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Autor

Interview: Monika Lungmus

verfasst am

05.03.2013

im Heft

journalist 3/2013

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Link zum Thema

  • djv.de: Informationen und Umfrage zu den gemeinsamen Vergütungsregeln für Bildbeiträge in Tageszeitungen

Mehr zum Thema auf journalist.de

  • 18. April 2013: Was sagen die Fotografen zu den ausgehandelten Vergütungsregeln? weiter

Vergütungsregeln: DJV-Justiziar Benno Pöppelmann verhandelte mehr als neun Jahre.

Bildhonorare

"Das ist mehr als üblich"

Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Zeitungsverlegern zu den Fotohonoraren bei Tageszeitungen waren derart schwierig, dass es am Ende nicht ohne Schlichter ging. Seit dem 1. Februar liegt nun ein Kompromissvorschlag zu den gemeinsamen Vergütungsregeln vor. Der journalist sprach mit DJV-Justiziar Benno Pöppelmann, der mit am Verhandlungstisch saß.

journalist: Nach sechs Terminen im Schlichtungsverfahren liegt nun ein Einigungsvorschlag zu den gemeinsamen Vergütungsregeln für die Bildjournalisten von Tageszeitungen vor. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Benno H. Pöppelmann: Die Honorarsätze, die bei der Schlichtung herausgekommen sind, sind niedriger als die, die im Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche Journalisten an Tageszeitungen fixiert sind und von der Mittelstandsgemeinschaft Fotomarketing empfohlen werden. Insofern kann man mit dem Ergebnis sicherlich nicht zufrieden sein. Andererseits ist es ein realistisches Ergebnis. Als Maßstab mussten auch die in der Branche üblichen Honorarsätze herangezogen werden. Und die bewegen sich leider auf einem sehr niedrigen Niveau. 

Wie wurde denn ermittelt, welche Honorarsätze üblich sind?

Das war ausgesprochen schwierig. Denn einen repräsentativen Überblick über die Honorare bei Tageszeitungen gibt es nicht. Und der BDZV sah sich auch nicht in der Lage, valide Zahlen zu beschaffen. Der DJV hat dann eine Umfrage unter Bildjournalisten gestartet und Rückmeldungen für etwa 130 Tageszeitungen bekommen. Dabei hat sich gezeigt, dass gut die Hälfte der Kollegen deutlich unter 50 Prozent beziehungsweise bis höchstens 50 Prozent der tariflichen Honorarsätze erhält. So gesehen ist der Schlichtungsvorschlag kein schlechtes Ergebnis. Denn wir haben ja immerhin erreicht, dass die Honorarsätze je nach Auflagenstaffel in der Spitze etwa 69 bis 92 Prozent der Tarifsätze abbilden.

Dennoch hat der Kompromiss bei Bildjournalisten zu Unmut geführt.

In der Tat gibt es einige Bildjournalisten, die das Ergebnis scharf kritisieren. Und ich kann das auch nachvollziehen. Denn man darf nicht übersehen, dass es auch Freie gibt, die deutlich höhere Honorare erzielen. Nach unserer Beobachtung ist das aber nicht die Mehrheit. Die Mehrheit verdient deutlich weniger als 50 Prozent des Tarifvertrags für arbeitnehmerähnliche Journalisten. Das geht im schlimmsten Fall runter bis zu fünf Euro pro Foto. Aber der Unmut derjenigen, die sehr viel mehr verdienen, ist verständlich. Denn sie befürchten natürlich, dass ihre Honorarsätze möglicherweise abgesenkt werden.

Diese Sorge ist doch auch berechtigt.

Nicht ganz. Wir haben in der Präambel zu den Vergütungsregeln festgehalten, dass für den Fall, dass Zeitungen ihren Freien schon heute höhere Honorare zahlen, diese dann als angemessen anzusehen sind. Das ist ein gewisser Bestandsschutz.

Was macht Sie denn so sicher, dass die Verlage, die heute besser zahlen als in den Regeln festgelegt, langfristig nicht nach unten korrigieren?

Sicher sein kann man nicht, aber notfalls müssen wir hier nachsteuern. Bildjournalisten, die mit einer Absenkung ihrer Honorare konfrontiert sind, sollten sich dagegen mit Hilfe ihres Verbands wehren.

Bild: Sebastián Laraia

"Es gibt einige Bildjournalisten, die das Ergebnis scharf kritisieren. Und ich kann das auch nachvollziehen."

Benno H. Pöppelmann, Justiziar des Deutschen Journalisten-Verbands

Ende 2009 hatten sich die Gewerkschaften mit dem BDZV auf die Vergütungsregeln für Wortjournalisten geeinigt. Warum war es mit den Fotohonoraren so extrem schwierig?

Weil der BDZV nicht bereit war, Wort- und Bildjournalisten gleich zu behandeln. Nach Vorstellungen des BDZV sollten die Fotohonorare maximal bei 50 Prozent der tarifvertraglichen Sätze liegen. Deswegen mussten wir in die Schlichtung gehen, um ein besseres Ergebnis zu erreichen.

Mit welcher Forderung ist denn der DJV ursprünglich angetreten?

Wir wollten ursprünglich Honorarsätze, die sich auf dem Niveau des Tarifvertrags für arbeitnehmerähnliche freie Journalisten bewegen.

Dem BDZV war es außerordentlich wichtig, dass Honorare für die Mehrfachnutzung von Fotos der freien Vereinbarung unterliegen. Da steckt doch im Prinzip eine Rabattregelung hinter. Warum haben die Gewerkschaften hier klein beigegeben?

Mehrfachnutzungen und Rabattierungen sind gang und gäbe. Aber von Rabattierung steht im Schlichtungsspruch auch nichts, sondern nur etwas von freier Vereinbarung. Diese Passage, und darauf kommt es an, kommt nur dann in Betracht, wenn die Mehrfachnutzung eines Fotos von vornherein bezweckt ist. Dann unterliegt die Preisgestaltung der freien Vereinbarung – auch nach oben.

