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Autor

Svenja Siegert

verfasst am

01.06.2011

im Heft

journalist 6/11

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Social Media

Revolution!

In den vergangenen Monaten haben in der ARD soziale Netzwerke an Bedeutung gewonnen. Für die Tagesschau recherchieren Social-Media-Redakteure im Schichtdienst nutzergenerierten Inhalten hinterher. Beim alltäglichen Umgang mit Communitys steht sich die ARD aber mal wieder selbst im Weg.

Der Himmel ist diesig, die Sonne brennt. Tarnfarbene Panzer reihen sich entlang einer unbefestigten Straße. Dahinter zweigeschossige Betonrohbauten, die an ausgebombte Häuser erinnern. Fünf Männer – wahrscheinlich Soldaten – stehen in einer Gruppe zusammen. Links davon ein Autohaus, ein paar Lastwagen. Im Hintergrund ein Rauschen, eine unverständliche Stimme aus dem Off. Nach 15 Sekunden ist alles vorbei.

Jan Oltmanns sitzt in Hamburg. Immer wieder spielt er das YouTube-Video ab. Es sind verwackelte Bilder, wahrscheinlich mit einem Mobiltelefon aus einem vorbeifahrenden Wagen aufgenommen. Oltmanns hat seine dunkle Kunststoffbrille dicht am Bildschirm. Das Video soll einige Kilometer vor der Stadt Homs in Syrien entstanden sein. Hat die Regierung ihr Militär auch zu den Protesten nach Homs geschickt? Oltmanns vermutet es, sicher ist er sich nicht.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet der TV- und Onlinejournalist bei ARD-aktuell, der Redaktion, in der Tagesschau, Tagesthemen und tagesschau.de entstehen. Seit April gehört Jan Oltmanns zu den Redakteuren, die für eine neue ARD-aktuell-Einheit – das sogenannte Content Center – am Schreibtisch sitzen. Der Grund für die neue Einheit: Die Redaktion muss schneller an Bildmaterial kommen. 

"Der Zuschauer wartet nicht mehr, bis wir mit dem Zwölftonner vom Hof gefahren sind", sagt Thomas Hinrichs, einer der beiden Chefredakteure von ARD-aktuell. "Wir haben das Informationsmonopol verloren." Smartphones ermöglichen es jedem, sofort Bilder in soziale Netzwerke einzuspeisen – für viele junge Menschen, ob in Duisburg, Winnenden oder Kairo, eine wichtige Informationsquelle. "Wenn sie da weder auftauchen noch mitmachen, blenden Sie die Lebenswirklichkeit dieser Menschen aus", sagt Hinrichs. Deswegen habe sich das ARD-aktuell-Team überlegt, wie es auf das Material, das es im Netz gibt, als Nachrichtenredaktion professionell zugreifen kann. "Ich möchte das Video nicht erst in der Tagesschau haben, wenn es bei allen anderen schon gelaufen ist." 

 

 

"Der Zuschauer wartet nicht mehr, bis wir mit dem Zwölftonner vom Hof gefahren sind"

Thomas Hinrichs, Chefredakteur ARD-aktuell

 

 

Gut eineinhalb Stunden ist es her, dass Jan Oltmanns bei Twitter gelesen hat, dass die Panzer angeblich auch nach Homs einrücken. Auf YouTube hat er das Video gefunden. Sonst gibt es kaum Material. Kein Korrespondent berichtet für die ARD aus dem Polizeistaat Syrien. BBC, Al Jazeera und einige Agenturen verbreiten mittlerweile die Nachricht von Homs – aber keine Redaktion zeigt Bilder. Wenn die in der Tagesschau laufen sollen, muss Oltmanns herausbekommen, ob das Video echt ist.

Neben dem Newsroom, den Flur entlang, sitzt Michael Wegener hinter einer Glastür in seinem Büro. Auf seinem Computerbildschirm: eine Tabelle. Sie listet rund 30 Videos und Fotos auf – alle in sozialen Netzwerken gefunden, die meisten dokumentieren die Proteste in Syrien. Aber sie zeigen auch Jemen, Libyen, den Tahrir-Platz in Kairo und die U-Bahn-Anschläge im weißrussischen Minsk. Die Arbeit der vergangenen vier Wochen. "Wenn Sie über Syrien berichten wollen, dann brauchen Sie diese Bilder", sagt er. Die meisten waren in einer ARD-aktuell-Sendung und auf tagesschau.de zu sehen.

