In eigener Sache

Detail-Informationen

Autor

K. Antonia Schäfer

verfasst am

07.03.2013

im Heft

journalist 3/2013

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  • 14. Juni 2012: Suchmaschinenoptimierung und Republishing: Weit weit oben weiter
Alle wollen in den Trefferlisten ganz nach vorn. (Bild: dapd/Joerg Koch)

Suchmaschinenoptimierung

"Wir wären irre, wenn wir das nicht täten"

Lange distanzierten sich die Macher seriöser Nachrichtenportale von Seiten, die sich zu sehr an Google ausrichteten. Heute sind sie selbst vorne mit dabei.

Google setzt sich weiter durch. Auch Spiegel Online und süddeutsche.de kommen nicht mehr ohne Google News aus. Noch vor Monaten kritisierte man dort jene Konkurrenten, die ihre Inhalte zu sehr darauf ausrichteten, in Googles Trefferliste möglichst weit oben zu sein, sprich: die verstärkt Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, kurz SEO) betrieben haben.

Jetzt sagt süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger: "Wir können bei SEO nicht hinter andere zurückfallen." Seit November vorigen Jahres beschäftigt er einen eigenen SEO-Experten. Auch Spiegel-Online-Chef Rüdiger Ditz bestätigt, dass die Bedeutung von Google für seine Seite weiter gewachsen ist.

Bei aller neuen Offenheit: Ein rotes Tuch bleibt das Thema Republishing. "Identische Artikel mit neuem Launchdatum versehen erneut zu veröffentlichen mit dem einzigen Ziel, bei Google zu ranken, das machen wir nicht", betont Ditz. Doch im Netz finden sich zahlreiche Beispiele, in denen Texte von Spiegel Online nach Stunden wieder neu bei Google News auftauchen. So steht etwa am 13. Februar um 11.25 Uhr auf Google News, vor einer Stunde sei der Beitrag "Ponader kündigt Rückzug an" veröffentlicht worden. Bereits zwölf Stunden zuvor wurde jedoch "Ponader kündigt Rückzug aus Piratenvorstand an" veröffentlicht – derselbe Artikel. Ähnliche Beispiele finden sich bei süddeutsche.de. Google News gibt am 15. Februar an, der Text "Lebensmittelskandal in Europa – Schnitt ins eigene Fleisch" sei vier Stunden zuvor publiziert worden, tatsächlich ist der Artikel da jedoch bereits knapp 24 Stunden alt.

Solche Fälle hätten nichts mit Republishing zu tun, sagt Spiegel-Online-Chef Ditz. Vielmehr gebe es jetzt bei jedem Text neben der Überschrift einen weiteren Titel, der für Google optimiert und in ein eigenes Feld eingetragen werde. Google News finde die beiden Titel dann schlicht zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Ähnlich argumentiert Plöchinger: Bei süddeutsche.de habe die Redaktion ein sogenanntes "Google Snippet" eingeführt, einen kurzen Text, der für Googles Längenvorgaben optimiert und mit Schlagworten versehen ist. Eigentlich sollten die Redakteure diese Maske selbst ausfüllen. Tun sie das nicht, müsse der SEO-Experte das später nachholen – und somit den Text republishen.

Plöchinger geht sogar noch weiter: Auch in Fällen, in denen andere Seiten Themen einfach übernehmen und damit süddeutsche.de überholen, würden Texte im Snippet aktualisiert. "Wir wären vermutlich irre, wenn wir das nicht täten."

Sebastian Cario von der SEO-Beratung The Reach Group bestätigt, dass Spiegel Online und süddeutsche.de der SEO in jüngster Zeit besondere Aufmerksamkeit schenken. Aber sie würden sie nicht bis ans Limit ausreizen. "Sie sind nicht in einem auffälligen Maß mit Doppelartikeln auf Google News vertreten." Republishing ist weiter verrufen, SEO jedoch salonfähig geworden. Plöchinger begründet das so: "Google ist unser Kiosk, der viele neue Leser bringt." Sich dafür zu optimieren, sei nicht problematisch. Problematisch sei nur, wenn die Inhalte die Versprechen nicht einlösten.

 

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

10.03.2013 13:28

Proentry Martin

Es wäre doch für jedes Unternehmen fahrlässig, egal ob Nachrichten-Magazin, Online-Shop, Dienstleister oder sonstiger Unternehmer, wenn er das Potenzial, welches Google durch eine gute Sichtbarkeit in Form von SEO oder bezahlten Anzeigen außer Acht lässt.

Jedes Unternehmen sollte sich Gedanken machen, wie man bei Google & Co. eine bessere Sichtbarkeit - und somit mehr Aufmerksamkeit erzielt.

 
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