Detail-Informationen

Autor

Henning Hoff

verfasst am

29.07.2011

im Heft

journalist 8/2011

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Am 10. Juli erschien News of the World zum letzten Mal.

News of the World

"Gut, dass jetzt alles herauskommt"

Neil Ashton hat als Fußball-Chefkorrespondent bei News of the World gearbeitet. Nach dem Abhörskandal verloren er und 200 weitere Mitarbeiter ihren Job.

Neil Ashton

journalist: Wann haben Sie erfahren, dass Ihre Zeitung eingestellt wird?

Neil Ashton: Am 7. Juli 2011 um 16.50 Uhr. Ich war unterwegs, mein Sportchef rief zurück. Ich hatte bereits den ganzen Nachmittag vergeblich versucht, ihn zu erreichen – was sehr ungewöhnlich war. Er sagte: "Heute ist der schlimmste Tag meiner Karriere, das Blatt macht zu." Bald danach kam dann die E-Mail von James Murdoch.

Wie hat die Redaktion reagiert?

Normalerweise verbringe ich die Samstage in Fußballstadien oder bei anderen Sportveranstaltungen. An diesem Samstag – dem letzten Produktionstag der Zeitung – war ich ausnahmsweise im Newsroom. Es ging sehr professionell zu, obwohl die Belegschaft ja eine Menge mitgemacht hatte, schon seit Anfang des Jahres, als die ganze "phone-hacking"-Affäre langsam wieder hochgekommen war. Es herrschte eine gewisse aufsässige, kämpferische Stimmung, und es wurde hier und dort emotional.

Was meinen Sie mit "mitgemacht"?

Am Ende war es ziemlich schwierig, seiner Arbeit nachzugehen. Bei jedem Anruf machten die Gesprächspartner Witze, ob denn das Telefon schon gehackt sei oder ob man das Gespräch heimlich mitschneide.

Wie wirkte sich das auf Sie aus?

Ich bin schon seit einiger Zeit desillusioniert und enttäuscht. Ich bin mit News of the World aufgewachsen, habe die Fußball- und Sportseiten schon als Jugendlicher fast religiös jeden Sonntag verschlungen. Seit einigen Monaten war mir klar, dass es für die Zeitung sehr schwer werden würde, das Vertrauen ihrer Leser und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen – wenngleich es aus meiner Sicht nicht unmöglich gewesen wäre.

Jetzt sind Sie wie alle rund 200 Mitarbeiter auf "gardening leave", wie man in England sagt, bezahltem Urlaub zum Unkrautjäten.

Wir erhalten für die kommenden drei Monate unser Gehalt weiter. In der Zeit wird dann mit der Personalabteilung über eine Trennung samt entsprechender Abfindungszahlungen oder eine Weiterbeschäftigung anderswo verhandelt.

Die Rede ist von einer Sun on Sunday.

Aber News of the World war schon etwas sehr Spezielles. Die meisten, die dort arbeiteten, wollten das auch. Und man kann aus ihnen nicht einfach etwas anderes machen, Financial-Times- oder Guardian-Journalisten zum Beispiel.

Wie geht es für Sie weiter?

Ich fühle mich ein bisschen wie ein Fußballtrainer, der mal eben ohne Job ist. Ich warte darauf, dass das Telefon klingelt, denn ich muss arbeiten, ich brauche den Nervenkitzel. Unsere Branche hat jetzt die große Chance zum Neuanfang. Was bei News of the World passiert ist, war im höchsten Maße unethisch, tragisch und hätte nie passieren dürfen. Es ist gut, dass jetzt alles herauskommt. Wir als Medien müssen jetzt gründlich aufräumen.

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