In eigener Sache

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Autor

Jan Freitag

verfasst am

04.02.2014

Am 21. Dezember 2013 kam es in Hamburg zu Ausschreitungen mit zahlreichen Verletzten. Hat die Mopo wirklich nur die Sichtweise der Polizei verbreitet? (Bild: imago/M. Golejewski)

Offener Brief

"Bitte kehren Sie um, aber tun Sie es ohne mich ..."

journalist-Autor Jan Freitag kehrt der Hamburger Morgenpost den Rücken. In einem offenen Brief wirft er Chefredakteur Frank Niggemeier Kampagnenjournalismus vor – und zieht Konsequenzen: "Trotz der wirtschaftlichen Situation eines Freiberuflers, der in der anhaltenden Zeitungskrise jeden Auftraggeber bitter nötig hat, werde ich nie wieder für die Morgenpost schreiben." journalist ONLINE dokumentiert den Brief – und die Antwort des Chefredakteurs.

Sehr geehrter Herr Niggemeier, lieber Kollege, werter Auftraggeber,

ich schreibe Ihnen als ehemaliger Praktikant, zwischenzeitlicher Pauschalist und aktuell freier Autor der Hamburger Morgenpost. Zurzeit arbeite ich zwar nur sporadisch für Ihre Zeitung, im Schnitt um die zehnmal pro Jahr, tue es im Verlauf meiner journalistischen Laufbahn aber doch stetig und wahrnehmbar. Jetzt aber muss ich diese Zusammenarbeit beenden, und dabei ist es mit einer simplen Kündigung nicht getan; es bedarf eines offenen Briefes, der zunächst Ihnen, nach Abwarten einer Antwort aber auch Pressestellen, Berufsverbänden und Medienredaktionen zugeht.

Die Hamburger Morgenpost hat mich als Leser ebenso wie als Schreiber sozialisiert, seit ich Zeitungen lese. Schon im Elternhaus gehörte sie zur Standardlektüre, auch nach dem Auszug, während des Studiums, an anderen Wohnorten bin ich ihr treu geblieben und nach Beginn des Online-Zeitalters auf Reisen bis hin nach Kuba. In dieser Zeit habe ich sie stets gesucht, oft verflucht, aber nie ganz verlassen. Doch jetzt ist diese Zeitung nicht mehr meine Zeitung, weil sie keine Zeitung mehr ist, sondern ein populistisches Kampfblatt. Das macht mich traurig, es macht mich aber vor allem wütend.

Als diverse soziale Initiativen für den 21. Dezember 2013 zu einer Demonstration gegen die örtliche Flüchtlings-, Sozial- und Stadtplanungspolitik am Beispiel von Lampedusa, den Esso-Häusern oder der Roten Flora aufgerufen hatten, hat die Mopo, wie auch ich Ihr Blatt bislang fast liebevoll genannt habe, von Beginn an sämtliche Prinzipien journalistischer Berichterstattung ignoriert, wenn nicht verraten und somit eine Form des Kampagnenjournalismus formuliert, der selbst auf dem Boulevard beispiellos ist.

Bereits im Vorfeld wurde diese Demonstration nicht nur kompromisslos kriminalisiert; unter Ausmalung unausweichlicher Gefahren für Leib und Leben rieten diverse Artikel bis hin zur Titelgeschichte förmlich von der Wahrnehmung dieses demokratischen Grundrechts ab. Als sie dann wie von der Morgenpost insinuiert, man ist geneigt zu vermuten: wie gewünscht eskalierte, hat Ihre Zeitung die Einseitigkeit in einer Weise verschärft, die jedem Ethos unseres gemeinsamen Berufes Hohn spricht.

Ausnahmslos wurde dabei die Sichtweise von Polizei und Senat verbreitet. Zahllose Artikel zum Thema suchten die Alleinschuld jeglicher Gewalt bei den Demonstrierenden, die Ihrer Diktion gemäß durchweg "Chaoten", "Randalierer" oder "Autonome" waren. Verletzte, Opfer, Rechtschaffenheit gab es aus Redaktionsperspektive über Tage hinweg einzig auf Seiten der Ordnungskräfte, die sich demgemäß keinerlei Verfehlungen schuldig gemacht hatten. Quellen dieser Inhalte waren bis auf die persönliche Wahrnehmung Ihrer Reporterinnen und Reporter vornehmlich behördliche und SPD-Verlautbarungen. Als andere Medien einen Polizeisprecher mit dem Eingeständnis, mehrere Falschmeldungen bei einem bislang unbelegten Angriff angeblicher Ultras des FC St. Pauli auf eine Polizeiwache – den die Morgenpost nie infrage gestellt hat – zitierten, ging die Morgenpost dieser Frage nicht nach. Stattdessen durfte die Mutter zweier Kinder auf dem Deckblatt unhinterfragt einen Mordversuch seitens der Demonstrierenden formulieren, wozu Sie das ehernste Prinzip des Journalismus gebeugt haben: beide Seiten zu hören. Die ersten ansatzweise einsatzkritischen Zeilen zu den Vorkommnissen erschienen nach Tagen im Grundton des Zweifels an der Kritik und denen, die sie äußern.

Die Morgenpost hat also keinen Journalismus betrieben, sondern Regierungsverlautbarung. Sie hat nicht berichtet, informiert und analysiert, sondern gemutmaßt, polemisiert und, wäre dieser Begriff pressehistorisch nicht so verunreinigt, müsste man sagen: gehetzt. In einer unseligen Vermengung von Meinung und Nachricht wurde die Suche nach der Wahrheit bis hin zur bewussten Fehlinformation missachtet und somit alles, was mir als Journalist lieb und teuer ist – Handwerk, Moral, Ausgewogenheit und Objektivität – so vorsätzlich mit Füßen getreten, dass ich mich nicht nur schäme, je für die Morgenpost tätig gewesen zu sein; nein – ich schäme mich, den gleichen Beruf zu haben wie jene Kolleginnen und Kollegen, die ihr journalistisches Gewissen für die nächstbeste Kampagne opfern. In vergleichbarer Weise verfährt Ihr Blatt regelmäßig – wenn es um "Radrüpel" geht, Fußballfans oder die Drogenpolitik. Nie zuvor jedoch hat die Morgenpost mutwilliger Politik statt Journalismus betrieben als rund um den 21. Dezember.

Trotz der wirtschaftlichen Situation eines Freiberuflers wie mir, der in der anhaltenden Zeitungskrise jeden Auftraggeber bitter nötig hat, werde ich daher nie wieder für die Morgenpost schreiben, schreiben können. Das bin ich mir, meiner Würde, diesem wundervollen Beruf schuldig, das bin ich allerdings auch jenen Menschen schuldig, denen als Autor Ihrer Zeitung in die Augen zu blicken zusehends schmerzhaft wird. Und das sind eine Menge, mehr als Ihnen lieb sein dürfte, ja selbst in Ihrer eigenen Redaktion schämen sich nicht wenige für das, wofür ihr Arbeitgeber steht, wie mir persönlich versichert wurde. Ich wünsche Ihnen also ohne mein Zutun, sehr geehrter Herr Niggemeier, lieber Kollege und werter Auftraggeber, dass Sie und Ihr Team vorurteilsfrei zurückblicken, kurz innehalten und in sich gehen, ob das der Beruf ist, den Sie erlernt haben, den Sie vermutlich so lieben wie ich, den auch Sie einmal im Gefühl gesellschaftlicher Verantwortung ausüben wollten.

Ihre Zeitung war mal ein liberales Qualitätsblatt, es hat große Zeiten erlebt und schwere, große Journalisten herausgebracht und gewöhnliche. Mit dem derzeitigen Kurs setzen Sie dies alles nicht bloß aufs Spiel – Sie negieren es geradezu, verleumden seine Vergangenheit und damit sich selbst. Mit Ihrem Kurs schädigen Sie somit die gesamte Branche und machen sich mitschuldig am Niedergang des gedruckten Wortes.

Bitte kehren Sie um, lieber Herr Niggemeier, aber tun Sie es ohne mich. Ich freue mich auf eine Antwort, aber sie wird an meinem Entschluss nichts ändern. Das mag Ihnen gleichgültig sein, für mich ist es substanziell, um diesem Beruf weiterhin nachgehen zu können.

Mit hoffnungsvollen Grüßen,

Jan Freitag

 

Die Antwort von Frank Niggemeier auf diesen Brief lesen Sie unten in den Kommentaren.