"Wir hätten das schon früher machen sollen"

Michael Wegener leitet das Content Center. Bislang verantwortete er die Abteilung Eurovision, den Bereich bei ARD-aktuell, der sich um den Austausch von Bildern mit Sendern anderer Länder kümmert. Nun kommt für ihn im Content Center noch ein neuer Kanal dazu, um an Bilder und Nachrichten zu gelangen: soziale Netzwerke. "Wir hätten das schon früher machen sollen", sagt er. 

Im englischsprachigen Raum nennen sie das, was die Abteilung von Wegener nun zusätzlich tut, Citizen Journalism. Die britische BBC startete bereits vor sechs Jahren – kurz vor den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn – The Hub. Inzwischen kümmern sich rund 20 Redakteure nicht nur um die 8.000 bis 10.000 E-Mails, Videos und Bilder, die Menschen der BBC täglich schicken, sondern werten auch das Material aus dem Web aus. Der US-Fernsehsender CNN startete mit iReport im Jahr 2008 gleich eine eigene Community – ähnlich der von YouTube. Gut 750.000 User haben sich laut CNN bis heute angemeldet, allein die URL ireport.com soll 750.000 US-Dollar gekostet haben.

Von solchen Größenordnungen ist ARD-aktuell weit entfernt. "Wir haben uns die Leute vom Mund abgespart", sagt Chefredakteur Thomas Hinrichs. Für das Content Center hat der NDR keine neuen Mitarbeiter eingestellt. Das Social-Media-Team besteht aus zehn Redakteuren, die in zwei Schichten arbeiten. Pro Schicht sitzt gerade mal einer auf dem Social-Media-Stuhl – wie heute Jan Oltmanns. Wie die anderen arbeitet auch er weiter als Redakteur in seinem ursprünglichen Bereich. Hinrichs würde gerne den Kreis nach und nach erweitern. "Aber Sie brauchen eine Netzaffinität bei den Mitarbeitern, die groß ist – auch größer als meine eigene."

Da die Tagesschau im Netz vor allem international keine Marke vom Format einer BBC oder CNN ist, kommen nur wenige User von sich aus mit Bildmaterial auf die Redaktion zu. Umso mehr Arbeit muss der Social-Media-Redakteur in die Recherche stecken und in den Aufbau von Kontakten. Es geht nicht nur darum, Material aufzuspüren. Es geht auch darum, denjenigen zu ermitteln, der diese Videos gemacht hat, um sie zu verifizieren und um Nutzungsrechte abzuklären.

Content-Center-Chef Michael Wegener pflegt eine Datei, die auflistet, mit welchen Informanten die Redaktion in Kontakt steht, wie diese zu erreichen sind und wie deren Vertrauenswürdigkeit einzuschätzen ist. Dazu gehören allein aus dem Revolutionsumfeld inzwischen gut 15 verschiedene Portale – unter ihnen Syrian Free Press und On Syria. Darüber hinaus beginnt Wegeners Abteilung damit, ein Expertennetzwerk aufzubauen. "Wir erweitern die alte Herangehensweise und reden mit der Community jetzt auch direkt", sagt er.

Automatische Feeds, sperrige Fragen

Wegener macht keinen Hehl daraus, mit seiner Arbeit ganz am Anfang zu stehen. Bereits seit zehn Jahren reichen seiner Meinung nach Austauschdienst, Korrespondentennetz und Agenturen als Quelle für bewegte Bilder nicht mehr aus. Der Social-Media-Redakteur soll diese Lücke zumindest ansatzweise schließen. Damit ist die ARD hierzulande relativ gut aufgestellt. Weder RTL und n-tv noch das ZDF haben eine eigene Einheit für diese Recherche eingerichtet. In den Nachrichtenredaktionen des ZDF verlässt man sich auf ad-hoc-Teams, die es etwa bei den Aufständen in Ägypten oder den Umsturzbewegungen in Libyen gab.

