Detail-Informationen

Autor

Simon Feldmer

verfasst am

03.02.2014

im Heft

journalist 2/2014

Ziel des Umbaus: mehr Verantwortung, weniger Lagerdenken. (Bild: journalist)

Trierischer Volksfreund

Weg vom Newsdesk

Beim Trierischen Volksfreund wird nicht mehr strikt zwischen Blattmachern und Reportern getrennt. Bedeutet das das Ende des Newsrooms?

Ziemlich genau zehn Jahre ging das nun so. Da durften die Blattmacher in der Redaktion des Trierischen Volksfreunds (TV), die dort nur "Macher" heißen, wirklich nur machen, also Seite um Seite bauen, und die Reporter nur schreiben, Text um Text.

Dieter Lintz, leitender Redakteur im Haus und so etwas wie der Starschreiber des Blatts, fand es damals als einer der wenigen in der Redaktion gut, als der damalige Chefredakteur den Newsdesk einführte. Mit den Trennwänden zwischen den Büros wurden auch die Ressortmauern in der Hauptredaktion in Trier eingerissen. Reporter sollten fortan für alle Ressorts schreiben, die Macher sich auf Seiten- und Textbearbeitung konzentrieren. "In meinen Augen war das eine plausible Geschichte", sagt Lintz.

Trennwände in der Redaktion

Viele Redakteure fanden den Umbau schon vor zehn Jahren nicht ganz so plausibel. Aus Redakteuren wurden Macher oder Schreiber. Hinzu kam, dass viele plötzlich nach Trier pendeln mussten. So gesehen müsste seit Monaten in der Redaktion des Trierischen Volksfreunds, der im September 2012 von der Rheinischen-Post-Gruppe übernommen wurde, eigentlich gute Laune vorherrschen. Denn nach langen Diskussionen wird erneut umgebaut.

So manche Trennwand wird wieder eingezogen im Haupthaus in Trier. Isabell Funk, seit dem Jahr 2009 Chefredakteurin, hat den vierköpfigen Führungstisch, an dem unter anderem der Nachrichten- und Crossmediachef sitzen, zum Jahreswechsel teilweise neu besetzt. Aus den Lokalredaktionen in Bitburg und Wittlich einst abgezogene Blattmacher werden Mitte Februar wieder in die Eifel- und Mosel-Außenredaktionen beordert, wo zwischenzeitlich nur noch ein paar Reporter saßen. Reporter sollen in Zukunft wieder Seiten bauen. Und die Macher auch schreiben.

Es ist erneut einiges in Bewegung bei der Zeitung, deren verkaufte Auflage im vierten Quartal 2013 bei 87.271 Exemplaren lag. Der erneute Umbau gefällt nicht jedem der 59 Redakteure. Von Betriebsrat Stefan Strohm erfährt man, dass sich alles gerade wieder beruhige. Doch offenbar nicht bei allen.

Alles soll beweglicher werden

Der eine oder andere interpretiert die Umstrukturierungen als "Scheitern des Newsroom-Konzepts". Funk will das so nicht stehen lassen. "Das System Newsdesk wird aufrechterhalten", sagt sie dem journalist. "Wir haben uns aber gefragt, ob wir mit der bestehenden Struktur in die nächsten Jahre gehen können, oder ob wir uns nicht doch lieber wieder in etwas kleineren Einheiten organisieren." Das Ziel sei mehr Regionalisierung. Damit folgt die Zeitung aus Trier, die traditionell als sparsam und ertragreich gilt, erneut einem Trend im Zeitungsmarkt.

Mit verstärkten Sparbemühungen unter dem neuen Dach der Rheinischen-Post-Gruppe hat die Neuorganisation laut Funk nichts zu tun. "Unser Etat ist der gleiche wie im Vorjahr", sagt sie. Andere sagen, dass die Redakteure auch deshalb wieder flexibler agieren müssten, weil Pauschalisten, anders als zuletzt, keine festen Schichten am Machertisch schieben sollen, um mögliche Probleme mit der Sozialversicherungspflicht zu vermeiden. Klar ist: Pauschalisten beim TV werden nun flexibler eingesetzt, sollen mehr schreiben. Überhaupt: Alles soll beweglicher und kleinteiliger werden. Der leitende Redakteur Lintz gesteht zu, dass sich durch die strikte Trennung der Aufgaben "vielleicht so etwas wie Lagerdenken" eingeschlichen habe. Nun gehe es auch darum, wieder "mehr Gesamtverantwortung" zu erzeugen.

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