Detail-Informationen

Autor

Thomas Krause

verfasst am

11.11.2011

im Heft

journalist 11/2011

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Bild: journalist.de

In der Kritik: der Berliner Nicolai-Verlag

Nicolai-Verlag

Zu spät gezahlt

Zwei freie Mitarbeiter haben schlechte Erfahrungen mit dem Berliner Nicolai-Verlag gemacht. An ihr Geld kamen sie nur mithilfe von Anwälten.

Dass es mit dem Nicolai-Verlag schwierig werden könnte, ahnte Kristina Vaillant schon früh. Gemeinsam mit dem Fotografen Ernst Fesseler hatte die 46-jährige Journalistin ein Buchkonzept entwickelt: Sie wollten hinter die Türen und in die Labore Berliner Forschungsinstitute schauen.

Mehr als ein dreiviertel Jahr lang hatten sie Gespräche mit den Institutionen geführt, ehe sie zehn von ihnen vom Buchprojekt Ideen, täglich – Wissenschaft in Berlin überzeugen und dabei gleich als Festabnehmer akquirieren konnten. "Durch die Festabnahmeverträge war das Buch inklusive unserer Honorare voll finanziert", sagt Vaillant. "Für den Verlag gab es also kein Risiko."

Als Andreas von Stedman, der Geschäftsführer des Berliner Nicolai-Verlags, sie bei den Vertragsverhandlungen fragte, ob die Institute denn auch bezahlen würden, schwante Vaillant Böses. Trotzdem wurde vertraglich festgelegt, dass Vaillant und Fesseler ihre Honorare erst bekommen, wenn die Festabnehmer mindestens die Summe der Honorare bezahlt haben.

Sechs Monate schrieb Vaillant an den Texten für das Buch. Im Juni 2010 stellte sie ihre erste Rechnung an den Verlag. "Wir hatten guten Kontakt zu den Forschungsinstitutionen und wussten, dass sie gezahlt hatten", sagt Vaillant. Doch Geld bekam sie nicht. Als das Buch im September 2010 erschienen war, schrieb Vaillant eine zweite Rechnung – keine Reaktion. "Es war mir unmöglich, mit irgendjemandem im Verlag Kontakt aufzunehmen. Meine E-Mails wurden nicht beantwortet, ans Telefon ging niemand mehr, wenn ich anrief."

Eine schlechte Erfahrung mit dem Nicolai-Verlag, einem der ältesten Buchverlage Deutschlands, machte auch Sarah Lamparter. Die 35-jährige Grafikerin hatte am Buch Wunderkammer Charité: Innenansichten einer Berliner Institution der Fotografin Anja Nitz mitgearbeitet. Für die Bearbeitung von Fotos hatte sie ein Honorar von 5.000 Euro ausgehandelt – und erhielt stattdessen 1.787 Euro.

Der Nicolai-Verlag begründete das in einer E-Mail: Da für die Fotoabzüge eine andere Firma "bereits eine Summe von 3.213 Euro in Rechnung gestellt" habe, könne der Verlag Lamparter "noch 1.787 Euro bezahlen." Weil im Verlag auf ihre Anrufe niemand mehr reagierte, nahm Lamparter sich einen Rechtsanwalt. "Ich hatte alles extra sorgfältig vorbereitet, unter anderem, weil ich vorgewarnt wurde", sagt Lamparter. Aber auch mithilfe des Anwalts bekam sie ihr vollständiges Honorar erst ein Jahr nach Erscheinen des Buchs.

Noch stärker musste Kristina Vaillant um ihr Geld kämpfen. Nachdem auch ein Mahnbescheid gegen den Verlag folgenlos blieb, schaltete sie den DJV Berlin ein. Im Juli 2011 verurteilte das Amtsgericht Mitte den Nicolai-Verlag, an Vaillant "4.280 Euro nebst Zinsen in Höhe von 8-Prozent-Punkten" zu zahlen. Ein Jahr nach Erscheinen des Buchs bekam Kristina Vaillant das vereinbarte Honorar. Auf die Zahlung der Zinsen wartet sie trotz des Urteils noch immer.

Der Nicolai-Verlag wollte sich auf mehrfache Aufforderung hin zu den Vorwürfen nicht äußern.

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