Detail-Informationen

Autor

Svenja Siegert

verfasst am

04.07.2013

im Heft

journalist 7/2013

facebooktwitterdel.icio.usMister Wongdigg.comaddthis.comMa.gnolia

Mehr zum Thema auf journalist.de

10. Mai 2012: Paywalls – oder: die Mär vom digitalen Deich weiter

 

Bild Plus

Was man über die Bild-Paywall wissen muss

Taugt Bild Plus als Blaupause für die Branche? Hat Springer den Masterplan? Die Bild-Paywall zeigt: Es geht um mehr, als nur eine Mauer aufzubauen, wenn Verlage mit dem Leser im Netz Geld machen wollen.

Über Bild Witze machen ist leicht. Draufhauen nicht viel schwerer. Und so ist das Netz in diesen Tagen voll mit Menschen, die sich darüber lustig machen, was für ein Quatsch auf der Website von Bild steht – und wer um Himmels willen ernsthaft mit dem Gedanken spielen könnte, dafür auch nur 99 Cent auszugeben. Für ein Sommer-Liebeshoroskop? Für eine Homestory über den Traumschiff-Kapitän? Für Obamas Liebesbrief an seine Highschool-Freundin? "Wer Bild lesen will, muss jetzt Strafe zahlen", witzelt dann auch Journalist Friedrich Küppersbusch in seinem neuen Meinungsmagazin im WDR. "Was für eine geile Idee!"

Axel Springer hat also die Mauer hochgezogen. Auch wenn das Boulevardblatt regelmäßig Anlass für Spott bietet, beobachten Medienunternehmen aus der ganzen Welt gerade durchaus ernsthaft, was da in Berlin passiert. Zwar gibt es inzwischen zig Vorbilder – allein in Deutschland mehr als 40, in den USA gut 450 Paywalls –, aber mit Bild wagt sich Europas auflagenstärkste Zeitung mit Deutschlands reichweitenstärkstem Nachrichtenportal nach zwei Jahren Vorbereitung mit einem Bezahlangebot ins Netz. Doch taugt Bild Plus tatsächlich als Blaupause für die Branche? Was können Zeitungsverlage vom Bild-Experiment mitnehmen?

Die Idee: Umsonst ist vorbei

Der Grundgedanke ist derzeit überall gleich. Wenn Werbeeinnahmen für Gedrucktes wegbrechen, müssen die Einnahmen im Vertrieb steigen. Also wollen sich Verlage auch im Netz auf ein zweites Standbein stellen. Vertriebseinnahmen müssen her. Leser sollen im Netz für Journalismus bezahlen – indem sie Apps und E-Paper laden oder eben für Inhalte Geld berappen, die es ganz klassisch über den Browser gibt.

Die Paywall also. Ein Begriff, der wie die Bezahlschranke in Deutschlands Verlagen derzeit auf dem Index steht, aus Angst, den Leser zu verschrecken. Bei der Süddeutschen Zeitung spricht man deshalb lieber vom Leserclub, bei Springer vom Markenabo. Der Leser zahlt einen Betrag X und kann die Bild-Inhalte dann über mehrere Kanäle hinweg lesen – im besten und teuersten Fall --> Der Preis über alle Kanäle, also von der gedruckten Zeitung über die Apps und E-Paper bis hin zur Website im Browser.

Der Name: Bild Plus

Plus klingt besser als Euro, Markenabo besser als Paywall. Auch das Boulevardblatt Sun, nach Bild die zweitgrößte Zeitung in Europa, wird im August mit Sun Plus starten. Und der Südkurier ist seit Anfang Juni mit Südkurier Plus unterwegs. Wenn auch die Eigenwerbung aus Konstanz zumindest optisch eher an eine Krankenkasse erinnert als an Journalismus. In jedem Fall hört sich Plus für den Leser nach Mehrwert an, nicht nach Kosten. Und so ziert kein Euro-Zeichen, sondern ein pfenniggroßes weißes Kreuz die Texte auf bild.de --> Die Inhalte. Auch beim Hamburger Abendblatt, das ebenfalls zu Springer gehört, geht man inzwischen deutlich spärlicher als früher mit Euro-Zeichen auf der Website um.

