Detail-Informationen

Autor

Wolfgang Lenders

verfasst am

30.08.2010

im Heft

journalist 9/2010

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Einsparungen von einigen hunderttausend Euro beim Jugendradio - MDR streicht am Programm

MDR Sputnik

Ende des Experiments

Der MDR trimmt seinen Jugendsender Sputnik auf Quote – und stellt dafür anspruchsvolle, aber teure Sendungen ein.

Ein "Jugendkulturradio" wollte MDR Sputnik sein – das war das Ziel einer aufwendigen Programmreform vor dreieinhalb Jahren. Doch seit dem 16. August ist das vorbei: Der MDR strich das Programm zusammen. Die Ende 2006 eingeführten englischsprachigen Nachrichten etwa fielen weg. Gestrichen wurde auch die Sendung "360 Grad", die sich jeden Samstag vier Stunden lang mit Themen aus aller Welt beschäftigte. Insgesamt sollen die Beiträge wieder kürzer werden, und die Musik wird nun von Marktforschern getestet. Nur am Abend klingt Sputnik noch wie gewohnt.

Die Öffentlichkeit erfuhr von den Änderungen nichts, aufmerksamen Hörern fielen sie aber sofort auf. Doch selbst nach einer Woche tut sich der MDR mit Äußerungen dazu schwer. Die Anfrage des journalists bei den Verantwortlichen beantwortet schließlich die Pressestelle per E-Mail. Der Text ist in großen Teilen aus einer internen Information für die Mitarbeiter zusammengeschrieben. Hörfunkdirektor Johann Michael Möller und Sputnik-Programmchef Eric Markuse wollen sich offenbar nicht zitieren lassen.

Beide äußern sich jedoch in der Hausmitteilung, die dem journalist vorliegt. "Reichweite und Anspruch schließen sich nicht aus, und das gilt auch für MDR Sputnik", wird Möller zitiert. Sprich: Sputnik soll mehr Hörer erreichen. Dass dazu Änderungen notwendig seien, habe eine Marktstudie ergeben, so die interne Vorgabe. Programmchef Eric Markuse wird mit dem Satz zitiert: "Das Programm und die Musik wurden optimiert und an die Bedürfnisse und Lebensumstände der Hörer angepasst." Gemeint ist damit wohl der Verzicht auf einen Teil der kreativen Inhalte. Gerade Markuse dürfte dies aber besonders wehtun – hat er doch 2006 maßgeblich die Programmreform zum "Jugendkulturradio" vorangetrieben. Anspruchsvolles Radio für ein jüngeres Publikum war damals das Ziel, nicht Quote um jeden Preis.

Dass genau das kommt, befürchten nun Mitarbeiter des Senders. Bei der Präsentation des neuen Konzepts habe er gedacht: "Ihr stellt alles in Frage, was ihr die letzten Jahre kommuniziert habt", sagt ein Mitarbeiter. Und ein anderer vermutet, dass es vornehmlich ums Geld gehe. Es heißt, Sputnik müsse künftig einige hunderttausend Euro im Jahr einsparen. Zu spüren bekommen das vor allem die freien Mitarbeiter: Kürzere Beiträge bedeuten für sie niedrigere Honorare. Auch die Sprecher der englischen Nachrichten werden nicht mehr gebraucht.

Es könnte noch schlimmer kommen: Wenn Sputnik sich vom Stil her der Musikwelle MDR Jump annähert, stehe irgendwann ein Zusammenschluss der beiden Sender an, befürchten einige Mitarbeiter. Derweil bemüht sich die Pressestelle, derartige Gedanken zu zerstreuen. "Sputnik bleibt ein klar öffentlich-rechtliches Programmangebot: eigenständig, modern, jung, anspruchsvoll", heißt es. Man würde es gern glauben.

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