Detail-Informationen

Autor

Simon Feldmer

verfasst am

01.03.2011

im Heft

journalist 3/2011

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Joachim Dorfs: "Durchmogeln geht nicht." Ein Journalist brauche eine Meinung, eine Zeitung eine klare Linie.

Stuttgarter Zeitung

"Wir sind zwischen die Fronten geraten"

Stuttgart 21 – die Proteste im vergangenen Jahr haben sich nicht nur gegen ein Bahnprojekt gerichtet, sondern auch gegen die Macher der Stuttgarter Zeitung. Der Vorwurf: einseitige Berichterstattung. Die Konsequenz: Abokündigungen. Chefredakteur Joachim Dorfs blickt im Interview mit dem journalist zurück. Er weist die Kritik zurück, räumt aber auch ein, Fehler gemacht zu haben.

 

journalist: Nach dem 30. September 2010, dem von den Gegnern so genannten Schwarzen Donnerstag, haben Sie in einem Kommentar geschrieben: Es gehe bei Stuttgart 21 nicht um die Würde des Menschen, sondern um einen Bahnhof. Sitzblockaden seien daher unangemessen. Würden Sie das heute wieder so schreiben?

Joachim Dorfs: Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich geschrieben, dass man unterscheiden muss, ob man für Menschenrechte, gegen atomare Wiederbewaffnung oder gegen einen Bahnhof demonstriert. Das sehe ich nach wie vor so.

Von Ihrem Redaktionssitz sind Sie in 20 Minuten am Stuttgarter Hauptbahnhof. Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Nach meinem Eindruck weniger aufgeregt als vor der Schlichtung. Ich glaube, dass seitdem einige der Gegner weniger entschieden dagegen sind, aber auch einige der Befürworter weniger enthusiastisch dafür. Die Debatte ist sachlicher. Auf beiden Seiten ist wohl vielen klar geworden, dass nicht alle Argumente der Gegenseite widersinnig sind.

Dennoch: Es ist weiter viel los in Stuttgart. Seit Ende Januar gehen die Gegner von Stuttgart 21 wieder auf die Straße. Im März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Als Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung müssen Sie eigentlich ein glücklicher Mensch sein, oder? 

Bin ich auch. Natürlich ist es immer gut, wenn es Themen gibt, die Menschen bewegen. Wobei ich sagen muss, dass ich mit Stuttgart 21 nicht immer ganz glücklich war, weil wir als Zeitung auch zwischen die Fronten geraten sind.

Jenseits von Stuttgart kam es eher so an, dass in erster Linie die Kritik der Projektgegner an Ihrer Berichterstattung massiv war.

Das ist ein verzerrtes Bild. In Kurzform kann man sagen, dass die Gegner uns für Befürworter und die Befürworter uns für Gegner hielten. Unterm Strich ist das nicht die schlechteste Position für eine Zeitung. Für einen Journalisten ist es dennoch unbequem, wenn er für Artikel zum Teil von allen Seiten scharf angegriffen wird.

In ihren Kommentaren lässt die Stuttgarter Zeitung allerdings seit jeher keinen Zweifel aufkommen: Die Zeitung sieht das Projekt positiv. Im Netz dokumentierten viele Leser, die Ihre Berichterstattung als einseitig pro kritisierten, demonstrativ ihre Abokündigungen. Wie viele Leser haben explizit wegen Ihrer Berichtstattung gekündigt?

Unsere Berichterstattung, das lässt sich leicht belegen, ist sehr differenziert und keineswegs einseitig pro und contra. Die Stuttgarter Zeitung versteht sich in diesem Sinne auch als kritische Begleiterin des Projekts – und zwar auch in der Kommentierung. Das haben wir zuletzt beim Untersuchungsausschuss gezeigt, den der Landtag zum Polizeieinsatz im Schlossgarten eingerichtet hatte. Wir haben wegen Stuttgart 21 etwa 600 Abos verloren. Das ist schmerzhaft. Aber es handelt sich dabei nicht um Massenkündigungen, von denen in der überregionalen Presse berichtet wurde.


"Das ist schmerzhaft. Aber es handelt sich dabei nicht um Massenkündigungen"

Wie kommen Sie auf diese Zahl? Es können doch viele Leser gekündigt haben, die Ihnen nicht eigens den Grund mitgeteilt haben?