Der Autor

Jan Freitag arbeitet als freier Journalist in Hamburg – seit drei Jahren schreibt er regelmäßig für den journalist. Hier geht es zu seinem Blog.

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In der Februar-Ausgabe beschäftigt sich journalist-Autor René Martens ausführlich mit der Berichterstattung rund um die Rote Flora. Er geht der Frage nach, ob Journalisten etablierter Medien der Polizei zu viel Vertrauen entgegen bringen. Für ihn steht fest: Einige Nischenpublikationen haben besser recherchiert.

Aktuelle Kommentare zu diesem Text

04.02.2014 13:25

Frank Niggemeier, Chefredakteur Hamburger Morgenpost


Sehr geehrter Herr Freitag,

zunächst einmal vielen Dank für Ihr ausführliches Schreiben. Wir freuen uns immer, wenn Leser sich so intensiv mit der MOPO auseinandersetzen.

Was Inhalt und Duktus Ihrer Ausführungen angeht, kann ich Ihnen allerdings nicht einmal ansatzweise folgen. Ihre ebenso emotional wie pathetisch vorgetragenen Vorwürfe sind in weiten Teilen Unterstellungen und Behauptungen. Daraus ergibt sich ein extrem selektives und grotesk verzerrtes Bild von der Berichterstattung der MOPO, das ich so nicht gelten und stehen lassen kann.

Um die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu bringen, habe ich im Folgenden einmal die Fakten zusammengetragen.

Das stand wirklich in der MOPO:

Am 14.12. berichtet die MOPO (in einem Beistück zu dem Bericht über den Angriff auf die Wache Lerchenstraße) erstmals über die "Angst vor der Rote-Flora-Demo": Darin werden die Themen der Demonstration, die europaweite Mobilisierung der Autonomen sowie deren Ankündigung für "Proteste und politische Intervention vor und nach der Demo und am Rande der Demo" thematisiert, aber auch die deutschlandweite Mobilisierung von Einsatzkräften der Polizei, die mit heftigen Krawallen rechnet.

Am 18.12. berichtet die MOPO über die jetzt offizielle Prognose der Polizei von 6.000 Demonstranten, darunter 3.000 gewaltbereite. Die drei angekündigten Demonstrationen bzw. Versammlungen werden erklärt, dazu die Ziele der Autonomen (mit Kleingruppen in die Innenstadt einsickern und das Weihnachtsshopping stören) sowie der Polizei (Innenstadt durch massive Präsenz abschirmen), aber auch die Sorgen der Geschäftsleute in der Innenstadt.

Am 19.12. berichtet die MOPO über die Forderung der CDU, die größte Demonstration zu verbieten, und erklärt, unter welchen Bedingungen eine Demonstration verboten werden kann.

Am 21.12. berichtet die MOPO auf zwei Seiten über den bis dato beispiellosen Angriff auf die Davidwache und wirft die Frage auf, ob dies ein Vorspiel für die Demo am gleichen Tag war. Auf zwei weiteren Seiten erklärt die MOPO das erste großflächige Gefahrengebiet in der Innenstadt und die Begründung der Polizei für dessen Einrichtung.

Ihren Vorwurf, wir hätten "sämtliche Prinzipien journalistischer Berichterstattung" ignoriert, wenn nicht "verraten" und Kampagnenjournalismus beziehungsweise Hetze betrieben, die selbst auf dem Boulevard beispiellos sei, können wir aufgrund der Vorberichterstattung über die Demonstration am 21.12. beim besten Willen nicht nachvollziehen. Weder wurde die Demonstration "bereits im Vorfeld kompromisslos kriminalisiert" noch "rieten diverse Artikel unter Ausmalung unausweichlicher Gefahren für Leib und Leben bis hin zur Titelgeschichte förmlich von der Wahrnehmung dieses demokratischen Grundrechts ab". Welche Titelgeschichte meinen Sie damit? Es gab im Vorfeld keine Titelgeschichte/Schlagzeile über die Demonstration.

Am 22.12. berichtet die MOPO über "Die Schlacht in der Schanze". In weiten Teilen geht es zunächst um eine Bilanzierung der Verwüstungen, die es in dieser Form lange nicht mehr gegeben hatte. Allerdings werden bereits in dieser Ausgabe die Vorwürfe vonseiten der Roten Flora thematisiert, dass die Polizei zuerst Gewalt angewandt habe. Auch der Streit um den Stopp der Demonstration durch die Polizei wird hier zudem erstmals in einer deutschen Zeitung thematisiert.

Am 23.12. wird auf vier Seiten über die Demonstration berichtet. Auf den ersten zwei Seiten erscheint ein Protokoll der Ereignisse. Als einzige Hamburger Zeitung neben der "taz" vermeldet die MOPO die geschätzte Zahl der 500 verletzten Demonstranten. Auf den Seiten 4/5 werden zudem die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Geschehnisse dokumentiert. Unter der Überschrift "Es war nur stumpfe Gewalt" berichten Polizisten von ihren Erlebnissen während des Einsatzes. In gleicher Größe werden auf der Gegenseite die kritischen Stimmen (Überschrift: "Rote Flora gibt Polizei die Schuld") gegengeschnitten. Hier wird die hohe Anzahl an verletzten Demonstranten thematisiert, die Vorwürfe von Anwälten, die eingekesselt wurden, sowie die Kritik der Rotfloristen an der Gewalt der Polizei und schließlich die Vermutung, dass die Eskalation politisch gewünscht gewesen sei.

Ihre Kritik, wir hätten "ausnahmslos die Sichtweise von Polizei und Senat verbreitet", ist schlichtweg falsch. Weiterhin kritisieren Sie: "Zahllose Artikel zum Thema suchen die Alleinschuld jeglicher Gewalt bei den Demonstrierenden, die Ihrer Diktion gemäß durchweg Chaoten, Randalierer oder Autonome waren. Verletzte, Opfer, Rechtschaffenheit gab es aus Redaktionsperspektive über Tage hinweg einzig aufseiten der Ordnungskräfte, die sich demgemäß keinerlei Verfehlungen schuldig gemacht hatten. Quellen dieser Inhalte waren bis auf die persönliche Wahrnehmung Ihrer Reporterinnen und Reporter vornehmlich behördliche und SPD-Verlautbarungen." Wie Sie darauf angesichts unserer tatsächlichen Berichterstattung kommen, ist rätselhaft. Im übrigen hat die Morgenpost den Begriff "Chaoten" in diesem Kontext kein einziges Mal verwendet. Da verwechseln Sie uns wohl mit der "Bild"-Zeitung.

Am 24.12. berichtet die MOPO in der Tat über eine Familie, die von Randalierern attackiert wurde. Von einem "Mordversuch seitens der Demonstrierenden", wie Sie schreiben, ist dort nirgendwo die Rede. Wie kommen Sie darauf? Und zu Ihrer erneuten Kritik, wir würden nicht beide Seiten hören: Auf der gleichen Doppelseite erscheint ein Artikel ("Der neue Streit über die Rote Flora"), in dem dem Anwalt der Roten Flora, Andreas Beuth, ausführlich Raum für seine erneuten Vorwürfe eingeräumt wird, dass die Gewalt von der Polizei ausgegangen sei.

Am 28.12. berichten wir über drei Attacken auf Villen an der Elbchaussee, die erst durch ein Bekennerschreiben öffentlich wurden, und hinterfragen, warum die Polizei nicht von sich aus darüber informiert hat.

Am 30.12. berichtet die MOPO über den zweiten Angriff auf die Davidwache. Als einziges Medium in Deutschland erwähnen wir bereits hier, dass der schwer verletzte Polizist nicht vor der Davidwache, sondern 150 Meter weiter angegriffen wurde – wie auch die Polizei einige Tage später bestätigt. Ihre Kritik, wir seien der "Falschmeldung" der Polizei nicht nachgegangen, ist falsch.

Am 2.1. berichtet die MOPO über die große Solidarität der Hamburger mit der Davidwache.

Am 3.1. berichtet die MOPO erneut über den Angriff auf die Villen an der Elbchaussee. Architekt Meinhard von Gerkan, dessen Räume auch attackiert wurden, widerspricht im Interview den im Bekennerschreiben erhobenen Vorwürfen gegen ihn.

Am 5.1. berichtet die MOPO über die Einrichtung des Gefahrengebiets, erklärt die Folgen für die Anwohner und lässt Kritiker zu Wort kommen.

