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Autor

Monika Lungmus

verfasst am

22.12.2011

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"Wir sind die, die diesen Kampf für ganz Deutschland führen"

Schwarzwälder Bote

Rückkehr in den Tarif

Der bislang längste Pressestreik hierzulande hat ein Ende. Fast 100 Tage haben die Mitarbeiter des Schwarzwälder Boten ihre Arbeit niedergelegt, nun gilt für sie wieder der Tarif. Ein Billigtarif für Berufseinsteiger ist allerdings noch nicht vom Tisch.

Der Einsatz hat sich gelohnt: Nach 96 Streiktagen und zähen Verhandlungen gilt für die Redakteure beim Schwarzwälder Boten wieder die Tarifbindung. Die Gewerkschaften, der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Deutsche Journalisten-Union (dju) in ver.di, einigten sich am 20. Dezember mit der Geschäftsführung der am 1. März 2011 ausgegliederten Redaktionsgesellschaft auf einen Anerkennungstarif.

Der Tarif für die Redakteure hat eine Laufzeit bis zum 30. April 2014. Er garantiert den Mitarbeitern, die bis zum aktuellen Tarifergebnis in der Redaktionsgesellschaft beschäftigt waren, die Konditionen der jeweiligen Flächentarife. Auch die bis dato eingestellten Volontäre werden nach Tarif bezahlt. Zusätzlich konnten die Gewerkschaften erreichen, dass der Anerkennungstarif für jene Volontäre gilt, die erst im Laufe des Jahres 2012 eingestellt werden.

Nicht durchsetzen konnten die Gewerkschaften, dass der Anerkennungstarif generell alle Mitarbeiter erfasst, die noch bis zum Ende der Laufzeit im April 2014 eingestellt werden. Die Geschäftsleitung beharrte vielmehr auf ihrer Forderung, für alle künftig Beschäftigten ein neues Tarifwerk abzuschließen. Es sieht nach Vorstellung der Arbeitgeberseite Einbußen von bis zu 30 Prozent gegenüber dem bisherigen Tarifniveau vor. Im Januar wollen sich die Tarifparteien wieder zusammensetzen, um weiter darüber zu verhandeln.

1,5 Prozent mehr auf dem Konto

Die Redakteure dürfen sich aber zunächst auf eine Gehaltserhöhung freuen. Ab Mai 2012 werden sie 1,5 Prozent mehr auf ihrem Konto haben. Die Einmalzahlung von 200 Euro, die mit dem Oktobergehalt fällig war, wurde ihnen bereits ausbezahlt. Verzichten müssen sie auf eine weitere Einmalzahlung, die laut Flächentarif im Februar 2013 fällig wird. Dies war das Zugeständnis, das DJV und dju machen mussten, um den Volontärjahrgang 2012 noch in den Schutz des Annerkennungstarifs holen zu können. Die Erklärungsfrist für dieses Tarifergebnis wurde auf den 31. Januar 2012 gelegt.

Der Anerkennungstarif ist das Ergebnis von drei harten Verhandlungsrunden. Die Geschäftsleitung der Redaktionsgesellschaft hatte beim ersten Treffen am 5. Dezember einen Dumpingtarif für alle Beschäftigten gefordert. Es sollte 3.000 Euro pro Monat für jeden Redakteur geben – egal ob Altbeschäftigter oder Neueinsteiger, egal ob erstes oder 15. Berufsjahr. Beim zweiten Treffen am 8. Dezember bot die Arbeitgeberseite zwar rückwirkend zum 1. März 2011 einen Anerkennungstarif auf Grundlage der für Redakteure und andere Redaktionsangestellte gültigen Flächentarife an – Laufzeit bis 28. Februar 2014. Doch unter dessen Schutz sollten nur Mitarbeiter fallen, die zum Stichtag, dem 8. Dezember 2011, bei der Redaktionsgesellschaft beschäftigt waren. Von dieser Forderung ließ sich die Arbeitgeberseite auch in der dritten Runde nicht abbringen.

Auch mit der Geschäftsführung der ausgegliederten Medienvermarktung Südwest, bei der die Mitarbeiter der Geschäftsstellen und Anzeigenabteilung angestellt sind, kam am 20. Dezember ein Anerkennungstarif zustande. Er hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2014. Mit der Geschäftsleitung des Satzdienstleisters Grafik-Bote, dessen Beschäftigte ebenfalls mitgestreikt hatten, wurde der Anerkennungstarifvertrag bereits am 5. Dezember vereinbart. Diese Firma wird allerdings im kommenden Jahr dichtgemacht.

Die Mitarbeiter der drei ausgegliederten Schwabo-Firmen waren am 20. Mai erstmals in den Streik getreten, um gegen die Tarifflucht zu protestieren. Am 8. September wurde der unbefristete Streik ausgerufen. Insgesamt kamen 96 Streiktage zusammen – der bislang längste Pressestreik hierzulande. Die Website streikbote.de, auf der die Schwabo-Mitarbeiter über den Konflikt berichteten, kommentiert das Tarifergebnis so: "Alle Arbeitnehmer gehen gestärkt aus dieser Tarifauseinandersetzung hervor. Sowohl beim Schwarzwälder Boten in Oberndorf als auch in dem Konzern der Südwestdeutschen Medien Holding haben die streikenden Kolleginnen und Kollegen das Signal ausgesandt, nicht mehr alles widerspruchslos hinzunehmen."

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