Das glaube ich nicht. Theoretisch ist das möglich, allerdings ist bei diesem Thema das Mitteilungsbedürfnis groß. Da will man uns schon deutlich machen, aus welchem Grund man nicht mehr liest.

Wie verteilen sich die Kündigungen unter Befürwortern und Gegnern?

Es handelt sich nicht allein um Leser, die uns eine zu große Nähe zur Landesregierung oder zur Bahn vorgehalten haben. Die Kündigungen kamen aus beiden Richtungen – und zwar in etwa zu gleichen Teilen. Im Übrigen reden wir da über eine Zeit im Sommer und Herbst vergangenen Jahres. Inzwischen hat sich die Situation insgesamt sehr beruhigt.

Wie reagieren Sie auf eine Kündigung aus Protest?

Jeder bekommt eine Antwort, in aller Regel per Brief. In der Hochphase habe ich viel mit Lesern telefoniert und gefragt, wie sie unsere Position wahrnehmen. Bei ein paar Leuten hat das verfangen, bei anderen nicht. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen nicht manchmal weiter lesen, etwa im Büro.

Im Internet findet man selten Stimmen, die Ihre Berichterstattung als zu kritisch empfanden.

Um das noch mal klar zu sagen: Es gibt diejenigen, die behaupten, wir würden erst seit den Massenprotesten kritisch über Stuttgart 21 schreiben. Und es gibt diejenigen, die behaupten, dass es durch unsere Berichterstattung zu den Massenprotesten kam. Womit wir genau bei dem Punkt wären, den ich an der Berichterstattung über uns als problematisch empfunden habe. Den Artikeln – sei es in der taz, im Tagesspiegel oder im Stern – lagen doch immer ähnliche Indizienketten zugrunde. Da wurden Legenden gestrickt, deren Wahrheitsgehalt gegen Null tendiert. Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, dass auch nur ein Autor mal einen Stuttgart-21-Befürworter gefragt hat.

Sie sagen, wegen Stuttgart 21 hat die Stuttgarter Zeitung 600 Abonnenten verloren. Die offiziellen Auflagenzahlen der IVW sagen, dass Sie in der Anzeigengemeinschaft mit dem Schwesterblatt Stuttgarter Nachrichten seit dem vierten Quartal 2009 fast 10.000 Abonnenten verloren haben, der Einzelverkauf blieb konstant. Wie war die Entwicklung bei der Stuttgarter Zeitung?

Die Zahlen, die für die Anzeigengemeinschaft herausgegeben werden, sind für beide Zeitungen in etwa vergleichbar. Wir hatten auf Jahresbasis ein Minus von 2,8 Prozent zu verzeichnen. Das ist nicht befriedigend, aber dabei müssen Sie berücksichtigen, dass wir die Preise der Zeitung in den vergangenen beiden Jahren um rund 20 Prozent erhöht haben. Dazu kommt: Der allgemeine Trend für Zeitungen in Ballungsräumen ist nicht positiv. Wenn wir uns mit Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Rheinischer Post oder dem Hamburger Abendblatt vergleichen, liegen wir sogar ganz gut.


"Wir haben, anders als die überregionalen Medien, Stuttgart 21 nicht erst Mitte 2010 entdeckt"

Sie haben angefangen, Leserkonferenzen zu organisieren. Wegen 600 Kündigungen?

Mit Leserkonferenzen haben wir bereits im Zuge unserer Layoutreform 2009 begonnen. Als wir dann aber im Spätsommer 2010 teilweise täglich einige Dutzend Leserbriefe erhalten haben und auch unsere Onlineforen überquollen, wurde uns klar, dass wir dieses Instrument noch intensiver einsetzen müssen. Wir hätten diese Konferenzen also auch organisiert, wenn wir keine Kündigungen erhalten hätten. 

Hat Ihre Zeitung zu jeder Zeit alle relevanten Fakten und Entwicklungen dargelegt?

Wir haben, anders als die überregionalen Medien, Stuttgart 21 nicht erst Mitte 2010 entdeckt. In Stuttgart wird seit Mitte der 80er Jahre und erst recht seit 1994, als Stuttgart 21 aus der Taufe gehoben wurde, intensiv über die Neuordnung des Bahnknotens diskutiert. In dieser Zeit dürfte eine fünfstellige Zahl von Beiträgen erschienen sein. Ja, ich glaube, dass wir alle wesentlichen Aspekte dargestellt haben.