Am 6.1. erscheint auf einer Doppelseite ein umfangreiches Streitgespräch, in dem Antje Möller (Grüne) mit dem Polizeigewerkschafter Joachim Lenders äußerst kontrovers über das Gefahrengebiet diskutiert. Am gleichen Tag erscheint eine kritische Reportage über das Gefahrengebiet ("Kontrollen sind entwürdigend"). Zudem erscheint ein Artikel ("Rechtsanwalt greift Polizei scharf an") über die Vorwürfe von Andreas Beuth, es habe gar keinen zweiten Angriff auf die Davidwache gegeben.

Am 7. 1. gibt die MOPO den schweren Anschuldigungen des Anwalts Beuth gegen die Polizei in Sachen "Angriff auf die Davidwache" erneut großen Raum ("Die Polizei lügt"). Das Thema ist auch Schlagzeile: "Schlammschlacht um die Davidwache. Rote-Flora-Anwalt behauptet: Es gab gar keinen Angriff auf das Revier". Die meisten Hamburger Medien ziehen erst Tage später nach.

In den weiteren Tagen berichten wir kritische über das Gefahrengebiet ("Blamage mit dem Gefahrengebiet"), kritisieren den SPD-Senat in diesem Zusammenhang, erklären den immer noch nachwirkenden Einfluss von Ronald Schill auf die SPD und die Hamburger Politik und fordern in einem Kommentar die Abschaffung des Gefahrengebiets. Wir decken auf, dass die Polizei, wenn sie von Sprengstofffunden bei den Kontrollen spricht, sogenannte Polenböller meint und gehen dem Streit um den zweiten Angriff auf die Davidwache weiter nach, berichten groß über eine PK der Roten Flora ("Die Opferrolle der Polizei ist unerträglich"). Zudem berichten wir ausführlich auf mehreren Doppelseiten über die friedlichen Demonstrationen gegen das Gefahrengebiet und die große Demonstration am 18.12.

Ihr Vorwurf, "die Morgenpost hat also keinen Journalismus betrieben, sondern Regierungsverlautbarung", ist unzutreffend. Richtig ist das Gegenteil. Die MOPO hat als einzige größere Zeitung in Hamburg beide Seiten des Konflikts ausführlich und wiederholt zu Wort kommen lassen. Die von Ihnen weiter erhobenen schweren Vorwürfe ("bewusste Fehlinformation" etc.) weisen wir als haltlose und bösartige Unterstellung entschieden zurück. Ich bin mir sicher: Hätten Sie alle Ausgaben der Hamburger Morgenpost zu dem Thema gelesen, wären Sie nicht zu diesen abseitigen Schlussfolgerungen gelangt.

Im Übrigen betrachten die Verantwortlichen der Hamburger Polizei die Berichterstattung der MOPO mindestens ebenso kritisch wie Sie. Nur hält man uns von dieser Seite vor, wir hätten viel zu sehr im Sinne der Demonstranten und linken Aktivisten berichtet. Der Vorwurf der Parteilichkeit wird also von beiden Seiten gegen uns erhoben. Ich betrachte das als Indiz dafür, dass wir mit unserer Berichterstattung so verkehrt nicht gelegen haben können.

Mit ziemlich verwunderten Grüßen,

Frank Niggemeier, Chefredakteur Hamburger Morgenpost

04.02.2014 13:30

Jan Freitag


Sehr geehrter Herr Niggemeier,

es wundert mich nicht, dass Sie sich über meinen Brief wundern. Aber um es mal mit Bernd Begemann auszudrücken, einem der vielen klugen Menschen in Hamburg, die Ihr Blatt vermutlich längst meiden wie ein Bild-Leser die taz: Ich bin gekommen, um zu kündigen; da ist es verwunderlicher, dass Sie mich eingangs Ihrer Antwort als "Leser" bezeichnen, obwohl ich mich eingangs meines Briefes zuvor unmissverständlich als "Autor" vorgestellt habe. Aber sei’s drum.

Ihre Replik ist in einigen Punkten stichhaltig, etwa was die Vorberichterstattung zur Demonstration betrifft, die ich versehentlich auf den Titel verlegt habe. Auch die zeitnahe Vermeldung der Verletzten unter den Demonstrierenden räume ich ebenso ein wie die Vermeidung des unterstellten Begriffs "Chaoten". Das habe ich offenbar selber insinuiert und entschuldige mich auch dafür.

Womit wir beim Thema wären. Ihnen scheint es unmöglich, "Schuld" im Sinne dessen, was nicht nur ich der Morgenpost vorwerfe, auch nur gedanklich einzuräumen. Mein Brief basiert ja nicht auf Textexegese; ich habe weder alte Ausgaben archiviert noch nachträglich bestellt und die des Frühjahrs nicht mehr gelesen, da ich – wie viele in und außerhalb meines Viertels – diese Zeitung von der Lektüre- und Angebotsliste gestrichen habe. Wenn Sie sich an meinen journalist-Artikel zur "Tessa"-Kampagne erinnern, bin ich zwar durchaus zur Recherche in Zusammenhang mit Ihrer Zeitung in der Lage, aber darum ging es in diesem Fall nicht.

All die Fakten vermeintlich objektiver Berichterstattung, die Sie in Ihrer detaillierten Antwort auflisten, wurden nämlich so explizit im Tonfall der Verurteilung der Protestseite bei gleichzeitiger Exkulpation von Polizei und Politik geäußert, dass nie ein Zweifel daran aufkommen konnte, wer die Guten seien und wer die Bösen. Offizielle Angaben erfolgten stets im Indikativ der Vertrauenswürdigkeit, inoffizielle tendenziell im Konjunktiv des Ideologievorbehalts. Während der linke Anwalt Beuth in dieser Diktion als Sonderling wegkam, kam Innensenator Neumann in den Genuss eines Gefälligkeitsinterviews. Unliebsame Hintergründe wie die Ursachen des Protestes gegen Gentrifizierung, Elitenpolitik und Obrigkeitsstaatlichkeit wurden bestenfalls in Nebensätze verschoben, bisweilen ausgespart, deren rechtswidrige Folgen bis hin zur inakzeptablen Gewalt dagegen dominierten den Duktus bis hin zur Tatsachenverfälschung. Und die Morgenpost muss ihre Parteilichkeit ja auch gar nicht explizit zum Ausdruck bringen, wenn sie einen CDU-Politiker vor der Roten Flora in Szene setzt, der dort unwidersprochen ihre Schließung fordert; ein vergleichbares Plädoyer für deren Erhalt habe ich nirgends entdecken können.

Würde ich Ihr Blatt zwischen letztem Adventswochenende und erster Neujahrswoche genauer studieren, stieße ich sicher auf weitere Praktiken dieser Art. Doch um mit Ihnen eine echte Unterhaltung zu führen, mangelt es mir bei Ihrer Zeitung an den zwei letzten Silben des Wortes: Haltung. Von der hat sich die Morgenpost verabschiedet. Es geht ihr wie auf dem brachialen Boulevard üblich, um die Befriedigung der Bedürfnisse einer Konsumentenschicht, die als maßgeblich fürs wirtschaftliche Überleben einer Zeitung angesehen wird. Offenbar hat Sie sich nach ihrer links-liberalen Historie nun für eine bürgerlich-konservative Klientel entschieden, die mit Begriffen wie Sicherheit und Ordnung zu gewinnen ist. Bildungsaffine, alternative, akademische, prekäre, politisch aktive Lebenswelten, die lange Zeit von der Morgenpost journalistisch versorgt wurden, wenden sich dagegen von ihr ab. Vielleicht kompensieren Sie das fortan in anderen Schichten, aber in moderneren, jungen, aufgeschlossenen, analytischen, anspruchsvollen ist die Morgenpost zusehends tabu.

Dass mich diese Entwicklung meines Alltagsmediums und Auftraggebers von einst traurig, ja wütend macht, hatte ich Ihnen bereits geschrieben. Dass es mich in Folge Ihrer Antwort zunehmend gleichgültig stimmt, noch nicht.

Mit freundlichen Grüßen,
Jan Freitag

04.02.2014 15:19

Ralf Cabel

@Frank Niggemeier "Wir freuen uns immer, wenn Leser sich so intensiv mit der MOPO auseinandersetzen."
Zynisch, Herr Niggemeier, sehr zynisch. Und wenig wertschätzend.

04.02.2014 17:03

Martin Gruber

Auch ich fand die Berichterstattung der MOPO zu der Demo und dem Gefahrengebiet extrem dumpf und propagandistisch. Aber das ist nur ein Höhepunkt der Entwicklung dieser Zeitung. Den sexualisierenden und sexistischen Grundton vieler Artikel finde ich seit Jahren unerträglich.

