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Autor

Interview: Hans Hoff

Fotos: Christian Bruch

verfasst am

31.08.2011

im Heft

journalist 9/2011

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Bild: Christian Bruch

Wofür steht der Spiegel heute noch? Chefredakteur Georg Mascolo im Interview mit dem journalist.

Georg Mascolo

"Hellseher sind wir leider nicht"

Was kann, was soll, was darf der Spiegel? Georg Mascolo, Chefredakteur des Hamburger Nachrichtenmagazins, stellt sich im journalist-Interview einer Generalkritik: Wie vertragen sich Nachrichten und Boulevard? Ist der Spiegel noch links? Und warum geht er nicht mehr so ran wie einst?

journalist: Herr Mascolo, Sie waren am 9. November 1989 als Spiegel-TV-Reporter an der richtigen Stelle und haben als einziger die Maueröffnung gefilmt. Jetzt sind Sie Chefredakteur des gedruckten Spiegels. Immer noch an der richtigen Stelle?

Georg Mascolo: Das wird die Zeit zeigen.

Sie sind doch schon eine Weile da. Seit Februar regieren Sie sogar allein.

Die Formulierung "regieren" würde mir nicht einfallen. Ich leite seit Februar alleine die Printredaktion des Spiegels.

Was war der Grund für die Auflösung der Doppelspitze?

Es hat keine Auflösung der Doppelspitze gegeben. Ich bin verantwortlich für das Heft und mein Kompagnon Mathias Müller von Blumencron für Spiegel Online und die digitalen Produkte, die von großer Bedeutung sind. Ansonsten hat sich nichts geändert. Wir sitzen weiter Tür an Tür.

Wofür steht der Spiegel heute?

Der Spiegel ist das politische Nachrichtenmagazin des Landes. Was ihn von anderen unterscheidet, ist, dass er die Welt nicht nur erklärt, sondern dass er den bereits bekannten Informationen weitere hinzufügt.

Die Ideologie des Spiegels ist skeptische Allwissenheit, die an allem zweifelt außer an sich selbst.

Sagt wer?

Hans Magnus Enzensberger. 1957. Hat sich daran etwas geändert?

Ich würde bezweifeln, ob der Begriff Ideologie je dem Spiegel gerecht wurde, und zweitens die Frage stellen, ob der Spiegel tatsächlich zur Selbstkritik unfähig ist. Mein Eindruck ist das nicht. Der Spiegel ist skeptisch und kritisch mit allen. Rudolf Augstein hat mal gesagt: Ein Journalist sollte zu 51 Prozent kritisch gegenüber jedermann sein.

Der Journalist und Stefan-Aust-Biograf Oliver Gehrs sagt: "Beim Spiegel sitzen heute ganz viele Leute, die alle super schreiben können, die aber keine politische Meinung mehr haben."

Ich kenne Oliver Gehrs' Einstellung, aber ich teile sie nicht.

Das hat in mir die Frage ausgelöst, was denn die politische Haltung des Spiegels ist?

Über welche Kategorie reden wir jetzt? Links oder rechts?

Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz wirft Ihnen vor, dass Sie nur noch das rot-grüne Weltbild bestätigen. Auf der anderen Seite pflegen Sie Ihre Rechtsausleger wie Jan Fleischhauer und Matthias Matussek. Als Spiegel-Leser fühle ich mich da nicht mehr so ganz geführt.

Sie sollen auch nicht geführt werden. Die langweiligste Vorstellung wäre ein Spiegel, der vollständig berechenbar ist. Dem Spiegel ist schon so ziemlich alles vorgeworfen worden. In Zeiten der rot-grünen Koalition habe er die Ablösung der Regierung betrieben. Jetzt heißt es, er pflege ein rot-grünes Weltbild. Dass Menschen sich am Spiegel reiben, ist in Ordnung. Ihre Formulierung "Rechtsausleger" für einige meiner Kollegen ist unangemessen.

Als Linker fühlte man sich doch früher beim Spiegel gut aufgehoben. Heute haben sich die Achsen verschoben. Sie haben Rot-Grün, aber es gibt auch die neue bürgerliche Mitte. Da wird es schwierig, sich zu positionieren.

