Detail-Informationen

Autor

Wolfgang Lenders

verfasst am

03.09.2013

im Heft

journalist 9/2013

TDK: Für diese "Anzeige" verlangte die taz 7.680 Euro. Plus Mehrwertsteuer. (Bild: journalist)

taz

Rechnung aufs Haus

Die taz hat Rechnungen an Sponsoren verschickt, deren Logos auf Fotos im Sportressort zu sehen waren. Reagiert hat bislang niemand.

Es war eine Aktion, wie sie taz-Leser lieben. Für eine Woche kennzeichnete die Redaktion die Fotos im Ressort Leibesübungen mit dem Wort "Anzeige" und verschickte Rechnungen an die Firmen, deren Sponsorenlogos darauf zu sehen waren – Rechnungen für insgesamt mehr als 72.000 Euro.

Von der Summe sei die Redaktion selbst überrascht gewesen, sagt Sportredakteur Andreas Rüttenauer, der die Rechnungen geschrieben hat. "Wir wollten am Ende der Woche wissen, wie viel der Platz wert ist." An ihren Themen habe die Redaktion wegen der Aktion nichts geändert, wohl aber die Werbung bewusst ins Bild gerückt. Die Beträge berechnete die taz nach ihrer Anzeigenpreisliste: nach der Größe der Fotos und ihrer Platzierung. Rechnungen gingen an Coca Cola, Red Bull, TDK, Evonik, Areva, Deutsche Bahn, Daimler, Gazprom, Toyota, Tipico Sportwetten, Telekom und IBM.

Bei den Firmen trifft die taz allerdings eher auf Unverständnis. "Ach, das haben wir gerade weggeschmissen", sagt die Mitarbeiterin eines Unternehmens. "Wir hatten da ja gar keine Werbung geschaltet." Viele der Firmen wollen die Provokation aber auch einfach ignorieren. "Kein Kommentar", heißt es bei IBM Deutschland – obwohl man sich wundert, dass das IBM-Logo überhaupt auf den Fotos zu sehen sein soll; denn hierzulande macht die Firma keine Trikot- oder Bandenwerbung. "Wir werden nichts bezahlen", sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Andere beantworten die journalist-Anfrage erst gar nicht.

"Natürlich würden wir das Geld gerne nehmen"

Kaum vorstellbar, dass eines der Unternehmen zahlen wird. Fehlt den Rechnungen doch jede vertragliche Grundlage. Das ist auch Sportredakteur Andreas Rüttenauer klar. "Natürlich würden wir das Geld gerne nehmen", sagt er. Kein Wunder, schließlich hat die leere Kasse bei der taz Tradition. Genauso wie schräge Aktionen: So bewarb sich Rüttenauer im Januar 2012 auf das Amt des DFB-Präsidenten. Ohne jede ernsthafte Chance, das war natürlich klar.

Auch bei den Rechnungen jetzt geht es der taz-Sportredaktion vor allem um eine Mission, die sie schon seit gut zwei Jahren verfolgt: Damals beschloss die Redaktion, die Sponsorenlogos zu verpixeln. Dass das nicht ohne vorherige Diskussion erfolgte, dürfte klar sein – und auch, dass die Regelung in der Redaktion nicht unumstritten ist. So befürchteten wohl einzelne Redakteure, mit der Verpixelung kleinen Vereinen zu schaden. Letztlich setzte sich aber die Meinung durch, dass die Werbung in der Zeitung nichts zu suchen habe. Aber eben auch nicht einheitlich: So bleibt Werbung auf Sportfotos in anderen Ressorts in der Regel unverpixelt.

Im Ressort Leibesübungen wird die Werbung auf den Fotos inzwischen wieder unkenntlich gemacht. Unbezahlte Rechnungen will die Redaktion aber nicht so einfach vergessen. Rüttenauer hat schon angekündigt, dass er auch Mahnungen verschicken will.

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Titelthema: Der Tag X. Springer verabschiedet 940 Mitarbeiter

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

05.09.2013 13:24

René Artois

@Danny Mueller: Wieso Betrug seitens der taz? Die berechnete Leistung wurde doch erbracht.

04.09.2013 13:51

Danny Mueller

Ist das offensichtlich unberechtigte (weil keine vertragl. Grundlage) Stellen von Rechnungen nicht Betrug oder ein anderes Vermögensdelikt?

 
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