04.02.2014 17:05

Marion Meier

Lieber Herr Freitag,

ich danke Ihnen für Ihren offenen Brief. Ich bin jahrzehntelang Mopo-Leserin gewesen. Spätestens mit der Berichterstattung zum 21.12., bin ich es nicht mehr. Ich schäme mich für jede einzelne Ausgabe, die ich einmal von dieser Zeitung gekauft habe. Und ich werde diese Zeitung wirklich nie wieder auch nur mit einem Cent unterstützen. Ich hatte eigentlich vor, meinen Missmut und meine Ohnmacht in einem Leserbrief auszudrücken. Aber ich bin mir einfach zu sicher, dass es Herrn Niggemeier vollkommen egal ist, was ehemalige Leser von seiner Art "Journalismus" halten. Seine Reaktion auf Ihre Kündigung beweist das ja auch sehr offensichtlich.

Ihr Brief berührt mich auch deshalb, weil er belegt, dass es in der Redaktion der Mopo mitnichten jedem egal ist, ob man nun journalistisch arbeitet oder mehr und mehr das Sprachrohr populistischer Politik ist. Das gibt ein kleines bisschen Hoffnung. Ich hoffe, dass es noch Einige gibt, die Ihrem Beispiel folgen werden.

Herrn Niggemeier kann ich nur eines sagen: Sie haben den Ruf der Mopo zumindest in meinem Umfeld komplett ruiniert. Es ist auch eine Verhöhnung Ihrer (ehemaligen) Leser, wenn Sie glauben, dass wir nicht merken, woher der Wind weht. Aber bestimmt gibt es ein paar BILD-Zeitungs-Leser, die das schöne handliche Format Ihrer Zeitung gerne ausprobieren. Gehen Sie doch noch ein bisschen im Preis runter, mit billig kennen Sie sich doch mittlerweile bestens aus.

Viele Grüße
M. Meier

04.02.2014 17:33

Christoph Marktredwitz

Natürlich muss Herr Niggemeier sich jetzt süffisant geben. Getroffene Hunde. Es ist schlecht vorstellbar, dass er stolz auf sein Produkt ist, insbesondere nach der Berichterstattung der letzten Monate. Man fühlte sich auf St. Pauli von den Medien geradezu im Stich gelassen. Das gilt vor allem für die Zeit der "Gefahrengebiete". Teilweise wurde damals über nächtliche Krawalle, inklusive lautstarker Solidarisierung der eher politikfernen Anwohner, aufruhrartige Szenen, die unter anderen Umständen für die Titelseite gereicht hätten, überhaupt nicht berichtet.

Ich habe zu einem solchen Vorgang den zuständigen Redakteur bei der "Mopo" gesprochen. Er sagte mir, man hätte ja schon über "Kritik" am Gefahrengebiet berichtet und könne das "ja nicht jeden Tag machen". In den meisten Fällen war die einzige Quelle, auf die man nach solchen Ereignissen Bezug nahm, eine Polizeipressestelle ("alles ruhig"), die eine Falschmeldung nach der andern produziert hat, um sie dann auf öffentliche Kritik hin wieder zurückzuziehen.

Wir hatten also die Situation, dass die Polizei auf verfassungsrechtlich ausgesprochen zweifelhafter Grundlage in den Nächten nach Herzenslust schalten und walten konnte, weitgehend unbeobachtet von einer Lokalpresse, die am nächsten Morgen einfach die Polizeimeldungen umformuliert hat. Weder bei der "Mopo", noch beim "Abendblatt" scheint man sich mit der Frage auseinandergesetzt zu haben, wie eigentlich diese Polizeipressestelle an eine so imposante Vielzahl von Falschmeldungen kommt und ob sie noch als seriöse Quelle gelten kann.

04.02.2014 17:35

Georg von Grote

Mich wundert ja, dass Frank Niggemeier überhaupt öffentlich Stellung genommen hat und dazu derart ausführlich. Man könnte ja fast vermuten, der Stachel sitzt tief.

Die Mühe, die einzelnen Artikel aufzulisten, in denen über die Vorgänge berichtet wurde, hätte man sich sparen können. Wir haben, da wir mit unserer facebook-Seite "Buntes Hamburg" die Vorfälle seit Dezember 2013 kritisch begleitet haben, natürlich auch die einschlägigen Hamburger Medien beobachtet - so viele sind es ja nicht. Die Berichterstattung der Mopo war definitiv nicht zu gebrauchen. Nicht nur, weil der Informationgehalt mehr oder weniger gleich Null war, auch weil der Duktus der Artikel jegliche Objektivität vermissen ließ.

Man wird es natürlich nicht machen, sollte es aber dringend tun, nämlich sich in den einschlägigen Ressorts bis hin zur Chefetage fragen, inwieweit man selbst mit dieser Form krawalliger und auch politisch einseitiger Berichterstattung die Situation in Hamburg noch mehr angeheizt hat, als es hätte sein müssen.
Ich kann Jan Freitag sehr gut verstehen. Irgendwann gelangt man als Journalist an den Punkt, an dem man sich die Frage stellt, ob man sich und seine Überzeugungen, seine Ethik verkaufen will, oder nicht. Viele nehmen das Geld, wenn auch oft mit Bauchschmerzen, die wenigsten bleiben sich treu.

Die derzeit so derart hochgespielte Medienkrise ist in erster LInie eine Krise des Journalismus, der seine Unabhängigkeit auf dem Markt der Eitelkeiten wohlfeil an jeden ersten Besten verhökert.

Georg von Grote
http://www.facebook.com/bunteshamburg

04.02.2014 17:39

H. Wu

Ein großer Wurf, diese Kündigung. Mutig und ehrlich. Die Antwort von Herrn Niggemeier ist vom Tenor her ziemlich pampig - was soll man auch anderes erwarten.

04.02.2014 18:19

Philine Vollherbst

Werter Herr Niggemeier,

auch mir ist die Berichterstattung bezüglich der letzten Proteste Ihrer Zeitung unangenehm aufgestoßen. Als interessierter Leser habe ich selbstverständlich meinen Unmut darüber in Form von Leserbriefen kund getan. Darauf war die Reaktion, 1:1 dieselbe wie die Ihre, an Herrn Freitag.

Ich finde es sehr bedauerlich, dass Ihr Blatt sich im Gegenzug so wenig mit dem Empfinden der Leser auseinandersetzt und eine jegliche Kritik von sich weist, anstatt sich mit dieser auseinander zusetzen und zu analysieren, wie es zu diesem Unmut kommen konnte.

Vielleicht werden sie ein paar hundert Leser weniger nicht stören, aber der Glaubwürdigkeit ihres Blattes haben die vergangenen Berichterstattungen unwiderruflich geschadet. Schade, aber Ihre Reaktion hat mir deutlich gezeigt, dass meine Entscheidung der Mopo der Rücken zuzukehren, die einzig richtige war.

04.02.2014 18:43

Kex Tia

Hochnäsige, zynische, verachtende Antwort vom Niggemeyer.

Das Schundblatt ist es nicht wert, sich auch nur den Allerwertesten damit abzuwischen.

Keinen Cent sollte man für diese populistische Hetze investieren.

Leider lassen sich die Menschen gerne alles vorkauen, und selber denken ist anstrengend.

04.02.2014 18:49

Kai Jordan

Vielen Dank für diesen richtigen und wichtigen Brief!

Alleine das ebenso hetzende wie manipulierte Titelblatt vom 09. Januar, das in reißerischer Manier ein Foto von einem Spiel des FC Sankt Pauli vom 19.11.2011 in Rostock zeigt, beweist, welche Geisteshaltung in der Redaktion herrscht. Auf dem Foto befinden sich zwei Fans auf dem Zaun, während im Hintergrund Pyrotechnik brennt.

Ein Sachverhalt der zwar verboten ist, aber sicher trotzdem im Kontext mit dem dauerhaften verbrennen von gestohlenem Sankt Pauli Fanmaterial seitens der Rostocker (http://youtu.be/8vaS-gpl9M4) und vor allem dem nahezu 10-minütigen Beschuss unseres Blockes mit echter Leuchtmunition aus allen anderen Rostocker Blöcken zu sehen ist (http://youtu.be/DnPElBJAH3w ) .

Der Pyro, der nach dem Abpfiff gezündet wurde zwecks Ausdruck der Emotionalität über den Sieg, ist sicher verboten, aber ganz sicher kein Hooliganismus. Mit einem angeblichen nahezu terroristischen Angriff auf die Davidwache hat das Foto noch viel weniger zu tun.