Der Spiegel muss die Dinge darstellen, wie sie sind. Er schreibt dabei auch gegen liebgewonnene Überzeugungen von Lesern. Ich glaube nicht, dass der Spiegel dazu da ist, das Weltbild der einen oder der anderen Seite zu befördern. Wenn die schwarz-gelbe Koalition einen erstklassigen Job machen würde, käme sie auch sicher bei uns besser weg. Und wenn wir nach gründlicher Recherche überzeugt sind, dass eine Energiewende gelingen kann – aber nur mit hohen Kosten –, dann schreiben wir es.

Das mit der Energiewende haut nicht hin, das mit dem Euro haut nicht hin. Da bekomme ich ein sehr depressives Weltbild. Überdrehen Sie da nicht?

Wir haben zur Energiewende im Frühjahr einen Titel gemacht. Die Zeile hieß: "Die Kernfrage – Wie Deutschland ohne Atomkraft funktioniert". Er beschrieb die Herausforderungen – überhaupt nicht destruktiv. Beim Euro ist der Spiegel skeptisch, die Währungsunion kämpft um ihr Überleben.

Die kritische Haltung des Spiegels drückte sich früher in sehr rangeherischen Interviews aus. Im aktuellen Heft gibt es elf Interviews, zwischen einer Spalte und sieben Seiten lang, aber so richtig ran geht da keiner mehr.

Das sehe ich anders.

Bild: Christian Bruch

 

 

"Diese These halte ich für falsch."

Weder der Spiegel noch Spiegel Online gehen auf den Boulevard, so Georg Mascolo.

 

 

Der Spiegel hat die Autorisierung von Interviews eingeführt, um – gerade wenn es mal schärfer wurde – den Interviewten trotzdem die Möglichkeit zu geben, offen Stellung zu nehmen. Inzwischen ist die Autorisierungspraxis soweit pervertiert, dass sich die Frage stellt, ob Printinterviews überhaupt noch sinnvoll sind.

Ich glaube sehr wohl daran, dass Printinterviews noch Sinn machen. Allerdings ist das, was früher der Ausnahmefall war, nämlich das Redigieren von Gesprächen, inzwischen an der Tagesordnung. Bisweilen lehnt der Spiegel nach der Autorisierung den Abdruck eines Interviews oder Gesprächs ab.

Zu dem Thema hat Nicolaus Fest, Mitglied der Bild-Chefredaktion, nach Ihrer Bild-Titelstory geschrieben: "Gefühlte 500-mal ließ der Spiegel im Büro Diekmann anrufen, um nachträglich in das jetzt veröffentlichte Interview Schlagfertigkeiten seiner Redakteure hinein- und tatsächlich gefallene Antworten Diekmanns herauszuverhandeln." Das müssen Sie sich auch anziehen, oder stimmt das nicht?

Ich habe im Büro von Diekmann nicht 500-mal angerufen.

Sie haben das Interview auch nicht geführt.

Ich werde mit Ihnen keine Textexegese anstellen.

Was haben Sie denn aus dem Interview mit Kai Diekmann herausgelesen? Mein Eindruck war: Diekmann hat gewonnen.

Dann ist das Ihr Eindruck.

Den können Sie nicht teilen?

Nein.

Aber Sie müssen doch auch einen Eindruck davon gehabt haben.

Sie haben Recht. Sonst hätte ich es nicht gedruckt.

Sie könnten es doch verteidigen. Was sehe ich falsch?

Ich nehme zur Kenntnis, dass es Ihnen nicht gefallen hat.

Aber es ist doch ein zentrales Stück. Und jetzt verweigern Sie mir eine Erklärung.

Ich verweigere mich nicht. Ich weigere mich nur, Ihnen Recht zu geben, weil Sie glauben, im Recht zu sein.

Sie hatten nicht den Eindruck, es hätte besser sein können?

Wann immer ich den Eindruck hätte, dass etwas besser oder schlechter sein könnte, würde ich das mit den Redakteuren besprechen und nicht mit dem journalist.

Im April haben Sie in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau gesagt, die Chefredaktion sollte die Frauen im Haus fördern, Frauen sollten aber auch in Positionen drängen. Jetzt habe ich den aktuellen Spiegel in der Hand und dort ist unter anderem Charlotte Roche auf dem Titel, die sagt – Moment, ich muss nachschauen ...