Sie haben also nicht erst seit den Massenprotesten kritisch berichtet?

Schon in der allerersten Zeit hat es Beiträge gegeben, die der Frage nachgegangen sind, ob die Bahn überhaupt in der Lage ist, so ein Projekt zu stemmen. In der Stadt war die Stimmung aber insgesamt lange sehr positiv. In diesem Sinne war die Zeitung auch Spiegel dessen, wie man in der Stadt dachte. Dass es schon damals viele Argumente gegen das Projekt gab und die Zeitung nicht darüber berichtet hat, kann ich mir nicht vorstellen und ist mir nicht bekannt.

Ärgert es Sie, wenn überregionale Wettbewerber wie der Stern mit Exklusivmeldungen zu Stuttgart 21 aufwarten?

Da wird auch geblendet. Viele der vermeintlichen Exklusivmeldungen im Stern standen davor bereits bei uns. Wir waren und sind nachrichtlich führend in der Berichterstattung.


"Wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann den, dass wir – nachdem die Bagger anrückten – zu lange gebraucht haben, um einen Schritt zurückzutreten"

Ein häufiger Vorwurf lautet: Das Projekt sei den Bürgern zu wenig erklärt worden. Fühlen Sie sich angesprochen?

Nur bedingt. Wir sind nicht für die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts verantwortlich. Die Stuttgarter Zeitung hat viele Beiträge und Serien zum Projekt gemacht – von den neuralgischen Punkten über die Bahnhofsgeschichte bis hin zu den Möglichkeiten der Nutzung des frei werdenden Bahnhofareals. Wenn wir einen Fehler gemacht haben, dann den, dass wir – nachdem die Bagger anrückten – zu lange gebraucht haben, um einen Schritt zurückzutreten und das Projekt noch einmal von vorne zu erläutern. Da haben wir uns zu lange auf die Nahsicht beschränkt.

Hat sich die Haltung der Zeitung im Laufe der Zeit verändert?

Ich denke schon. Und ich denke, das ist ein gutes Zeichen bei einem Projekt, das nun gut 20 Jahre dauert. Wir haben in den vergangenen Monaten deutlich mehr über Stuttgart 21 berichtet. Das bedeutet, dass automatisch verstärkt andere Stimmen und Autoren im Blatt auftauchen. Dazu kommt, dass bei der Schlichtung neue Fakten auf den Tisch kamen, die vorher nicht ersichtlich waren. Das hat sich natürlich auch in unserer Kommentierung niedergeschlagen.

Ein Satz, der in Ihrer Zeitung stand, lautet: "Ohne die Zustimmung der Stuttgarter Zeitung zu diesem Großprojekt würde, so vermute ich einfach einmal, Stuttgart 21 nie gebaut werden." Geschrieben hat ihn der ehemalige Außenpolitikchef Adrian Zielcke. Wünschen Sie sich manchmal, der Satz wäre nicht erschienen?

Wenn Herr Zielcke das so sieht, ist ihm das unbenommen. Man kann das meiner Meinung nach aber nicht so verkürzt darstellen. Ich glaube nicht, dass man irgendetwas durchsetzen kann, was an sich völlig abwegig ist, nur weil man die Zustimmung eines Medienorgans hat.

Weshalb braucht es denn die klare Festlegung in der Kommentierung überhaupt?

Es ist die Aufgabe eines Journalisten, sich eine Meinung zu bilden. Und eine Zeitung braucht eine gewisse Stringenz in der Argumentation. Wir würden unserer Aufgabe nicht gerecht, wenn wir heute einen Leitartikel bringen würden, in dem steht, Stuttgart 21 soll gebaut werden, und morgen einen, in dem das Gegenteil gefordert wird. Ein entschiedenes Sowohl-als-auch ist keine Alternative.

Dürfen Autoren bei Ihnen im Haus, die dem Projekt kritisch gegenüberstehen, also nicht leitartikeln oder müssen sie sich entsprechend verbiegen?