Die Mopo bringt hier aber die gesamte Fanszene des FC Sankt Pauli und den ganzen Verein ohne Begründung in Verruf - insbesondere weil der im Heft befindliche Artikel keinerlei Hinweise auf die im Hetztitel aufgestellte Behauptung "Es waren Sankt Pauli Hooligans" hergibt. Der befragte VS Chef antwortet schlicht, er wisse es nicht.

Abgesehen davon, welche Glaubwürdigkeit der Verfassungschutz nach den Skandalen und Vertuschungsaktionen rund um das Thema NSU und andere hat, dient dieses Titelbild lediglich der politischer Agitation und Denunziation. Insofern sah sich sogar das Präsidium des FC Sankt Pauli, welches ja bekanntlich ebenfalls nicht aus linken Terroristen besteht, am 10.01. zu einer kommentierenden Richtig-Stellungnahme veranlasst und verurteilt ebenfalls die reißerische Berichterstattung (http://www.fcstpauli.com/data/news/verein/home_page/praesidium/stellungnahme_krawalle_viertel ).

Vielleicht sollte die Mopo-Redaktion mal überlegen, ob die Taktik der Hamburger Politik/Polizei nicht im Zusammenhang mit dem Inhalt dieses Artikels aus der sicher linken Umtrieben unverdächtigen FAZ zu tun hat, der zeitgleich mit den Vorfällen erschienen ist:
(http://bit.ly/1aoR6yM). Und die sodann mit der zügigen Bewilligung von € 10 Millionen aufgegangen ist, wie ja dann die GdP auch feiert (http://www.gdp.de/gdp/gdphh.nsf/id/DE_Geld-fuer-die-Polizei ).

Vor welchen Karren sich das Blatt hier spannen lässt, ist ja mehr als offensichtlich und die Vergeudung von Steuergeldern auf Basis frei erfundener Angriffe und darauf basierender Aufhebung der Grundrechte in 3 Stadteilen ist der eigentliche Skandal.

Ich habe die Berichterstattung von Buttje Rosenfeldt und Stefan Krause und Kollegen nicht immer geteilt. Sie ist in mancher Hinsicht ebenfalls sehr undifferenziert. Aber wir haben sie bis zum 09.01. wahrgenommen und auch regelmäßig geteilt und verlinkt. Beide sind aus unseren Kreisen darauf angesprochen worden und haben dementiert, mit dem Titelblatt etwas zu tun zu haben, was ich auch für glaubwürdig erachte. Das war wohl Herr Niggemeier schon von ganz alleine. Insofern verzichten wir seitdem auch auf seine Zeitung. Wir kriegen unser Stadion auch ohne diese Zeitung voll, aber bekommt er die Zeitung ohne unser Stadion voll. Und weiß er, wofür das alles steht? Ich bezweifle es. Farevel Mopo...

04.02.2014 18:54

Kex Tia

Aber, lieber hochgeschätzter Herr Niggemeier, ich schließe mich meiner Vorrednerin Frau Marion Meier an:

Denken sie nicht, dass alle sich von ihrer eingebildeten Art und dem billigen Sensationsjournalismus blenden lassen. Nicht alle sind beschränkt und gefangen in Ihrer eigenen kleinen Welt wie Sie, Herr Niggemeier. Sie scheinen wirklich und wahrhaft zu glauben, was Sie reden.

Bedauernswert. Wirklich bedauernswert. Widerliches Auftreten, mehr kann ich dazu nicht sagen.

04.02.2014 19:09

Dirk Müller

Also ich lehne die MoPo seit dem Dezember sogar dann ab, wenn der sonntägliche Pizza Lieferant sie mir gratis unterjubeln möchte. Man muss nur mal die Kommentare auf der MoPo Facebook Seite lesen, um zu wissen, für welches Klientel das Blatt inzwischen schreibt.

Schade, dass sich die MoPo in Zeiten einer ungewissen Print-Zukunft auf einen Zielgruppenkampf mit der Bild einlässt. Im nachhinein ist es mir unangenehm, dass ich vor ein paar Jahren noch halbwegs stolz auf dieses lokale Blatt war, welches den Spagat zwischen Boulevard und Journalismus gewagt hat. Inzwischen gleicht es leider eher einem Kampfblatt einer konservativen unteren Mittelschicht - ein Pamphlet für diejenigen, die sich im Internet 'Hamburger Jung' nennen und jeglichen großstädtischen Pluralismus negieren.

04.02.2014 19:09

Klaus Lachshammer

Sehr geehrter Herr Freitag,

auch ich habe mich für Ihre Worte zu bedanken und freue mich über Ihren Entschluss, nicht mehr mit der Mopo zusammenzuarbeiten. Ich teile auch komplett Ihre Einschätzung, dass die Berichterstattung der gesamten Geschichte um die Demo am 21.12. den Bogen endgültig überspannte.

Die Mopo war für mich schon immer ein Boulevard-Blatt gewesen... das ist aber erstmal überhaupt nicht negativ gemeint, denn für die kurze Lektüre in der Bahn oder im Bus darf es gerne auch mal etwas seichtere Unterhaltung (aus der Umgebung) sein. Zumindest wenn sie so einen liberalen Anstrich hat, wie er lange in der Morgenpost zu finden war. Klar, auch früher war nicht alles toll und es gab Polemik, plakative Schlagzeilen und viel Spekulation, aber die Grundrichtung stimmte aus meiner Perspektive: Die Mopo war ein angenehmes Gegengewicht zu den "Kollegen" von der Bild. Und genau dieser Eindruck ist spätestens seit dem Gefahrengebiet dahin.

Ich weiß nicht, ob diese (mittlerweile gar nicht mehr so) neue Marschrichtung schlicht marktwirtschaftlich begründet ist (sehe die über Frank Niggemeiers Kopfs aufleuchtende Glühbirne geradezu vor mir... "Hey, ältere Menschen kaufen bestimmt mehr Zeitung als dieses ganze internetgeile Jungvolk... und ältere Menschen sind eher konservativ - Bingo! Wir spielen den Sicherheits-und-Ordnungs-Marsch!") oder gar einer konkreten politischen Agenda folgt... letztendlich ist es egal, denn so oder so wird die Mopo einfach nicht mehr von mir gekauft. Und klar, so eine Drohung ist erstmal wenig beeindruckend, aber ich merke ja, im erweiterten sozialen Umfeld, dass ich mit diesem Entschluss nicht alleine bin. So bleibt dann die Hoffnung, dass (zumindest mittel- bis langfristig) wegbrechende Absatzzahlen zu einer Rückbesinnung führen, was wahrscheinlich aber eine naive Vorstellung ist, wenn man Herrn Niggemeiers Reaktion hier so liest.

Ich drücke jedenfalls Ihnen, Herr Freitag, alle Daumen, dass sie jobtechnisch einen besseren (Heimat-)Hafen als Morgenpost finden. Vielleicht war dieser Artikel ja schon ein gutes Bewerbungsschreiben.

04.02.2014 19:23

Peter Sturzel

Vielen Dank an Herrn Freitag für den offenen Brief. Er hat vieles ausgesprochen, was ich genauso sehe. Der herablassende Tonfall der Antwort von Herrn Niggemeier spricht Bände.

Ich war 15 Jahre lang Leser dieser Zeitung. Die Berichterstattung über die Demonstration und die Gefahrengebiete, insbesondere die unsäglichen Titel ("Beim nächsten Mal schiessen wir scharf"), die in BILD-Manier ohne Rücksicht auf journalistische Mindeststandards eine hohe Auflage generieren sollten, haben auch bei mir den Ausschlag gegeben, nie wieder eine MOPO zu kaufen.

04.02.2014 20:15

Andreas Schröder

Den Kommentaren gibt es eigentlich wenig hinzuzufügen. Auch ich habe mich sehr über die einseitige und reißerische Berichterstattung der Mopo geärgert. Da wurde aus ein paar Knallern mal eben "nächtliche Krawalle".

Polizei-Pressemitteilungen wurden regelmäßig ungeprüft und ohne sie auch nur ansatzweise in Frage zu stellen übernommen und aus anonymen! Internet-Postings wurde eine Titel-Story gebastelt.

Auch Mopo Redakteure sollten wissen, dass es gerade in Internet-Foren viele sogenannte "Trolls" gibt. Wer sagt denn, dass irgendein anonymer Gewaltaufruf nicht aus der Feder eines Staatsdieners, Journalisten oder einfach eines gelangweiltem Spaßvogels stammt?