... Frauen sind halt neurotisch.

Tatsächlich steht dort: Frauen sind halt total neurotisch. Das "total" findet sich im Interview selbst aber nicht.

Es handelt sich um ein Versehen, eine Kürzung im Text.

Aus einem Sieben-Seiten-Interview ausgerechnet dieses Zitat auf den Titel zu nehmen – haben Sie sich damit bei den Frauen im Haus Freunde gemacht? Man könnte vermuten, dass die 300 testosterongesteuerten Bullen, die Herr Matussek hier mal gesehen hat, immer noch aktiv sind.

Dieser Vorwurf ist mir von keiner Kollegin hier im Haus gemacht worden. Dieses Interview ist übrigens von einer Frau mitgeführt worden, Claudia Voigt, die an der Auswahl des Zitats beteiligt war.

Bild: Christian Bruch

 

 

"Mit Verlaub: Das ist Blödsinn."

Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo wehrt sich gegen die Behauptung, beim Spiegel gebe es eine Macho-Denke.

 

 

Sie sind also in Sachen Frauenförderung auf dem richtigen Weg?

Ich verstehe nicht, was diese Frage mit dem Charlotte-Roche-Interview zu tun hat.

Es ist ein sehr langes Interview, es beschäftigt sich intensiv mit dem Roman und heraus kommt so ein plakatives Zitat, das wirklich als Pauschalurteil gelten kann. Das verwundert mich sehr. Ich vermute dahinter eine Denke.

So?

Es gibt also diese Denke?

Mit Verlaub: Das ist Blödsinn.

Die Art des Spiegels, Geschichten aufzubauen und zu erzählen, ist nach der Rücknahme des Henri-Nannen-Preises an René Pfister ins Gespräch gekommen. In dem Text spielte Horst Seehofers Modelleisenbahnkeller eine gewisse Rolle. Haben Sie sich da inzwischen neue Gedanken gemacht?

Welche Gedanken?

Ob Ihre Art des Erzählens, dieses Suggerieren von Nähe durch Details, die man in die Geschichten einbaut, so richtig ist.

Ich mag jede Diskussion, bei der es um die Grundsätze unseres Gewerbes geht. Es ist richtig, dass der Text von René Pfister bei Lesern den Eindruck erwecken konnte, der Autor sei in Seehofers Keller herabgestiegen. Obwohl dies nirgends steht. Ich denke, man sollte in so einem Fall darauf hinweisen, dass man nicht in dem Keller war. Das hätte diesem Text überhaupt nicht geschadet. Für die notwendige Diskussion darüber, wie redlich wir gegenüber unseren Lesern sind, wie wir unsere Quellen benennen und wo möglicherweise Lücken in der Recherche sind, ist René Pfister das falsche Beispiel. Horst Seehofer hat sich persönlich gemeldet und gesagt: Der Text ist wahrhaft kritisch mit mir umgegangen, aber ich kann nur sagen: Das, was dort geschrieben steht, stimmt.

An Pfister will ich es auch nicht aufhängen. Aber es gibt immer wieder diese Detailbetrachtungen wie etwa "Im Regal stehen Action-DVDs und Bücher von Richard Dawkins".

Das stammt bitte aus welcher Geschichte?

Aus Matusseks Geschichte über Kate und William.

Dann gehe ich davon aus, dass er dafür eine gute Quelle gehabt hat. Das hat Rudolf Augstein schon in den 50er Jahren gesagt: Alles, was im Spiegel steht, muss stimmen.

Es geht nicht darum, die Redlichkeit des Spiegels in Zweifel zu ziehen, es geht um die kleinen eingestreuten Beobachtungen als Stilmittel.

Das ist nicht nur ein Stilmittel des Spiegels. Man muss nur sauber klären, was ist die Quelle, was ist recherchiert, was selbst beobachtet. Der Journalist muss darauf achten, sich nicht schlauer zu geben, als er tatsächlich ist.

Wäre daraus nicht auch ein Appell abzuleiten, wieder nachrichtlicher zu schreiben und weniger blumig?