Die Redakteure im Content Center von ARD-aktuell recherchieren nicht ausschließlich Bildmaterial und klären deren Ursprung ab. Zu ihren Aufgaben gehört auch der umgekehrte Weg: tagesschau.de-Nachrichten im Netz zu verbreiten und sich in Diskussionen einzuschalten. Bislang hat die tagesschau.de-Redaktion das nebenbei gemacht. Jetzt macht es der Social-Media-Redakteur nebenbei. 

Über dieses Thema spricht Michael Wegener weniger gern. Eine Liste hat er nicht. Nur so viel: Künftig soll auf Facebook mehr passieren. Dass die Redakteure nur wenig Zeit dafür haben, sieht man den Social-Media-Auftritten an. Der Twitter-Feed der Tagesschau wird die meiste Zeit automatisch befüllt, nur gut 37.000 Facebook-Fans verzeichnet die Redaktion. Das ZDF kommt mit heute auf rund 82.000 Fans. Aber auch innerhalb der ARD steht das Tagesschau-Angebot hinten an: Mehr als 110.000 Facebook-Nutzern "gefällt" die WDR-Welle 1Live, 384.000 der ARD-Tatort. Englischsprachige Sender wie CNN bringen es auf mehr als zwei Millionen Fans. 

Inhaltlich verlinkt das Facebook-Angebot der Tagesschau vor allem auf die eigene Website. Die Redaktion bemüht sich offensichtlich, mehr Fragen zu posten, um vom User auch Feedback zu bekommen. Die Sprache klingt für Facebook-Verhältnisse etwas hölzern: "Hat die Hochzeit von William und Kate für Sie eine Bedeutung?"

Jeder der fünf bis sieben Facebook-Posts täglich werde vorher geplant, so gut wie jeder Post landete bisher vor Veröffentlichung auf dem Schreibtisch der Chefredaktion.

"Wenn Sie die Social-Media-Redakteure bei Facebook ins Spiel bringen", sagt Chefredakteur Thomas Hinrichs, "dann ist das mit einer journalistischen Verantwortung verbunden, die organisiert werden muss". 

Michael Wegener zieht die linke Schublade seines Schreibtischs auf. Obenauf liegt eine geheftete Kopie der neuen Social-Media-Richtlinien für ARD-übergreifende Angebote wie das der Tagesschau. In den Richtlinien stehe etwa, dass der User gesiezt werden soll; was auf den Profilseiten zu stehen hat; Berufliches und Privates sollen die Redakteure trennen. Wegener hält die Guidelines für wichtig.

Nicht nur ARD-aktuell, viele Redaktionen innerhalb des öffentlich-rechtlichen Senderverbunds fangen an aufzuholen, was sie in den vergangenen Jahren versäumt haben. Sie überwinden ihren zwanghaften Drang, nur zu senden, treten in Kontakt mit ihrem Publikum. Von Hamburg bis München gewinnt die Arbeit mit sozialen Netzwerken in der ARD an Fahrt. Viele, auch ältere Redakteure treten Facebook und Twitter weniger skeptisch gegenüber, wollen Accounts für ihre Sendungen pflegen. Selbst die Vorsitzenden der ARD-Aufsichtsgremien bilanzierten nach ihrer Sitzung Ende Februar: "Social Media ist nicht nur eine Marketingmaßnahme", man sehe "journalistische Innovationschancen". 

Nahezu alle Rundfunkanstalten haben Social-Media-Guidelines erarbeitet und zum Teil schon verabschiedet – so der Rundfunk Berlin-Brandenburg, der Bayerische, der Saarländische, der Mitteldeutsche, der Westdeutsche und zuletzt der Norddeutsche Rundfunk. Die Guidelines verbieten etwa, dass ein Redakteur auf der Tagesschau-Facebook-Seite auf seine Ebay-Auktionen aufmerksam macht oder Interna aus dem NDR ausplaudert. Bei den Richtlinien handelt es sich allerdings nicht nur um Verbotskataloge, sondern auch um einen klaren Aufruf an die Redakteure, soziale Netzwerke journalistisch einzusetzen. 

Die Richtlinien könnten in vielen Redaktionen der Stolperstein für die ARD werden. Mitunter hat der Abstimmungsprozess in und zwischen den Landesfunkhäusern mehr als ein Jahr gedauert. Bei der öffentlich-rechtlichen BBC konnte man sich schon vor mehr als drei Jahren auf solche einigen. Die lange Diskussion um die Guidelines – auf senderübergreifende konnte man sich nicht einigen – trägt dazu bei, warum sich die ARD dort so lange zurückgehalten hat. Ausnahme sind sicherlich die jungen Hörfunkwellen. Sie stehen dem Experimentieren mit Formaten und Medien weniger skeptisch gegenüber. 