Man kann sich nur wünschen, dass dem Beispiel von Herrn Freitag viele Journalisten folgen.

04.02.2014 20:28

Ralf Cabel

.... ich meine, der Brief ist so eins zu eins auch auf das Hamburger Abendblatt übertragbar. Dessen Berichterstattung, wenn man es überhaupt so nennen mag, war nicht weniger tendenziös.

04.02.2014 21:10

Pia P

Guten Tag Herr Freitag,

Ich kann Ihnen einfach nur für diesen großen Schritt danken und auch dafür, dass Sie diesen öffentlich gemacht haben und so die Machenschaften der MOPO für den Normalbürger ein wenig näher beleuchten.

DANKE

Was Herr Niggemeier leider nicht erwähnt, ist, dass der aufmerksame Leser durchaus mitbekommen hat wie unglaublich oft die MOPO innerhalb kürzester Zeit ihre Artikel editiert hat. Ob es nun um die Demo am 21.12. oder um die vermeintlichen "Angriffe" auf die Davidwache ging. Es wurden mehrfach sofort hetzerische Polizeimeldungen übernommen und diese, nachdem Kritik laut wurde, bzw. sich solche andeutete, dass das soeben Publizierte evtl. doch nicht ganz richtig sei, verändert oder sogar In Teilen oder gänzlich gelöscht.

Von richtiger, bzw. seriöser Pressearbeit, geschweige denn Recherche, kann hier keineswegs die Rede sein. Die MOPO ist einfach nichts besseres als die Bild.

04.02.2014 22:10

Stephan Krüger

Die Antwort ist im Stil (vermutlich hält Herr Niggemeier den "Leser" für einen echten Schenkelklopfer) erbärmlich. Erstaunlich: Im Wesentlichen bestätigt Herr Niggemeier die "embedded" Kriegsbrichterstattung seines Blattes. Dafür ein ehrlich gemeintes Danke Schön!

04.02.2014 22:12

Oliver U

Selbst die Tweets der MoPo waren unterirdisch.

04.02.2014 22:23

Fritz Wenzel

Lieber Herr Freitag! Sie haben meinen vollen Respekt für ihre Handlungsweise.

04.02.2014 22:28

Frank Otto

Als Leser beider Zeitungen kann ich das nur bestätigen. Allerdings liegt die Ursache wohl darin, dass die Medien duch die (normalerweise Sachverhalt beschreibenden) Pressemitteilungen der Polizei in die Irre geführt wurden. Als politisch denkender Mensch beschlich mich Unbehagen, da ich als ehemaliger Herausgeber der Mopo speziell in diesen Tagen natürlich häufig auf diese 'Entwicklung' angesprochen wurde.

Die Vorwürfe und die Rechtfertigungen mag ich gar nicht beurteilen, nur einen einzigen Aspekt herausgreifen: Eine Haltung war nicht zu erkennen!

Wir Hamburger benutzen den Begriff 'Mopo' wie ein Kosewort, erwarten die Mopo als einen Freund. Freunde dürfen mal Quatsch oder Fehler machen und auch Kritik üben. Von Freunden nimmt man selbst verletzende Äußerungen ernst, denn man weiß ja, dass sie zu einem stehen und es im Grunde gut meinen. Man kennt ja die Haltung seiner Freunde.

Nachdem ich einige Tage sprachlos über 'meine' Mopo war, fühlte ich mich mit der vorverurteilenden Titelseite 'Es waren St. Pauli Hooligans' richtiggehend vor den Kopf gestoßen, das dazu gehörende Interview dagegen recht sachlich und relativierend. Ich fand meine Sprache wieder und es musste raus: Meine Haltung!

Erst durch den offenen 'Kündigungs'-Brief wird mir jetzt klar, dass genau das gefehlt hatte und dadurch der Eindruck des 'Polizeisprachrohrs' entstanden ist. Wo war die Haltung der Mopo zu all dem Geschehen?

Wer meine nachlesen will kann das hier tun und möge mir die Schreibfehler im Text verzeihen, ich war damals sozusagen 'in Eile': http://on.fb.me/1dpBawB

04.02.2014 23:02

Mucki Cabanas

Vielen Dank!

Anders als viele hier war ich noch nie ein wirklicher Leser der MoPo. Mich hat die Art und Weise der Angehensweise zu empfindlichen Themen schon immer gestört. Doch selbst ich habe im Rahmen der Berichterstattung bezüglich der Demonstration vom 21.12.2013 und den darauf folgenden Polizeimaßnahmen schlucken müssen.

Ich habe die Berichterstattung als den Polizeiinformationen gegenüber völlig unkritisch empfunden. Mit ihren Schlagzeilen bedient die MoPo, ähnlich der Bild-Zeitung und vielen anderen Medien, sei es Print oder Fernsehen, die niederen Instinkte von Menschen, denen eine Schlagzeile schon zu reichen scheint, um sich eine Meinung zu bilden. Ich bin der Meinung, dass jeder Journalist eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft hat, aufklärend, bildend und ehrlich zu berichten. Dies sehe ich bei der MoPo nicht.
Vielen Dank, Jan Freitag, für die exzellente Wortwahl.

Mucki

05.02.2014 03:21

felix amsel

lieber Herr Freitag,

ihr brief spricht mir sehr aus dem herzen. Die Antwort des Chefredakteurs darauf strotzt vor Zynismus und spricht für sich! Die nicht nur von ihrem Tonfall her einseitige und darüber hinaus einfach falsche Berichterstattung hat mich so aufgebracht, dass ich mir geschworen habe, keine mopo mehr zu kaufen.

Respekt zu dieser klaren Haltung.ihr Brief liest sich hoffentlich nicht nur für mich wie ein Empfehlungsschreiben an potentielle Arbeitgeber.

05.02.2014 05:38

Karina Weber

Nun berichtet die traditionell eher linksorientierte Mopo über die Chaotenkrawalle aus bürgerlicher Sicht, und schon wird sie als tendenziös bezeichnet...

05.02.2014 07:01

Uwe Böhm

Ich stimme Herrn Freitag voll zu, denn er formuliert die Eindrücke, die ich angesichts der Berichterstattung der Mopo zum 21.12.2013 gewonnen habe. In den Vorberichten hatte sich bei mir der Eindruck verfestigt, dass die Mopo die Gewalt geradezu herbei schreiben wollte, um im Nachhinein eine Sensationsberichterstattung entfachen zu können. Allein die Aufmacher auf der ersten Seite sollten eine Stimmung gegen die Teilnehmer der Demonstration erzeugen, aber auch die autonome Szene auf Stammtischniveau diskreditieren. Das hat leider verfangen, denn immer wieder muss ich mich mit Lesern der Mopo, die mit der SPD sympathisieren, dahingehend auseinandersetzen, deren Hassstimmung z.B. gegen die Flora und die Demonstration mit der Wahrheit zu konfrontieren. In dieser Konfrontation wird dann auf Basis der Berichterstattung der Mopo die Räumung der Flora gewünscht und über die von Anfang an gewaltbereiten Demonstranten philosophiert. Dass das Grundrecht auf Demonstration außer Kraft gesetzt worden ist, spielt dabei keine Rolle mehr. Auch das inhaltliche Anliegen der Teilnehmer der Demonstration ist gar nicht im Bewusstsein.

Ich habe die Mopo bisher immer als – wenn auch schlechte – Alternative zur Blödzeitung gesehen und sie mit Bauchschmerzen gelesen, weil ich auch an dem Sportteil interessiert bin. Diese Zeitung will ich in Zukunft nicht mehr lesen!

05.02.2014 08:04

Walter Kruggel

Moin Moin, ich bin neu in Hamburg... was ist die Mopo ?

05.02.2014 08:24

Turanga Leela

Lieber Jan Freitag. So sehr ich ihre Worte schätze und ihre Empörung ernst gemeint verstehe:

Das Gewerbe – ihr Gewerbe - hat noch nie etwas mit Wahrheit und Ehrlichkeit zu tun gehabt. Sie schreiben für Geld, man druckt für Geld, man verkauft Anzeigen. Herausgeber von Zeitungen haben grundsätzlich keine anderen Prämissen, als damit möglichst viel Profit zu machen (Sieht man mal von der KONKRET ab).
Den meisten Profit macht man aber leider, wenn man etwas verkauft, was jeder mag und gerne haben will. Springer, Burda, WAZ und Bertelsmann zeigen tagtäglich, wie das funktioniert.

