
Das neue Ressort um Zeit-Redakteur Stephan Lebert wird wohl im Dezember starten.
Die Zeit
Investigativ-Ressortleiter ziehen Bilanz
Vor einem guten Jahr haben große Redaktionen damit angefangen, eigene Investigativ-Ressorts einzurichten. Im Dezember zieht auch die Hamburger Zeit mit einem Spezialistenteam nach.
Die Macher sind jedenfalls zufrieden. Sowohl beim Stern als auch bei der Welt und der Nachrichtenagentur dapd hatten die neuen Ressorts im vergangenen Jahr einen entscheidenden Anteil an der Berichterstattung.
Nun zieht auch die Zeit nach. Das neue vierköpfige Investigativ-Ressort soll im Dezember – mit einigen Wochen Verspätung – voll einsatzfähig sein. "Wir wollen eine Zeit-typische Truppe werden", sagte der Leiter, Stephan Lebert, dem journalist. Eine Aufgabe sei, sich immer wieder die Frage zu stellen: "Was stimmt an der Geschichte nicht?" Schwerpunkt der Recherche werde auf den Themen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft liegen.
Beraten lässt sich die Zeit von Hans Werner Kilz, der schon während seiner Zeit als Chefredakteur bei der Süddeutschen Zeitung dort den investigativen Journalismus ausbaute.
Die Redaktionen mit eigenen Investigativ-Ressorts ziehen fürs erste Jahr eine positive Bilanz. Bei dapd recherchierte das Ressort Sources beispielsweise exklusive Informationen zu Themen wie Islamismus, Rechtsextremismus und organisierte Kriminalität. Beim Stern deckte das Team Manipulationen bei Fußball-Länderspielen auf, zudem gelang ihm ein Interview mit Heinrich Kieber, der dem BND die Steuersünder-CD aus Liechtenstein verkauft hatte. Die Welt fand heraus, dass Gaddafi-Stieftochter Hana Gaddafi noch lebt und nicht bei einem Luftangriff im Jahr 1986 ums Leben gekommen war.
Die Investigativ-Ressorts sollen Scoops liefern und schwierige Recherchen übernehmen. Die Redakteure werten dabei auch öffentlich verfügbare Datenbestände aus. "Oft müssen wir die Puzzleteile für eine Geschichte in Akten zusammensuchen, in denen es um ganz andere Themen geht", sagt Oliver Schröm, Leiter des Investigativ-Ressorts beim Stern. Sein Team verfügt über eine Datenjournalistin, die auf die Analyse großer Mengen von Informationen spezialisiert ist. Ähnliche Spezialisten gibt es auch in den anderen Investigativ-Ressorts.
Jörg Eigendorf, Leiter des Welt-Investigativ-Teams, hält eine bessere Vernetzung innerhalb der Redaktion für wünschenswert. "Wir wollen zunehmend auch Dienstleister für die anderen Ressorts sein", sagt er dem journalist. Beim Stern sei das bereits Realität, berichtet Oliver Schröm. Mit dem Angebot, bei tiefgehenden Recherchen zu helfen, renne man bei den Kollegen offene Türen ein. Sein Ressort habe aber das Ziel, mindestens einmal im Monat eine eigene große Geschichte im Heft zu haben – bislang waren es 15.
Zu sehr wollen sich die Investigativ-Ressorts aber nicht von den anderen Ressorts vereinnahmen lassen. Eigendorf versteht sein Team nicht als "mobile Eingreiftruppe", die immer dann einspringt, wenn es eng wird. Das will auch Olaf Jahn nicht, der das Ressort Sources bei dapd leitet. Ihm sei es in erster Linie wichtig, Informationen zu recherchieren, die die Konkurrenz nicht hat.
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