Detail-Informationen

Autor

Wolfgang Lenders

verfasst am

29.07.2013

im Heft

journalist 8/2013

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Mehr zum Thema auf journalist.de

  • 9. Juli 2010: Leistungsschutzrecht: Was bringt's, wer zahlt's, wem nutzt's? weiter
  • 16. Oktober 2012: Was bringt das Leistungsschutzrecht eigentlich den Journalisten? weiter

    Kein Einlass ohne Einverständnis.

    Leistungsschutzrecht

    Mehrere Verlagshäuser verzichten auf Google News

    Am kommenden Donnerstag tritt das Leistungsschutzrecht in Kraft. Einige Zeitungen werden dann wohl nicht mehr auf Google News zu finden sein.

    Sie alle riskieren, bei Google News rauszufliegen: die Nachrichten von Saarbrücker Zeitung, Trierischem Volksfreund, Lausitzer Rundschau und Rhein-Zeitung. Die Verleger aus Saarbrücken und Koblenz wollen die von Google zur Einführung des Leistungsschutzrechts geforderte Erklärung nicht abgeben. Sie sollen zustimmen, dass sie mit der kostenlosen Veröffentlichung ihrer Inhalte auf Google News einverstanden sind.

    Offenbar befürchten die Verlage, dass sich eine vorläufige Zustimmung in einem späteren Gerichtsverfahren zu ihren Ungunsten auswirken könnte.

    Damit werden – wenn Google seine Ankündigung wahr macht – die Angebote dieser Zeitungen aus Google News fliegen. Ändern wird das aber nicht viel. Keine der genannten Zeitungen war in der Nachrichtenzusammenstellung besonders üppig vertreten, und auch der Anteil der Nutzer, die über Google News auf die Zeitungs-Websites gekommen sind, soll in den meisten Fällen im einstelligen Prozentbereich gelegen haben.

    Ursprünglich als Waffe der Verlage gedacht

    Das Leistungsschutzrecht, das am 1. August in Kraft tritt, war ursprünglich als Waffe der Verlage gegen Unternehmen wie Google gedacht. Es gibt den Verlagen das ausschließliche Recht, ihre Texte über Suchmaschinen öffentlich zugänglich zu machen. Ausgenommen sind "einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte". Wie viel das genau ist, legt das Gesetz nicht fest.

    Zunächst einmal wird Google News die meisten Nachrichten aber weiter kostenlos listen können. Hunderte Verlage hätten bereits ihr Einverständnis gegeben, darunter einige der wichtigsten Nachrichtenseiten, teilte Google-Sprecher Ralf Bremer auf journalist-Anfrage mit.

    Kein Wunder, dass viele Verleger zähneknirschend zustimmen: Zu groß ist offenbar die Angst, dass Leser statt zum eigenen Angebot in Zukunft zum Konkurrenten geleitet werden könnten. Selbst ausgesprochene Befürworter des Leistungsschutzrechts wie Springer sind dabei. Focus Online äußerte sich nicht eindeutig: "Wir prüfen das von Google geforderte Opt-in", hieß es auf Anfrage des journalists.

    "Die Aktion von Google ist befremdlich"

    Zu den großen Befürwortern des Leistungsschutzrechts gehört auch der Verleger des Reutlinger General-Anzeigers, Valdo Lehari jr. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger und Vizepräsident des Verbands der Europäischen Zeitungsverleger. "Für mich ist die Aktion von Google befremdlich", sagt er dem journalist.

    Die kurzfristige Aufforderung zur Abgabe einer Erklärung in der Ferienzeit setze die Verlage unter Druck. Ob der Reutlinger General-Anzeiger der Veröffentlichung zustimme, sei noch unklar. Er könne sich auch vorstellen, erst einmal ein paar Tage abzuwarten und zu schauen, wie sich die Abrufe der Website entwickeln, sagt Lehari. Wenn er die Erklärung abgebe, dann nur unter Rechtsvorbehalt.

    Lehari will – wie viele andere Verleger auch –, dass eine Verwertungsgesellschaft Google News zur Kasse bittet. Doch die müsste erst einmal gegründet werden.

    Update, 31. Juli 2013

    Die Verlagsgruppe der Saarbrücker Zeitung hat sich nun doch dazu entschieden, die von Google geforderte Erklärung zur Einführung des Leistungsschutzrechtes abzugeben. Damit werden die Titel von Saarbrücker Zeitung, Trierischem Volksfreund und Lausitzer Rundschau auch weiterhin bei Google News gelistet.

    Nachdem sich die Verantwortlichen in Saarbrücken in der vergangenen Woche noch gegen die Abgabe der Erklärung ausgesprochen hatten, hat die Verlagsspitze ihre Meinung jetzt geändert. Das Ja zur Google-Erklärung ist allerdings mit einem rechtlichen Vorbehalt abgegeben worden.

    Die August-Ausgabe des journalists erscheint am kommenden Mittwoch.

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    Aktuelle Kommentare zu diesem Text

    02.08.2013 09:56

    Sebastian Manthey

    Zitat: "Für mich ist die Aktion von Google befremdlich", sagt er dem journalist.
    Die kurzfristige Aufforderung zur Abgabe einer Erklärung in der Ferienzeit setze die Verlage unter Druck. Ob der Reutlinger General-Anzeiger der Veröffentlichung zustimme, sei noch unklar.