Das Modell: Ein Großteil ist gratis, der Rest kostet

Im Gegensatz zur Vorzeige-Paywall der New York Times setzt Springer auf das sogenannte Freemium-Modell – ein Großteil der Inhalte ist weiterhin für alle gratis, der andere Teil kostet. Patrick Wölke vom Verlag DuMont Schauberg überrascht das wenig. Der DuMont-Digitalchef bastelt derzeit ebenfalls an Paywall-Lösungen für seinen Verlag, sowohl für die Abo- als auch für die Boulevardtitel wie Express und Mopo. Er glaubt, dass die New York Times bei Boulevardtiteln nicht als Vorbild taugt --> Die Zeitung.

Bei der New York Times wie auch bei der Welt und der Saarbrücker Zeitung ist der Webauftritt erst mal kostenfrei. Erreichen Leser eine bestimmte Anzahl an Texten im Monat (meist zehn bis zwanzig), fällt die Schranke (Metered-Modell). Bei einem Boulevardtitel mit seinen kurzen Unterhaltungshäppchen wäre das beim einzelnen Leser viel zu schnell der Fall, der Reichweitenverlust also zu groß. Und Reichweite will kein Verlag wirklich einbüßen.

Bild Plus hat keine Löcher. Weder über Google News noch über soziale Netzwerke lässt sich die Paywall umgehen. Bei Twitter und Facebook wird sogar wie selbstverständlich, man könnte auch sagen rotzfrech, auf Inhalte verlinkt, die kosten – der Frust der Leser wird in Kauf genommen. "Die Leute ärgern sich immer, wenn etwas plötzlich kostet, da müssen wir aber durch", heißt es bei Springer.

Das Freemium-Modell ist hierzulande übrigens das beliebteste. Gerade mal jede fünfte Zeitung setzt online auf das Vorbild New York Times.

Der Preis: Los geht’s bei 4,99 Euro

Nach einer einmonatigen Startphase (Preis: 99 Cent) bietet Bild drei Monatsabos an.

  • Für 4,99 Euro gibt es sämtliche Online-Inhalte + den Zugriff auf die Tablet- und Smartphone-App
  • Für 9,99 Euro die Online-Inhalte + Apps + die E-Paper-Ausgaben von Bild und Bild am Sonntag
  • Für 14,99 Euro die Online-Inhalte + Apps + E-Paper + 24 Kiosk-Gutscheine für eine gedruckte Zeitung

Damit setzt Springer also auf das klassische Abo-Modell aus der gedruckten Zeitungswelt. Für Bild ist das Abogeschäft Neuland. Es machte bislang gerade mal drei Prozent der Gesamtauflage aus. Angenommen etwa 1,5 Prozent der bild.de-Nutzer werden künftig zahlen (so hoch war der Anteil bei der New York Times im ersten Jahr), käme Bild auf 206.000 Digital-Abonnenten. Bei einem Monatsabo von 4,99 Euro wären das gut zwölf Millionen Euro im Jahr. Kein Klacks, aber auch nicht die Welt, wenn man den Betrag mit den möglichen Einnahmen durch --> Die Anzeigen vergleicht.

DuMont-Digitalchef Patrick Wölke ist skeptisch, was das Preismodell von Bild angeht: "Klar geben Leser im Netz oder bei iTunes Geld aus, aber doch keine 15 Euro auf einen Schlag oder gar für ein lange laufendes Abo." Er findet kleinere Beträge besser, Tages- und Wochenpässe. "Wir müssen uns von den Print-Preismodellen auf lange Sicht verabschieden und uns mehr nach den Wünschen der Kunden richten." Immerhin beträgt die Mindestlaufzeit von Bild Plus nur einen Monat. Im Gegensatz zu Bild wird sich die Sun übrigens an Wochenpässen versuchen, die umgerechnet 2,35 Euro kosten sollen, auch die New York Times verkauft Digital- und Printabos zum Wochenpreis.

