
Bild: Jan Zappner
Paul-Josef Raue: "Wir wollen unsere Kapazitäten aufs Regionale konzentrieren"
WAZ
Zusammenrücken in Thüringen
In Thüringen arbeiten die zum WAZ-Konzern gehörenden Zeitungstitel enger zusammen. Die Redakteure von Thüringer Allgemeine und Ostthüringer Zeitung sitzen seit diesem Monat an einem gemeinsamen Manteldesk.
In Thüringen kommt man sich näher. Die Mantelausgaben der Ostthüringer Zeitung (OTZ) und der Thüringer Allgemeinen (TA) werden seit diesem Monat an einem gemeinsamen Newsdesk in Erfurt erstellt. Damit verstärken die beiden WAZ-Titel ihre bisherige Zusammenarbeit. "Es ist doch die Frage: Tauschen wir weiter nur Artikel aus, oder produzieren wir lieber gemeinsam und konzentrieren unsere Kapazitäten aufs Regionale", sagt TA-Chefredakteur Paul-Josef Raue im Gespräch mit dem journalist. Beide Zeitungen würden autark bleiben. Es werde weiterhin zwei gleichberechtigte Chefredakteure geben, so Raue. Er verweist zudem darauf, dass sich die Verbreitungsgebiete der Titel nicht überschneiden.
Mit der Umstrukturierung bei den Blättern hat man bereits vor längerer Zeit begonnen. Sowohl die Redakteure der TA als auch die der OTZ arbeiten in ihren Häusern bereits an eigenen Regiodesks. Der Regiodesk der TA – "Thüringentisch" genannt – existiert seit einem guten halben Jahr, der Regiodesk der OTZ seit rund eineinhalb Jahren.
Der zentrale Newsdesk fürs Überregionale ist mit sieben oder acht TA-Redakteuren und mit zunächst drei OTZ-Redakteuren besetzt. Wer aus der bisherigen Mantelredaktionen nicht an den Desk geht, soll andere Aufgaben übernehmen: etwa den Regionaldesk verstärken oder in die Lokalredaktion wechseln. Ziel der Umstrukturierung sei es, die Regional- und Lokalberichterstattung zu stärken, ohne das Personal aufzustocken, bestätigt OTZ-Chefredakteur Ullrich Erzigkeit. Er ist zuversichtlich, dass trotz der neuen "effizienteren Strukturen" der spezifische Ostthüringer Blick gewahrt bleibt.
Verbunden mit dem Umbau im Mantelbereich, der nicht alle Ressorts – etwa die Kultur – betrifft, ist eine Blattstrukturreform, wie Klaus Schrotthofer, einer der Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Thüringen, dem journalist erläutert. Die Blattstrukturreform gilt nach Angaben von Schrotthofer für alle zur Zeitungsgruppe Thüringen gehörenden Zeitungstitel: neben der TA und der OTZ also auch für die Thüringische Landeszeitung. Mit ihr kooperieren TA und OTZ seit Jahren eng im Lokalen. So produziert die OTZ für die TLZ den Lokalteil in Gera, die TA wiederum für die TLZ den Lokalteil in Mühlhausen. Zudem koordiniert man Termine und tauscht auch Artikel aus.
Im Landesverband Thüringen des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) sieht man die Entwicklungen der Zeitungsgruppe kritisch. Die Trennung von Editoren und Reportern, wie sie die Desk-Kultur hervorbringt, führe dazu, dass sich die Journalisten, die nur recherchieren und schreiben, zunehmend von dem Zeitungsprodukt entfremden, so Geschäftsführer Ralf Leifer.
Abzuwarten sei nun, ob der spezifische Ostthüringer Blick auf das Geschehen in Deutschland und die Welt wirklich erhalten bleibe. Für den DJV Thüringen ist zudem wichtig, dass es bei der Reform zu keinem Stellenabbau kommt. Nach Leifers Einschätzung waren die Redaktionen schon vor der Umstrukturierung nicht ausreichend besetzt.
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