Detail-Informationen

Autor

Monika Lungmus

verfasst am

13.07.2011

im Heft

journalist 7/2011

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Seit einigen Wochen versucht die Abendzeitung Nürnberg, ihre Leser mit einer neuen Ausrichtung zu überzeugen.

Abendzeitung Nürnberg

"Wir sehen uns als kleines Motorboot"

Seit Ende Mai erscheint die Nürnberger Abendzeitung mit neuem Layout. Der journalist sprach mit Chefredakteur Andreas Hock über das Konzept.

journalist: Sind Sie zufrieden mit der Resonanz auf den Relaunch?

Andreas Hock: Außerordentlich zufrieden. Was nicht heißt, dass es keine kritischen Stimmen gab. Die Resonanz ist aber überwiegend positiv. Und es ist auch normal, dass noch nicht alles hundertprozentig perfekt läuft. Wir befinden uns noch in einem Lernprozess. 

Kritiker sagen, dass Blatt sei jetzt sehr bunt, geradezu schrill.

Ich kann das verstehen, dass so weitreichende Veränderungen nicht jedem gefallen. Und wir sind vielleicht auch das eine oder andere Mal über das Ziel hinausgeschossen. Unser Anspruch ist es aber, dass sich die Abendzeitung Nürnberg künftig moderner, grafisch anspruchsvoller präsentiert. 

Was war Ziel des Relaunchs?

Wir produzieren alle Seiten jetzt im eigenen Haus und können überregionale Themen auf die regionale und lokale Ebene herunterbrechen. Das ist sicher die weitreichendste Neuerung.

Es gibt auch Bild Nürnberg, die Nürnberger Nachrichten und die Nürnberger Zeitung – welche Leser wollen Sie erreichen?

Wir sehen uns als kleines Motorboot, das wendig zwischen den großen Tankern hindurchnavigiert. Wir sind überzeugt, dass wir mit einem konsequent regionalen Boulevardblick eine Lücke auf dem schwierigen hiesigen Markt gefunden haben. Ich will aber gar nicht abstreiten, dass es eine ambitionierte Aufgabe wird. 

Sie haben die Ressorts Kultur und Wirtschaft abgeschafft. Reichte der personelle Etat nicht aus?

Wir haben die Ressorts nicht abgeschafft. Aber wir sehen die Aufteilung nicht mehr so dogmatisch. Mal wird im Lokalteil über Wirtschaft oder eben Kultur berichtet, mal im Überregionalen. Es muss doch nicht immer „Kultur“ über der Seite stehen. Wir entlasten so auch die zuständigen Kollegen. Zwei Redakteure kümmern sich um die Kultur. Es wäre kaum praktikabel, wenn die jeden Tag eine ganze Seite organisieren müssten. 

Früher kam der Mantel aus München, nun produzieren ihn nur sechs Redakteure in Nürnberg. Ein äußerst mutiges Unterfangen.

Das reicht aus, auch wenn man sich als Chefredakteur natürlich immer mehr Leute wünscht. Wir können trotzdem flexibel reagieren. Und wann immer ein überregionales Thema relevant ist, werden die Redakteure von Kollegen aus dem Lokalen unterstützt. Und umgekehrt. Deswegen verwende ich auch das Wort „Mantel“ nicht, weil lokale Inhalte überall im Blatt auftauchen sollen und können.

Sie haben nicht nur Mantelredakteure eingestellt, sondern auch fünf neue Layouter. Das macht fast die Hälfte der Neueinstellungen aus. Das ist ungewöhnlich. Wozu so viele Layouter?

Wir arbeiten hier mit Indesign, einem anspruchsvollen Grafikprogramm, das vor allem im Magazinbereich eingesetzt wird. Unser Layout profitiert davon. Wir choreographieren jede einzelne Seite neu. Man braucht gute Layouter dazu. Und wir haben lange und bundesweit gesucht. Wir arbeiten mit festen und freien Mitarbeitern, so dass immer jeweils vier bis fünf gleichzeitig im Einsatz sind. Und wir suchen sogar noch Verstärkung.

Wie viel hat der Eigentümer in AZ Nürnberg investiert?

Das weiß ich nicht. Nur soviel: Ich bin froh, dass jemand noch so viel Geld in die Hand nimmt und so viel Herzblut in diese Zeitung steckt.

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