Dass Leser generell bereit sind, für journalistische Inhalte mehr zu bezahlen als bislang angenommen, haben die jüngsten Preiserhöhungen von Zeitungen gezeigt (siehe PDF). Bild hat seinen Kioskpreis in den vergangenen zehn Jahren teilweise um 40 Prozent angezogen, Welt sogar um 62 Prozent. Und auch für digitalen Journalismus geben europaweit immer mehr Leute immer mehr Geld aus.

In Deutschland hat im vergangenen Jahr jeder Zehnte für digitale News bezahlt, so eine aktuelle Studie des Reuters Institute (siehe PDF). Gleichzeitig können sich aber auch 80 Prozent nicht vorstellen, so etwas in Zukunft jemals zu tun. Auch eine Studie der Universität Zürich (hier Ende 2012 veröffentlicht) hat herausgefunden, dass für Online-Inhalte "keine grundlegende Zahlungsbereitschaft" besteht.

Hierfür haben die Forscher knapp 3.000 Menschen befragt, die schon mal für Journalismus im Netz bezahlt haben. Sie empfehlen einen Preis von maximal vier Euro pro Abrechnungseinheit. Die Forscher aus der Schweiz haben auch herausgefunden, "dass eine Paywall immer dann auf höhere Zahlungsbereitschaft stößt, wenn die Zahlung als notwendig herausgestellt wird anstatt als zusätzlicher Profit". Übersetzt heißt das: Man kann dem Nutzer nicht sagen, es wird Zeit zu zahlen, man muss ihm einen Grund geben. Womit wir bei den --> Inhalten angekommen wären.

Die Inhalte: Was zieht, verschwindet

Hinter der Mauer liegen die Bonbons. Live-Berichte, Reportagen, exklusive Interviews und Fotos, Expertenchats, Infografiken, Tests und Ratgeber. Konkret: ein SMS-Interview mit dem untergetauchten Rapper Kool Savas, der Bild-Mathe-Test, sechs Gründe für das EM-Versagen der deutschen Handballer, eine (recht ruckelige) Multimedia-Reportage über die Hells Angels, die ersten Zeilen aus Stephen Kings neuem Roman (wie Savas inzwischen wieder frei zugänglich).

All das gibt es nur noch gegen Geld. Journalisten sollten übrigens in jedem Fall mal über ihren Schatten und dafür hinter die Mauer springen: Auf bild.de finden sich zum Teil recht eigenwillige, aber durchaus originelle journalistische Darstellungsformen, die es so auf keinem Spiegel Online gibt.

Aber es kostet. Und das sorgte bei dem einen oder anderen Leser nach dem Start dann doch für Frust. Wieso soll auch von einem Tag auf den anderen etwas kosten, was bislang umsonst zu haben war? Weil es das Super-Abo ist, weil es noch nie so viel Bild gab wie jetzt, weil Bild überall ist, wirbt Springer zum Start von Bild Plus auf der Homepage. Man habe nie versprochen, dass es neue Inhalte geben wird, heißt es im Verlag --> Der Kaufanreiz.

"Früher ging es darum, wie wir ein Thema für Online und wie für die Zeitung inszenieren. Jetzt konzentrieren wir uns zusätzlich darauf, Geschichten so zu erzählen, dass sie dem Leser auch im Netz Geld wert sind", sagt Bild-Vize-Chefredakteurin Marion Horn. Es klingt banal, aber statt darüber nachzudenken, wie man die Leser dazu bringen kann, für bild.de zu zahlen, stellt man sich in der Bild-Redaktion offenbar auch die Frage, für was die Bild-Leser bereit wären zu zahlen. Der Leser ist König. Damit ist man bei Springer vielen anderen Redaktionen einen Schritt voraus.