Den zweiten vor dem ersten Schritt

Ob die Guidelines einem unerfahrenen Redakteur tatsächlich die Unsicherheit nehmen, bleibt fraglich. Beim RBB muss er sich durch 25 Seiten kämpfen. Beim WDR hat man es bereits nach viereinhalb Seiten geschafft. Zwar mögen die Guidelines für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgen sowie konform mit Datenschutz- und Urheberrechtsregeln sein, sie können aber auch verhindern, dass Redakteure neue Medien einfach ausprobieren. Die Rundfunkanstalten machen hier den zweiten Schritt vor dem ersten. Sie reglementieren ein Verhalten, das es in vielen Redaktionen noch gar nicht gibt. 

Hätte ein ARD-Redakteur Twitter als Liveticker ausprobiert, wenn Guidelines ihm ausdrücklich verbieten, exklusive Inhalte für soziale Netzwerke herzustellen? Und wie soll ein Radiomoderator auf Social-Media-Aktionen aufmerksam machen? Er soll laut RBB-Richtlinie on air die Wörter Facebook und Twitter nicht in den Mund nehmen, damit sich die ARD dem Vorwurf der Schleichwerbung nicht ausgesetzt sieht.

Michael Wegener sieht das anders. Für ihn ist es wichtig, dass die Tagesschau als Marke, die für Qualität stehe, auch in sozialen Netzwerken gewahrt bleibe. "Posts aus unserer Redaktion gibt es nur über den offiziellen Tagesschau-Account." 

Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger hat seine Redakteure schon früh gedrängt, sich einen Twitter- und einen Facebook-Account zuzulegen. 450 Mitarbeiter seien inzwischen bei Twitter angemeldet. Keine Zeit? Belangloses Zeug? "Sicher ist vieles belanglos. Wenn man aber glaubt, Twitter habe nichts mit dem Nachrichtengeschäft zu tun, liegt man so falsch wie irgend möglich", sagte Rusbridger bei einem Vortrag

Weder Wegener noch die beiden Chefredakteure von ARD-aktuell twittern unter ihrem Namen und ihrer Funktion im Sender. 

Erste Probleme gibt es jetzt, wenn es um die Frage geht, wie man – zum Beispiel in syrischen Widerstandsforen – als Content Center von ARD-aktuell auftritt. Unter dem Namen Tagesschau dort zu recherchieren, scheidet aus, es weiterhin anonym zu tun, wird zunehmend schwierig. Menschen – auch in Onlineforen – kommunizieren lieber mit Menschen als mit einem gesichtslosen Irgendwas. Künftig soll das anders werden: Wenn ARD-aktuell dort recherchiert, dann immer unter dem Namen ARD News Research. Darauf konnten sich Hinrichs und Wegener im Mai einigen.

Trotz des anonymen Auftretens ist es Jan Oltmanns heute gelungen, das Video aus Syrien auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen: Es handelt sich tatsächlich um Panzer des Militärs, die vor dem Dorf Tira Ma‘alle ein paar Kilometer vor Homs stehen. Das Video hat wahrscheinlich ein Syrer bei YouTube hochgeladen. Drei verschiedene Netzwerke, darunter On Syria und Syrian Free Press, verbreiteten es weiter. Ein zweites Video zeigt ähnliche Szenen vor Ort. Oltmanns Kontaktmänner bei allen drei Communitys bestätigten, dass es echt sein muss. Auch Al Jazeera und BBC zeigen inzwischen die Bilder. "100-prozentige Sicherheit haben Sie gerade im Fall Syrien nie", sagt Oltmanns. Die Tagesschau verlasse sich daher äußerst ungern auf nur eine Bildquelle. So auch an diesem Abend. In die Sendung hat es das Video nicht geschafft. Zu viele andere Themen, zu unsicher die Faktenlage. 