Nein, wir verdonnern niemanden dazu, zu schreiben, dass Stuttgart 21 eine tolle Sache ist. Bei einem Thema von dieser Tragweite ist es aber ohnehin wichtig, dass sich jemand, der das Lokalressort oder eben die ganze Zeitung repräsentiert, zu Wort meldet.


"Nein, wir verdonnern niemanden dazu, zu schreiben, dass Stuttgart 21 eine tolle Sache ist"

In Ihrem Haus gibt es Stimmen, die sagen, dass seitens der Chefredaktion Einfluss genommen worden sei auf eine Stuttgart-21-freundliche Berichterstattung. 

Stuttgart 21 ist kein Thema, das für eine Schwarz-Weiß-Diskussion taugt. Wir müssen deshalb beiden Seiten gerecht werden. Es wurde keine Berichterstattung unterdrückt. Es gab gelegentlich Diskussionen über den Tonfall. Wir haben uns in der heißen Phase darauf geeinigt, auf martialische Töne zu verzichten. Wir wollten eine sachliche und deeskalierende Berichterstattung und keine, die die Stimmung weiter aufheizt.

Deeskalation? Ist das die Aufgabe einer Zeitung?

Es hat die Menschen in Stuttgart und der Region sehr bewegt, wie es angesichts der tiefen Gräben in der Stadt weitergeht. Insofern ist auch Deeskalation ein Thema für die Zeitung. Unsere Serie in der Kultur zur Zukunft der Bürgergesellschaft ist auch deshalb so gut angekommen, weil sie aufgegriffen hat, was alle – unabhängig vom Projekt selbst – beschäftigt hat.

Wie kam es zu der klaren Festlegung?

Es gab – wenn ich das recht weiß – nicht eine Konferenz oder informelle Runde, in der gesagt wurde, das ist jetzt unsere Linie. Das hat sich so gefügt. Aber noch einmal: Es hat in der Stuttgarter Zeitung nie Jubelarien zu Stuttgart 21 gegeben, sondern auch immer eine distanzierte Haltung.

Wurde die Linie der Zeitung intern diskutiert?

Es gab im vergangenen Herbst kein Thema, über das wir so häufig, intensiv und kontrovers diskutiert haben. Natürlich mussten wir auch unsere Linie überprüfen. So haben wir diskutiert, ob wir uns nicht für einen Baustopp einsetzen sollten. Wenn bei der Schlichtung herausgekommen wäre, dass die von der Bahn veranschlagten Kosten unrealistisch sind, hätten wir uns sehr genau überlegt, ob wir bei unserer Linie bleiben.

Der Chefredakteur der Berliner Zeitung, Uwe Vorkötter, von 1995 bis 2001 Chef der Stuttgarter Zeitung, sagte, es sei ein Fehler gewesen, Stuttgart 21 zu Stuttgarter Zeitung 21 zu machen. Ein berechtigter Einwurf?

Dieser Satz hat in der Redaktion durchaus für ein gewisses Kopfschütteln gesorgt. Es war niemals unser Selbstverständnis, als Organ die Unterstützung von Stuttgart 21 zu betreiben. Wenn es in der Redaktion Kräfte gegeben hätte, die der Meinung waren, dass wir anders berichten müssten, hätten sie das tun können. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Die gab es aber nicht.

Auch in vielen alternativen Medien wurde Ihrer Zeitung der Vorwurf gemacht, sie würde zu einseitig berichten.

Das geht an der Realität vorbei. Dass Medien, die im Protest gegen Stuttgart 21 gegründet wurden, unabhängiger sein sollen als wir, kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Die verschiedenen Parkschützer- oder auch Unterstützer-Websites werden von Leuten gemacht, für die Stuttgart 21 ganz oben auf der Agenda steht und die eine absolut feste Meinung haben. Die Menschen schaffen sich ihre Foren, ihre eigene Öffentlichkeit. Das ist ihr gutes Recht. Bloß kann man nicht sagen, diese Medien berichten objektiver als wir.

Sie sehen keine Gefahr für die Deutungshoheit der Zeitung durch die verschiedenen neuen Plattformen?

