Detail-Informationen

Autor

Werner Hinse

verfasst am

26.03.2014

Neue Einschnitte bei der Westdeutschen Zeitung? Am Donnerstag sind Mitarbeiter
(Bild: journalist)

Westdeutsche Zeitung

Verliert die WZ ihren eigenen Mantelteil?

Die Mitarbeiter der Westdeutschen Zeitung sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Berechtigt? In der Redaktion geht das Gerücht um, dass die Produktion des Zeitungsmantels möglicherweise aufgegeben wird. Der Verlag hat solche Vermutungen bislang nicht kommentiert. Morgen, am 27. März, stehen Mitarbeiterversammlungen an, bei denen es neue Informationen geben könnte.

Bei der Westdeutschen Zeitung (WZ) in Düsseldorf könnte es demnächst neue Einschnitte geben. Viele WZ-Mitarbeiter fürchten, dass nun der Zeitungsmantel auf der Streichliste stehen könnte. Für den morgigen Donnerstag, den 27. März, hat die Geschäftsführung die Mitarbeiter an den Standorten Wuppertal, Düsseldorf und Krefeld zu Informationsrunden geladen. Den WZ-Betriebsratsvorsitzenden Andreas Keil treibt wie seine Kollegen die Sorge um, dass von den rund 100 Redakteuren "vielleicht ein erheblicher Teil wird gehen müssen".

Ein Grund: Die Auflage der WZ ist im Sinkflug. Die verkaufte Auflage liegt derzeit bei knapp über 97.000 Exemplaren. Zum Vergleich: Vor zwei Jahrzehnten waren es noch rund 200.000 Exemplare. Vergleicht man die jeweils vierten IVW-Quartalszahlen der Jahre 2011 und 2013, dann lag der Verlust der verkauften WZ-Auflage bei 9,88 Prozent – und damit deutlich über dem Branchendurchschnitt. Kernmärkte der WZ sind neben Wuppertal und Düsseldorf der Niederrhein um Krefeld und das Bergische Land.

"Nicht mehr als eine Filiale der Rheinischen Post"

2012 gab es bereits einen Einschnitt, als ein Fünftel der Mitarbeiter entlassen wurde. Zuvor gingen sowohl das Druckhaus in Wuppertal als auch die Lokalfunk-Beteiligung zur Verlagsgruppe der Rheinischen Post (RP). "Das ist nicht mehr als eine Filiale der RP", fasst ein Branchenexperte die Lage der WZ zusammen.

Seit Jahren ist die WZ mit der starken Düsseldorfer Konkurrenz, der Rheinischen Post, geschäftlich verbandelt. Die RP druckt und verteilt die WZ und übernimmt zudem die Personaldienstleistungen. Gemeinsam werden mit der RP diverse Anzeigenblätter erstellt. Ein Kenner der Düsseldorfer Zeitungsszene sagt: "Da ist nun nicht viel mehr als die Marke WZ übrig."

WZ-Chefredakteur Martin Vogler, seit sechs Jahren in der Chefredaktion, kam in diesem Winter nicht aus dem Urlaub zurück in die Redaktion und verweist seitdem einsilbig auf die "einvernehmlich beendete Zusammenarbeit" mit dem Verlag W. Girardet, der die WZ verlegt. Seitdem führt der bisherige stellvertretende Chefredakteur Lothar Leuschen die Redaktion kommissarisch. Erst kürzlich hat er zusätzlich die Leitung der Lokalredaktion in Wuppertal von Robert Maus übernommen.

Der Chefredakteur kam nicht aus dem Urlaub zurück

Der Geschäftsführer des Girardet-Verlags, Kersten Köhler, betont gegenüber dem journalist, dass die publizistische Eigenständigkeit der Westdeutschen Zeitung nicht infrage gestellt werde. Bislang wird der überregionale Teil der WZ auch im Solinger Tageblatt und im Remscheider General-Anzeiger publiziert. Deren Verleger Michael Boll sagt, dass er "keinerlei Erkenntnis" habe, dass sich an dieser Zusammenarbeit in absehbarer Zeit etwas ändern könnte.