Ich ziehe trotzdem den Hut, vor ihren klaren Worten und vor so viel Rückgrat. Der Rest der Journaille arbeitet sich von TAZ zu FAZ von Spiegel zu Springer.
Wenn sie aber wirklich etwas zu sagen haben, ohne Rücksicht auf Verluste, machen sie es wie Patrick Gensing.

Der arbeitet zwar unter anderem für die ARD (wir müssen alle auch von etwas leben), aber sein Blog Publikative.org bewegt mehr, als jede Lohnschreiberei.
Ich wäre so dankbar, wenn die aufrechten Schreiberlinge etwas mehr von Karl Kraus hätten oder Hermann Gremliza, Kay Solokowsky oder Patrick Gensing.
Ich selbst, lebe auch nur von 800€ Netto.

Aber ich trage meine Haut nicht mehr zu Markte. Man schläft einfach besser...
Liebe Grüße!

05.02.2014 09:19

Jan Freitag

An alle Leserbrief-Schreibenden,

danke für die großartige Resonanz auf den Offenen Brief, der sich auch in zahllosen Facebook-Teilungen und Tweets geäußert hat. Ich muss allerdings den Chefredakteur Frank Niggemeier in einem Punkt dringend in Schutz nehmen: Nachdem ich ihm und einigen leitenden Redakteuren den Brief vorab zukommen ließ, hat er noch am selben Abend im hier gezeigten Umfang geantwortet. Das ist alles andere als selbstverständlich und seinen Tonfall darin weist zwar einen eklatanten Mangel an Selbstreflexion auf; zynisch fand ich ihn höchstens punktuell. Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass ich auch aus der Mopo-Redaktion Zustimmung für meinen Brief erhalten habe, der verständlicherweise aber anonym geäußert wurde.

Schönen Gruß, der Autor

05.02.2014 09:37

Arne Babenhauserheide

Herr Niggermeier hat erfolgreich die Anschuldigungen gegen die Morgenpost bestätigt:

"Schlammschlacht um die Davidwache. Rote-Flora-Anwalt behauptet: Es gab gar keinen Angriff auf das Revier"

"Schlammschlacht" impliziert, dass die Wahrheit verdreht wird.

"behauptet" stellt sicher, dass auch Allen klar ist, wer daran Schuld hat.

Insofern: Ich danke Ihnen für den mutigen Entschluss, Herr Freitag!

05.02.2014 09:38

Ramses Oueslati

Lieber Herr Freitag, ich danke Ihnen! Sie sprechen aus, was viele Mopo-Leser und Leserinnen schon in den letzten Jahren feststellen mussten. Auch ich weiß von Redakteuren der Mopo, dass der Kurs des Blattes das journalistische Ethos vor untragbare Herausforderungen stellt. Niemand erwartet von der Mopo meist zu lang geratene feuilletonistische Artikel, doch ein irgendwie geartetes liberales Blatt ist es nun nicht mehr. Und damit wenden sich viele davon ab.

05.02.2014 09:41

Daniel Stallmann

Von welcher MoPo reden Sie hier alle? Was haben Sie die letzten 10 oder 15 Jahre gelesen, dass ihnen "Kampagnenjournalismus" plötzlich aufstößt? Legen Sie mal 10 beliebige MoPo-Titel nebeneinander, dieses Blatt lebt von Kampagnen (um mal das harte, aber nicht immer unzutreffende Wort "Hetze" zu vermeiden).

Ist Ihnen nie aufgefallen, dass die MoPo schon Shitstorms veranstaltete, bevor es das Wort im Internet überhaupt gab? Wissen Sie noch, wer das Hamburger Hundegesetz oder die Facebookparty in Bramfeld herbeigeschrieben hat (natürlich nicht ohne hinterher mit Unschuldsmiene darüber zu berichten), oder wer ein Faible dafür hat, Menschen abwertende Spitznamen zu verpassen, mit denen sie dann auf der Titelseite genannt werden ("Ekel-Makler" oder so ähnlich)?

Die MoPo ist seit langem ein Zerrbild der BILD, sie wirkt wie ein Boulevardblatt aus einer Dieter-Wedel-Serie, sie lebt von Angst, Hass und Stimmung. Ist Ihnen das bislang nicht aufgefallen, weil Sie sich nur an Kampagnenjournalismus stören, wenn er gegen Ihre Überzeugung steht?

05.02.2014 10:00

Martina G.

Danke Herr Freitag!

Ich bin über die nachdenkseiten auf Ihren Offenen Brief aufmerksam geworden und mich freut Ihre Zivilcourage und Konsequenz. Wir brauchen mehr von Ihnen.

Das Beste für Ihre weitere berufliche Laufbahn!

05.02.2014 10:08

Malte Böller

Herr Freitag, auch wenn sie augenscheinlich rhetorisch sicher und eloquent daherkommen, bedarf es doch nicht wirklich viel den wirklichen Kern ihres Anliegens zu erkennen. Selbstgefällig, flach und pathetisch. In der Erwachsenenwelt argumentiert man nun mal mit Fakten. Während Herr Niggemeier noch mit objektiv nachprüfbaren Tatsachen daherkommt, tischen sie beleidigt ihre subjektiven Einschätzungen auf.

Das ist sicherlich ihr gutes Recht nur überzeugt es nicht, weil es nicht belegbar ist, was sie da sagen. Es ist ihre ihn zustehende Meinung, sie vergessen dabei jedoch dass man Meinungen insbesondere Vorwürfe belegen muss, um zu überzeugen. Leider sind sie nicht der Einzige, aber wenn sie einen Anspruch an andere stellen, dann sollten sie sich auch selber daran halten. Vorwürfe machen, an Fakten belegt eine Antwort bekommen und dann selbstgefällig abkanzeln man würde ja ohnehin aufgrund der fehlenden Haltung des Gegenübers keine Unterhaltung führen konnen, ist sicherlich einer der einfacheren Wege, die vermeintliche moralische Überlegenheit zu erlangen.

Aber Toleranz, Pragmatismus, "Mut" und all die anderen Sachen mit denen sie hier beglückwünscht werden, kann ich daran beim besten Willen nicht erkennen. Solch ein Verhalten (auf das selbstbemitleidende "aus Prinzip evtl arbeitslos" und die theatralische Darstellung der Mopo als Qualitätsmedium im Zusammenhang zu ihrer Familiengeschichte möchte ich gar nicht eingehen) ist typisch für Vertreter ihres politischen Spektrums und disqualifiziert sie leider von Vorneweg. Nicht wegen ihrem Standpunkt an sich, sondern der selbstgefälligen vorwurfsvollen Art und Weise, wie sie ihn darstellen. Ich bin sicherlich kein Fan der Polizei aber dieses selbstmitleidige, empörte immer auf die anderen zeigen ist wirklich nicht mehr zu ertragen.

05.02.2014 10:09

Lisa Scheide

Lieber Jan Freitag,

die Berichterstattung des Abendblattes, der Mopo und teils auch der Zeit zu diesem Thema waren der Anlass für das Streitgespräch in der aktuellen Ausgabe von SZENE HAMBURG zwischen drei linken Aktivisten (Florentin Müller, Rote Flora; Jan Kammerer, Avanti; Christoph Twickel, Recht auf Stadt) und der Konflikt- und Gewaltforscherin Dr. Teresa Beck.

Sollten Sie weiterhin in Hamburg als freier Journalist tätig sein wollen, würde ich mich freuen, wenn Sie sich bei SZENE HAMBURG melden würden. Auch die wirtschaftliche Situation unseres kleinen Verlages ist nicht einfach, dennoch bemühen wir uns Stadtgeschehnissen auf den Grund zu gehen oder doch zumindest fair und unabhängig zu betrachten. Wir brauchen Leute (und Leser) wie Sie!


Herzliche Grüße
Lisa Scheide, Chefredaktion SZENE HAMBURG

05.02.2014 10:18

Petra Ristow

Sehr geehrter Herr Freitag,

herzlichen Dank für diesen offenen Brief. Die MoPo hat sich in den letzten Monaten und Jahren zu einem nichtigen Skandalblatt degeneriert. Schwankend zwischen dumm-dämlicher Van-der-Faart-Hofberichterstattung und Polizeipressemittelungsabschreibe. Mein persönlicher Gipfel war das Titelblatt mit den vermummten Polizisten und dem blutroten Titel "Beim nächsten Mal wird scharf geschossen".