Was passiert, wenn Journalismus nur noch dem Massengeschmack hinterherläuft, ist klar. Was passiert, wenn Journalismus am Publikum vorbeischreibt und vorbeisendet, aber auch.

Wie wichtig Exklusivität dabei ist, sei dahingestellt. Die Züricher Paywall-Studie sagt, dass es einem möglichen Abonnenten gerade bei einem Vertrauensgut wie Nachrichten schwerfalle, den subjektiven Nutzen und die Qualität des Inhalts im Voraus abzuwägen. Das Vertrauen, das Kunden in eine Marke haben, kann ausschlaggebender sein als der Preis. Ob das gleiche Angebot kostenlos auf einer anderen Website zu finden ist, stufen die Befragten in der Studie als wenig relevant ein. Wahrscheinlich ist der Aufwand zu groß, vergleichbare Gratisangebote zu suchen.

Letztlich geht es also um das Gesamtpaket. Die Gesamtheit der journalistischen Produkte muss Anreiz zum Kauf sein, nicht der einzelne Text.

Verschont von Bild Plus bleiben übrigens bislang die Inhalte auf den Regionalseiten. Weder für Köln noch für Hamburg oder München gibt es zurzeit nennenswerte Bezahlinhalte auf bild.de. Vielleicht scheut Springer die Konkurrenz zur Boulevard-Konkurrenz. Zumindest in München wird sich an der Situation vorerst nichts ändern. Bei der Abendzeitung glaubt man nicht, dass ein Bezahlmodell für den Boulevard durchsetzbar ist – und hat dementsprechend auch keine Pläne.

Der Kaufanreiz: Wirklich nur Fußball?

So ganz allgemein besteht also noch keine Bereitschaft, für Journalismus im Netz zu bezahlen, und die Inhalte allein scheinen zwar ausschlaggebend, aber nicht kaufentscheidend zu sein. Wie schafft man es nun, dass der Leser "Will ich!" oder besser noch "Brauch ich!" sagt. Süddeutsche.de-Chef Stefan Plöchinger spricht in diesem Zusammenhang immer vom "Leserclub", der Guardian von "Paywall 2.0" und Rolf Cavalli, Digital-Chefredakteur beim Schweizer Boulevard-Blatt Blick, von Belohnung: "Wir streben ein Modell an, bei dem wir User, die bereit sind, ein digitales Abo zu lösen, belohnen, indem wir ihnen ein veritables Servicepaket anbieten, das über den klassischen Journalismus hinaus geht", so Cavalli zum journalist.

Den Start der Blick-Paywall hat der Verlag gerade verschoben. Man wolle erst mal schauen, was Berlin so macht.

Bei Bild heißt die Belohnung Fußball. Wer ein Bild-Digitalabo hat, kann für 2,99 Euro extra das Bundesliga-Paket obendrauf bekommen. Ohne Digitalabo also kein Fußball. Für die Fußballrechte soll Bild pro Saison mehrere Millionen Euro bezahlt haben. Also für Zusammenfassungen von Spielen eine Stunde nach Abpfiff – im Browser oder in einer der Apps. Laut Branchenblatt Sponsor's rechnet Springer mit --> Werbeeinnahmen von gut 13 Millionen Euro pro Saison, wovon nahezu die Hälfte auf Bild Digital entfallen soll.

Auch die Sun setzt auf exklusive Fußballrechte, und auch Blick kann sich vorstellen, mit Sportübertragungen zahlende Leser zu finden. Für alle Nichtfußballfans: Derzeit lockt der Verlag die Leser mit einem Bild-Plus-Jahresabo inklusive Tablet für 129 Euro.

