
Redaktionskonferenz vor dem Start: Heute erscheint die erste Ausgabe der TagesWoche.
TagesWoche
Was die TagesWoche und der Freitag gemeinsam haben
Heute, am 28. Oktober, erscheint in Basel eine Lokalzeitung, die Print und Internet gleich wichtig nimmt. Kooperationspartner der TagesWoche ist der deutsche Freitag. Der journalist sprach mit dessen Verleger Jakob Augstein.
Täglich im Netz, wöchentlich gedruckt. In Basel erscheint seit heute eine neue Lokalzeitung, die Print und Online verbinden will: täglich aktuelle Berichte im Internet, einmal pro Woche eine gedruckte Ausgabe mit ausführlichen Hintergrundartikeln – das ist das Konzept der TagesWoche.
In der Planungsphase holten sich die Initiatoren der TagesWoche Rat von dem deutschen Journalisten und Verleger Jakob Augstein. Er verfolgt mit seiner Wochenzeitung Freitag eine ganz ähnliche Strategie – allerdings auf überregionaler Ebene. TagesWoche und Freitag haben vereinbart, Texte untereinander auszutauschen. Das sagte Augstein im Gespräch mit dem journalist.
Kann das Konzept der TagesWoche den Lokaljournalismus wieder in Schwung bringen? Augstein kann sich das "in Deutschland nicht so richtig vorstellen". Das Problem sei vor allem die Finanzierung: In Basel stellt die Stiftung Levedo von Beatrice Oeri, der Erbin des Pharma-Konzerns Roche, das Startkapital für die ersten vier Jahre zur Verfügung.
Geld verdienen muss die TagesWoche vor allem mit der gedruckten Zeitung, denn die Einnahmen durch Werbung auf den Webseiten dürften noch nicht einmal die Kosten des Internetangebots decken. Zumindest ist das beim Freitag so – und das wird sich nach Einschätzung von Augstein auch in den nächsten Jahren nicht ändern.
Deshalb plant der Verleger, das digitale Angebot des Freitags mit der Zeit kostenpflichtig zu machen. Er setzt auf neue Geräte wie Smartphones und Tablet-Computer: "Der einzige Weg, Geld zu verdienen, ist der Verkauf von Inhalten auf Papier oder über Applikationen." Auch die Smartphone-App der TagesWoche soll kostenpflichtig sein.
Entstanden ist die Idee zur TagesWoche aus Diskussionen um die politische Ausrichtung der Basler Zeitung (BaZ). Das traditionell eher linksorientierte Blatt war von einem konservativen Verleger übernommen worden. Nicht nur viele Leser, auch Journalisten der Basler Zeitung zeigten sich mit dem neuen Kurs unzufrieden. Vor diesem Hintergrund gelang es der TagesWoche, bereits vor Erscheinen mehr als 3.000 Abos zu verkaufen. "So etwas funktioniert, wenn sich eine publizistische Lücke auftut", kommentiert Jakob Augstein.
Wer im Internet einen Blick auf die Fotos der TagesWoche-Redakteure wirft, sieht nicht die für viele Start-ups typischen Gesichter junger Leute, sondern gestandene Journalisten. Ein Großteil des Teams kommt von der Basler Zeitung. Die Redaktion betont jedoch, dass die TagesWoche keine Protestzeitung sein soll. An der Redaktionsspitze stehen Urs Buess, früherer Vizechef der BaZ, und Remo Leupin, der zuvor die Redaktion der Zeitschrift BeobachterNatur leitete.
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