zu den Kosten gehört nicht nur die Redaktion, sondern auch die Technik. Und die entwickelt sich rasend schnell weiter. Peter Posztos von der Tegernseer Stimme hat sich vergangenes Jahr mit Hardy Prothmann zusammengetan, dem Gründer des Heddesheim Blogs. Sie haben ein Redaktionssystem für hyperlokale Webseiten entwickelt. Rund 40 Partner haben sie bereits gewonnen. Jeder Partner zahlt 49 Euro pro Monat als Lizenznehmer. Keine 600 Euro pro Jahr für die gesamte technische Infrastruktur.

"Für die Verlage ist es letztlich eine vertane Chance, wenn sich die Onlinekompetenz auf überregionale Skandalthemen beschränkt", urteilt Marian Semm. "Entweder man startet selbst hyperlokale Projekte und testet, ob und wie sie sich rentieren – mit nur fünfstelligen Umsätzen wird dies schwierig. Oder man lotet aus, ob sich Kooperationen lohnen. Verlage könnten für Blogger die Vermarktung übernehmen und regionale Blogger dem Verlag Inhalte liefern." Es sieht aber danach aus, als würden die Verlage eine andere Richtung einschlagen.

Beispiel Berlin: "Man muss sich als Zeitung für eine polyzentrische Stadt wie Berlin genau überlegen, wie tief man in sie eintaucht", sagte Ralph Kotsch, Lokalchef der Berliner Zeitung, vergangenen Oktober im journalist-Interview. "Die Prenzlauer Berg Nachrichten tun uns nicht weh, aber wir beobachten mit Interesse, wie sie eine Ebene unter die Lupe nehmen, die wir vernachlässigen müssen." Zum Abschluss klopft er dem Underdog gönnerhaft auf die Schulter: "Ich wünsche den Prenzlauer Berg Nachrichten, dass sie sich neben uns halten können." Im Prenzlauer Berg wohnen 150.000 Menschen – und es sind nicht die ärmsten der Stadt. Wenn man die Zahlen aus Köln und vom Tegernsee als Schablone nimmt, kann man sich ausrechnen, dass die Prenzlauer Berg Nachrichten viel Geld abwerfen könnten – zumindest aus Sicht eines Kleinunternehmers. "Die Verlage befinden sich in einem Innovationsdilemma. Sie müssten ihr Stammgeschäft kontrolliert in Gefahr bringen, wenn sie nicht abgehängt werden wollen", sagt Semm.

Die zweite hyperlokale Welle schwappt gerade durchs Land.

Die New York Times hat ihre hyperlokalen Projekte nach drei Jahren beendet. Zu wenig Umsatz, zu hohe Kosten. In Deutschland präsentierte die Axel-Springer-Akademie kürzlich ihr Leuchtturm-Projekt Zoom Berlin. 20 Journalistenschüler haben sich einer einzigen Straße, der Oranienstraße, multimedial gewidmet. Handwerklich ein außergewöhnliches Projekt, nur kann man damit auch Geld verdienen?

Vielleicht machen die Verlage auch gar nichts. Und in ganz Deutschland bauen Hunderte Journalisten nebenberuflich hyperlokale Seiten auf und vermarkten sie selbst. Oder ein Blog-Vermarkter nimmt sich der Sache an. Oder ein US-Investor aus einer anderen Branche eröffnet in den zehn größten Städten Deutschlands hyperlokale Blogs. Oder Google bietet Lokal-News mit Partnermodell an.

In der digitalen Szene gibt es einen beliebten Spruch: "Technologische Entwicklungen werden kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt." Die zweite hyperlokale Welle schwappt gerade durchs Land. Der eigentliche Umbruch steht noch bevor.

Über den Autor

Benjamin O’Daniel arbeitet in Köln als freier Journalist. Er twittert unter dem Namen @benodaniel. Hier geht es zu seiner Website.