Wie profitiert ein Bildjournalist, wenn sein Foto nicht nur gedruckt, sondern auch online erscheint?

Wenn ein Foto auch in der aktuellen Online-Ausgabe der Zeitung genutzt wird, dann ist diese Nutzung mit dem Honorar abgegolten. Wird es später noch mal genutzt, weil das Foto wieder Aktualität erlangt, muss es erneut bezahlt werden.

Was gilt, wenn Verlage redaktionelle Kooperationen betreiben oder der Mantel, in dem das Foto veröffentlicht wird, einem anderen Zeitungstitel zugeliefert wird? Wenn also ein Bild gleich in mehreren Blättern erscheint?

Wenn bei Vertragsschluss klar ist, dass das Foto für eine Redaktionsgemeinschaft oder eine Mantellieferung eingekauft werden soll, dann ist das mit dem Honorar abgegolten – das dann bei einer höheren Gesamtauflage entsprechend steigt. Wenn diese Nutzung nicht abgesprochen ist, muss die Veröffentlichung in einem anderen Titel gesondert bezahlt werden.

Der BDZV hat für seine Verhandlungen lediglich die Vollmacht von 89 Verlagen bekommen. Welche Bedeutung hat das für die Praxis?

Die Vergütungsregeln gelten zwar unmittelbar nur für diese 89 Verlage. Aber sie haben auch Auswirkungen auf die Verlage, die dem BDZV keine Vollmacht erteilt haben. Denn der Bundesgerichtshof hat in anderen Fällen, nämlich bei den Übersetzern, festgestellt, dass selbst Vergütungsregeln aus einem anderen Branchenbereich als Orientierungshilfe herangezogen werden können. Im konkreten Fall ging es um Übersetzer, die die Vergütungsregeln der Autoren belletristischer Bücher als Maßstab ansahen. Aktuell geht es sogar um ein- und dieselbe Branche.

Wie lange haben die Parteien nun Zeit, zu dem Schlichtungsergebnis Stellung zu beziehen?

Wir haben nach Zustellung des Schlichtungsspruchs drei Monate Zeit zu überlegen, ob wir dem Schlichtungsspruch widersprechen. Die Entscheidung wird der Gesamtvorstand im April treffen. Aber wir wollen dabei auch die Meinung unserer Mitglieder nicht außen vor lassen und haben daher eine eigene Seite zum Thema ins Netz gestellt. Die Reaktionen auf das Schlichtungsergebnis wird der Gesamtvorstand bei seiner Entscheidung sicherlich berücksichtigen.

Derzeit wird noch über die Vergütungsregeln bei Zeitschriften verhandelt. Wie ist der aktuelle Stand?

Die Verhandlungen stocken bei der Frage, wie ein angemessenes Honorar aussehen muss. Unsere Vorstellungen und die der Zeitschriftenverleger klaffen noch sehr weit auseinander.

Bei den Tageszeitungen sind die Honorarsätze seit Februar 2010 in Kraft. Wird es da nicht Zeit für eine Anpassung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten?

Wir werden dieses Thema im Laufe dieses Jahres erörtern müssen.

Etliche Verlage haben die Vergütungsregeln noch nicht umgesetzt. Fragt sich: Sind die Regeln tatsächlich das Papier wert, auf dem sie stehen?

Wir würden sicherlich nicht zehn Jahre lang verhandeln, wenn wir der Auffassung wären, es würde sich nicht lohnen. Aber natürlich wissen wir, dass sich Verlage mit der Umsetzung ausgesprochen schwer tun. Das Urheberrechtsgesetz macht es ihnen leider auch zu leicht, sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. Deswegen haben wir bereits vor einem Jahr Forderungen an den Gesetzgeber formuliert, damit die Schlupflöcher geschlossen werden. Wir hoffen, dass die nächste Bundesregierung unsere Anregungen insoweit aufgreift.

Honorare für Bildjournalisten

So sieht die im Schlichtungsgremium ausgehandelte Tabelle für Fotohonorare aus:

 Erstdruckrecht

 Auflage bis

 10.000

 25.000

 50.000

 100.000

 200.000

 über 200.000

 4-spaltig und größer

27,50 €

33,50 €

40,00 €

55,00 €

69,50 €

75,50 €

 kleiner als 4-spaltig

26,00 €

32,00 €

38,00 €

52,00 €

66,00 €

71,50 €

 kleiner als 2-spaltig

22,00 €

27,00 €

32,00 €

44,00 €

55,50 €

60,50 €

 kleiner als 1-spaltig

19,50 €

23,50 €

28,00 €

38,50 €

48,50 €

52,50 €

 Zweitdruckrecht

 Auflage bis

 10.000

 25.000

 50.000

 100.000

 200.000

 über 200.000

 4-spaltig und größer

20,50 €

25,00 €

30,00 €

41,00 €

51,50 €

56,00 €

 kleiner als 4-spaltig

19,50 €

24,00 €

28,50 €

38,50 €

49,00 €

53,00 €

 kleiner als 2-spaltig

16,50 €

20,00 €

24,00 €

33,00 €

41,50 €

45,00 €

 kleiner als 1-spaltig

14,50 €

17,50 €

21,00 €

28,50 €

36,00 €

39,00 €

  • Diese in der Tabelle aufgeführten Honorare sind als Mindesthonorare für Fotografien angemessen.
  • Honorare für Alleinrechtbilder, Aufmacherfotos auf der ersten Zeitungsseite, Fotomontagen und Zeichnungen werden von Fall zu Fall frei vereinbart. Sie müssen angemessen über den Sätzen der Tabelle liegen.
  • Honorare für Fotos, die zum Zweck der mehrfachen Nutzung erworben werden, unterliegen freier Vereinbarung; diese Vereinbarung ist beim Erwerb zu treffen.

