Detail-Informationen

Autor

Wolfgang Lenders

verfasst am

07.07.2011

im Heft

journalist 7/2011

Will Mediafunders unabhängigen Journalismus fördern?

mediafunders.net

Neues Crowdfunding-Projekt

mediafunders.net will Crowdfunding für journalistische Projekte im deutschsprachigen Raum etablieren. Doch der Initiator ist kein Journalist.

Journalisten schlagen Themen vor, und engagierte Bürger und Unternehmen finanzieren ihre Arbeit mit einer Vielzahl kleiner Spenden. Das ist – grob gesagt – die Idee von Crowdfunding, einem Finanzierungsmodell, das freie Journalisten unabhängig machen soll von der Gunst der Redaktionen. Mit mediafunders.net will Stefan Hertach aus St. Gallen das in den USA entwickelte Modell auch im deutschsprachigen Raum etablieren. 

Bislang ist erst eine Website online, die das geplante Portal vorstellt. Es gehe zunächst darum, weitere Unterstützer zu gewinnen, teilte Hertach dem journalist mit. Unter Mithilfe von Journalisten, Juristen und Technikern solle dann das Konzept im Detail ausgearbeitet werden.

Auf dem amerikanischen Medienmarkt ist Crowdfunding bereits zu einer festen Größe geworden. So sammelt zum Beispiel das von David Cohn gegründete Portal spot.us Spenden nach dem Modell und kooperiert mit mehr als 100 Abnehmern für die fertigen Artikel. Unter ihnen sind renommierte Zeitungen wie die New York Times und die Los Angeles Times.

In Deutschland ist spendenfinanzierter Journalismus bislang kaum verbreitet. mediafunders.net könnte das ändern. Die geplante Plattform soll in wesentlichen Zügen spot.us kopieren. Ein Journalist stellt ein Projekt vor und legt fest, wie viel Geld er für die Umsetzung braucht. Kommt die benötigte Summe zusammen, erhält der Journalist das Geld. Wenn nicht, bekommt er gar nichts – und bei den Spendern wird kein Geld abgebucht. Die fertigen Produkte werden dann unter Creative-Commons-Lizenz gestellt und dürfen kostenlos veröffentlicht werd

"Das riecht nach einem Geschäftsmodell"

Das mediafunders-Projekt kann nur erfolgreich sein, wenn das Portal auch von Journalisten und Verlagen akzeptiert wird. Branchenkenner zweifeln, ob dies der Firma gelingen wird. Stephan Weichert etwa, Professor für Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg, würde ein spot.us-Modell hierzulande zwar begrüßen. Das mediafunders-Projekt gefällt ihm aber nicht. Die Darstellung im Web wirke intransparent, sagte Weichert dem journalist. Er kritisiert unter anderem, dass der Initiator selbst kein Journalist ist. "Das riecht nach einem Geschäftsmodell." Ob Mediafunders also wirklich unabhängigen Journalismus fördern will, bleibt fraglich. Zweifel aufkommen lassen auch die anderen Aktivitäten von Stefan Hertach. Er betreibt das Portal mediaquell.com, das sich zwar als unabhängiges Mediennetzwerk bezeichnet, in einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2009 (doc) aber damit wirbt, Unternehmens-PR im Internet zu verbreiten.

Grundsätzlich sieht Weichert für ein Angebot nach dem Vorbild von spot.us in Deutschland durchaus Chancen. Die Situation sei aber schwieriger als in den USA. Mit Anschubfinanzierungen von großen Stiftungen könnten die Initiatoren eines solchen Projekts hierzulande nicht rechnen. Bislang sei ein solches Konzept noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen. "In fünf Jahren wird die Akzeptanz größer sein", prognostiziert er.

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

07.07.2011 15:17

Stefan Hertach - Initiator Media Funders

Besten Dank, dass Sie über Media Funders berichten und schön zu hören, dass ein derartiges Portal zur Finanzierung von Journalismus begrüsst wird.