An der szenischen Rekonstruktion von Ereignissen wird der Spiegel festhalten. Aber der Journalist muss sich seiner Quellen sicher sein. Aus einem "vielleicht" darf nie ein "ganz bestimmt" werden.

Ich erfahre im Fall Dominique Strauss-Kahn, dass er im Gefängnis auf Rikers Island zum Frühstück eine Minipackung Cornflakes bekam. Wie hilfreich ist das?

Was schadet es?

Ich gehe davon aus, dass niemand da war.

In der New York Times habe ich gelesen, in welchem Restaurant Strauss-Kahn am Abend nach seiner Freilassung gegessen hat. Welcher Vorwurf ist der New York Times zu machen?

Es stellt sich die Frage, was es an Mehrwert bietet. Oder füllt es einfach nur den Raum? Enzensberger hat 1957 schon gesagt, dass der Spiegel in neun Zeilen ausdrückt, was man auch in einer ausdrücken könnte. Dazu stehen Sie?

Nichts ist falsch daran, nicht nur den nachrichtlichen Kern zu erzählen. Was zählt, ist, dass die Geschichte Substanz hat.

Ich habe noch zwei Zitate für Sie. Eins geht so: "Seine Stimme klingt kupfern wie die Kirchenglocken." Das andere: "Das fliederfarbene Oberteil spannte über ihren Bauch, sie sah erschöpft aus." Das eine stammt aus einer Geschichte über Helmut Kohl, das andere handelt von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder – und beides klingt sehr boulevardesk.

Interessieren Sie sich vielleicht auch für Leopard-Panzer-Lieferungen an Saudi-Arabien oder Besuche in der Fukushima-Sperrzone?

Ich möchte darauf hinaus, dass der Spiegel in gewisser Weise auf den Boulevard geht.

Die These halte ich für falsch.

Der Spiegel geht gar nicht auf den Boulevard?

Nein.

Stimmen Sie denn mit mir überein, wenn ich sage, dass Spiegel Online auf den Boulevard geht?

Auch diese These halte ich für falsch.

In welchem Verhältnis stehen Sie zu Spiegel Online?

Spiegel Online ist der tägliche Ableger, das Nachrichtenmedium des Spiegels. Im Netz spielen Boulevardelemente insgesamt eine größere Rolle. Aber im Zentrum der Berichterstattung von Spiegel Online stehen Politik und Wirtschaft. Auch wenn ich Sie von dieser Tatsache offensichtlich nicht überzeugen kann.

Ich möchte nicht überzeugt werden. Ich möchte etwas erklärt bekommen. Nehmen Sie nur den Kate-und-William-Titel vom April. Der ging über zehn Seiten, und nur in einem Halbsatz ging es um randalierende Jugendliche. Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse wirkt das grotesk.

Darf ich fragen, in welchem anderen Blatt Sie zur Hochzeit von Willliam und Kate Abhandlungen zu randalierenden Jugendlichen, die damals noch nicht randalierten, gefunden haben?

Ich erwarte vom Spiegel mehr als von anderen.

Sie erwarten, dass der Spiegel zu einem Zeitpunkt von den bevorstehenden Krawallen hätte wissen müssen, als niemand, auch nicht die Times oder der Guardian in England, davon etwas ahnten? Darf ich Sie mal fragen, ob Sie das ernst meinen?

Ich meine es ernst. Die Anforderungen an den Spiegel sind höher.

Das ehrt uns. Hohe Anforderungen dürfen Sie gerne haben, aber Hellseher sind wir leider nicht.

Der Spiegel hätte ein Gespür haben können.

Da haben Sie Recht: Dieses Gespür hat der Spiegel nicht gehabt.

Stimmt es, dass die Kate-und-William-Ausgabe die am schlechtesten verkaufte Ausgabe seit 20 Jahren war?

Sie hat sich sehr schlecht verkauft.

Ziehen Sie daraus Konsequenzen?


Ja. Unsere Leser haben sich zu diesem Zeitpunkt nicht für eine Spiegel-Geschichte über William, Kate und das britische Königshaus interessiert.

Sehen Sie den Spiegel immer noch als das investigative Blatt in Deutschland?