Aktuelle Kommentare zu diesem Interview

14.03.2013 16:42

Goetz Buchholz

Ihr solltet nicht auf eure eigenen Ausreden hereinfallen: Wir haben erreicht, sagt Pöppelmann, "dass die Honorarsätze je nach Auflagenstaffel in der Spitze etwa 69 bis 92 Prozent der Tarifsätze abbilden".

"In der Spitze etwa 69 bis 92 Prozent" – was soll denn das heißen? Das kann man im Schlichterspruch nachlesen und notfalls selber ausrechnen: Es soll heißen, dass sich die "69 – 92 Prozent" nur auf das größte Abbildungsformat (größer als vierspaltig) beziehen. Da im Schlichterspruch aber eine Honorarstaffelung nach Abbildungsgröße eingeführt wird, gibt es für kleinere Abbildungsformate deutlich weniger. Für "kleiner als einspaltig" sieht der Schlichterspruch je nach Auflagenhöhe nur noch 46 bis 64 Prozent des Sätze des Tarifvertrages vor.

Korrekt müsste der oben zitierte Satz also lauten, "dass die Honorarsätze je nach Auflagenstaffel etwa 46 bis 92 Prozent der Tarifsätze abbilden". So genau sollten es Journalistenorganisationen doch schon hinbekommen, finde ich. Im Schnitt liegen die Schlichterhonorare übrigens bei knapp zwei Dritteln der Sätze des Tarifvertrages. Und ich finde, das hört sich ziemlich anders an als "69 bis 92 Prozent".

08.03.2013 12:14

Werner Otto

Neben der Erklärung zur Aufforderung, den Schlichterspruch ohne Wenn und Aber abzulehnen, die ich gemeinsam mit einigen Kollegen unterschrieben habe, hatte ich auch direkt bei Herrn Pöppelmann protestiert. Nachdem er mir sehr ausführlich und ausgesprochen sachlich darlegte, welche Schwierigkeiten es in den jahrelangen Verhandlungen mit den Arbeitgebervertretern immer wieder gegeben habe, machte ich ihm Alternativvorschläge, die ich allen Kollegen hiermit in Form eines Offenen Briefes zur eventuellen Diskussion bekannt geben möchte. Mein Grundgedanke war dabei, dass Berufsfotografen heutzutage absolut nichts mehr zu verlieren haben.

Z I T A T

Sehr geehrter Herr Pöppelmann,

danke für die ausführliche und sachliche Rückantwort auf meinen Protest. Dass die Situation alles andere als einfach ist, steht außer Frage. Auch Ihr langjähriges Bemühen, gute Ergebnisse für uns Fotografen herauszuholen, soll nicht unter den Tisch gekehrt werden, ganz gewiss nicht.

Jedoch bleibt meine grundsätzliche Meinung unverändert, dass eine Gewerkschaft einem solchen Schlichterspruch mit unseriösen Mindesthonoraren und Einkommenskürzungen ohne Ende einfach nicht zustimmen darf. Dann lieber keine weitere Schlichtung und Streiks ohne Ende. Ich denke, dass viele Fotografen mitmachen würden, wenn sie erst einmal fest verinnerlicht hätten, dass ihnen nach Gutdünken immer weniger Geld für ihre gute und ehrliche Arbeit gezahlt wird. Ich finde, Aufgabe einer Gewerkschaft ist es vornehmlich, diese Einstellung bei den Betroffenen immer wieder aufs neue "herauszukitzeln" und zu schüren. Auch wenn es oft so aussieht, dass sich keine Solidarität bei den Fotografen einstellen wird. Der stete Tropfen, ausgelöst durch den DJV, könnte meines Erachtens auch bei dieser in Resignation verfallenen Berufsgruppe auf Dauer etwas bewirken.

Es kann und müsste doch auch für eine Gewerkschaft darum gehen, den immer weiter ausufernden und weit verbreiteten Dumping-Mist nicht als gegeben hinzunehmen, sondern vielmehr ohne Unterlass zu bekämpfen. Gutes Geld für gute Arbeit, Ende der Durchsage. Damit die Firmenleitungen immer wieder neu daran erinnert werden, dass es in ihrer Branche nicht nur Aktionäre sondern auch Hungerkünstler in Form von Fotografen gibt, mit denen man umgeht, als seien sie das Unwichtigste, das Verlage mit durchziehen müssen. Verstehen Sie das bitte als Appell an den DJV, denn wir Fotografen haben keine Lobby und werden auch niemals eine haben. Denken Sie bitte auch an die vielen Kollegen, die bereits die Segel streichen und den Beruf aufgeben mussten. Keiner davon freiwillig, das können Sie mir glauben.

Das wären meine von Ihnen erbetenen Alternativvorschläge zur weiteren Vorgehensweise.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Otto

Z I T A T E N D E

07.03.2013 18:47

Uwe Niehuus

Heute kam der journalist 03-13 mit den tollen Zahlen und der Aufforderung "wir haben Euch ne Seite ins Netz gestellt" zum Kompromiss.

Welch ein Kompromiss nach 9 Jahren !!? Welche Nebenvereinbarungen !!!?
Ohnmacht, Schwindel bei mir ... freiberuflerisch dicht am Unternehmer-BurnOut.

Die Controllings der Verlage würden sagen: Geht so nicht mit diesen Mindesthonoraren. Bei den Riesensummen, die da zusammenkommen, müssen wir ja bei einigen/vielen ja auch noch KSK-Abgabe zahlen ... und... und... und.

In meinen Ohnmachtsanfällen habe ich dann besser bei Konfuzius nachgeschaut, um zu erfahren, was er dazu sagt ... Chinesischer Philosoph ohne Kapitalismuserfahrung.

