Detail-Informationen

Autor

Monika Lungmus

verfasst am

09.09.2014

im Heft

journalist 9/2014

Beschwerden gegen Onlineveröffentlichungen werden immer häufiger. Der
(Bild: journalist)

Presserat

Ein Kodex mit Onlineregeln

Der Presserat will den Pressekodex mit speziellen Onlineregeln ergänzen. Eine Arbeitsgruppe hat dazu Vorschläge erarbeitet, über die am 11. September das Plenum entscheiden wird. Der journalist hat im Vorfeld mit Presserats-Geschäftsführer Lutz Tillmanns gesprochen.

Lutz Tillmanns, seit 1992 Geschäftsführer des Deutschen Presserats
Bild: Heike Rost

Immer häufiger befasst sich der Deutsche Presserat mit Beschwerden über Beiträge in Onlinemedien. Der Anteil reiner Onlinebeschwerden liegt inzwischen bei mehr als 60 Prozent, während der Anteil reiner Printbeschwerden auf 33 Prozent zurückgegangen ist. Allerdings deckt der Pressekodex (noch) nicht alle Fälle ab. Deshalb hat der Presserat beschlossen, seine ethischen Grundsätze mit speziellen Onlineregeln zu ergänzen. Am 11. September will das Plenum des Presserats über die Vorschläge einer Arbeitsgruppe entscheiden, die sich seit einem Jahr mit der Kodex-Überarbeitung beschäftigt.

Konkret geht es bei den neuen Onlineregeln beispielsweise um die Kommentarleisten und Onlineforen. Hierzu soll es eine Ergänzung in der Ziffer 2 (Sorgfaltspflichten) des Pressekodex geben. Zwar hält es die Arbeitsgruppe für zulässig, so Presserats-Geschäftsführer Lutz Tillmanns in einem Interview mit dem journalist, dass hier "lediglich Nicknames stehen", während der Pressekodex bei Leserbriefen verlangt, dass der richtige Name des Verfassers veröffentlicht wird. Das entlaste Redaktionen aber nicht davon, die Verfasser von Onlinebeiträgen zu authentifizieren – etwa über die IP-Adresse. Zudem sei es bei einem moderierten Onlineforum klar, dass "alle Beiträge, die dort erscheinen, dem Kodex unterliegen", so Tillmanns. "Und wenn nicht moderiert wird, aber die Redaktion Kenntnis von Verstößen hat, muss sie auch sofort reagieren."

Auch mit Blick auf die Online-Archive hält die Arbeitsgruppe eine Regelung für notwendig. Generell habe die Öffentlichkeit zwar ein berechtigtes Interesse, sich ungehindert im Internet über Sachverhalte informieren zu können. Im Einzelfall müsse es indes eine Güterabwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht und dem Datenschutz sowie dem Interesse der Öffentlichkeit auf ein unmanipuliertes Archiv geben. Lutz Tillmanns: "Wenn ein Betroffener also zu Recht auf Resozialisierung und Datenschutz pocht und seine Persönlichkeitsrechte dem öffentlichen Interesse vorgehen, dann soll eine entsprechende Anonymisierung möglich sein."

Falsche Behauptungen einfach korrigieren oder per Update kenntlich machen?

Ein weiteres Thema sind Richtigstellungen von Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erwiesen haben und die der Pressekodex unter der Ziffer 3 fasst. Weil bei Onlinemedien kein Korrektur-Abdruck möglich sei, müsse es dort eine andere Art der Kennzeichnung geben – zum Beispiel in Form eines Updates, das als Nachtrag an die betreffende Veröffentlichung angehängt wird. Eine fehlerhafte Textpassage einfach durch eine korrigierte Formulierung auszutauschen, sei hingegen nicht erlaubt.

Auch mit Schleichwerbung (Ziffer 7) in Onlinemedien hat sich die Arbeitsgruppe befasst. "Besprochen wurden zum Beispiel die Links zu Affiliate-Partnern", berichtet Tillmanns dem journalist. "Es geht hier darum, dass aufgrund von Absprachen zwischen einem Medienhaus und seinem Affiliate-Partner in einem redaktionellen Text auf bestimmte Kaufportale wie Amazon und andere verlinkt wird." Hier stehe die Frage im Raum, inwieweit der Leser von solchen Absprachen Kenntnis haben muss.

Was letztlich in den Kodex aufgenommen wird, entscheidet jetzt das Plenum des Presserats. Die Neuregelung, die eine bessere Orientierung im Redaktionsalltag bieten soll, betrifft nicht nur die Onlineportale der Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser, sondern auch ein Dutzend reiner Onlinemedien, die die Selbstverpflichtungserklärung beim Presserat unterschrieben haben – zum Beispiel altona.info, tegernseerstimme.de, prenzlauerberg-nachrichten.de.

 

Update, 12. September

Das Plenum hat auf seiner September-Sitzung doch noch nicht entschieden. Einige Details seien noch zu klären, hieß es auf Nachfrage beim Presserat. Deshalb sei die Entscheidung über die Onlineregeln auf die nächste Plenumssitzung im März 2015 vertagt worden.

Das ausführliche Interview mit Lutz Tillmanns lesen Sie in der September-Ausgabe des journalists.

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