 

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

20.09.2012 22:17

Dominique Mueller

@ Florian Gerstmeier:

Hmm, schwierig, Ihr Kommentar. Nicht inhaltlich, er ist schlicht weg falsch. Keines dieser erfolgreichen Nachrichten-Blogs ist eine PR-Schleuder. Der Erfolg kommt nämlich aus der publizistischen Idee, aus den gut gemachten, originären Inhalten heraus. Und die gibt es in der der Szene in unterschiedlicher Art, aber oft (und dann publizistisch erfolgreich) gut gemacht. Während gedruckte Anzeigenblätter eben (zu 90%?) weggeschmissen werden, würden schlecht gemachte PR-Blättchen einfach nicht geklickt werden.

Nein, inhaltlich, ist ihr Kommentar eben falsch. Schwierig ist die Frage: Warum haben Sie ihn geschrieben?

Sie greifen pauschal ALLE Angebote auf einmal an? Vielleicht aus Angst vor der Auseinandersetzung mit den einzelnen Angeboten? Nun mal Butter bei die Fische: Welche PR-Mitteilungen wurden denn bei der Südstadt oder bei der Tegernsee-Stimme einfach so umgesetzt? Ganz ehrlich, das ist zu einfach.

Aber warum haben Sie den Kommentar geschrieben. Wollen Sie es nicht wahrhaben? Haben Sie Angst vor der Zukunft. Haben Sie keine Phantasie (das wäre mein Tipp) oder haben sie keine Ahnung?

Nein, letzteres nicht, ihr Einwurf ist zu durchschaubar: Stilistisch etwas schlecht geschrieben, etwas plump. Aber es soll haften bleiben: DAS IST JA GAR KEIN JOURNALISMUS. DIE MACHEN PR!

Ja, das ist Ihr Grund! Anstatt es selber besser zu machen, vielleicht selbst neue Wege zu gehen und konstruktiv mit anderen nach der neuen richtigen Lösung zu suchen, verschließen Sie die Augen vor der Zukunft und diskreditieren alle, die Sie - was auch immer Sie machen (ich tippe alter männlicher Journalist oder Verlagsmitarbeiter im Mittelmanagement) - bedrohen könnte. Das ist wirklich einfach.

Wer pauschal die Keule schwing, hat meist keine Argumente. das wissen wir jetzt. Ich gebe Ihnen zwei für die Zukunft solcher neuen Angebote, es gibt bestimmt 98 weitere:

1. Die Mediennutzung wandelt sich. Leser lesen ihre Nachrichten zunehmend im Netz, die klassischen Abo-Kunden sterben. Nur Angebote, die jetzt lernen, wie man online eine gute Zeitung / Blog macht, hat morgen Leser.

2. Viel wichtiger aber: Die genannten Angebote sind alle viel näher dran an dem, was die Leser bewegt. Die Angebote können sich nämlich zu 100% auf ihr Thema konzentrieren.

Sie kommen bestimmt aus einem Zeitungsverlag, der es schwer hat im Moment. Und sie verstehen das gar nicht. Jahrelang hat doch alles gut gepasst. Und nun kommt dieses Internet daher und stört Sie in Ihrem schönen Schlaf und Traum, dass alles immer so bleibt, wie es ist... Aufwachen!

Ihre D. Mueller

20.09.2012 21:15

Guido Gallenkamp

Danke für diesen interessanten Artikel! Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit, Mühe und Nerven ich ehrenamtlich(!) in meine Stadtteilportale gesteckt habe, und dann die Zahlen hier lese, dann wird mir ganz schwindelig :)

Ich habe 2008 versucht, diese Stadtteileportale untereinander zu vernetzen. Das hat sich als schwierig bis unmöglich herausgestellt, weil es leider weder ein Verzeichnis gibt, noch die Leute dort gerne antworten :)

Ich bin aber neben meinen eigenen Portalen (und einer ebenfalls nutzbaren Portal-Vorlage) dabei, eine Vernetzungsplattform auf die Beine zu stellen. Über meinen Namen werdet ihr mich online finden (jedenfals wer Interesse hat). 2011 habe ich im Rahmen eines OpenData / OpenGov Barcamps Standarts für die Vernetzung erarbeitet.