Konfuzius sagt dazu:

Wer nicht an die Zukunft denkt,
wird bald Sorgen haben.

Behandle jeden so,
wie du selbst behandelt werden möchtest.

Das Rechte erkennen und nichts tun,
ist Mangel an Mut.

Die eigenen Fehler erkennt man
am besten mit den Augen anderer.

Wähle einen Beruf, den du liebst,
und du brauchst keinen Tag
in deinem Leben mehr zu arbeiten.

Es ist besser,
ein einziges kleines Licht anzuzünden,
als die Dunkelheit zu verfluchen.

07.03.2013 17:49

Peter Bischoff

Wie kommt der DJV-Anwalt dazu , im soeben erschienenen Interview im DJV-Verbandsorgan höchst offiziell zu verkünden, dass es "kein zusätzliches Honorar für die z u s ä t z l i c h e Online-Nutzung eines Fotos in der Print-Ausgabe" mehr gibt?

Frage :"Wie profitiert ein Bildjournalist wenn sein Foto nicht nur gedruckt sondern auch online erscheint?" Antwort von Herrn Pöppelmann im Interview mit "Der Journalist": "Wenn ein Foto auch in der aktuellen Online-Ausgabe der Zeitung genutzt wird, dann ist diese Nutzung mit dem Honorar abgegolten."

Gegen diese von den Verlage immer wieder aufgestellte Forderung haben viele Kollegen – wie ich – ( und auch der DJV) jahrelang erfolgreich gestritten und von vielen Gerichten auch Recht bekommen: Eine zusätzliche Online-Nutzung eines Fotos ist keine kostenlose Beigabe der Fotografen an die Verlage, die mit ONLINE mehr als gute Geschäfte machen (siehe den heute übersandten Geschäftsbericht der Springer AG= 620 Millionen Gewinnin 2012 !), sondern muss angemessen zusätzlich vergütet werden. (So wie es auch bei MFM etc. auch überall nachzulesen ist).

Dass es inzwischen eine weitere höchst profitable zusätzliche Nutzung von Fotos und Texten der Journalisten durch die Verlage im APP-Geschäft gibt, hat sich zum DJV ja leider auch noch nicht rumgesprochen, aber diese Nutzung schenkt Herr Pöppelmann wahrscheinlich auch noch freiwillig den Verlegern... !

Ein solcher untragbarer Verzicht durch einen DJV-Verbandsfunktionär ist ein Riesenskandal – was würde er wohl sagen, wenn er demnächst zum Gehalt kein Urlaub-und Weihnachtsgeld mehr bekommen würde?

Hat Herr Pöppelmann als Verhandlungs-Kommissions-Mitglied bei den "Anti"-Vergütungs-Regeln sich ein solches Zugeständnis vom Verlegenverband vielleicht sogar offiziell abschwatzen lassen?

Hier nun noch eine weitere Frage zu den geplanten Vergütungsregeln, die hoffentlich nie in Kraft treten werden: Wie man der BDZV-Homepage entnehmen entnehmen kann, hat der Verlegerverband 257 Mitglieder – zugestimmt haben dem Ergebnis bei der Schlichtervereinbarung ganze 89 Mitglieder.

Wie kann man als DJV da den Mitgliedern erzählen, dass sich demächst honorarmäßig was verbessern wird, wenn nur knapp 30 % vom Verlegerverband sich an diese VGRs halten wollen? Das ist doch alles mehr als ein schlechter Witz, und daran haben DJV-Mitglieder 9 Jahre "gearbeitet"!

In der freien Wirtschaft waeren alle Beteiligten bei einem solchen "Ergebnis" wegen Unfähigkeit "gefeuert" worden.

07.03.2013 16:32

Thorsten Jochim

Ich würde ja gerne mal einen Controller eines Verlages beauftragen, doch bitte mal durchzukalkulieren, wie man mit derartigen Honoraren kostendeckend arbeiten soll.

Wie bitte soll mit den genannten "üblichen Honoraren" alleine unsere Arbeitsmittel finanziert werden, die zudem im 2-3 jahreszyklus getauscht werden müssen. Kamera, Objektive, Blitzanlage, Rechner, Software, Festplattenspeicher, Auto, um nur die wichtigsten Dinge zu nennen. Die Kosten einer Selbstständigkeit in Sachen Altersvorsorge, Krankenversicherung etc. sind hier mal ganz außer acht gelassen.

Und wer nur kostendeckend arbeitet ist nächstes Jahr pleite. Die einzigen Gewinner solcher Honorarregelungen sind die Einkäufer in den Verlagen, die die Leistung "Foto" günstig einkaufen. Zulasten von uns Bildjournalisten.
Win-Win sieht in meinen Augen anders aus.

07.03.2013 16:20

Mario Moschel

Der Herr Pöppelmann ist gut! Richtig gut sogar! Nämlich gut darin, die Realität vieler Bildjournalisten zu verkennen und ein unverschämtes Schlichtungsergebnis schön zu reden.

Danke, Herr Pöppelmann, Sie sind einer der Gründe, dass ich dem DJV nach wie vor fernbleibe und der Lobbyorganisation angestellter Redakteure nach wie vor kritisch gegenüber stehe.

Wegen solcher Leute wie Ihnen darf ich dann wohl demnächst umschulen auf Callcenter Agent.

Danke für nichts!

07.03.2013 14:28

Wolfgang Hörnlein

Lieber Fred Dott,

was Sie zum Thema Honorare sagen, kann ich unterstützen.

Ihre Mutmaßungen zum djv-Bildportal entsprechen allerdings nicht der Realität. Die Downloadkosten erhält der Fotograf vom Medienkunden.

