
Bild: Anja Cord
In Bad Honnef ging der Journalismus Mitte April symbolisch baden.
Zeitungsjournalisten
Tarifverhandlungen gehen in die nächste Runde
Heute, am 4. Mai, treffen sich in Dortmund die Vertreter des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger sowie des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) und der Deutschen Journalisten-Union in ver.di, um die Tarifverhandlungen fortzusetzen. Die Journalistengewerkschaften erwarten, dass die Verleger von ihren Maximalforderungen abrücken. In zahlreichen Protestaktionen haben Journalisten bereits ein deutliches Zeichen gesetzt: "Abstriche beim Tarif wird es mit uns nicht geben!".
Das war gar nicht so schlecht. Hunderte von Journalisten haben in der Woche des 11. bis 15. April versucht, ein bisschen Schwung in die stockenden Tarifverhandlungen zu bringen. Die Journalistengewerkschaften DJV und dju in ver.di führen bereits seit September Gespräche mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger. Ob in Baden-Württemberg, Bayern, Ostwestfalen oder im Saarland – mit Warnstreikaktionen und Kundgebungen wollten die Redakteure der Tageszeitungen die Verleger zum Einlenken bewegen.
Die nämlich wollen für die Redakteure einen Dumpingtarif festschreiben. Mindestens 25 Prozent weniger soll es für Einsteiger geben; und auch für altgediente Redakteure sind Einschnitte geplant. Obwohl der Aufschwung längst bei den Verlagen angekommen ist, wie Kajo Döhring betont, der als DJV-Hauptgeschäftsführer die Verhandlungen für den Deutschen Journalisten-Verband führt. Für Klagen gibt es aus seiner Sicht keinen Grund. Kajo Döhring wird daher nicht müde, den Sparwahn der Zeitungsverleger zu geißeln. Er sieht in der Tarifforderung der Verleger eine Abwertung des ganzen Berufsstands: Manche propagierten bereits offen die Gleichstellung mit kaufmännischen Angestellten.
Schon kurz vor dem Start der Aktionswoche im April demonstrierten rund 110 Journalisten in Bad Honnef mit einer symbolischen Szene, die der DJV-Landesverband Nordrhein-Westfalen während seines Gewerkschaftstags vorbereitet hatte, was sie von den Forderungen der Verleger halten. Sie gingen im nahe gelegenen Rhein baden, damit der Journalismus nicht absäuft.
Zwei Tage später traten rund 80 Mitarbeiter der Neuen Westfälischen (NW) und anderer Zeitungstitel auf den Plan. Das Druck- und Verlagshaus der NW feierte seinen 200-jährigen Geburtstag: Bundespräsident Christian Wulff und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, als Gäste zur Jubiläumsfeier geladen, sahen sich mit den Slogans demonstrierender Redakteure umgeben: "Ihr feiert, wir nicht." Oder: "Sekt für euch, minus 25 Prozent für uns." Dem Bundespräsidenten übergaben sie einen Brief, in dem sie ihre Tarifforderungen erläutern und erklärten, dass es hier nicht nur um ein paar Prozentpunkte geht.
Auch in Baden-Württemberg zeigte man Entschlossenheit. Rund 70 Journalisten versammelten sich in Ulm vor dem Haus der Südwestpresse, um anschließend durch die Stadt zu ziehen. In Saarbrücken protestierten 25 Journalisten aus der Zentrale der Saarbrücker Zeitung am St. Johanner Markt, während die Kollegen in den Lokalredaktionen der Tageszeitung zur selben Zeit in die „kämpferische Mittagspause“ gingen.
Höhepunkt der Aktionswoche bildeten die Warnstreiks in Bayern: Redakteure von 13 Tageszeitungen beteiligten sich daran. Allein in Nürnberg trafen sich mehr als 300 Journalisten zu der zentralen Kundgebung, die mit Luftballons, Trillerpfeifen und Transparenten für Aufsehen sorgte. Mit dabei waren Mitarbeiter der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung, aber auch der Augsburger Allgemeinen, des Nordbayerischen Kuriers und der Fränkischen Landeszeitung, des Münchner Merkurs sowie anderer Zeitungen.
Weitere Proteste gab es am Tag der Pressefreiheit, einen Tag vor Beginn des heutigen Treffens. Mehr als 300 Journalisten aus Hamburg und Niedersachsen demonstrierten in der Hamburger Innenstadt unter dem Motto: Für Qualitätsjournalismus, gegen Billigtarife. In Rostock protestierten am 3. Mai neben Redakteuren auch Drucker und Verlagsangestellte der Ostsee-Zeitung mit einer befristeten Arbeitsniederlegung gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. In Baden-Württemberg traten Redakteure von 15 Tageszeitungen in einen befristeten Warnstreik – allein in Stuttgart gingen mehr als 450 auf die Straße. In Hessen zogen mehr als 250 Journalisten durch die Frankfurter Innenstadt.
Ob diese deutlichen Signale bei den Zeitungsverlegern angekommen sind, wird sich heute in Dortmund zeigen. Um 12 Uhr werden hier die Tarifverhandlungen für 14.000 Zeitungsredakteure fortgesetzt.
Update, 11. Mai
Die vierte Tarifrunde am 4. Mai in Dortmund ist ergebnislos abgebrochen worden. Sie war von weiteren Protestaktionen und Warnstreiks begleitet worden – so etwa in Bayern, wo allein rund 150 Redakteure der Süddeutschen Zeitung ihre Arbeit niederlegten. In Dortmund selbst demonstrierten mehr als 200 Journalisten nordrhein-westfälischer Zeitungen für faire Tarifverträge. Weitere Aktionen kündigten DJV-Hauptgeschäftsführer Kajo Döhring und sein ver.di-Kollege Frank Werneke am Dienstag, 10. Mai, auf der Bundespressekonferenz in Berlin an. Demnach soll es künftig auch Streiks geben, die von Redakteuren, Druckern und Verlagsangestellten gemeinsam geführt werden. Damit wollen die Gewerkschaften den Druck auf die Verleger erhöhen.
Der DJV informiert per Video über die Verhandlungen in Dortmund
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