Girardet-Geschäftsführer Köhler bestätigt, dass die WZ künftig wieder einen ordentlichen Chefredakteur haben werde. Zu den Branchenspekulationen, dass der Zeitungsmantel der WZ künftig von Zeitungsverlagen in Aachen oder Saarbrücken zugeliefert werden könnte, an denen wiederum die RP-Mediengruppe beteiligt ist, sagt Köhler lediglich: "Zu derartigen Gerüchten und Spekulationen nehmen wir grundsätzlich keine Stellung." An einen Rückzug der WZ aus Teilen des Vertriebsgebiets werde "kurz- oder mittelfristig" nicht gedacht.

Update, 27. März, 18 Uhr

Jeder zweite Mitarbeiter in der bislang rund 100-köpfigen Redaktion der Westdeutschen Zeitung könnte seinen Arbeitsplatz verlieren. Das wurde heute auf Mitarbeiterversammlungen in Wuppertal, Düsseldorf und Krefeld bekannt. Der Verlag W. Giradet will nicht nur die Mantelredaktion verkleinern, weil Inhalte künftig zugekauft werden, sondern es soll auch und vor allem Umstrukturierungen in den Lokalredaktionen geben. Die meisten Standorte in der Fläche werden geschlossen. Die WZ wird hier zwar weiterhin erscheinen, aber die lokalen Inhalte sollen künftig von der Rheinischen Post kommen.

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Aktuelle Kommentare zu diesem Text

27.03.2014 13:46

W. Zetti

Wie es aussieht, ist die Realität noch viel viel schlimmer.

27.03.2014 17:59

Stefan Breuer

Hälfte aller Stellen werden gestrichen

27.03.2014 20:01

Arno Nym

Bald soll es ja auch bei der RP Umstrukturierungen geben. Würde mich nicht wundern, wenn die RP auch einige Standorte zugunsten der WZ aufgeben würde. Denn das Mantra bei der RP ist es ja, dass es auch in ihrem Interesse sei, wenn es der WZ gutgehe.

27.03.2014 21:06

Bernhard Kurre

Eigentlich könnte sich die ohnehin inhaltsleere WZ gleich vom Zeitungsmarkt verabschieden. Ohne eigenen Mantel und Lokalnachrichten von der RP ist sie überflüssig. Nur schade um die zumeist hochqualifizierten Mitarbeiterinnen.

27.03.2014 22:08

Johndo Nym

Ich vermute die große Tarifflucht. Wenn nun, wie es verkündet wurde, mit der RP eine Lösung fürs Befüllen der Ausgaben aus den gestrichenen Redaktionen gefunden werden soll, ist es doch nur noch eine Frage der Zeit, bis bei der RP die Inhalte aus der selben Quelle kommen. Große Sparrunde statt sinnvoller Investition. Welche visionslosen Menschen glauben denn im Ernst, man könne ein Produkt nach vorne bringen, dem man das Profil noch mehr nimmt?

28.03.2014 12:58

Ronald M. Hahn

Die WZ besteht seit Jahren fast nur noch aus dpa-Meldungen, die man auch in jeder anderen Zeitung lesen kann. Vielleicht sollte dpa gleich auch die Redaktion übernehmen. Könnte man 'ne Menge Geld sparen.

22.05.2014 13:26

Gladio Thor

Eine Nato-Pressestelle weniger...
Wo die Fäden zusammenlaufen, zeigte "die Anstalt" eindrucksvoll:
www.youtube.com/watch?v=JvNz9MDalGk

03.04.2015 11:19

Alex Midoch

... nach der Lektüre dieses Artikels und der Kommentare ist es ganz offensichtlich auch für mich als von diesem Opportunistenblatt Geschädigtem völlig sinnlos, Kontakt zur Redaktion aufzunehmen. Hier ist vielmehr tiefes Mitgefühl angebracht. Vielleicht hätten unter anderen Umständen aus diesen Verbreitern der herrschenden Meinung tatsächlich gute Journalisten werden können ...

21.08.2015 10:39

Gregor Homann

Na ja, die WZ war schon eine Zeitung ohne intellektuellen Mehrwert, weil der Verleger es auch nie wollte. Irgendwann haben dort auch nur noch Redakteure gearbeitet, die gar keinen intellektuellen Anspruch hatten. Und so hat man mit gemeinsamen Kräften fröhlich in den Untergang gesteuert. Später hat Roeingh versucht das Ruder umzureißen, aber es war zu spät.

 
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