07.03.2013 14:25

Jürgen Schrader

Aus der Sicht des Fotografen darf man sich bei der Festlegung dieser Art von Honoraren nicht an dem orientieren, "was üblich" ist. Vor allem nicht aus dem Grund, weil es die wenigen Verlagseigner sind, die diktieren, "was üblich" ist.
Kein Wunder, dass der BDZV nicht in der Lage war (haha), valide Zahlen zu beschaffen.

07.03.2013 14:13

Fred Dott

Die bei der Schlichtung erzielten Honorare sind ein Hohn. Letztlich wird die Qualität der Bilder in den Zeitungen darunter leiden, was wiederum zu sinkenden Auflagen führt. Das wiederum führt zu ... usw.

Interessanterweise bietet der DJV ein Bildportal an: die Kosten für den Download eines Fotos durch eine Zeitung ( Kunden ) werden dem Fotografen in Rechnung gestellt. Dieser Betrag ist dann auch noch vom (20 Euro) Honorar abzuziehen.

Fotografen/innen : willkommen in der Armut - und eure Gewerkschaft hat geholfen, dass ihr schneller ankommt.

06.03.2013 22:26

Nils Bahnsen

Ich weiß, dass die Verhandlungen äußerst schwierig und langwierig waren - dafür Respekt.

Als wir vor Jahren unsere außerordentliche FA-Sitzung in Berlin wg. der Schlichtungsgespräche hatten und es abzusehen war, dass die Verlegerseite unter dem bisherigen Honorarniveau bleiben wollte, war ich für den Abbruch der Schlichtungsgespräche und für eine Klage - da ich mir nicht vorstellen mochte, dass ein Richter der Verlegerseite Recht gegeben hätte, weil bei fast allen anderen Berufsgruppen die Gehälter/Löhne/Honorare in den letzten 10 Jahren gestiegen sind. Ich bin immer noch der gleichen Meinung.

Ich habe erlebt wie vor ca. 15 Jahren die Honorare bei der HörZu um 50%, bei Burdas TV-Zeitschriften um 66% gesenkt wurden. Dazu kommt noch, dass nur noch PR-Fotos verwendet werden. Weil leider viele Kollegen aus Kurzsichtigkeit PR-Fotos machen und damit die Chancen der Kollegen ignorieren - und langfristig natürlich sich selbst schaden.

Wer für 5 Euro ein Foto verkauft, ist kein Berufsfotograf, sondern ein Idiot, bestenfalls ein Amateur. Wer diese Aussagen mit in die Unterlagen eingebracht hat, hatte wohl nicht weit gedacht. Ich bestehe - bis auf Ausnahmen - nach wie vor auf MfM-Honoraren. Dies sollte jeder in seine Bedingungen schreiben! Eine andere Möglichkeit wäre, am 24. April nach Berlin zu fahren zur Hauptversammlung von Springer und dort seinen Frust loszuwerden oder besser: gezielte Fragen an Döpfner und Friede Springer zu stellen. Es kostet nur eine Aktie von ca. 35 Euro, die Ihr ggf. bei mir kostenlos ausleihen könnt.

Aber wahrscheinlich haben wieder alle - wie im letzten Jahr - gerade an diesem Tag einen Großauftrag und sind deshalb verhindert. Man kann sich auch mal selbst bewegen, wenn alles andere nicht mehr hilft, aber dazu müsste man ja erstmal seinen Arsch hoch kriegen!
Gute Nacht!

06.03.2013 18:49

Lars Reimann

"Die Mehrheit verdient deutlich weniger als 50 Prozent des [heute geltenden] Tarifvertrags für arbeitnehmerähnliche Journalisten. Das geht im schlimmsten Fall runter bis zu fünf Euro pro Foto"

Die logische Konsequenz meiner Ex-Gewerkschaft: Wir stimmen einer Senkung der Tarifhonorare zu – und alle Fotografen verdienen in Zukunft ganz sicher mehr. Na klar.

In den vergangenen (mindestens) 15 Jahren gab es keine Honorarerhöhungen für Fotos, während (fast) alle anderen Branchen (mehrfache) Lohnsteigerungen durchsetzen konnten. Aber wozu auch – das Leben und die Kosten für selbständige Arbeit werden ja gerade für Fotojournalisten immer billiger. Allein die Kfz-Kosten sinken dank immer billigeren Treibstoffs kontinuierlich, nicht zu vergessen: die von den Verlagen kostenlos zur Verfügung gestellte Technik ...

Viel Spaß den Kollegen, die diese tollen Mindesthonorare einklagen und für die Beklagten weiterarbeiten wollen ... Aus der Erfahrung kann ich nicht sagen, dass der DJV hier hilfreich gewesen wäre.

Das traurige Fazit: Völlig inakzeptabel!

06.03.2013 18:45

Andreas Dunker

Wer BRUTTO und NETTO nicht auseinanderhalten kann und meint man hätte 1.500 Euro als Lohn in der Tasche, wenn man 50 Fotos à 30 Euro verkauft, gehört wirklich nicht in einen Fachausschuss Bild, der sich mit Mindesthonoraren usw. beschäftigt!

06.03.2013 18:42

Heike Rost

Ein Grund mehr, sich für ein erweitertes Verbandsklagerecht einzusetzen – auch in Bezug auf die Vergütungsregeln und deren Nicht-Einhaltung.

06.03.2013 18:19

Jan Köhler-Kaeß

Ein Mindestlohn oder ein Mindesthonorar gesetzlich oder tarifbindend festgelegt, muss eingeklagt werden. Wenn dieses Geld nicht gezahlt wird, verhielte sich ein Verlag wie ein Dieb. Einen Dieb muss man auch anzeigen, wenn man Gestohlenes wiederhaben will. Mit höheren Honorarsätzen hätte man selbstverständlich das gleiche Problem. Unser Gemeinwesen ist ein Rechsstaat, der Regeln entwickelt hat wie man miteinander umgeht. Verlage die sich an ein Mindesthonorar, dem sie selbst zugestimmt haben, nicht halten würden, begingen also einen Rechtsbruch. Wann lieber Karsten Socher soll man also klagen? Erst wenn der Verlag gar kein Honorar mehr zahlt oder nur noch 1 €?