    Die Frist zur Ferienzeit kommt ja nicht von Google, sondern durch das Inkraft-Treten des Gesetzes. Für mich ist auch einiges befremdlich aber die "Aktion" von Google, also die Einladung an Google News teilzuhaben, gehört nicht dazu.

    Durch solche Aktionen verlieren die Verlage meiner Meinung nach auch ein wenig die Bindung an die jüngere Generation, die mit dem Netz aufgewachsen ist. Wie sollen wir denn solche Stellungnahmen seitens der Verlage auffassen? Wie können wir in Zukunft Nachrichten von diesen Verlagen vertrauen, wenn sie bei einem Thema, was sie betriff,t emotional (sprich, ohne nötige Distanz) und einseitig berichten?

    01.08.2013 17:43

    Jan Wulf

    Was soll denn diese "rausfliegen"-Terminologie, die 2x im Text verwendet wird? Opt-in ist ja gerade das Gegenteil - wer dabei sein will (sprich: auf google news gelistet, ohne das Geld fließt) trägt sich ein, wer nicht, dann eben nicht. Wo ist das Problem? Es war doch auch immer ein Kritikpunkt, google täte alles "ohne zu fragen"... Jetzt fragen sie, dann heißt es, Verlage würde "rausfliegen" - dabei bleiben sie einfach aus freien Stücken draußen.

    Auch diese Aussage von Herrn Lehari jr., "die Aktion von Google [sei] befremdlich", ist nicht nachzuvollziehen. Was hätte Google machen sollen? Google News zumachen? Oder alles lassen wie es ist und riskieren, mit Forderungen/Klagen überzogen zu werden? Zum Schießen auch der Aspekt der "Ferienzeit" - sprechen wir hier von Schülerzeitungen?

    31.07.2013 12:07

    Lutz Lutz

    "Offenbar befürchten die Verlage, dass sich eine vorläufige Zustimmung in einem späteren Gerichtsverfahren zu ihren Ungunsten auswirken könnte."

    Gewagte Prognose! Ich gehe aber noch einen Schritt weiter und behaupte, dass eine Erklärung, wonach man Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt, in einem späteren Prozess auf Zahlung einer Vergütung nicht nur ungünstig wäre, sondern sogar zu einer Niederlage führen wird!

    30.07.2013 11:39

    Thomas Berscheid

    Dann sollen sie doch rausfliegen, wenn sie das Internet für Neuland halten und niemals im Internet gefunden werden sollen! Dann sollen sie ihre Webseiten doch gleich dichtmachen! Und alle Redakteure entlassen, denn sie bieten sowieso keine eigene Ware an.

    Ich habe 12 Jahre lang Nachrichten über Georgien geschrieben. Nur und ausschließlich im Internet. Google News war das mit Abstand wichtigste Medium, um Leser erreichen zu können – und damit sowohl über Werbung als auch das Marketing eigener Webseiten erreichen zu können.

    Das Zauberwort hier: Content!

    Wir waren im August 2008 die einzigen, die (fast) live aus dem Krieg in Georgien berichtet haben. Ich habe mir Abende und Nächte dafür um die Ohren geschlagen.

    Und dann kamen die Verleger ... Einer der Verlage, der am lautesten gebrüllt hat, dass Google abgrundtief böse ist, war Neven Dumont. Mein Nachbar. Was macht NDS? Die Mitteldeutsche Zeitung kopiert einfach einen Artikel zum Krieg von mir, zu 100%. Natürlich ohne mich als Quelle zu nennen. Und damit nicht genug mit dieser bodenlosen Frechheit. Mit unendlicher Dreistigkeit stellt sich dieser Verlag hin und schreit, dass alle anderen Diebe sind – dabei haben sie mich bestohlen, haben mein geistiges Eigentum frechweg verletzt.

    Dieses Beispiel zeigt, mit welcher unendlichen Dreistigkeit diese Verleger auf der einen Seite vorgehen, für die sie auf der anderen Seite das Ende von Google fordern.

    Aber diese Verleger stecken viel Geld in Lobbyarbeit und bearbeiten Politiker, die ja noch niemals, nie, nie, nie etwas von diesem Internet gehört haben.

    Was ich schreibe, ist zugegeben sehr persönlich und meine eigene Meinung. Es illustriert aber, dass Politiker ein unwissender Haufen sind und dass die Verleger an Dreistigkeit nicht zu überbieten sind.

    30.07.2013 10:26

    Karsten Stiller

    Mit dem Leistungsschutzrecht sägen die Verlage gerade an dem Ast, auf dem sie selber sitzen. Zeitungen leben davon, dass sie gelesen werden. Um im Netz gelesen werden zu können, müssen sie gefunden werden. Dazu braucht es Suchmaschinen. Google ist davon aktuell diejenige mit dem weltweit größten Marktanteil. Sich mit Google zu streiten, ist daher ... bestenfalls kurzsichtig.

    Die Verlage behindern dadurch neue Leser, Zugang zu ihrer Seite zu bekommen und konterkarieren damit ihr eigentliches Ziel – zur Meinungsbildung beitragen zu können. Sie reduzieren außerdem die Chance, über Werbelinks auf ihrer Seite eigene Einnahmen generieren zu können – wer die Seite nicht findet oder ignoriert (weil die "einzelnen Wörter oder kleinsten Textausschnitte" nicht ausreichen, um das Interesse des potentiellen Lesers am dahinterstehenden Text zu wecken), kann auch keine dort plazierte Werbung anklicken.

     
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