Detail-Informationen

Autor

Silke Weber

verfasst am

02.06.2015

im Heft

journalist 6/2015

Die Krautreporter vor einem Jahr. "In irgendeiner Form wird es uns weiter geben", sagt Sebastian Esser heute (Mitte).

Krautreporter

"Wir brauchen 6.000 Mitglieder, um weitermachen zu können"

Die Hälfte des Geldes ist verbraucht, im Oktober laufen die Abos für das Onlinemagazin Krautreporter aus. Jetzt entscheidet sich, wie es weitergeht.

Die Krautreporter brauchen eine neue Kollekte. Im vergangenen Jahr starteten sie mit ihrer Idee vom neuen Onlinejournalismus. Mehr als eine Million Euro sammelten die rund 30 Journalisten um Herausgeber Sebastian Esser bei ihren Lesern, der Crowd, – und das, noch bevor überhaupt ein einziger Text zu lesen war.

Nach dem Vertrauensvorschuss folgte viel Häme: Die Texte seien zu lang, nicht gut recherchiert, und die Plattform erinnere eher an einen Recyclinghof für Afrikareportagen, die das Magazin Geo nicht wollte. Nun stellt sich die Frage: Wie geht es mit der Finanzierung der Krautreporter weiter?

Inzwischen ist gut die Hälfte des Geldes aufgebraucht, für Software, Miete und Mitarbeiter. Und die Abonnements jener 15.000 Mitglieder, die Krautreporter mit ihrer großen Crowdfunding-Aktion für sich werben konnten, laufen im Oktober aus. "Das hört sich erst einmal existenzbedrohend an", sagt Sebastian Esser."Wir müssen jeden einzelnen Abonnenten dazu bringen, noch einmal ja zu uns zu sagen." Im Juni wird er E-Mails verschicken, darin ein roter und ein grüner Button, den die Noch-Abonnenten klicken sollen, um zu verlängern oder eben nicht.

Esser ist bereits vor Rücklauf der Mailings klar, dass nicht alle der bisherigen Leser dabeibleiben werden: "Wenn es die Hälfte sind, wären wir froh. Ich rechne aber mit weniger", sagt er. Schon bei einer Krautreporter-Umfrage zum Jahresbeginn kam heraus, dass nur etwa 50 Prozent der Leser das Angebot auch ein weiteres Jahr finanzieren wollen.

Nachdem die Aufbrucheuphorie vorüber ist, wandern Leser ab, das war auch schon bei dem niederländischen Krautreporter-Vorbild De Correspondent so, erinnert sich Esser und lenkt auf die eigenen Erfolge wie die Schulschwänzer-Geschichte oder die Nepalreportage, mit denen sie gegenüber anderen Medien punkten konnten und gutes Feedback der Mitglieder erhielten.

"Wir gehen nicht betteln"

Bei all dem Erwartungsdruck, den die Krautreporter aushalten mussten, vergisst man schnell, dass ihre Mitgliederzahl seit der Gründung immerhin gewachsen ist. Den 15.000 schlossen sich 3.000 weitere an. Ihr Abonnement verfällt nicht nach einem Jahr, ist dafür aber monatlich kündbar. Natürlich macht das den Kohl noch nicht fett: Denn die Crowd darf nicht unter eine Schwelle von 6.000 Mitgliedern sinken. "So viele brauchen wir, um überhaupt weitermachen zu können", sagt Esser.

Um die Finanzierung zu sichern, soll es künftig ähnlich der taz auch ein Genossenschaftsmodell geben: Mit einer Mindesteinlage von 250 Euro können aus Lesern Genossen werden, die sich an den Entscheidungsprozessen beteiligen dürfen und durch ihre wirtschaftliche Unterstützung die journalistische Arbeit sichern.

Esser zeigt sich optimistisch: "In irgendeiner Form wird es uns weiter geben, ob es eine oder vier Geschichten täglich sind, hängt von unseren Ressourcen ab." Aber die Unentschlossenen überreden wolle er nicht: "Wir gehen nicht betteln."

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