06.03.2013 17:14

Karsten Socher

Am 06.03.2013 um 14:59 schrieb Jan Köhler-Kaeß, DJV FA Bild:

"Der jetzige Schlichterspruch setzt Honoraruntergrenzen fest, die einklagbar sind und auch eingeklagt werden müssen, will man sie denn durchsetzen."

Mir fällt spontan auf diese Aussage nur folgendes ein: Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht. Der Fotograf, der den Mut hat, diese Beträge einzuklagen, Klage anzudrohen oder den Gerichtsvollzieher vorbeischickt, wird das Honorar vom Verlag nur zweimal bezahlt bekommen: Das erste- und zugleich das letztemal.

Die Verlage werden in diesem Punkt ihren Joker als Wirtschaftsriese ausspielen und es wird nach dem Motto laufen "Friss oder stirb." Wer sich dem widersetzt, wird langfristig ausgewechselt oder rausgemobt. Das war schon immer so, das wird so bleiben. Das will kein Fotograf, denn er ist auch auf das kleinste Honorar ehr angewiesen als die wirtschaftlichen Folgen wie Hartz IV. Und seinen wir realistisch, haben die Schreiber gewagt, ihr Zeilengeld einzuklagen? Und wenn, dann nur, weil sie wussten, dass sie nichts mehr zu verlieren haben in ihrem Verlag. Das wird bei den Fotografen auch so sein. Und als der DJV in der Vergangenheit die Chancen hatte, in diese Richtung Signale zu zeigen, wurde es verschlafen.

Würde Jan Köhler-Kaeß vom DJV FA Bild trauen, seine Tageszeitung vor Ort zu verklagen, um ein besseres Honorar zu bekommen mit der Gewissheit, dass die Zeitung danach nie wieder für ihn Aufträge hat oder jemals über seine Arbeiten angemessen berichten würde?

06.03.2013 16:58

Thomas Schreyer

Herr Jan Köhler-Kaeß kommt offensichtlich einfachsten Grundrechenarten nicht zurecht: Er glaubt in seinem Beitrag, Fotografen müssten 50 Fotos à 30 Euro verkaufen, um auf das "Mindestgehalt" von 1.500 Euro zu kommen.

Geht es eigentlich noch peinlicher? Wo sind die Fahrt- und Flugkosten, die Materialkosten, Bürokosten und sonstige Nebenkosten, die ein Angestellter nicht hat? Um auf 1.500 Euro brutto zu kommen, muss ein Fotograf heute nicht 50, sondern 200 Fotos à 30 Euro verkaufen, größere Auslandsaufenthalte darf er sich dabei nicht leisten und auch kein Studio.

Herr Köhler-Kaeß, Sie sind nicht geeignet, über Honorar-Untergrenzen zu befinden, da Sie keine Ahnung haben! Bitte verlassen Sie den Fachausschuss Bild! Danke.

06.03.2013 14:59

Jan Köhler-Kaeß, DJV FA Bild

Der Kommentar von Arthur Thill ist sehr ausführlich und umfassend, was er als Schlichterspruch vorschlägt, käme einem Liefervertrag gleich, den Agenturen oder auch einzelne freie Bildjournalisten mit ihren Abnehmern schließen können. So einen Liefervertrag abzuschließen, war nicht möglich. Der jetzige Schlichterspruch setzt Honoraruntergrenzen fest, die einklagbar sind und auch eingeklagt werden müssen, will man sie denn durchsetzen.

Selbstverständlich bleibt Bildjournalisten die Freiheit, mit Verlagen eigene Honorare, Tagespauschalen oder Pauschalen für Bilder, die mit besonderem Aufwand zu machen sind, auszuhandeln. Bei einem freien Bildangebot unterliegen die Preise allerdings dem Markt, und die Gesetze des Marktes kann auch der DJV nicht aufheben. Wovon wer leben kann, ist eine völlig andere Diskussion, ebenso wie die, welches Material zur Bildproduktion eingesetzt wird.

Der Schlichterspruch setzt kein Monats- oder Jahresgehalt fest, er kümmert sich nicht um Urlaub oder Kindergeld, er fixiert eine Untergrenze für den Abdruck einzelner Bilder, also so etwas wie einen Mindestlohn. Wer heute den Mindestlohn, den die Linke fordert, 10 € verdient, der hat bei 38 Wochenstunden 1.520 € im Monat brutto. Setzen wir nach der Schlichtung ein Mindesthonorar von durchschnittlich 30 € bei einer Tageszeitung an, so müsste man rund 50 Fotos im Monat liefern um einen ähnlichen Verdienst zu erzielen, das wären dann 10 in der Woche. Das ist bei den meisten festen Freien mindestens der Schnitt. Ob das Geld dann für eine Familie mit drei Kindern reicht, ist eine andere Frage. Ich betone nochmal: Es handelt sich um Untergrenzen und nicht um die Honorare, die auch der DJV für angemessen hält. Die bewegen sich in der Tat um die Sätze, die MFM empfiehlt. MFM wird aber im Tageszeitungsbereich eigentlich nirgendswo mehr gezahlt.

06.03.2013 14:53

Karsten Socher

Für freie Pressefotografen, die mit einer Tageszeitung zum ersten mal in Kontakt kommen und Honorare für die einmalige oder regelmäßige Lieferung verhandeln, könnten oben genannte Mindesthonorare eine Verhandlungsgrundlage auf beiden Seiten sein. Für Einsteiger eine ideale Richtlinie, für Verlage die Grundlage, was sie zu zahlen haben für anständige Arbeit.