Ja. Aber gute investigative Geschichten werden auch von anderen Blättern gemacht, und das ist gut so. Wahre Enthüllungen wie der geplante Panzerverkauf nach Saudi-Arabien haben immer noch das Potenzial, eine große politische Debatte auszulösen.

Inzwischen löst sich solch eine Meldung sehr schnell vom Ursprung. Beschädigt es die Marke Spiegel, wenn schnell nicht mehr dabei steht, wo die Nachricht herkommt?

Mir wäre die angelsächsische Art und Weise des Zitierens lieber. Da gilt der gute Grundsatz "first reported by". So ist es bei uns leider nicht. Ich würde mir wünschen, dass wir alle miteinander sorgsam schauen, wer welche journalistischen Leistungen erzielt hat, und dass wir bei der Frage, wer zitiert wen, anständig miteinander umgehen.

Es heißt, Print sei im Sinkflug begriffen. Ihre Auflage ist auch nicht im Höhenflug.

Die These vom ungebremsten Sinkflug der Gattung Print teile ich nicht. Im vergangenen Jahr hat der Spiegel in manchen Quartalen über dem Vorjahr gelegen, die Süddeutsche Zeitung schlägt sich wacker, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat wachsende Auflagen, die Liste ließe sich fortsetzen. Gleichzeitig haben wir Erfolg mit dem Verkauf der digitalen Ausgabe.

Wo liegen Sie da?

Im Jahresdurchschnitt 2011 bei monatlich rund 22.000 Ausgaben.

Können Sie über kurz oder lang die Druckmaschinen einmotten?

Nein. Wir werden eine lange Zeit der Unübersichtlichkeit erleben, in der alle Verlage nach dem richtigen Vorgehen suchen. Digitale Produkte und Print werden nebeneinander bestehen.

Der Spiegel steht wirtschaftlich nach wie vor gut da?

Ja.

Das bedeutet, wir werden in den nächsten zwei, drei Jahren keine Geschichten über Entlassungen beim Spiegel lesen?

Wir haben keinen Anlass, über Entlassungen nachzudenken.

Das heißt: Sie prosperieren?

Es geht uns gut.

Was verändert sich, wenn Sie jetzt von der Brandstwiete weg in den Hafen ziehen?

Dann sitzen zum ersten Mal alle unter einem Dach: der Verlag, Spiegel TV, Spiegel Online, das Manager Magazin.

Was haben Sie davon?

Wir rücken näher zusammen.

Fällt dann irgendwann die Grenze zu Spiegel Online und die Regel, dass nicht mehr als fünf Geschichten aus dem Heft online gehen?

Die Redaktionen bleiben getrennt. Viele Angehörige der Redaktion schreiben immer mal wieder für Spiegel Online. Und umgekehrt schreiben Angehörige der Onlineredaktion immer mal wieder für das Heft.

Damit gehen Sie gegen den Trend. Inzwischen ist es normal, dass ein Desk viele Marken mit Einerlei versorgt.

Den Spiegel hat immer ausgezeichnet, dass er seinen eigenen Weg gegangen ist. So bleibt es auch.

Was werden Sie vermissen?

Die Geschichte dieses Hauses hier, die Tatsache, dass es ein Haus ist, in dem Rudolf Augstein noch gearbeitet hat. Diese Patina, diese Aura kann ein neues Haus nicht haben.

Aber den Geist von Rudolf Augstein nehmen Sie doch mit?

Gut, dass Sie das nicht auch noch infrage stellen.

Aktuelle Kommentare zu diesem Interview

07.10.2011 14:11

lola gold

Super Interview! Das ist alles auf den Punkt gebracht. Es bestätigt mir, warum ich den Spiegel schon lange nicht mehr lese. Interviews und überhaupt Journalismus ohne eine Meinung respektive Haltung gibt es gar nicht. Hoff macht ganz und gar keine handwerklichen Fehler, sondern liefert eine Sternstunde des Journalismus ab. Weiter so!

19.09.2011 14:58

Annette Gilles

Gute Fragen ... über die "Antworten" kann man nur staunen ...