Alle etablierten Medien werden im Zuge des Aufkommens von Social Media in ihrer Deutungshoheit infrage gestellt. Das kann ich auch für die Stuttgarter Zeitung nicht abstreiten. Was ich aber abstreite, ist, dass das im Zusammenhang mit Stuttgart 21 im großen Umfang erfolgt wäre. Ein Beispiel: Unsere Foren auf der Website quellen über mit Pro- und Contra-Stimmen. Wir haben das, was wir an Printauflage verloren haben, um ein Vielfaches an Traffic auf unserer Website hinzugewonnen. 

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus den jüngsten Entwicklungen?

Wir müssen uns um einen intensiveren Austausch mit unseren Lesern bemühen. Im Zweifel müssen wir auch eher bereit sein, einen Schritt zurückzutreten, das Kleinklein zu verlassen und das große Bild zu malen. Publizistisch sehe ich jedoch nicht, dass wir viel ändern müssen. Im Gegenteil: Ich bin davon überzeugt, dass wir das vorbildlich gemacht haben.

Würden Sie sich in einer ähnlich wichtigen Frage in der Kommentierung wieder so eindeutig positionieren?

Sie können sich nicht durchmogeln. Aus so einer Nummer kommen Sie nicht raus. Das ist unsere Aufgabe.

Aktuelle Kommentare zu diesem Interview

03.11.2012 16:46

Andre Tezulas

Geht gleich hier auf dieser Seite los. Was soll das bedeuten "Kommentare werden moderiert."? Noch nie habe ich den Journalismus derart "moderiert" empfunden wie heute. Heute werden Nachrichten "moderiert" wie in einer Diktatur. Ich erinnere mich auch gut an den Fall von Herrn Nikolaus Brender. Zeitungen sind nur noch Parteiapparate und Werbeblätter. Journalisten gibt es nicht mehr. Es sind nur noch Schreiberlinge für andere. Tut mir leid für eure Gilde, so ist es num mal.

04.03.2012 17:19

Peter Z.

Sehr geehrter Herr Dorfs,
nachdem ich das Stuttgarter Amtsblatt wegen einseitiger Werbung für S 21 nicht mehr abonniere und ich auch die Stuttgarter Zeitung leider nicht mehr als "unabhängig" empflinde – ich denke dabei auch an meinen nicht veröffentlichten kritschen Leserbrief zum Projekt S 21 – hoffe ich auf eine Tageszeitung, die wirklich unabhängig ist. Vielleicht werden Sie doch noch diesem StZ-eigenen Anspruch gerecht? Wäre schön.

04.03.2011 10:40

S. Wagner

Sehr geehrter Herr Dorfs,
ich möchte Ihre Position einer Blattlinie – sei sie pro oder contra S21 – grundsätzlich in Frage stellen! Bei einem derartig facettenreichen Thema, mit starken Interessen und vielen sehr detaillierten Fakten darf eine Zeitung, die das Wort "unabhängig" im Titel trägt keine Blattlinie fahren. Das ist weder sachgerecht noch wird es dem Leser gerecht. Glauben Sie wirklich, Sie haben die Kompetenz sachlich zu entscheiden was besser ist – S21 oder K21?
Ich muss sagen, in diesem Punkt gefällt mir die Wochenzeitung Zeit viel besser, die es ihren Lesern zutraut, sich selbst eine Meinung zu bilden. Das sollte sich eine Stuttgarter Zeitung durchaus auch trauen, und die Blattline lieber der Bild-Zeitung oder zumindest den Stuttgarter Nachrichten überlassen.

In den anderen Punkten schließe ich mich meinen VorschreiberInnen an – die Zeit kaufen wir als Haushalt ab und zu, von der Stuttgarter Zeitung haben wir schon länger kein Abo mehr.

02.03.2011 12:08

Dieter Hinderberger

Ich werde mein Abonnement auch kündigen. Das Geld für eine S21-Jubelpostille kann ich mir einsparen. Den letzten entscheidenden Impuls gibt ein Leserbrief von mir, der sich kritisch mit der Pünktlichkeit der Bahn im Nahverkehr seit Beginn der Bauarbeiten befasst. Er wurde nicht abgedruckt, nicht einmal eine Begründung bzw. Antwort erhielt ich.

01.03.2011 22:32

H. V.

Warum schreiben Sie nie etwas darüber, wie der sogenannte Schlichterspruch schon jetzt von den S21-Verantwortlichen ignoriert wird?
Stichwort (um nur ein Beispiel zu nennen): Barrierefreie Fluchtwege – eine von H. Geißlers wichtigsten Forderungen.