Aber was ist mit Fotografen, die seit vielen Jahren fest als Freie Fotografen für einen Verlag arbeiten? Für diese Fotografen sind doch einige Fragen nicht geklärt. Was soll der Fotograf verlangen, wenn er von einem Termin kommt (Beispiel Blaulicht), die Redaktion druckt ein Bild ab, die weiteren 10 / 20 / 40 Aufnahmen werden für eine Online-Bilderstrecke verwendet? Was sollen Fotografen honoriert bekommen, wenn sie mit der eigenen Spiegelreflexkamera oder extra angeschafften Videokamera für die Onlineausgabe einen Film vom Termin mitbringen? Redaktionen zahlen auch gerne Tagespauschalen. Wie viele Aufnahmen, Termine oder dergleichen sollte ein Tageshonorar enthalten, wie viele Stunden arbeitet man dafür?

Diese Fragen, die auch auf Einsteiger und nicht feste Fotografen zutrifft, sind offen geblieben und hätten in den Verhandlungen geklärt werden müssen. Es wird nur von Abdruckrechten gesprochen, aber die Zeiten haben sich geändert. Wir leben im digitalen Online-Zeitalter. Es werden andere Bilder für den Online-Artikel zum gedruckten Bericht verwendet, oder im Online gibt es eigenständige Berichte. Da kann man nicht über Spaltengrößen reden. Aber was soll man berechnen, wenn es dafür keine Regelungen gibt? Was ist mit den neuen digitalen Medien, mit denen die Tageszeitung herum spielen?

Haben die Verhandlungsführer und der Schlichter diese Punkte berücksichtig? Und glauben diese, dass Verlage die Mindesthonorare bezahlen, wenn ihre Fotografen kommen, und diese einfordern. Medien, die einmalig Honorare von 30 Euro egal für welche Abdrucksgröße bezahlen und die mehrmalige Nutzung bezahlen bei einer Auflage von 100 / 200 / 250.000 werden nicht von heute auf morgen umschwenken.

06.03.2013 12:12

Arthur Thill

Zu den Ausführungen des Herrn Pöppelmann ist lobend zu erwähnen, dass er sein Bestes gegeben hat, andererseits zeigt der Artikel und die Arbeit des Schlichters, dass kein Praktiker, der am Markt aktiv ist, eine Vielzahl an Redaktionen bedient, bei diesen Verhandlungen mit am Tisch saß, sich entsprechend für seine Kollegen eingebracht hat.

Es mag richtig sein, dass örtlich für Tageszeitungen tätige Fotografen, die solche Lokalredaktionen mit Tagesgeschehen im Ort / in der Stadt / beliefern mit der neuen Schlichterspruch-Tabelle zukünftig besser fahren. Die können sich über das Verhandlungs-Ergebnis freuen. Bei freien Pressefotografen reden wir hier oftmals dann aber auch von "Kollegen", die damit ihren Lebensunterhalt nicht ausschließlich durch Veröffentlichungen in der Lokalpresse bestreiten.

Eine Familie mit diesen Honoraren zu ernähren, neueste Technik zu erwerben, und eine normale Miete für eine zwei bis dreiköpfige Familie aus dem erzielten Honorarvolumen monatlich zu sichern dürfte bei den genannten Honorarsätzen kaum möglich sein. Um hier ein positives Ergebnis zu erwirtschaften, müsste dieser Lokalfotograf der örtlichen Zeitung täglich eine Bilderflut liefern, die dann auch noch abgedruckt wird. Das ist in heutiger Zeit völlig unrealistisch. Keine Zeitschrift setzt auf nur einen einzigen Lokalfotografen.

Deshalb müsste – wenn der DJV den Schlichterspruch aufrecht erhalten will, klar definiert werden, welche Art der Bildlieferanten zukünftig mit diesen Honorarsätzen abgegolten werden. Hier eher wohl freie Pressefotografen, die reine Lokalberichterstattung im Lokalteil anliefern. Zulieferer die keine eigenen Reise- oder Hotelkosten aufwenden, um einer Tageszeitung Bilder anzuliefern.

Das gehört in den Schlichterspruch klar als Prämisse und Ergänzung, ansonsten ist das Thema / das Preisgefüge abzulehnen.

Dann muss auch klar definiert werden, dass Bildhonorare für jegliche nicht Lokalberichterstattung von dieser Honorartabelle ausgeschlossen sind. Dass dafür höhere Bildhonorare, die sich an den aktuellen Lebenshaltungs- und Produktionskosten orientieren fällig sind. Da ist man dann eher nahe der MFM Honorar-Liste. Leider wird auch diese inzwischen bei Honorierung vielfach unterschritten.

Nach wie vor reisen freie Pressefotografen zu nationalen oder internationalen Sportevents, zu Politiker-Terminen, Tagungen oder zu anderen fotografisch attraktiven Events, bieten diese Bilder am Tageszeitungsmarkt an. Hier werden zwar auch oftmals nur niedrig Honorare ausgeschüttet, doch wirklich meinungsbildende Tageszeitungen bezahlen für solche Reportagefotos heute vielfach ein Honorar das Akzeptabel ist, leider nicht alle. Diesen Redaktionen müsste, geht die Schlichterhonorartabelle weiter um, klar dargelegt werden, dass Sportfotografie, Politik und richtige Reportagefotografie von den neuen Schlichterhonoraren ausgeschlossen ist.

Würden Tageszeitungen wie FAZ, Süddeutsche, WAZ oder Welt deren aktuelles Anstrichhonorar auf die Schlichtertabelle hin nach unten drehen, würden freie Bildjournalisten zukünftig den Tageszeitungsmarkt selbst finanzieren, um gedruckt zu sein. Das kann nicht lange gut gehen und bald wären alle noch jetzt tätigen Kollegen in Harz IV oder ähnlich oder müssten den Beruf wechseln. Das kann nicht im Sinne der Verleger sein. Und nur DPA oder AP, AFP ist nicht die Lösung. Das Thema DAPD ist ja hinlänglich bekannt, selbst deren Fotodienst nutzte AP um Bildlieferverträge erfüllen zu können. Trotzdem ging deren Rechnung nicht auf.

