Detail-Informationen

Autor

Monika Lungmus

verfasst am

19.04.2012

im Heft

journalist 4/2012

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Auf dem DJV-Europatag in Brüssel sollen die Rahmenbedingungen für Journalisten im ehemaligen Jugoslawien zur Sprache kommen.

DJV-Europatag

"Korruption und Verbrechen"

Kommende Woche, am 24. April, veranstaltet der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in Brüssel einen Europatag. Der journalist sprach mit Michael Klehm, der die Veranstaltung als DJV-Referent organisiert.

Bild: Andreas Bittner

Michael Klehm: "Besonders schlimm sind Übergriffe auf Journalisten."

journalist: Das Thema des Europatags lautet "Qualitätsjournalismus im vergessenen Teil Europas". Worum geht es genau?

Michael Klehm: Wir haben uns zuletzt sehr stark mit Ungarn beschäftigt, weil dort ein umstrittenes Mediengesetz verabschiedet wurde. Weiter südlich sind die Rahmenbedingungen für Journalisten allerdings weitaus schwieriger – und das nicht erst seit gestern. Wir wollen deshalb die Aufmerksamkeit auf diesen Teil Europas lenken, der aus unserer Sicht in der Berichterstattung etwas zu kurz kommt.

In welchem Land des Balkans sieht die Situation besonders problematisch aus?

Es gibt zwar einige Unterschiede, aber im Prinzip kann man sagen: Probleme gibt es in allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens – also in Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro und Mazedonien. Wir wollen uns beim Europatag aber vor allem auf Serbien konzentrieren, wo im vergangenen Jahr die Europäische Journalisten-Föderation (EJF) tagte und bereits einige Probleme in der Medienbranche angesprochen wurden: Korruption, Verbrechen, Nichtverfolgung von Straftaten gegenüber Journalisten. Wir wollen da anknüpfen und das Thema nach Brüssel holen.

Wie sehen die Arbeitsbedingungen für serbische Journalisten konkret aus?

Das Durchschnittseinkommen von Journalisten liegt schätzungsweise bei 400 Euro. Die Preise sind aber durchaus mit denen im Westen vergleichbar. Und es passiert auch, dass Journalisten ihr Gehalt gar nicht ausbezahlt bekommen. Das ist natürlich keine gute Voraussetzung für Qualitätsjournalismus. Es gibt im Medienbereich auch sehr undurchsichtige Strukturen: Man weiß oft nicht, wer eigentlich der Eigentümer ist. Besonders schlimm sind aber die Übergriffe auf Journalisten. Journalisten, die investigativ arbeiten, leben in Serbien, aber auch in anderen südeuropäischen Ländern, sehr gefährlich. Wenn ein Reporter in ein Wespennest sticht, dann kann es schon mal sein, dass er zusammengeschlagen oder sein Auto in die Luft gesprengt wird.

Was kann die EU tun, um die Bedingungen auf dem Balkan zu verbessern?

Aus unserer Sicht müsste man das Thema Meinungs- und Pressefreiheit stärker in den Verhandlungen mit den Beitrittskandidaten – etwa Serbien – gewichten.

Inwieweit sehen sich der DJV und die EJF gefordert?

Wir versuchen, beim Aufbau vernünftiger Gewerkschaftsstrukturen Hilfestellung zu geben.

An wen wendet sich der Europatag? Kommt nur ein geladener Kreis?

Die Veranstaltung richtet sich an Politiker in Brüssel und an interessierte Journalisten. Es gibt zwar einen Einladungsverteiler, aber im Prinzip ist die Veranstaltung offen. Wer Interesse hat, meldet sich am besten bei mir: kle(at)djv.de.

 

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