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Autor

Interview von Ralf Geißler

verfasst am

01.12.2011

im Heft

journalist 12/2011

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Bild: Philipp Guelland

Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn (l.) will ein größeres Augenmerk auf die Entstehungsgeschichte der Beiträge legen.

Henri-Nannen-Preis

"Wir haben den Humor nicht verloren"

Noch bis 4. Januar läuft die Bewerbungsfrist für den achten Henri-Nannen-Preis. Aber will den überhaupt jemand haben? Spiegel-Autor René Pfister musste seinen Preis im Mai zurückgeben. Der journalist sprach mit Thomas Osterkorn, Jury-Mitglied und Stern-Chefredakteur.

journalist: Es gibt Autoren, die sagen: Wer sich bei dieser Jury noch einmal bewirbt, macht sich lächerlich.

Thomas Osterkorn: Erstens: Die meisten Arbeiten reichen Redaktionen ein. Zweitens: Es muss sich ja niemand bewerben. Aber ich denke, dass es sich nach wie vor lohnt. Seit der Diskussion um die Reportage von René Pfister ist allerdings klar, dass die Kriterien beim Henri-Nannen-Preis sehr scharf ausgelegt werden. An der guten Schreibe Pfisters gibt es keinen Zweifel. Niemand wirft ihm unlauteres Verhalten vor. Er hat geglaubt, eine Szene aus den Erzählungen anderer rekonstruieren zu dürfen, ohne dies kenntlich machen zu müssen. Die Jury sah das anders und hat den Preis aberkannt. Aber sie wollte Pfister nicht beschädigen.

Das ist ihr nicht sonderlich gut gelungen. Wird sich die Arbeit der Jury verändern?

Wir werden ein größeres Augenmerk auf die Entstehungsgeschichte der Beiträge legen. Bei den besten Arbeiten haben wir das Making-of schon immer angefordert. Die Antworten der Autoren waren aber oft unpräzise. Nun wollen wir genauer wissen: Wie viel Eigenleistung steckt in einer Reportage oder Recherche – und wie viel Glück oder andere Einflüsse?

Fünf Mitglieder der Jury sind ausgeschieden, unter anderem Frank Schirrmacher und Kurt Kister. Waren sie von der Pfister-Debatte genervt?

Das glaube ich nicht. Wir haben von Jahr zu Jahr Veränderungen in der Jury. Elke Heidenreich hat auch aufgehört – aus Zeitmangel. Nichts wäre schlimmer, als wenn Jahr für Jahr dieselben Juroren zusammenhocken.

Neu in der Jury ist die Panorama-Moderatorin Anja Reschke. Wie gut kann eine Fernsehjournalistin eine gedruckte Reportage beurteilen?

Ich hoffe, dass sie das gut kann. Wir haben sie geholt, weil sie mit investigativem Journalismus vertraut ist und auch ein Medienmagazin moderiert, das sich durchaus kritisch mit der Branche befasst. Sie ist eine kluge Frau, und ein Blick von außen tut immer gut.

Es wird erstmals auch das beste Essay ausgezeichnet. Dafür entfällt die Kategorie Humor. Ist Ihnen der Spaß vergangen?

Nein, wir haben den Humor nicht verloren. Aber über die Kategorie diskutieren wir seit Jahren. Der Kreis der Preisverdächtigen ist dort überschaubar. Die meisten, die es verdient haben, wurden schon geehrt. Andererseits beobachten wir, wie intensiv die Öffentlichkeit Essays diskutiert, in denen kluge Kollegen unsere unübersichtliche Welt erklären. Das wollten wir würdigen. Humorvolle Beiträge können noch in der Kategorie Sonderpreis ausgezeichnet werden.

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