Für Michael Wegener steht fest: "Unsere Aufgabe wird sein, eine Community zu schaffen, die uns folgt, uns für relevant hält, die wir mit Informationen versorgen und die uns dann zurückfüttert." Hierfür reicht vieles, was seine Redaktion tut, noch nicht aus. Wegener hofft, dass netzaffine Journalisten wie Oltmanns ARD-aktuell anstecken. Was er tut, soll auch für andere Journalisten selbstverständlicher werden. Es genügt nicht, sich auf den ARD-Twitter-Auftritt zu verlassen, diesen automatisiert mit Nachrichten zu befüllen. "Das ist okay, aber es ist nicht Dialog, es ist nicht Social Media."

Update, 8. Juni

Der Norddeutsche Rundfunk hat zugestimmt, die neu erarbeiteten "Leitlinien für die Nutzung Sozialer Medienangebote" auf journalist.de zu veröffentlichen. Hier der Link. 

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

27.07.2011 15:57

journalist-Redaktion

@Simon Ho Zwar haben uns fast alle Landesrundfunkanstalten ihre Richtlinien gezeigt, aber der NDR bzw. die NDR-Pressestelle war die einzige, die zustimmte, die Richtlinien auf journalist.de zu veröffentlichen.

27.07.2011 15:55

Simon Ho

Wo kann man die anderen Richtlinien einsehen? Die Google-Suche war bei mir recht erfolglos! Wäre schön, wenn man in die anderen Richtlinien ebenfalls einen Einblick bekommen könnte. Vielen Dank :)

25.06.2011 15:55

Karolin Freiberger

Ich finde es wirklich unfassbar, wie schwerfällig die deutschen Medien sind! Dass Rusbridger mit seiner Haltung zu Twitter Recht hat, habe ich weder in meinem Journalistikstudium noch während meines Volontariats beim ZDF gelernt – sondern durch Open Seminars, Podcasts, Livediskussionen und Research Paper der Columbia University, vom Poynter Institute, der Knight Foundation etc. Dass sich der deutsche Journalismus so viele Chancen verbaut, liegt nicht nur daran, dass es nur einen Social-Media-Redakteur pro Schicht gibt, sondern vor allem daran, dass erstmal ein Katalog von Richtlinien entsteht, bevor die Redakteure überhaupt darin ausgebildet werden, Social Media für die Berichterstattung zu nutzen.

Meine Twitterliste "New-Journalism" besteht fast ausschließlich aus amerikanischen Professoren und Instituten. Warum? Weil dort nach den eindeutigen Zeichen der Zeit Journalismus betrieben wird und Rosens Philosophie "the people formerly known as the audience", die in Deutschland bestenfalls in Richtlinien steht, auch umgesetzt wird. Es ist doch bezeichnend, dass nicht einmal der Social Media Redakteur unter seinem richtigen Namen bei Twitter zu finden ist. Warum denn nicht? So kann ich ihn nämlich zum Beispiel nicht finden und muss mich stattdessen an die amerikanischen Redakteure halten.

Anstatt sich im Netz einen Namen aufzubauen, sich aktiv in die Diskussionen mit einzubringen, scannen dadurch nämlich auch die Redakteure bestenfalls die Kanäle. Das hat nichts mit Social Media Nutzung zu tun.
Ich stehe derzeit vor meiner Diplomarbeit – und suche vergeblich nach Anlaufpunkten für Social Media Forschung, technische und inhaltliche Betreuung. Das ist nicht nur schade – das ist für den zukünftigen Journalismus wirklich gefährlich.

Im Juni habe ich diesen Blog http://howsocialmedia.bplaced.net/wordpress/ gestartet – eine Seite, die Journalisten erklären soll wie sie Social Media nutzen können und wo es relevante Informationen gibt. In der Hoffnung, dass ich bald auch deutsche Beispiele hinzufügen kann.

07.06.2011 20:51

Oidaa Moe

Zitat: "Smartphones ermöglichen es jedem, sofort Bilder in soziale Netzwerke einzuspeisen – für viele junge Menschen, ob in Duisburg, Winnenden oder Kairo, eine wichtige Informationsquelle." "Wenn Sie da weder auftauchen noch mitmachen, blenden Sie die Lebenswirklichkeit dieser Menschen aus", sagt Hinrichs.

Falsch!

Wenn Sie da nicht mitmachen, werden Sie ausgeblendet!

 
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