Detail-Informationen

Autor

Monika Lungmus

verfasst am

05.10.2011

im Heft

journalist 10/2011

facebooktwitterdel.icio.usMister Wongdigg.comaddthis.comMa.gnolia

Link zum Thema

  • Mehr Infos zum Tarifkonflikt beim Schwarzwälder Boten gibt es auf streikbote.de.

Mehr zum Thema auf journalist.de

Als die Streikenden am 14. September zur Zentrale der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) reisten, wurde ihnen der Zugang von herbeigerufenen Polizeibeamten versperrt.

Schwarzwälder Bote

44 Tage im Ausstand

Im Schwarzwald wird weiter gestreikt. Die Beschäftigten des Schwarzwälder Boten wollen, dass die Geschäftsführer der ausgegliederten Firmen endlich Gespräche mit den Gewerkschaften aufnehmen. So erhalten neu eingestellte Volontäre schon heute 500 Euro weniger, als es der Tarifvertrag vorsieht.

In Oberndorf geht der Arbeitskampf weiter. Und ein Ende ist nicht abzusehen. "Wir streiken so lange, bis wir wenigstens einen Haustarif haben", sagt Christoph Holbein, Betriebsrat beim Schwarzwälder Boten (SchwaBo) und Mitglied der betrieblichen Tarifkommission. Diese bildete sich im Mai dieses Jahres, nachdem sowohl die Redaktion als auch die Anzeigenabteilung – insgesamt 280 Mitarbeiter – aus dem Mutterhaus ausgegliedert und in tariflose Firmen überführt worden waren.

Bisher haben die Geschäftsführer jegliche Gespräche mit den Gewerkschaften abgelehnt. Sie sind lediglich bereit, eine Betriebsvereinbarung abzuschließen. Doch dies lehnen die Betriebsräte ab. "Das ist Sache der Gewerkschaften", sagt Holbein.

Die Stimmung in der Belegschaft ist mies. Erst recht seit dem Polizeieinsatz vor dem Pressehaus in Stuttgart. Die Streikenden waren am 14. September zur Zentrale der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) gereist, um mit Geschäftsführer Richard Rebmann über eine Lösung des Tarifkonflikts zu sprechen. Zunächst hieß es, der Konzernchef sei aus terminlichen Gründen am Vormittag nicht zu sprechen, am Nachmittag wurde den Streikenden dann der Zugang von herbeigerufenen Polizeibeamten versperrt.

"Wir sind nicht die Deppen der Provinz"

Schon seit dem 20. Mai befinden sich die SchwaBo-Redakteure sowie die Mitarbeiter der Anzeigenabteilung im Ausnahmezustand. Auch die Beschäftigten der schon 2008 ausgegliederten Druckvorstufe sind beteiligt. Sie alle wollen die Wiederherstellung der Tarifbindung. "Wir sind nicht die Deppen der Provinz!" – so heißt es in der Streikzeitung der SchwaBo-Aktivisten. Man will auch nicht der Testballon sein, um die Tarifflucht innerhalb der SWMH auszuweiten.

Zwar hat die Geschäftsführung der Redaktionsgesellschaft inzwischen kundgetan, dass sie nichts ändern wolle und Tariferhöhungen in den nächsten drei Jahren mitmache. Doch nach Angaben des Betriebsrats erhalten neu eingestellte Volontäre schon heute 500 Euro weniger, als es der Tarifvertrag vorsieht. "Wenn wir diesen Kampf nicht gewinnen", so DJV-Mann Christoph Holbein, "dann reißt das hier ein."

Bislang waren regelmäßig 130 bis 150 Leute draußen. Selbst die Volontäre haben mitgestreikt. Sie hatten den Geschäftsführer der Redaktionsgesellschaft Ende Juli in einem offenen Brief zum Einlenken aufgerufen. "Viele Volos sind auch in den DJV eingetreten oder zu ver.di gegangen", sagt Holbein. Sogar Unorganisierte hätten sich an den Protestaktionen beteiligt.

Für die SchwaBo ist dieser Streik eine Premiere. Bis auf kleinere Aktionen hat es 175 Jahre lang keinen Arbeitskampf gegeben. Deshalb war auch die Unterstützung der Kollegen aus Esslingen, Konstanz, Mannheim, Reutlingen, Stuttgart, Tübingen und Ulm so wichtig. "Das hat uns gezeigt: Wir sind nicht allein." Auch innerhalb des eigenen Hauses sei die Solidarität gewachsen.

Bisher gab es nur punktuelle Arbeitsniederlegungen, dann ging es wieder an die Schreibtische. 21 Streiktage sind so zusammengekommen. Seit dem 8. September ist der unbefristete Streik ausgerufen. 44 Streiktage sind es inzwischen. Die SchwaBo-Mitarbeiter haben sich viel vorgenommen. Holbein weiß: "Wir werden einen langen Atem brauchen."

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

05.10.2011 22:30

Torsten Bewernitz

Ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen!

05.10.2011 12:43

Eva-Maria Kasimir

Bravo!
Ich verneige mich tief vor den Kollegen aus dem Süden. Wenn es eine solche Solidarität unter Kollegen im ganzen Land gäbe, wäre Tarifflucht bald kein Thema mehr im Pressewesen.

 
Anzeige: 1 - 2 von 2.
 
Viavision
Viavision