Detail-Informationen

Autor

Wolfgang Lenders

verfasst am

06.06.2011

im Heft

journalist 6/2011

pcwelt.de: "Der Preis erklärt dann auch die Qualität des Contents auf der Seite."

pcwelt.de

Zu wenig Geld für eine Nachricht

10 Euro für eine Meldung sind genug. Das findet zumindest der Chefredakteur von pcwelt.de, wenn es um die Bezahlung seiner freien Autoren geht.

Für wie wenig Geld sind freie Journalisten bereit zu arbeiten? Das scheinen einige Verlage immer wieder auszutesten. Jüngstes Beispiel: das Internetportal der Zeitschrift PC Welt.

Die Redaktion suchte per Rundmail freie Autoren für das Schreiben von News auf pcwelt.de. Die Autoren sollen sich mit IT-Themen hervorragend auskennen, sich aber zugleich mit einem Honorar von 10 Euro pro Nachricht zufriedengeben – was zu entrüsteten Kommentaren in der Branche führte. "Der Preis erklärt dann auch die Qualität des Contents auf der Seite", schrieb etwa ein Leser im Blog von IT-Journalist Michael Friedrichs, der die Nachricht kommentierte. Andere Stimmen nehmen die Redaktion in Schutz: "Die PC Welt und andere Magazine zahlen normalerweise recht gut – allerdings halt nur für Artikel." News seien nun einmal Dinge, die nebenbei abfielen.

Trotz der Kritik hat sich die Rundmail für pcwelt.de gelohnt. "Es haben sich bestimmt 20 Leute gemeldet", sagte Chefredakteur Andreas Perband im Gespräch mit dem journalist. Er verteidigte das geringe Honorar: Es gehe um Texte, die ein Redakteur in 10 bis 20 Minuten schreiben könne. Für Extraleistungen, zum Beispiel die Lieferung eines Fotos, werde mehr bezahlt.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) warnte in einer Pressemitteilung vor der Ausschreibung. "Kein freier Journalist sollte seine Leistungen zu solchen Konditionen anbieten", wird Bundesvorsitzender Michael Konken zitiert. Für Texte in Onlinemedien sehen die Empfehlungen des DJV ein Honorar von 12 Cent pro Zeichen vor – im Fall der News für pcwelt.de, die zwischen 300 und 500 Zeichen lang sein sollen, wären danach also zwischen 36 und 60 Euro Honorar fällig. In der Praxis ist weniger üblich: Normalerweise zahlen andere Portale um die 20 Euro für derartige Meldungen – etwa doppelt so viel wie pcwelt.de.

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

09.06.2011 04:06

Phil C.

"Jeder ist frei in seiner Entscheidung und kann solch ein Angebot annehmen oder als lächerlich zurückweisen."
Na da sagt das Gesetz, wenn jemand in Hartz IV ist, aber etwas anderes. Da wird es sogar gesetzlich bei Strafe angedroht, dass er jede zumutbare Beschäftigung anzunehmen hat, ansonsten wird eine Sanktion bis zum Totalverlust der Leistung verhängt.

08.06.2011 10:54

Christian Christian

Der Markt regelt den Preis. Es wird kein Autor gezwungen, für 10 Euro zu arbeiten.

07.06.2011 19:13

Mirko S.

Das Problem ist wohl eher, dass man in 10 bis 20 Minuten nur News schreiben kann, wenn man eine Pressemitteilung "abändert". Für qualitativ hochwertige Artikel ist zumeist schon eine längere Recherche nötig. Gerade im IT-Bereich lese ich häufig Artikel, die hinten und vorne nicht stimmen, weil sich der Autor noch nicht einmal Gedanken darüber gemacht hat, wie die vorgestellte Technik oder Software funktioniert. Auch Nachfragen an Hersteller oder Pressestellen sind dann mehr oder minder ausgeschlossen.

07.06.2011 16:33

Ralf Marder

Für den einen sind 10 EUR viel Geld, für den anderen ein Hungerlohn. Solange es Menschen gibt, die sich mit so geringen Löhnen zufrieden geben, solange wird es auch derartige Angebote geben. Jeder ist frei in seiner Entscheidung und kann solch ein Angebot annehmen oder als lächerlich zurückweisen. Wenn es aber nur um Texte geht, die ein Redakteur in 10 bis 20 Minuten schreiben kann, wie es der Chefredakteur Andreas Perband im Interview erwähnt, dann sind 10 EUR eigentlich noch ein annehmbares Angebot. An dem Artikel ist aber sonst nichts auszusetzen. Allerdings hätte man in der Überschrift ein ? setzen können.

07.06.2011 15:20

Chris Test

Altbewährtes Konzept: Die Armen werden gegen die Ärmsten ausgespielt, und oben bleibt alles so, wie es ist.

07.06.2011 12:19

Torsten F.

Wer sich auf dieses Angebot meldet, ist selbst schuld. Da kann man sich doch besser mit einem Blog selbständig machen und die Artikel von Trigami und Co. bezahlen lassen.

07.06.2011 12:03

Anna B.

Ich sage es immer: Honorarbasis ist das neue Sklaventum! :-s

 
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