DuMont-Digital-Chef Wölke hat keine Lust, auf Einkaufstour zu gehen. Vielleicht hat er das Geld für teure Rechte nicht, vielleicht will er auch einfach mit seinem journalistischen Produkt überzeugen – was im Regionalen sicher einfacher ist als im Überregionalen. Trotzdem kann Wölke das Thema Mehrwert und den Club-Gedanken nicht von der Hand weisen: "Es ist klar, dass man einen gewissen Mehrwert in das Abo-Bündel hineinpacken muss."

Den Beweis, dass Bild-Plus-Leser wirklich für Journalismus bezahlen, und nicht nur für Fußball, muss Springer also noch erbringen.

Die Anzeigen: Es blinkt auch hinter der Paywall

Es gibt da dieses Missverständnis: Wer im Netz für Inhalte zahlt, wird von Werbung verschont. Dabei sind die angemeldeten Bild-Plus-Nutzer für Werbekunden die deutlich spannenderen. Warum? Werbekunden lieben Zielgruppen, die sich möglichst genau definieren lassen. Ein angemeldeter Nutzer, ob er nun zahlt oder nicht, ist Gold oder zumindest bares Geld wert. Je besser ein Werbekunde sein Publikum kennt, desto höher ist die Chance, die richtige Zielgruppe anzusprechen. Und umso mehr Geld kann ein Konzern wie Springer für das Schalten von Onlinewerbung verlangen.

Das Thema Anzeigen hinter der Paywall wird natürlich umso spannender, je größer die Zahl der User ist, die man damit erreicht. Bei derzeit mehr als 13 Millionen Besuchern im Monat dürfte es ein Leichtes sein, das, was man bei den klassischen Anzeigen womöglich verliert, mindestens abzufedern.

Das erklärt auch, warum ein verlagsübergreifendes Bezahlsystem so unattraktiv ist: Verlage würden die Kontrolle über ihre Kundendaten verlieren. Springer wusste von den Bild-Kioskkäufern bislang so gut wie nichts, jetzt lernt der Konzern seine Leser kennen.

Wie wichtig Kundendaten sind, zeigt auch die Paywall der Zeitung Haaretz aus Israel. Die erste Schranke, an die ein Haaretz-Leser stößt – lange bevor er zum Bezahlen aufgerufen wird –, ist die Sag-mir-wer-du-bist-Schranke. Und auch bei der Financial Times gibt es die eigentlich kostenlosen Blogs nur noch, wenn man vorher seine Kundendaten preisgibt.

Auch das Belohnungssystem --> Der Kaufanreiz ließe sich mit den Anzeigen hinter der Paywall kombinieren. Schon jetzt kuschelt Springer auf bild.de recht eng mit Anzeigenkunden. bild.de ist Partner von Lumix und Euronics (Screenshot), bild.de-Nutzer bekommen 15 Prozent Rabatt für einen Sprachkurs (Screenshot) und können kostenlos an einem Finanzcheck teilnehmen (Screenshot). Partner sind unter anderem die Aachen Münchener und die Deutsche Bank. Beim sogenannten bild.de-Deal, eine Kampagne ähnlich dem "Volksprodukt", verdient Springer bis zu 522.660 Euro – also ähnlich viel wie mit einer Seite Anzeige in der gedruckten Bild.

Warum also nicht exklusive Deals für Bild-Plus-Abonnenten anbieten? Ein Mediamarkt-Gutschein als Anreiz, um Bild Plus zu abonnieren?

Laut Mediadaten (PDF) ist die Redaktion übrigens beim bild.de-Deal mit eingebunden, wenn es darum geht, zu bewerten, ob das Werbeprodukt zur Marke bild.de passt. Es bleibt ein Beigeschmack.

Die Zeitung: Einmal unter die Arme greifen, bitte!

Die New York Times hat es mal wieder vorgemacht. Preismodelle im Digitalen können die Printauflage stützen. So kostet das günstigste Digitalabo dort 3,75 Dollar in der Woche. Wenn man das Wochenendabo der gedruckten Zeitung dazunimmt, macht das nur 3,60 Dollar die Woche.