12.09.2011 14:55

Jens E

Interessantes Interview ... aber nur der Fragen wegen.
Herr Mascolo gibt sich teilweise noch nicht ein mal die Mühe, irgend etwas auf die Fragen zu antworten, sondern sagt Nichts. Keine näheren Erklärungen zu einem Nein einer Frage oder eine erkennbare Meinung zur einer anderen Frage.
Ach übrigens: Wer nicht versteht, dass die Hochzeit von Kate und Williams tiefster Boulevard ist, kann natürlich auch sonst nicht erkennen, dass das Ressort Panorama auf Spiegel-Online eben solches darstellt.

08.09.2011 17:08

Stefan Zotschew

Besonders nett finde ich folgende Frage - und zwar vor einem ganz bestimmten Hintergrund:

"Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz wirft Ihnen vor, dass Sie nur noch das rot-grüne Weltbild bestätigen. Auf der anderen Seite pflegen Sie Ihre Rechtsausleger wie Jan Fleischhauer und Matthias Matussek. Als Spiegel-Leser fühle ich mich da nicht mehr so ganz geführt."

Interessant ist daran erstens, dass Hoff "geführt" werden möchte und implizit unterstellt, dass Spiegel-Leser dies generell geführt möchten. Ich möchte nicht geführt, sondern informiert werden, wozu auch gehört, wer zu welchem Thema welche Meinung vertritt. Aber die daraus - vielleicht - resultierende eigene Meinung bilde ich mir dann vorzugsweise schon selbst.

Zweitens der Hintergrund: Hoff ist freier Journalist und arbeitet angeblich "für die Süddeutsche Zeitung, die Welt am Sonntag und den Rolling Stone".

Das heißt: Hoff schreibt für eine tendenziell linksliberale Zeitung, eine eindeutig konservative Zeitung und ein politisch schwer einzuordnendes Blatt (das im Zweifelsfall ein eher libertinäres, also kaum konservatives Weltbild repräsentiert). Und vor diesem Hintergrund fühlt sich Herr Hoff "nicht mehr so ganz geführt". Ja, was denn nun? Wen führt er denn selbst - und wohin - angesichts der Meinungsbandbreite seiner Auftraggeber, die ihn ja wohl kaum beschäftigen würden, wenn seine Arbeit ihrer Richtung nicht im Großen und Ganzen entspräche?

Hoff macht meines Erachtens im Interview mit Mascolo mehrere schwere handwerkliche Fehler:

- Er will nicht wirklich etwas wissen. In diesem Fall sollte man als Journalist auf ein Interview verzichten.

- Er will den Lesern nicht helfen, sich anhand der Antworten selbst eine Meinung zu bilden, sondern seine eigene Meinung im Tarnanzug eines Interviews kundtun. Damit ist er aber nicht mehr Fragesteller, sondern Kombattant, sitzt also bei diesem Interview auf der falschen Seite des Tisches.

- Er will auf Teufel komm raus provozieren. Das ist zwar, weil Mascolo darauf eingeht (oder hereinfällt?) unterhaltsam und damit hochgradig boulevardesk. Das aber widerspricht Hoffs These - und Vorwurf -, "dass der Spiegel in gewisser Weise auf den Boulevard geht". Auch hier gilt: Ja, was denn nun?

Geradezu niedlich ist, dass Hoff seine vorgefasste Meinung unter anderem mit einem Zitat von Enzensberger aus dem Jahr 1957 "belegt". 1957 - also bitte! Das ist 54 Jahre her. Der Spiegel von damals und der Spiegel von heute sind, wie das ganze Land, nicht mehr vergleichbar.

08.09.2011 14:45

Rulf Neigenfind

Ich lebe seit 25 Jahren im Ausland und habe mir nach und nach den SPIEGEL entwöhnt; ersatzweise schaute ich ab und zu in SPIEGEL Online rein. Mein Eindruck ist, dass hier Jungvolontären und Ersatzredakteuren am Zusammenschustern sind, die weder interessant noch gut schreiben können und etwas Sachverstand für gänzlich unnötig halten. Nun habe ich neulich wegen Loriot wieder mal die Printausgabe gekauft - und feststellen müssen, dass es hier journalistisch keineswegs besser zugeht. Nach Lektüre dieses Interviews ist mir klar, warum das so ist. Bei so arroganten Warmduschern wie Mascolo und seinen nicht weniger seichten Vorgängern kann kein gutes Blatt herauskommen. In der Geschichte des SPIEGEL gäbe es genügend Giganten, auf deren Schultern diese Herrschaften hätten stehen können. Leider aber begnügen sie sich mit einem Dasein im Schatten eines Stefan Aust, unter dem der Inhalt immer öfter nicht das Papier wert war, auf dem er gedruckt wurde.