20.09.2012 17:02

Florian Gerstmeier

Die Zukunft des Lokaljournalismus soll also in PR-Webseiten stecken ? Das beschriebene System findet sich 1:1 in den Kostenlosen Werbezeitungen, die bei uns 1-2x die Woche im Briefkasten landen. Auch dort gibt es ein paar lokale Nachrichten, eine Doppelseite über einen Handwerksbetrieb (beste, gekaufte PR) und Lokalanzeigen.

Nur weil es hier Online ist, ist es also eine tolle Zukunft und natürlich nicht mit den Leistungen der Zeitungen zu vergleichen, die sofort angegangen werden, wenn es zu Verquickungen zwischen redaktionellem und Anzeigenteil kommt.

19.09.2012 20:04

Peter Arnegger

@Marc Wickel: Ja, die Finanzierung ist das Riesenproblem schlechthin. Die im Beitrag genannten Zahlen sind Brutto-Jahresumsätze. Miete, Nebenkosten, nicht zuletzt Steuern sind abzuziehen. Dein fernes Ziel der Familienernährung ist so nicht erreichbar. Wir von der NRWZ drucken deshalb wöchentlich. Ein Anzeigenblättchen - aber eines mit einem ganz anderen Niveau. Eine Gratis-Wochenzeitung mit 2/3 redaktionellem Inhalt, richtigen Schreibern, die zu einem Teil davon leben können und zu einem anderen Teil andere Schreiberjobs zusätzlich haben. Ich persönlich verdiene dabei richtig und kann die Familie ernähren. Und glaube deshalb daran: Im Zusammenspiel zwischen Print und Online liegt die Lösung. Gedrucktes hat einen hohen Wert, die Online-Begleitung aktualisiert das Druckmedium zusätzlich. Eine Gesamtlösung mit tagesaktuellen Online-News und der ansprechenden Wochenend-Lektüre auf Papier.

19.09.2012 19:03

Marc Wickel

Ich sehe bei der Finanzierung das Problem. Wenn es nicht gelingt, die freien Mitarbeiter so zu honorieren, dass sie davon leben könnten, ist man - ohne es zu wollen und auch weil man einen anderen Anspruch hat - am Ende nicht besser als die ganzen Anzeigenblättchen.

Wenigstens rechnerisch muss das Honorar so sein, dass wenn man acht Stunden am Tag, 20 Tage die Woche für eine hyperlokale Website arbeiten würde (Termin/Recherche, Schreiben), davon leben könnte. Und ich mache da schon Abstriche, wenn ich weiter annehme, dass man davon nur sich und keine Familie ernähren will.

19.09.2012 17:30

Nicolas Sustr

Mir scheint, als ob der Berliner Tagesspiegel sich mit qiez.de bisher wohl relativ stümperhaft auch im hyperlokalen versuchen möchte. Vielleicht wird ja mal auch noch da etwas Herzblut investiert ...

19.09.2012 16:39

Michael Freitag

Leider ist die Überschrift falsch. Es ist die dritte Welle. Merkt man aber nicht, wenn der Blick dauernd nur dahin gerichtet ist, wo die Medienkonzerne traditionell eben herkommen - gen Westen.

Einfach mal auf die Startzeitpunkte der nachfolgend angegebenen Seiten schauen: www.l-iz.de, www.halleforum.de, www.jenapolis.de

Liebe Grüße aus Leipzig

19.09.2012 14:20

Peter Arnegger

Sehr interessanter Beitrag über Partner von uns. Daher der unbescheidene Hinweis in eigener Sache: Der kleine NRWZ Verlag, gegründet 2004, bietet hyperlokale News online unter www.NRWZ.de und zusätzlich in einem wöchentlichen Printprodukt an. Alles rein Anzeigenfinanziert. Printauflage: 34.000. Online-Publikum: 3000 Leser am Tag. Mitarbeiter: 2 Vollzeit, 2 Teilzeit, vier 400-Euro-Kräfte, einige Honorarkräfte. Umsatz: psst.

 
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