Herr Kefer äußert bei direktzu.de/stuttgart21 völlig unverblümt, dass die Bahn gar nicht vorhat, barrierefreie Fluchtwege zu bauen. Gehbehinderte Menschen müssten im Brandfall die Treppen hochgetragen werden. Eine gewaltige Verschlechterung gegenüber dem Kopfbahnhof!

Hinweise auf diesen Skandal ignorieren Sie. ich hatte Ihnen dies geschildert und den Link zur Antwort von H. Kefer mitgeschickt. Dabei würde ich als Leserin schon erwarten, dass sie dies thematisieren und die bereits jetzt absehbare Nicht-Einhaltung von Geißlers "unabdingbaren" Forderungen darstellen.
Aber es kam dazu bisher nichts!

Wenn es eine andere StuttgarterTageszeitung gäbe außer StZ und StN, hätte ich unser Abo längst gekündigt.

01.03.2011 22:18

Eberhard Soldau

Guten Tag!

Es tut mir leid, ich halte Vieles vom in Interview Gesagten für "Schönrederei".

Mein Eindruck über die letzten ca. 20 Monate des "Projekt-Geschäftles" in Bezug auf die StgZ ist: zum Teil deutliche – zum Teil sehr subtile Parteilichkeit. Ich glaube, "man hat sich auf S21 geeinig". Auch in den Formulierungen dergestalt, dass "der Protest" als vermeintlich "gewalttätig, undemokratisch, uneinsichtig" und Ähnliches dargestellt wird ... die Wortwahl, die Wortwahl! Dies ist natürlich nicht richtig! Man muss auch deutlich die vorhandenen Strukturen in Wirtschaft (SWR/Strobl/Schäuble/Schuster, ECE, Wolff&Müller) und Politik (wieder SWR, LBBW) usw. nennen. Hoppla: "Wirtschaft" und "Politik" geht ja "wild durcheinander"! wie ist das denn möglich?

"Zeitungen" sind die 4. Gewalt und ein Mittel der "Aufklärung".

Was Sie hier darstellen, ist m.E. "rein bürgerlich gedachte Erhaltung des Status quo". Und dies "solange wie möglich". DAS IST STILLSTAND. Also: ein sehr sehr schwaches Leistungsbild.

Und noch eine wesentliche Frage: WIE STEHEN SIE ZUM 30.09.2010 – Gewalt im Schloßpark? Wie kann man "DAS GESCHEHENE" als Demokrat einfach so hinnehmen?

Alles meine Meinung – natürlich.

01.03.2011 19:57

Julia Schröder

Zumindest an einem Punkt hat der Kollege Feldmer der eigenen Recherche das Retweeten von Fundstücken aus anderen Publikationen vorgezogen (ein Verfahren, mit dem er nicht allein ist). Das vollständige Zielcke-Zitat (erschienen in der StZ vom 27.2.2010) muss lauten: "Stuttgart 21 ist sicher ein Beispiel für Macht und Ohnmacht der Zeitung. Ohne die Zustimmung der Stuttgarter Zeitung zu diesem Großprojekt würde, so vermute ich einfach einmal, Stuttgart 21 nie gebaut werden. Aber die Feuilletonredaktion hat aus eigener Autonomie einen Kampf um die Rettung des Stuttgarter Hauptbahnhofes begonnen, dessen Ausgang womöglich offen ist. Niemand hat das von dieser Redaktion verlangt oder erwartet. Sie arbeitet selbstständig. Und das ist gut so." Ich bin Mitglied dieser Feuilletonredaktion, ich bin, wie nicht wenige meiner Kollegen in allen Ressorts, vehement dagegen, S21 zu verwirklichen, und ich kann trotzdem nur den Kopf schütteln über die teils unfassbar billige Häme, mit der unsere Arbeit überzogen wird – und das auch von früheren Kollegen, die dabei ganz andere Frustrationen bearbeiten. Dass Leser sich beschweren über das, "was die Zeitung schreibt", ist ja der Normalfall, weil unser Job nun einmal nicht sein kann, es allen recht zu machen. Aber dass Leute, die, so lange sie bei der StZ dicke Brötchen in komfortablen Positionen verdienten, sich publizistisch aus den Niederungen des dahinvegetierenden Bahnprojekts konsequent herausgehalten haben, jetzt zu Chefanklägern in Sachen "StZ21" geworden sind, finde ich einigermaßen ärgerlich.