Wie der Beitrag sagt, stehen wir derzeit am Anfang. Die Projektwebseite http://mediafunders.net/projekt dient dazu, das Vorhaben vorzustellen, Kontakte zu knüpfen (u.a. auch mit Journalisten, Verbänden, Verlagen und Stiftungen), Details zu konkretisieren und während der Realisierung darüber zu informieren.

Die „Firma“, wie Prof. Weichert „Media Funders“ nennt, ist ein gemeinnütziges Non-Profit-Projekt. Die genaue Rechtsform (Organisation/Stiftung) ist zum aktuellen Zeitpunkt noch offen.

Das genannte Medien-Netzwerk mediaquell ist Initiator, Mitfinanzierer und Partner von Media Funders. Es ist ein proaktives Netzwerk, welches sich in den letzten Jahren neuen innovativen Finanzierungsformen für unabhängigen Journalismus und Medien gewidmet hat.

Die genannte Pressemitteilung aus dem Jahr 2009 hat leider schon mehrmals zu Irritationen geführt. mediaquell hat damals die neuen Technologieangebote (Corporate Quellen) vorgestellt. Dies sind eigenständige Online-Plattformen für Unternehmen (sogenannte Social Media Newsrooms), durch die mediaquell u.a. den Betrieb des unabhängigen Medien-Netzwerkes mitfinanzieren kann. (Der Link in der Pressemitteilung hat sich unterdessen verändert. Die Infos sind jetzt unter http://infos.mediaquell.com zu finden.)

Das Anliegen von mediaquell ist die klare Trennung von Unternehmenskommunikation und Journalismus. Dafür stellt das Netzwerk offizielle Plattformen für Unternehmen bereit, womit diese ihre Kommunikation transparent und offiziell sichtbar machen. Wo offizielle Unternehmensnachrichten ins Medien-Netzwerk einfließen, werden diese klar als solche gekennzeichnet (u.a. durch Firmenlogo und Textvermerk) und führen die Leser direkt auf die offiziellen Plattformen der Unternehmen.

Wie die Corporate Angebote ist auch Media Funders aus der Frage entstanden, wie sich unabhängiger Journalismus und die dazugehörigen Strukturen zukünftig finanzieren lassen. Media Funders ist dabei ein eigenständiges Vorhaben, welches alle interessierten Medienunternehmen und Journalisten mit einbezieht.

„Er (Stephan Weichert) kritisiert unter anderem, dass der Initiator selbst kein Journalist ist.“

Als Initiator geht es darum (im Team - auch mit Journalisten), die nötigen Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Die Strukturen, Technologien und Werkzeuge zu schaffen, hat aber erst mal nichts mit Journalismus zu tun.

„Mit Anschubfinanzierungen von großen Stiftungen könnten die Initiatoren eines solchen Projekts hierzulande nicht rechnen. Bislang sei ein solches Konzept noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen.„

Wie eine neue Studie der TU Dortmund (Institut für Journalistik) zeigt, war in der Vergangenheit das Engagement von deutschen Stiftungen in diesem Bereich tatsächlich gleich Null. Anders in den USA. Im Gegensatz zu Prof. Weichert sind wir jedoch sehr zuversichtlich, dass sich auch hier in Europa u.a. Stiftungen am Projekt mitbeteiligen.
Studie: http://mediafunders.net/projekt/2011/07/neue-studie-stiftungsfinanzierter-journalismus-in-den-usa-al[..] fünf Jahren wird die Akzeptanz größer sein“, prognostiziert Prof. Weichert.

In fünf Jahren wird der unabhängige Qualitätsjournalismus vielleicht bereits Vergangenheit sein... So lange möchte wohl niemand warten.

Packen wir es doch stattdessen heute gemeinsam an und sehen zu, dass das „Konzept in den Köpfen der Menschen ankommt“, um damit eine weitere Möglichkeit zu schaffen, um zukünftig unabhängigen Journalismus zu fördern und zu finanzieren.

 
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