Detail-Informationen

Autor

Monika Lungmus

verfasst am

10.08.2012

im Heft

journalist 8/2012

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Link zum Thema

  • Hier geht es zur Website des EJF (auf Englisch).

Die EJF will bei EU-Politikern und Brüsseler Journalisten bekannter werden.

Stephen Pearse

"Wir können Themen setzen"

Die Europäische Journalisten-Föderation (EJF), der der DJV angehört, ist auf einem neuen Weg. journalist-Redakteurin Monika Lungmus sprach mit Stephen Pearse, der dort Ende November das Amt des Generalsekretärs antrat.

Bilder: dapd/Lang, Kappeler; A. Bittner; [M]

Stephen Pearse: "Wir müssen vor allem unsere Kommunikation verbessern."

journalist: Sie sind jetzt mehr als ein halbes Jahr in Ihrem Amt. Welche Baustellen sind Ihnen aufgefallen?

Stephen Pearse: Es ist derzeit eine sehr schwere Zeit für Journalisten. Aber auch für ihre Gewerkschaften. Und die Probleme sind trotz aller Unterschiede doch überall in Europa sehr ähnlich. Freie Journalisten arbeiten zum Beispiel in jedem Land unter schlechteren Konditionen als ihre fest angestellten Kollegen. Wir müssen nach gemeinsamen Strategien suchen.

Was können die Gewerkschaften konkret für die freien Journalisten tun?

Es gibt die Möglichkeit, mit Kampagnen öffentlich auf die prekäre Situation der Freien aufmerksam zu machen, gegen die Buy-out-Verträge zu mobilisieren und für faire Honorare zu protestieren. Die EJF hat gerade eine solche Kampagne gestartet, die aber noch ausgeweitet werden soll. Sie heißt Fair Trade for Creators, und dazu sammeln wir gemeinsam mit anderen Organisationen Unterschriften für eine Petition. Wir sprechen auch mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments, um sie für dieses Thema zu sensibilisieren und es auf die politische Agenda zu bringen. Beim jüngsten Jahrestreffen in Bergamo hat die EJF zudem den Auftrag bekommen, sich auf europäischer Ebene für ein Verbandsklagerecht einzusetzen, damit die Gewerkschaften gegen diese Buy-out-Verträge juristisch vorgehen können.

Die EJF ist ein Zusammenschluss von mehr als 40 Journalistenverbänden innerhalb der größeren Internationalen Journalisten-Föderation (IJF). Bei dem Jahrestreffen in Bergamo wurde beschlossen, die EJF jetzt als eigenständige Rechtsperson in das belgische Vereinsregister eintragen zu lassen. Welche Vorteile hat das?


Zum einen geht es um mehr Transparenz in finanziellen Angelegenheiten: Unsere Mitgliedsverbände wollen wissen, was die EJF mit dem Geld anstellt. Zum anderen ermöglicht die eigene Rechtsform, an europäische Fördermittel heranzukommen und so die Aktivitäten zu intensivieren.

Der Beschluss kam nur mit knapper Mehrheit zustande. Die Russische Journalisten-Union, die kurz zuvor der EJF beigetreten war, gab hier den Ausschlag. Warum ist der Schritt zur Eigenständigkeit so umstritten?

Ich möchte betonen, dass sich alle in Bergamo darüber einig waren, dass die EJF weiterhin Teil der IJF sein wird. Aber es gibt Mitgliedsverbände, die bezweifeln, dass die eigene Rechtsform notwendig ist. Für mich ist entscheidend: Wir haben jetzt beschlossen, dass die EJF künftig eine eigenständige Organisation bilden soll. Das muss jetzt schnell umgesetzt werden. Und wir sollten daher nicht weiter darüber diskutieren.

Wie lange wird es dauern, bis die EJF in das Vereinsregister eingetragen ist? Und welche weiteren organisatorischen Schritte sind notwendig?


Wir müssen jetzt die Finanzen zwischen EJF und IJF auseinander dividieren. Und wir müssen auch prüfen, wie wir das mit dem Personal organisieren. Darüber muss man jetzt reden – eine Aufgabe des Steering Committees, also des EJF-Vorstands, der auch die konkreten Schritte zum Eintrag ins Vereinsregister einleiten wird. Ich denke, es sollte nicht so schwierig sein, dass EJF und IJF zu einer für beide Seiten befriedigenden Lösung kommen. Bis zur nächsten Jahresversammlung könnte alles über die Bühne gebracht sein.

Wie wollen Sie die Arbeit der EJF transparenter und effizienter machen?


Wir müssen vor allem unsere Kommunikation verbessern. Mein Eindruck ist, dass es hier einige Defizite gibt. Unsere Mitgliedsverbände bekommen zu wenig von dem mit, was wir hier in Brüssel machen. Wir brauchen aber auch mehr Informationen aus unseren Mitgliedsverbänden. Insgesamt also mehr Austausch, auch unter den Mitgliedsverbänden selbst.

Es geht ja nicht nur um die bessere Kommunikation innerhalb der EJF, sondern auch um mehr öffentliche Präsenz. Sie selbst haben zuletzt als Pressesprecher der britischen Labour Party im Europaparlament gearbeitet, davor bei der National Union of Journalists.


Die EJF muss Ansprechpartner für die Europaparlamentarier sein, wenn es um Medienthemen geht. Und auch umgekehrt. Das läuft auch schon. Aber das lässt sich noch intensivieren. Auch hier spielen Kampagnen eine wichtige Rolle. Wir müssen noch stärker in Brüssel gesehen und gehört werden. Zum Beispiel, wenn es um Debatten zum Urheberrecht geht. Die EU-Politiker sollen wissen, dass wir es sind, die sich um diese Themen kümmern. Und sie sollen wissen, dass wir die Stimme der Journalisten sind, die in ganz Europa arbeiten.

Wie sieht es denn mit den Kontakten zu Medien aus?


Die EJF könnte mehr Themen setzen. Wir müssen auch schneller reagieren. Es ist natürlich sinnvoll, die Kollegen aus dem Brüsseler Pressekorps auch persönlich kennenzulernen. Aber im Moment sind wir personell nicht so gut aufgestellt, dass wir das leisten könnten. Da müssen wir intern noch Ressourcen schaffen.

Welche Themen sind vorrangig?


Ich halte vier Themen für besonders wichtig. Erstens: faire Konditionen für freie, aber auch für angestellte Journalisten. Zweitens: Pressefreiheit, die in vielen Ländern eingeschränkt ist – in der Türkei sitzen derzeit 100 Journalisten im Gefängnis, aber auch in westeuropäischen Staaten haben wir zunehmend Probleme. Das dritte Thema ist die Qualität des Journalismus. Wir müssen deutlich machen, dass Demokratie guten, unabhängigen Journalismus braucht. Und viertens geht es um die konkrete Gewerkschaftsarbeit. Hier bringt uns mehr Austausch über Ideen, Aktionen und Strategien vorwärts.

2013 wird die nächste EJF-Jahrestagung stattfinden. Welches Ziel haben Sie sich gesetzt?


Im nächsten Jahr sollen die Mitgliedsverbände eine sehr klare Vorstellung davon haben, was die EJF in Brüssel eigentlich macht.

 

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