08.09.2011 12:24

Daniel S.

Im Netz darf ja immer nur gemeckert werden, mich nervt das. Das ist ein Super-Interview, nicht nachgelassen, immer kritisch dran geblieben und dabei auch noch unterhaltsam.

Ich möchte mal wissen, wer von den Nörglern hier das so hinbekommen hätte und vor allem das Rückgrat, diese Fragen an Mascolo zu stellen. Auch in unserem Buisness ist doch inzwischen Kuschen gegenüber den Mächtigen angesagt, man könnte ja nochmal einen Job brauchen.

Platter Bild-Spiegel-Vergleich? Na und? Mascolo kann sich doch verteidigen und mal ehrlich: Dieser Vergleich wird so oft bemüht, da ist es doch gut, mal den Chef damit zu konfrontieren.

Ich wäre jedenfalls stolz darauf, das Interview geführt zu haben und ich wünschte andere könnten das auch zugeben.

08.09.2011 12:20

Maupur Martinez

Was soll bitte an Mascolos Antworten vorsichtig, defensiv oder gar ängstlich sein. Eine schlecht gelaunte, extrem tendenziöse Abfragerei, die dem Spiegel eine Qualitäts-Häutung unterstellt, wird von Mascolo im Gegenteil recht konkret abgeschmettert. Der "Journalist" beklagt in seinen Fragen etwas, was den Spiegel seit 40 Jahren auszeichnet. Dass er das Leben – und zwar das politische, das ökonomische, das kulturelle und das gesellschaftliche – nachrichtlich, kommentierend und analytisch begleitet und manchmal auch beeinflusst. That's it.

04.09.2011 11:08

L N

Ein weiteres, trauriges Beispiel ist der Love-Parade-Titel vom Mai. Schichtwechsel, Kommunikationspannen usw. – Bestimmt hat die Polizeiführung in Duisburg gravierende Fehler gemacht, und es ist gut, dass sich der SPIEGEL dem annimmt. Aber ob es in einem ansonsten weitgehend nüchternen Recherchestück solch eitler Schreckens-Poesie bedarf? "Alle drängen, drücken zur schmalen Treppe, sie stehen so eng, dass sie kaum noch Luft in die Lungen ziehen können, und nun beginnt das Meer der Köpfe vor dieser Treppe zu wogen, hin und her, wie Ähren im Wind, und dann, ganz langsam, drückt es die Ersten zurück nach hinten, und die Nächsten, und die Nächsten auf die Nächsten, und sie liegen übereinander, schichten sich auf, und die in diesem Berg liegen, können ihre Arme nicht mehr bewegen, ihre Beine nicht, und manchmal nicht mal mehr ihre Finger. Sind verklemmt, verkeilt, eine dichte Masse Mensch, ein Menschenberg." Wofür gibt es beim Spiegel eigentlich einen Textchef? Im Übrigen heißt der Kisch-Preis heute Henri-Nannen-Preis, mit Kitsch hatte er nie zu tun.

02.09.2011 14:35

Jan Söfjer

Mascolo im Interview ist schon eine Nummer. Habe es sofort gelesen - sogar online. Aber es fehlt die Stimmung. Die Frage ist, ob sie bei Interviews mit Führungspersönlichkeiten überhaupt entstehen kann, weil diese wegen ihres Amtes so vorsichtig bei den Antworten sein müssen - oder glauben vorsichtig sein zu müssen. Ich wüsste aber nicht, wie Mascolo hätte anders antworten sollen.

Davon abgesehen finde ich den Vergleich Spiegel - Bild ermüdend und platt. Das ist so, als wenn man einen 16-jährigen Lagavulin Single Malt mit Racke Rauchzart vergleicht und sagt, es sei ja beides Scotch.

01.09.2011 02:08

Just Watching

Am bezeichnendsten ist die Antwort: Nein, der Spiegel ist NICHT unfähig zur Selbstkritik.

 
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