Volker Thies ist Lokaljournalist im Rhein-Main-Gebiet. Er schreibt vor allem über Kommunalpolitik – das härteste Brot, das ein freier Journalist kauen kann.

Wenn die Stadtverordneten von Hadamar abends um halb elf immer noch tagen, wird selbst Volker Thies irgendwann unruhig – trotz seines Anspruchs, seinem Heimatort professionellen Journalismus zu bieten. "Ehrlich gesagt, macht die Arbeit dann nicht mehr so viel Spaß. Vor allem, wenn man danach spät am Abend noch den Artikel schreiben muss."

Volker Thies lebt und arbeitet als freier Journalist im Westerwald und im Taunus. Hier wurde er 1977 geboren, hier hat er neben dem Studium als freier Mitarbeiter für die Nassauische Neue Presse geschrieben und später als fest angestellter Redakteur gearbeitet. Sein Leib- und Magenthema ist die Kommunalpolitik. Das härteste Brot, das ein Lokaljournalist kauen kann. "Wenn man den Aufwand mit dem Ertrag vergleicht, hat man im Lokalen natürlich das schlechteste Verhältnis. Für die eingesetzte Zeit kommt am wenigsten Geld raus."

Das Leben als Festangestellter kennt Volker Thies gut. Er hat es sieben Jahre lang gelebt. Zuerst als Volontär bei der Goslarschen Zeitung. Anschließend bei der Taunus Zeitung als Lokalredakteur, beim Anzeigenvermarkter RheinMainMedia als PR-Redakteur und schließlich bei der Nassauischen Neuen Presse. Immer waren es befristete Verträge, der letzte bei der Lokalzeitung war eine Elternzeitvertretung. Danach war Schluss.

PR- und Ratgebertexte zusätzlich zum Lokalen

Das Ende als fest angestellter Redakteur hat er trotzdem nicht als Schicksalsschlag gesehen. "Mir war schon als Volontär klar, dass es unwahrscheinlich ist, auf Dauer eine Anstellung zu bekommen." Einen Tag nach Vertragsende stieg er als freier Mitarbeiter ein. "Den nächsten Sonntagsdienst habe ich dann nicht mehr als Fester, sondern als Freier gemacht." Nur ohne Ausgleichstage, festes Einkommen, Urlaubsgeld. Die Nassauische Neue Presse ist bis heute sein größter Auftraggeber.

Über die Jahre baute sich Volker Thies ein zweites Standbein auf, das nichts mit Lokaljournalismus zu tun hat. Er schreibt Ratgeberartikel und PR-Texte. Seine Themen: die Bau- und Immobilienbranche – ein Schwerpunkt aus seiner Zeit als Redakteur bei RheinMainMedia. Volker Thies’ PR-Texte findet man bei Immobilienscout24 oder im Kundenmagazin einer Bausparkasse. Auch als Fachjournalist ist Thies in diesem Themenbereich unterwegs, Aufträge kommen unter anderem vom Wirtschaftsmagazin Capital aus Berlin. Dort zahlen sie besser, natürlich.

Trotzdem würde er seine Arbeit als Lokaljournalist nicht an den Nagel hängen. Und das liegt nicht nur am Heimatgefühl und an den Kollegen, mit denen er seit Jahren zusammenarbeitet. Im Lokalen gibt es immer genug Geschichten, auch Sonntags- oder Vertretungsdienste. "So kommt jeden Monat ein Grundstock rein. Es spart mir den Aufwand, Kundenakquise zu betreiben." Viele Fachartikel und PR-Jobs sind dagegen Einzelaufträge, die zwar ordentlich Honorar abwerfen, aber weniger Beständigkeit bieten.

Heute verdient Volker Thies ungefähr so viel wie im ersten Redakteursjahr nach seinem Volontariat. Bei einem Arbeitspensum von 50 bis 55 Stunden pro Woche. Was auch daran liegt, dass er Energie in ein eigenes Webprojekt steckt. Auf vtaktuell.net veröffentlicht er Polizeimeldungen aus Westerwald und Taunus, verweist auf eigene Berichte in den Regionalblättern und veröffentlicht Fotos von Veranstaltungen, die seine Auftraggeber nicht abgedruckt haben. Mittlerweile kommen fast 500 Besucher pro Tag auf seine Seite. Kürzlich ist eine PR-Agentur so auf ihn gestoßen und hat ihn gebucht. "Für mich ist das ein Experiment", sagt Volker Thies. Auch wenn er dafür wieder einmal den Feierabend opfern muss.

 Wie überlebe ich als freier Journalist?

"Wer von Lokaljournalismus leben will, kommt um ein gewisses Maß an Selbstausbeutung nicht herum. Ein zweites Standbein ist gut für Unabhängigkeit, Selbstbewusstsein und Konto."

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