Für 15 Cent weniger trotzdem mehr bekommen? Geiz ist geil. Vor allem hierzulande. Auch Springer stützt mit Bild Plus die Zeitungsauflage. Die 9,99-Euro-Abonnenten sind gleichzeitig E-Paper-Abonnenten und lassen so die IVW-geprüfte Auflage steigen --> Der Preis. Auf das Kombi-Produkt aus Digitalabo und gedruckter Sonntagszeitung im Briefkasten verzichtet Bild, das würde das Vertriebssystem der Boulevardzeitung nicht hergeben. Dafür gibt es jetzt Bild-Kioskgutscheine. Wer 14,99 Euro ausgibt, erhält also nicht nur das Digitalabo, sondern 24 Kioskgutscheine im Monat obendrauf. Der Leser zahlt also nur noch 63 Cent für seine gedruckte Bild-Zeitung statt wie bislang 70 Cent.

Die Redaktion: Umbau statt weiter wie bisher

Wer sitzt wo? Warum bild.de nicht rund um die Uhr betreiben? Wie regelt man den neuen Schichtbetrieb? Warum Print- und Onlinekonferenzen länger getrennt abhalten? Wie sinnvoll ist die Ressortstruktur?

Der Umbau in der Springer-Redaktion hat längst begonnen. Statt die Bezahlschranke herunterzulassen und dann weiterzumachen wie bisher, stellt Springer Redaktionsabläufe auf den Kopf. Bild müsse sich "neu erfinden", sagt Chefredakteur Kai Diekmann.

All das, um Geschichten --> Die Inhalte künftig so zu erzählen, dass sie dem Leser auch im Netz Geld wert sind? Redaktionsabläufe auf den Kopf zu stellen, hat nichts mit einer Bezahlschranke zu tun. Aber die Bezahlschranke kann zumindest ein guter Anlass sein. Wird Bild Plus erfolgreich laufen, könnte sich das möglicherweise auch positiv auf die Personalsituation in der Redaktion auswirken, sagt Springer-Sprecher Tobias Fröhlich. Nach den jüngsten Spekulationen um Personalabbau wäre das für die Journalisten im Haus mal eine gute Nachricht.

Willkommen in der Zukunft?

Mit diesen Worten, unterlegt von Pauken und Trompeten, ist Bild Plus am 11. Juni gestartet. Der User wurde mitgenommen auf eine ruckelige Kamerafahrt aus dem Weltall geradewegs in die Springer-Redaktion nach Berlin. "Wir glauben, wir tun das Richtige. Für Bild, für Axel Springer und für den Journalismus", hieß es bei der Präsentation. Springer zeigt mit Bild Plus, dass es dem Verlag nicht nur um eine Mauer und die Inhalte dahinter geht. Ob die Leser am Ende wirklich für oder wegen Journalismus aus dem Hause Bild im Internetbrowser ihr Geld ausgeben werden? Den Beweis muss auch Springer erst noch liefern.

Über die Autorin

Svenja Siegert arbeitet als Redakteurin beim Medienmagazin journalist. Ihren letzten Text zum Thema Paywall gibt es hier, ihren Twitter-Account hier.

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

09.07.2013 16:50

Oyko Miramisay

Leider versauen die 3min-Klicks in der Mittagspause die journalistischen Inhalte der BILD Zeitung! Offensichtlich darf man gewisse Sachen nicht mehr anklicken sonst fördert man die Berichtersttung darüber. Die Verweildauer (unter 25s) auf solchen journalistischen Meisterleistungen rechtfertigen erst Recht den Boykott solcher Paywalls. Was Hundertausende aus Langeweile in der Mittagspause klicken wird nunmehr hinter der Paywall verborgen bleiben. Es ist nicht schade drum ...