01.03.2011 19:27

Jonnie Doebele

Man kann eben nicht, wenn man beim Klauen erwischt wird, das einen "Fehler" nennen und hoffen, dass "gutt" ist. Genauso wenig ist man "zwischen die Fronten geraten", wenn man parteiische Berichterstattung treibt, und einem zurecht die Leser weglaufen.

01.03.2011 19:07

Eva K.

Der Chefredakteur sagt, es handele sich nicht um Massenkündigungen, aber die Kommentare zeichnen ein anderes Bild. Ein Toast auf die Online-Demokratie.

01.03.2011 18:25

G. Bayer

Sehr geehrter Herr Dorfs,

im Herbst habe ich öfters online Kommentare geschrieben, zugegeben nicht unter meinem Namen. Herr Schuster hatte z. B. Anfang Oktober die Behauptung aufgestellt, Stuttgarter Stadtteile hätten durch das Gleisfeld eine über hundert Jahre dauernde "Trennung" erlitten, jetzt habe man die historisch Chance diese Stadtteile wieder zu "vereinen". Ich bat Herrn Herrn Schuster in meinem Kommentar, Beweise für die behauptete "Trennung" zu nennen und zu belegen, warum eine "Wiedervereinigung" notwendig geworden sei. Der Kommentar erschien nicht. Daraufhin bat ich – auch über den Onlinekommentar, die Redaktion, sich doch mal um diese Behauptung zu kümmern. Auch diesen Kommentar konnte ich nie lesen.

Herr Dorfs, unser Haushalt hat das StZ-Abo zum Jahresende gekündigt. Wir lesen jetzt eine überregionale Zeitung und freuen uns jeden Morgen über die Breite und Tiefe der Artikel, wir genießen ein weit gestreutes Feuilleton und täglich eine ganze Seite kluger und scharfsinniger Kommentare. Wir haben in fast einem viertel Jahr noch an keinem Tag bedauert, nicht mehr Deutschlands beste Regionalzeitung zu lesen. Mit dem Relaunch einher ging eine in unseren Augen unerträgliche Boulevardisierung (bunt, bunt, bunt). Schade um eine Zeitung, die mal von sich sagen konnte: "eben weil es die Zeitung ist".

01.03.2011 16:40

Jürgen D.

Die StZ ist nicht "zwischen die Fronten geraten". Sie hat sich sehr eindeutig Pro S21 positioniert und auf saubere journalistische Recherche weitgehend verzichtet. Bis heute. Es ist hier schon angesprochen worden. Dass durch Kündigungen von Abonnements ein gewisser wirtschaftlicher Zugzwang entstand, und auf einmal auch kritische Artikel veröffentlicht wurden, wird mühelos ausgeglichen durch die auffallende "Toleranz" der Online-Redaktion gegenüber Beleidigungen gegenüber S21-Kritikern, die den selbst aufgestellten Forenregeln der StZ widersprechen. Die StZ ist – leider – ein Tendenzblatt. Das ist auch der Grund, warum ich mein Abonnement nicht verlängert habe.

01.03.2011 15:59

Stefan Faiß

Sehr geehrter Herr Dorfs,
ich habe die StZ gekündigt, weil Ihre Redakteure stets die kritischen Seiten des Projekts beleuchten, die enormen Vorteile von S 21 und der Neubaustrecke für den Regional- und Fernverkehr sowie die städtbaulichen Entwicklungsmöglichkeiten für die Stadt Stuttgart ignorieren. Was bringt es, wenn sich die Redaktionsleitung vernünftigerweise hinter das Projekt stellt, die tagtäglich schreibenden Redakteure aber als Pressesprecher der Parkschützer agieren. Die StN und die Esslinger Zeitung sind hier ausgewogener. Mit freundlichen Grüßen Stefan Faiß

01.03.2011 15:51

Ron B.

Was hab ich mich als "Pro-ler" über die Artiekl von Braun und Müller aufgeregt. Habe sogar gedroht, in Ermangelung eines Abos, niemals eines abzuschließen (zumindest solang ich noch studiere)!

