Detail-Informationen

Autor

René Martens

verfasst am

10.08.2015

im Heft

journalist 8/2015

Nur Marketing und Promotion? Der RBB-Sender Radio Eins ist erstmals eine Partnerschaft mit dem Fußballclub Union Berlin eingegangen.

Medienpartnerschaften

Zu nah dran

Wenn Medien mit Sportvereinen eine Partnerschaft eingehen, ist das fragwürdig. Das hält öffentlich-rechtliche Sender wie RRB und NDR aber nicht davon ab.

Sportjournalisten stehen im Ruf, keine Distanz zu den Objekten ihrer Berichterstattung zu wahren. Das dürfte erst recht für Kollegen gelten, die über Vereine berichten, mit denen ihr Sender oder ihr Verlag eine sogenannte Medienpartnerschaft eingegangen ist. Gerade haben wieder zwei öffentlich-rechtliche Hörfunkwellen solche Vertragsabschlüsse verkündet.

Der RBB-Sender Radio Eins ist erstmals eine Medienpartnerschaft mit dem Fußball-Zweitligisten Union Berlin eingegangen, NDR2 hat seine mit dem deutschen Handballmeister THW Kiel verlängert. Beim NDR geht es dabei in erster Linie um die NDR2 Fanshow vor den Heimspielen. Ähnliche Beziehungen pflegt der NDR im Fußball mit Hannover 96 und dem HSV. Ziel sei es, die Aufmerksamkeit für das Programm von NDR2 zu steigern, sagt NDR-Sprecher Ralph Coleman.

Gehören solche Partnerschaften zum Auftrag eines öffentlich-rechtlichen Radiosenders? Sie bezögen sich “auf Marketing und Promotion, nicht auf die redaktionelle Berichterstattung“, so Coleman. Die Art, wie NDR2-Redakteur Torben Pöhls, der die Fanshows in Kiel moderiert, die Vertragsverlängerung kommentiert, lässt daran zweifeln. “Ich freue mich sehr darauf, die Schwarz-Weißen auch in den kommenden Jahren direkt am Spielfeldrand zu unterstützen“, sagt der öffentlich-rechtliche Journalist.

Gäbe Union Anlass zur Kritik, werde man selbstverständlich darüber berichten

Robert Skuppin, Programmchef von Radio Eins, sagt, man könne die Partnerschaft mit Union mit der Präsentation eines Konzerts vergleichen. Er hofft, dank der Kooperation “mehr Informationen aus dem Verein zu erhalten als sonst“ – und besser an Freikarten für Hörer heranzukommen. Gäbe Union Anlass zur Kritik, werde man selbstverständlich darüber berichten.

Markus Völker, Sportredakteur der taz, sagt dagegen: “Mit einer Medienpartnerschaft endet der Journalismus.“ Zumal sich hier “offensichtlich auch wirtschaftliche Interessen“ vermischten. Eine Anspielung darauf, dass der Verein im Rahmen der Partnerschaft das “Potenzial“ sieht, sein Stadion “als Veranstaltungsort für kulturelle Formate weiterzuentwickeln“.

Die fragwürdigste Medienpartnerschaft besteht zwischen den Ruhr Nachrichten und Borussia Dortmund. Die Zeitung hat kein Problem damit, einen Newsletter mit Beiträgen zu den Spielen des Vereins anzupreisen als “recherchiert und zusammengestellt von der Sportredaktion der Ruhr Nachrichten – dem Medienpartner des BVB“.

Sascha Fligge, Pressesprecher des Klubs, war zuvor leitender Redakteur bei den Ruhr Nachrichten; Josef Schneck, im BVB sein Vorgänger, kam ebenfalls von der Zeitung. Olaf Sundermeyer, Buchautor und BVB-Fan, sagt: “Jede Botschaft, die das Unternehmen Borussia Dortmund in die Welt gesetzt haben möchte, transportieren die Ruhr Nachrichten eins zu eins.“

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

05.01.2016 12:03

Ralf Maack

Sehr geehrter Herr Martens,

vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel, ich hoffe dieses Thema wird auch weiter von Ihnen und Ihren Kollegen mit Nachdruck verfolgt.

Es ist keinesfalls vertretbar, wenn öffentlich-rechtliche Medien sich derart mit Profivereinen bzw. Wirtschaftsunternehmen "verbrüdern" - der Begriff Verein ist hier auch eher irreführend, da man dies i.A. mit Gemeinnützigkeit in Verbindung bringt.

Natürlich wird hinsichtlich dieser Partnerschaften sofort darauf verwiesen, dass keine Gebühren dafür verwendet werden, dennoch leidet der Staatsauftrag und die Vielfalt der Berichterstatung erheblich. Wieso müssen auch noch regionale öffentlich-rechtliche Medien über etwas berichten, was ohnehin über alle Maßen bundesweit in diversen Staats- und Privatsendern Berücksichtigung findet? Was hat z.B. das NDR 2 Logo auf der Sponsorentafel vom HSV "verloren"?)

Verlierer sind diejenigen Zuschauer und Hörer, die sich nicht nur für Bundesligafußball interessieren, die "Nichtfußball-Bundesligavereine", und auch die Amateurfußballer, denn Ressourcen und Sendezeit werden in jedem Fall drastisch beeinträchtigt. Der Schaden für die regionalen Sportvereine, die auch erstklassigen Sport anbieten, wenn auch nicht Fußball oder Handball, ist hoch. Hier handelt es sich häufig um gemeinnützige Vereine mit Randsportarten oder Amateurfußball, die jede noch so kleine öffentliche Beachtung gut gebrauchen könnten.

Gewinner ist wie immer der Bundesligafußball, der alles andere, eben auch mit Hilfe der öffentlich-rechtlichen Anstalten, an den Rand drängt – dies kann nicht im Ineresse des Allgemeinwohls liegen.

 
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