Detail-Informationen

Autor

Jan Söfjer

verfasst am

12.09.2011

im Heft

journalist 9/2011

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Video, Hörfunk, Text, Online – im Darmstädter Journalismusstudiengang wird Wert auf crossmediale Ausbildung gelegt.

10 Jahre Onlinejournalismus Darmstadt

"Wir verknüpfen alles mit Online"

Vor zehn Jahren gründeten ein Germanist und ein Soziologe den Studiengang Onlinejournalismus an der Hochschule Darmstadt. Ein Interview von Absolvent Jan Söfjer mit Studiengangsleiterin Friederike Herrmann.

Bild: Anne Faden

journalist: Zum Start des Studiengangs 2001 bemängelten Kritiker die einseitige Ausrichtung. Zu Recht?

Friederike Herrmann: Nein. Heute stellt niemand mehr die Existenzberechtigung unserer crossmedialen Ausbildung infrage. Meine Kollegen sind gefragte Experten, unsere Absolventen kommen gut unter. Bei uns ist Online nicht nur eine Sparte, wir verknüpfen alles mit Online.

Wie haben Sie die Ausbildung an die ständige Entwicklung der neuen Medien angepasst?

Im vergangenen Semester hatten wir beispielsweise ein Projekt zum Datenjournalismus. Da haben wir sehr schnell auf eine aktuelle Entwicklung reagiert.

Sind die crossmedialen Inhalte nicht so vielfältig, dass die Studenten zwar viele Kompetenzen erwerben, aber nichts richtig erlernen?

Schon im dritten Semester haben meine Studenten Radiobeiträge produziert, die der Hessische Rundfunk gelobt und gesendet hat.

Und die Textausbildung? Die Textwerkstätten umfassen in der Regel 90 Minuten pro Woche. Im ganzen Studium kommt man damit nur auf eine Schreibausbildung von einem Monat.

Wir haben im Bachelor in jedem Semester ein Seminar zur Textausbildung. Texten wird aber auch noch in vielen anderen Veranstaltungen vermittelt, wie den Semesterprojekten oder auch Seminaren zu Video und Hörfunk. Auch dort textet man.

Ein Beispiel für ein Projekt?

Ich habe mit meinen Studierenden einen narrativen Blog in Kooperation mit taz.de geschrieben.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, Reportagen zu schreiben?

Das, was man für eine Reportage braucht, haben die Studenten auch in dem Blog-Projekt geübt, an der kleinen Form: Eine Studentin etwa ist einen Tag lang barfuß gegangen und hat beobachtet, wie die Menschen auf sie reagieren.

Aber viele Ihrer Absolventen wählen doch nicht-journalistische Berufe?

Nach unserer Absolventenstudie 2008 stimmt das nicht. 42 Prozent der Befragten arbeiten im Journalismus. Sie dürfen nicht vergessen, dass unsere Studierenden auch den Schwerpunkt PR wählen können, dort arbeiten nach der Studie 34 Prozent.

Die Journalismus-Absolventen arbeiten vorwiegend in Onlineredaktionen. Doch Onliner schreiben weniger, haben weniger Zeit für Recherche und bekommen weniger Geld als ihre Printkollegen.

Sie haben zu romantische Vorstellungen vom Beruf des Redakteurs. Auch bei Tageszeitungen redigieren und produzieren viele Redakteure, anstatt zu schreiben. Aber tatsächlich sind viele Onlineredaktionen personell noch nicht ausreichend ausgestattet. Es gibt allerdings auch positive Entwicklungen, etwa die Angebote von Zeit Online und Rhein-Zeitung. Die schicken ihre Onliner auch raus.

Die Branche entwickelt sich zum Negativen. Copy&Paste statt Schreiben und Multimedia. Onlinejournalisten bestücken immer mehr Kanäle, prüfen Userkommentare, bedienen Social Media und produzieren iPad-Ausgaben. Der Onlinejournalist als Content-Maschine?

Ja, das ist leider so. Aber man sollte die guten Entwicklungen nicht schlechtreden. Die Branche ist immer noch jung. Besorgniserregend ist allerdings, dass der Arbeitsdruck immer höher wird – nicht nur bei den Onlinern. Das ist ein Problem, bei dem vor allem die Verleger gefragt sind.

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