Ich sehe heute, mit ein bisschen Abstand und abgekühlten Kopf, wie leicht man sich doch fanatisieren lässt. Die StZ les ich online und oft auch gedruckt, weil sie bei allem (subjektiven) Ärger immer noch die Top Bezugsquelle für objektive Nachrichten ist. Und auch bleiben wird, solange man sich nicht von dieser oder jener Seite erpressen lässt.

Weiter so (auch Braun und co.)! -Schließlich gibt es nicht Schöneres, als sich über andere aufzuregen...

Rocdonzo

01.03.2011 15:43

Werner Schneider

Als Teilnehmer einer Veranstaltung im Verlagszentrum vernahm ich im Jahr 1998 vom damaligen Chefredakteur Uwe Vorkötter sinngemäß folgenden Satz: "Die Redaktionen der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten haben sich darauf geeinigt, dass sie 'für' Stuttgart 21 sind." Auf eine Nachfrage, wie das mit den Kommentaren gehandhabt würde, entgegnete er, dass man ja wisse, wen man da für ein entsprechendes Ergebnis beauftragen müsse. Schon damals habe ich mit dem Gedanken gespielt, mein Abo zu kündigen.

01.03.2011 14:53

Alfred Müller-Kattenstroth

Lieber Herr Dorfs,
wenn Sie nach Meinungsbildung einen Kommentar für angemessen halten, warum gab es den dann nicht, als bekannt wurde, dass angeblich Spitzel gegen S21-Gegner eingesetzt wurden oder noch werden!?

Und warum werden dann Hinweise hierauf in der Kommentarspalte solange nicht veröffentlicht, bis das Thema nicht mehr beachtet wird?

01.03.2011 14:28

Ralph G.

Ich habe wegen dem klaren Bekenntnis der StZ mein Abo vergangenes Jahr gekündigt. Allerdings habe ich es nicht schriftlich begründet. Die Anruferin der StZ die sich erkundigt war nicht Willens oder in der Lage, über die Einstellung der StZ zu S21 zu sprechen.

Auch habe ich vor drei Wochen ein sehr sachliches Schreiben an die Redaktion gerichtet. Darin ging es darum, dass seit Monaten die Anzahl der Demonstrierenden ein Politikum ist und die Zahlen von Polizei und Veranstalter inzwischen bei 1:3 liegen. Die StZ benennt in der Regel immer beide Zahlen. Als kürzlich dann aber ein Artikel erschien, der dieses Politikum thematisierte, war ich ob der journalistischen Leistung entsetzt: wie kann eine halbwegs renommierte Zeitung einfach nur schreiben "Es gibt unterschiedliche Zahlen, das ist komisch" und noch nicht einmal ansatzweise versuchen, selbst zu recherchieren (das war lange bevor die Polizei ein Luftbild veröffentlichte). Das finde ich in der Tat eine journalistische Pleite und eher einer winzigen Kleinstadtzeitung würdig.

Zu diesem Schreiben äußert sich die StZ nicht.

Ich habe nach mehr als 10 Jahren mein Abo gekündigt und lese nur noch die kostenlosen Artikel online und ich muss sagen, dass ich noch immer enttäuscht bin, auf welche Art des Journalismus sich die StZ begeben hat. Herr Dorfs Interview ist in dieser Hinsicht auch nicht sehr aussagekräftig. Dieses "zwischen den Stühlen" wäre ja prima, aber die StZ hat nicht die Größe es auszufüllen und hatte sich mit dem klaren Bekenntnis klar und deutlich auf eine Seite gestellt – mit zwischen den Stühlen hat das nichts zu tun.

01.03.2011 14:09

Helga Stellbauer

Guten Tag Herr Dorfs, ich gehöre auch zu den Menschen die Ihre Zeitung wegen der einseitigen Berichterstattung gekündigt haben. Ich habe ganz und gar nicht den Eindruck, dass Sie S 21 kritisch beleuchten haben. Als es auch bei ihnen ankam, dass der größte Teil der Bürger gegen dieses Projekt ist und es von Nachteil für ihr Geschäft war, haben Sie angefangen hin und wieder kritisch über das Projekt zu berichten. Mit freundlichen Grüßen, Helga Stellbauer

 
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