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Autor

David Goeßmann

verfasst am

09.06.2010

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21. April 2010: Reklame statt Recherche, NDR-Medienmagazin "Zapp" über PR-Bilder im Fernsehen

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Welche Sender, Onlineportale und Nachrichtenagenturen noch auf PR-Material zurückgreifen und warum N24 kein Problem damit hat, lesen Sie in der Juni-Ausgabe des journalists.

Großprojekt Ostsee-Pipeline: Die imposanten Bilder in den Tagesthemen stammen allerdings von einer PR-Firma.

PR im Fernsehen

PR-Bilder der Ostsee-Pipeline haben es in zahlreiche Nachrichtensendungen geschafft

Immer wieder verwenden Redaktionen Videomaterial von PR-Agenturen. Jüngst gelangte so PR-Material zur Ostsee-Pipeline flächendeckend in deutsche Nachrichtensendungen.

Es sind die Bilder des 9. April. Dem Tag, an dem die Nord Stream AG ihre Ostsee-Pipeline zwischen Deutschland und Russland mit großem Pomp einweihte. Zahlreiche TV-Sender berichteten über das energiepolitische Großereignis. Doch viele Bilder stammten weder von den TV-Redaktionen selbst, noch von journalistisch arbeiteten Agenturen: Die Videosequenzen produzierte die Tele-PR-Firma Mhoch4 im Auftrag der Nord Stream AG.

Einen Teil dieser Bilder strahlten "Tagesschau" und "Tagesthemen" (ARD) aus, und sie liefen in zahlreichen „Heute“-Sendungen und im "Heute Journal" (ZDF), bei n-tv, N24 und dem Bayerischen Rundfunk. Das Umsonst-PR-Material der Nord Stream AG flochten die Sender meist ohne Hinweis auf die Quelle in aktuelle Beiträge ein. Die Nachrichtensender n-tv und N24 bauten ihre Stücke fast komplett aus Tele-PR-Videos.

Thomas Hinrichs, zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell, bedauert gegenüber dem journalist den Vorfall: Man habe schlicht vergessen, die Quelle einzublenden. „Es bleibt unschön, weil die Sache einer Unaufmerksamkeit geschuldet war", erklärt Hinrichs. "Unsere Glaubwürdigkeit ist unser höchstes Gut. Ohne Rücksicht auf Ästhetik insertieren wir daher konsequent, aus welchen Quellen unser Material stammt, wenn es nicht von uns oder den mit uns seit Jahren unter Vertrag stehenden Agenturen stammt.“ Auch beim ZDF geht man von einem "Einzelfall Nord Stream" aus.

Das Beispiel Ostsee-Pipeline zeigt, welche Dimensionen die TV-PR annehmen kann, wenn ein Milliardenprojekt mit riesigen Konzernen im Hintergrund den Fernsehnachrichtenmarkt mit PR-Material bedient. Auf dem Videoportal von Mhoch4 finden sich allein 51 Videopakete zur Ostsee-Pipeline. Zusammengerechnet etliche Stunden von gut aufbereitetem TV-Material, Beiträgen und Interviews zu verschiedenen Aspekten der Pipeline. Seit Jahren begleitet Mhoch4 das Projekt für die Nord Stream AG mit kostspieligen Drehs. Und das erfolgreich.

Wie gleichgeschaltet I: n-tv, ZDF, N24 und das Erste griffen auf dasselbe PR-Material zurück.

Wie gleichgeschaltet II: Schweißen im Auftrag der Nord Stream AG

Aktuelle Kommentare zu dieser Meldung

14.06.2010 19:43

Thomas Majchrzak

Ich erkenne hier eine übertriebene Schwarzmalerei. Sollen zehn verschiedene Redaktionen jeweils eigene Hubschrauber auf See schicken, nur um eigene Bilder zu machen? Und das auch noch auf zusätzliche Kosten der Allgemeinheit (Gebühren oder Werbekosten = höhere Produktpreise)?

PR-Material kann eine gute Ergänzung sein und ist kein "Teufelszeug".

Ich möchte noch ein anderes Beispiel ergänzen. Wir sind ausgebildete Journalisten und produzieren nun im Auftrag von Unternehmen und Verbänden. Für die Kulturhauptstadt-Ausstellung "AufRuhr 1225!" haben wir Making-of-Filme gemacht.

- Beim Dreh eines Luftbildarchäologen hatten wir gutes Wetter, spätere Fernsehteams hatten Pech mit dem Wetter. Kein Problem, sie konnten unsere Aufnahmen aus dem Flugzeug nutzen.
- Die Replik einer Grabplatte dauerte Monate, mehrere Schritte usw. Welcher Sender hätte solche Drehs bezahlt? Keiner. Das PR-Broadcastmaterial konnte aushelfen.

Nur zwei Beispiele, die zeigen, dass transparentes und gutes PR-Material als gute Ergänzung für eine umfassende Information der Zuschauer geeignet sein kann.

Aber weil es häufig ausschließlich Kritik gibt, sei auch gesagt: Abgesehen von meiner anderen Meinung ist der Artikel sehr gut recherchiert und geschrieben wie vom journalist gewohnt.

 
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