Ohne eine Differenzierung der Bilder, die vom Schlichterspruch betroffen sind, kann man dieses neue Honorarmodell nicht gut heißen, so viel Kraft und Energie Herr Pöppelmann mit seinen DJV-Kollegen auch bisher dafür aufgewendet hat.

Wer nur quer durch Deutschland reist und Medientermine wahr nimmt kann mit den angeführten Bildhonoraren, beliefert er auch noch so viele Tageszeitungen, nicht leben. Genau das tut aber eine Vielzahl der Pressefotografen – diese Kollegen investieren Zeit und Geld und mittels Abdrucken bestreiten sie den Lebensunterhalt. Das geht nur wenn angemessene Honorare für Bilder bezahlt werden. Die Schlichter-Honorartabelle ist für diese Pressefotografen völlig kontra Produktiv, verleitet Redaktionen zum Versuch, ohnehin schon oftmals knappe Honorare weiter zu drücken.

Erst gar nicht in Erwägung zogen die Fachausschüsse und Schlichter offenbar, solches Niedrighonorar an eine Mengen-abnahme zu koppeln. Genau das tun aber DPA, IMAGO und andere Großanbieter am Markt, wenn dann Paketpreise mit Verlagen verhandelt werden.

DPA spricht eine Mindestabnahme von 1000 Fotos in einem fixen Zeitrahmen an, ab mehr sinkt der Preis nochmals. Auch IMAGO verlangt Mengenabnahmen von bis zu 400 Bildern / Monat um Verlagen einen attraktiven Preis anzubieten. Geht ein Verlag auf solche Angebote ein, ist der einzelne Pressefotograf ohnehin an die Wand gespielt, denn er kann alleine solche Angebote meist erst gar nicht stemmen. Nach Abschluß eines Mengenvertrags (Paketpreis) verringert eine Tageszeitung generell die Abnahme von angelieferten Einzelfotos von freien Pressefotografen. Es verleitet zur Nutzung eines Bildes aus dem Vertrags-Bilderdienst (z.B. DPA oder DDP, Imago oder ähnlich).

Der DJV sollte Trends im Sinne der professionellen Bildanbieter setzen, nicht für drastische Lohnkürzungen der freien Pressefotografen, ihrer Mitglieder im DJV, plädieren.

06.03.2013 12:03

Pressefotografen lehnen Schlichterspruch ab

Ein Schlichter, der einen solchen Spruch bzw. eine derartige Honorarliste vorlegt, müsste sofort seinen Beruf aufgeben. Und Gewerkschaftsfunktionäre, die tausende Mitglieder vertreten und nicht sofort einschreiten, wenn von einem Schlichter deftige Lohnkürzungen vorgeschlagen werden, sind ebenso fehl am Platze.

Was ist passiert? In eine Bestandsaufnahme von angeblich marktüblichen Bildhonoraren sind auch Dumpingbildhonorare, Erpressungsentlohnungen und Ausbeutungsbeträge von Kraut- und Wiesenmedien eingeflossen, trotz Warnungen erfahrener Kollegen. Und daraus errechnet ein blauäugiger, anscheinend völlig Überforderter "Schlichter" seine heruntergerissenen Mittelwerte, die bisher schon niedrige Durchschnitts-Bildhonorare noch einmal glatt halbieren, von denen man schon zuvor nicht leben konnte. Und der DJV protestiert nicht umgehend und entrüstet. Das kann er wohl nur bei schreibenden Redakteuren.

Zu ihrer Ehrenrettung behaupten nun die Funktionäre, die bisherige Untergrenze von fünf bis 15 Euro Bildhonorar werde auf mindestens Euro 19,50 angehoben. Und sie scheinen tatsächlich daran zu glauben. Als ob die von den gleichen Herrschaften Jahre zuvor ausgehandelten Mindest-Zeilenhonorare für Feste Freie Schreiber tatsächlich Realität geworden wären, gerade bei den Publikationen in der Region, die Fotos unter Euro 20,- honorieren. Sie zahlen nach wie vor weniger als die Hälfte des "ausgehandelten" Mindestzeilenhonorars. Wer aufmuckt, wird arbeitslos. Aber bei den Pressefotos soll es jetzt plötzlich klappen. Wir verneigen uns vor so viel Zuversicht. Geradezu grotesk ist die Idee, mit Hilfe des Verbandes vormals bessere Honorare in die Gegenwart zu retten. Nur ein lebensmüder Freier Anbieter geht so gegen seine Kunden vor. Eine weltfremde Schreibtisch-Idee.

Fazit: Dieser Schlichterspruch kennt auf Fotografenseite nur Verlierer. Im Endeffekt billigt unsere eigene Vertretung die Existenzvernichtung der Berufsfotografen. Wo hat es das schon einmal gegeben, dass Gewerkschaften für drastische Lohnkürzungen ihrer Mitglieder plädieren? Der DJV setzt Trends.

Wolfgang Hörnlein, Reichelsheim HESSEN

Mitunterzeichnende Bildjournalisten:

Peter Bischoff, Worpswede NS
Andreas Dunker, Wickede NRW
Bertold Fernkorn, Bochum NRW
Horst Galuschka, Köln NRW
Roger Gerhardy, Planegg BAY
Robert Knöll, Altenriet BW
Jürgen Moers, Dorsten NRW
Werner Otto, Oberhausen NRW
Werner Schmitt, Wolfstein RLP
Thomas Schreyer, Gößweinstein BAY
Karsten Socher, Kassel HESSEN
Rainer Unkel, Bonn NRW

 
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