Bild Plus heute im Angebot:
Der XXXXXXXXL-Brüste-Report
Boom in Deutschlands Box Buden – jedes 6. Mitglied ist weiblich
Bleibt die Sonne - Bild.de macht den Sommer check
So mies ist der Job am Nürburgring
Das hilft gegen Akne und Warzen
Nach der Party kommt die Polizei – Florian Silbereisen
So wird ein Star zur Wachsfigur
Bild auf Deutschlands größtem Windrad
Ich bin 16 und will die Wahl verstehen
Ist George Clooney zu sexy für die wahre Liebe

06.07.2013 09:21

Theodor Gehrhardt

Bild, wie auch die meisten anderen Verlage haben nicht begriffen, dass man staubige Print-Abo-Modelle nicht 1:1 auf Internet und Mobil abbilden kann. Dass sich immer einige von dem Mehrwert eines Premium- oder Plus-Abos blenden lassen, mag sein (siehe HD+ und andere Augenwischerei), für die kritische Masse wird es nie taugen. Denn Zuschauer bzw. Leser sind ja nicht so dumm, wie es Finanzvorstände gerne hätten. Dass man über Bundles auch immer Schnäppchenjäger einfängt, ist auch klar, aber die sind danach meist weg (siehe Bündelung mit Tablets) und bringen i. d. R. keine Einnahmen.

Qualität und Mehrwert überzeugen - aber wie will man das im Medienumfeld und mit der Zielgruppe von Bild vereinbaren? Dossiers und Einzelabrufe - dafür fehlt Bild einfach die journalistische Qualität, die Redakteure (wenn man Redaktionen schließt und zusammenlegt, und zeitgleich von Qualität spricht, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie) und die Unabhängigkeit. Wenn man sich die Veranstaltungen, die im Springer Haus stattfinden, anschaut, dann liest man da was von Bauwirtschaft, Phartmaindustrie, FDP etc. Nun gut, andere Verlage, andere Parteien.

Am Ende setzt sich das Angebot durch, das wirklich mehr bietet und die Leute anspricht. Fußball ist sicher ein Zugpferd, muss aber bei (20 Mio für die Rechte?) erstmal refinanziert werden, wie auch Tablet Giveaways. Betriebswirtschaftlich solide klingt das jedenfalls nicht. Wenig intelligente Sperren im Netz führen zum weiterklicken, Knebelabos nicht zum Abschluss, ellenlange Registrierungen und Datenschutzbestimmungen ebenfalls nicht - nun und dann will ich bitte auch keine Werbung und Überwachung. Tagespässe oder Einzelabrufe funktionieren - aber das Unvermögen und die Gier produzieren solche Vorkriegsbezahlschranken und den Wunsch, dass selbst Suchmaschinen zahlen sollen. Die besten Lernmethode ist doch: einfach aus der Suchmaschine schmeißen - dann werden die Verlage schon sehen, was die Werbekunden dazu sagen.

05.07.2013 12:35

Oliver Heim

Seit es digitale Inhalte gibt, lassen sich Besucherzahlen messen. Damit wissen die Verlage, welche Inhalte bei der Leserschaft ankommen. Durch Besucher-Tracking kennt man die Vorlieben nicht erst seit gestern.

Und generell gesprochen: die Verlagsbranche produziert seit Jahren für das Internet nicht unbedingt nach Wichtigkeit sondern nach Aussicht auf hohe Klickzahlen.

05.07.2013 11:05

Mario KeinName

"Die Paywall also. Ein Begriff, der wie die Bezahlschranke in Deutschlands Verlagen derzeit auf dem Index steht, aus Angst, den Leser zu verschrecken. Bei der Süddeutschen Zeitung spricht man deshalb lieber vom Leserclub, bei Springer vom Markenabo."

Viele denken ja, die Verlage benutzen den Begriff nicht, weil er blöd klingt, aber dank Ihnen wissen wir nun, warum das so ist. Super. Weiter so!

05.07.2013 10:59

Dan Lets

Die wollten wohl keine weitere JuliensBlog-Analyse mehr ertragen.

 
Anzeige: 1 - 5 von 5.
 
Viavision