Detail-Informationen

Autor

Bernd Fabritius

verfasst am

04.04.2011

im Heft

journalist 4/2011

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Umfrage

Apples Macht

Apple verkauft Desktops, Laptops, Tablets und Telefone. Apple gibt vor, welche Inhalte und Techniken in Apps erlaubt sind, und verdient an den Verkäufen mit. Verleger und Journalisten feiern Steve Jobs als Retter des Journalismus. Mancherorts ist die Euphorie in Empörung umgeschlagen. Der journalist hat nachgefragt, welchen Einfluss Apple auf die Arbeit von Journalisten hat – und ob es Alternativen gibt.

"Fragwürdig, aber sexy"

Bild: FR

Joachim Frank
Chefredakteur Frankfurter Rundschau

Lange Zeit war ich ein Verächter von Apple-Kost. Smartphones waren für mich Arbeitsinstrumente und kein Spielzeug fürs Privatleben. Aber nach der Einführung des iPads bin auch ich der Apple-Philosophie erlegen: bedienerfreundlich, handlich, schick – mit einem Wort: sexy.

Die Frankfurter Rundschau lese ich morgens in der App-Ausgabe, weil sie das redaktionelle Angebot noch einmal multimedial ergänzt. App-Ausgaben der Tageszeitungen stellen eine Chance dar, junge Leser wieder näher an unser Medium heranzuführen. Wie Apple mit dem geplanten Abo-Provisionsmodell in das Verlagsgeschäft eingreifen will, ist fragwürdig – höflich formuliert. Genauso verhält es sich mit Apples "Closed-Shop"- Strategie, wonach in Mobilgeräte keine USB-Eingänge einbaut werden und der Flash-Player blockiert ist. Mit dieser Einstellung sind schon andere gestolpert, die sich für die Einzigen und Größten hielten. Und die Konkurrenz schläft nicht.

"Kundenkontakt muss bleiben"

Bild: Mario Vedder

Sven Gösmann
Chefredakteur Rheinische Post

Apple ist ein wesentlicher Katalysator für die technische Entwicklung journalistischer Trägermedien und hat insofern eine große Bedeutung für den Journalismus. Die Einführung des iPhones war noch wichtiger als die des iPads. Mit dem iPhone konnten erstmals journalistische Inhalte in anspruchsvoller, umfangreicher Form auf dem Telefon an Leser gebracht werden. Während sich das Blackberry eher an technokratische User wie Banker wendet, erreicht das iPhone breitere, gebildete Bevölkerungsschichten.

Technisch setzt Apple momentan zwar die Standards, aber ich bete dann doch nicht für den technischen Heilsbringer Steve Jobs, sondern allenfalls für ihn als schwerkranken Menschen. Das Blatt kann sich wenden. Es kann auch andere Anbieter geben, die Medienhäusern attraktivere Bezahlmodelle für Inhalte anbieten werden, bei denen vor allem der direkte Kundenkontakt bestehen bleibt. Denn diesen dürfen wir keinesfalls dauerhaft aus der Hand geben.

"Wer es ins Wohnzimmer schafft"

Bild: privat

Richard Gutjahr
Freier Journalist, Blogger

Meine Arbeit hat sich durch Apple nicht verändert, weil mich Apple-Produkte schon lange begleiten. Apples Zusammenspiel aus Hardware, Software und benutzerfreundlicher Oberfläche ist unerreicht. Apple war Mitte der 80er Jahre ein Vorreiter des Desktop-Publishings. Durch den iPod wurden Podcasts populär. Ich würde mich über Alternativen zu Apple freuen, die bei gleicher Leistung billiger wären. Ich wundere mich, warum Microsoft das mobile Web verschlafen hat. Die Verlage sollten sich fragen, warum ihnen ausgerechnet ein Computerhersteller zeigen muss, wie man im Netz Zeitungen und Anzeigen verkauft.

Die Zukunft von journalistschen Inhalten wird auch davon abhängen, ob es Apple und anderen Anbietern gelingt, ins Wohnzimmer der Konsumenten vorzudringen. Sobald Smart-TVs die klassischen Fernseher verdrängt haben, werden die Zuschauer Inhalte auf anderen Wegen suchen. Dann werden auch wir Journalisten uns mit unseren derzeitigen Verbreitungsmethoden schwer tun.

"Keine Unternehmen küssen"

Bild: Julia Jungfer

Domenika Ahlrichs
Stellvertretende Chefredakteurin Zeit Online

Apple hat vorgelegt in der Hinsicht, eine andere Form von Kommunikation zu ermöglichen. Davon profitieren auch Anbieter journalistischer Inhalte. Ich sehe allerdings eine Gefahr, wenn Firmen wie Apple in Inhalte von Verlagen eingreifen, wie dies zum Beispiel bei einer Bilderstrecke aus der Stern-App geschehen ist. Ähnlich zwiespältig ist mein Verhältnis zu Google: Wenn Nutzer über Google News auf Seiten geleitet werden, ist das diesen dienlich. Gleichzeitig erlangt der Konzern dadurch eine gewisse Macht.

Apples Modell für kostenpflichtige Nachrichtennutzung ist eine Chance, doch existieren bereits Alternativmodelle wie das der New York Times, wo man Schlagzeilen lesen kann, für Inhalte aber zahlt. Das Bezahlmodell für Exklusivinhalte wird auch künftig funktionieren. Aber man muss Apple nicht die Füße küssen. Veränderungen sind etwas Positives, doch man sollte nur Ideen küssen und keine Unternehmen.

"Kunden gewinnen"

Bild: C't

Stephan Ehrmann
Stellvertretender Chefredakteur C't, Chefredakteur Mac & i

Apple hat nun mit dem iPad auch die Verlagsbranche verändert. Momentan genießt dieses noch einen Vorsprung, weil es das erste funktionierende Gerät im Markt war. Ein ähnlich gut funktionierendes Zusammenspiel aus Hardware, Software und einfacher Vermarktung können die Wettbewerber derzeit nicht bieten. Doch sie holen auf. C‘t bietet eine iPad-Version mit digitalen Magazininhalten an, plant aber auch Versionen für andere Plattformen, etwa die Tablets mit Android-Betriebssystem. Mac & i wird es hingegen nur auf dem iPad geben.

Die von Apple einbehaltene Provision akzeptieren wir zähneknirschend, weil wir hoffen, mit der iPad-Ausgabe Leser zu adressieren, die wir sonst vielleicht verlieren würden – oder gar nicht gewonnen hätten. Von einem Eingriff in die journalistische Arbeit kann aber nicht die Rede sein. Apple lässt den Verlagen die Wahl, das Geschäftsmodell zu akzeptieren oder Inhalte auf anderen Plattformen zu vermarkten. Das halte ich für legitim.

Wie es Apple geschafft hat, die Medienlandschaft zu revolutionieren, lesen Sie hier.

Christian Jakubetz hat sich einige 
Notizen rund um Apple gemacht.

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