Nachdem das Traditionsblatt Hamburger Abendblatt in die Fremde verkauft wurde und die Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN) als Kollateralschaden des Springer-Deals in die Tonne getreten wurde, gibt es in Hamburg keine Zeitung mehr. Nur noch bedrucktes Papier zum Fische einwickeln.

Sehr geehrter Herr Frank Otto,
Ich finde es toll, dass Sie sich zu ihrer ehemaligen Zeitung äußern und auch entsetzt sind über die Berichterstattung. Allerdings muss man dazu sagen, dass der Niedergang der MoPo als auch von Radio Hamburg begann, als diese in Ihren Besitz kamen....

05.02.2014 10:21

Klaus Mueller

Es erinnerte mich an die Berliner MoPo anno 1967 - sogar die fast gleichen SCHLAGworte: "Chaoten", "Randalierer" 2013, dazu die "Gammler" und "Studenten" 1967; "Autonome" gab's damals noch nicht. Und auch die Lügen der Polizei wurden damals kritiklos übernommen (z.B. zum Mord an Benno Ohnesorg durch einen Polizisten) ...

05.02.2014 10:30

Henning Venske

Respekt, lieber Herr Freitag – aber leider ist die MoPo schon seit den Zeiten von Clement das dümmste und entbehrlichste Blatt nördlich des Äquator. Solidarischen Gruß

05.02.2014 10:38

Arne Loeper

"Um die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu bringen, habe ich im Folgenden einmal die Fakten zusammengetragen."

An dieser Stelle kann man aufhören, das Pamphlet des Niggemeier zu lesen. Was sagt Niggemeier denn:

"sachliche Ebene" = Herr Freitag ist unsachlich, polemisch und doof, nur ich, der Niggemeier bin sachlich, neutral, intelligent und klug.

"Fakten" = Ich, Niggemeier, sage die Wahrheit, der doofe Freitag lügt.

So verfährt die Mainstreampresse seit Jahren mit Formulierungen wie "Wie jeder einigermaßen normaldenkende Mensch heute weiß..." etc. wird jede andere Meinung als dumm und weltfremd dargestellt. Eklig.

05.02.2014 11:08

Tanja Yilmaz

Vielen Dank Herr Freitag für die treffenden Worte.

Herr Niggemeier, Sie hinterlassen mich ratlos. Eine so lange Antwort, die Sie dann aber selbst durch die arrogante Einleitung ("Leser") und durch die Selektivität selbst völlig deklassieren. Dass Sie den Kommetnar von Herrn Hirschbiegel http://www.mopo.de/polizei/kommentar-kiez-als-gefahrengebiet--schwerer-eingriff--aber-gerechtfertigt[..] mal so eben weglassen – sicher nur Vergesslichkeit. Dass aber aus der im Blatt von Herrn Murck geäußerten Vermutung, Fans des FC St. Pauli könnten an dem Angriff auf die Davidwache (soweit er überhaupt stattgefunden hat) beteiligt gewesen sein, auf dem Titelbild eine reißerische Wahrheit wird, das ist einfach journalistisch dermaßen unterstes Niveau wie es kein Provinzblättchen besser hätte hinbekommen können.

Die Mopo hat schon sehr lange keine Haltung mehr. Das mag auch den Umständen im Printjournalismus geschuldet sein, aber wer soll so was eigentlich noch kaufen? Schlechten Schundjournalismus bekomme ich auch umsonst im Netz. Aber journalistischen Standards genügende Blicke auf Hamburg, dafür gebe ich gerne auch Geld aus.

05.02.2014 11:21

Matthias Onken

Lieber Jan,

vllt würdest Du unterschreiben, dass auch ich als Reporter, als Lokalchef und Chefredakteur der Mopo einigen Bockmist fabriziert habe. Ich war jung, ich war leidenschaftlich, geil auf den ein oder anderen David-Sieg gegen Goliath Springer und war deshalb stets aus auf Schlagzeilen, über die Hamburg spricht. In der Rückbetrachtung hätte ich mir mich ab und an eine Spur 'leiser' gewünscht.

Was ich bei allen Besonderheiten, Eigenarten und Notwendigkeiten des Boulevard versucht habe nie, nie, nie aufzugeben, ist die Haltung meiner Zeitung. Den Respekt vor der Historie der Mopo nicht zu verlieren, war Grundsatz meines täglichen journalistischen Handelns an der Griegstraße.

Als Chef muss ich ganz bestimmt nicht mit jedem Wort im Blatt meine persönliche Meinung drucken. Aber die DNA der Zeitung darf ich nicht mit Füßen treten. Egal, was da draußen in der Welt geschieht.

Die Leser haben der Mopo ihre Haltung damals gedankt: Wir waren von 2005-2007 einer der ganz wenigen Auflagengewinner in Deutschland. Was daraus geworden ist, zeigt der Blick auf die aktuellen IVW-Zahlen im EV (Einzelverkauf), die 'harte Währung" der Branche. Konsequenz der Entwicklung: Das Ende ist berechenbar.

Bei Springer hat sich mir nicht ansatzweise bestätigt, was gerade BILD insbesondere von Leuten, die 10 Jahre keine Ausgabe in der Hand hatten, gern unterstellt wird. Die Mopo noch heute als "kleineres Übel" im Vergleich zu BILD zu bezeichnen, ist in meinen Augen schlichtweg unlauter.

Beste Grüße

Matthias Onken

05.02.2014 11:26

Gabrielle Senger

Lieber Herr Böller,

Ihre Anwürfe gegen Herrn Freitag sind ja wirklich der Kracher. Sie vermissen bei ihm die Argumente aus der "Erwachsenenwelt". Nun ja, dann möchte ich auf einen aus meiner Sicht unterirdischen Kommentar des MoPo-Polizeireporters Thomas Hierschbiegel vom 04.01.2014 auf MoPo.de hinweisen, den Herr Niggemeier in seiner Aufzählung bedauerlicherweise vergessen hatte zu erwähnen.

http://bit.ly/1fu2hcy

Mal abgesehen davon, dass wir inzwischen wissen, dass sich der Vorfall an der Davidswache so nicht zugetragen hat, findet es Hirschbiegel also völlig in Ordnung eine Art Notstandsgebiet über einige Stadteile zu verhängen, wenn auch nur die kleinste Chance besteht, den Tätern zu ermitteln. Na danke aber auch. Und die "linksextremen" Gewalttäter können froh sein, dass sie nicht beschossen worden sind. Laut Hirschbiegel wäre es gerechtfertigt gewesen.

Ich kenne die Mopo seit den 60er Jahren, seitdem ich sie meiner Oma immer zum Frühstück brachte. Ihr Weg seither zum Revolverblatt ist wirklich als traurig zu bezeichnen. Für mich gibt's in Hamburg nur noch den Lokal-Teil der Taz.

05.02.2014 11:40

James Walter

Bestes Beispiel für die journalistische Qualität der Mopo:
"Dritte Randale-Nacht" - Es gab jedoch gar keine Randale. Auch in ihrem Artikel weiß die Mopo nicht über Auseinandersetzungen zu berichten.
http://bit.ly/1n9JuGo

05.02.2014 11:43

Jürgen Kühner

Da tritt ein unterdurchschnittlicher Journalist, dessen Schreibe in der Zeit ebenso dumpf und polemisch ist und vor allem schlecht bis gar nicht recherchiert, auf und kündigt der MoPo.

Sein gutes Recht, aber mit wenig Schlagkraft. Denn gerade diese beiden passen im Grunde gut zusammen. Siehe oben, da Herr Freitag sich schon auf die erste Repilk rechtfertigen muss, falsch recherchiert zu haben.

P.S. da passt die Nennung von Begemann recht gut, auch einer der viel Meinung, aber keine Ahnung hat.

05.02.2014 11:51

Nina C.

Hallo Jan Freitag,

vielen Dank für den offenen Brief. Ich habe am 10.1. einen Leserbrief an die MOPO geschickt ohne je eine Rückmeldung zu bekommen (Kontaktmail und Handynummer inkl.). Anbei mein Brief. Und wie bedauerlich, dass die MOPO ihre letzten kritischen Journalisten verliert.

Liebe Mopo-Redaktion,

wie ich aus dem heutigen Titel erfahren habe, rudert die Polizei zurück und mit ihr die Mopo, die sich in den letzten Wochen durch besonders tendenziöse Berichterstattung hervorgetan hat. Ich erinnere an das Interview, das Thomas Hirschbiegel noch gestern (9.1.) mit Verfassungsschutzchef Manfred Murck geführt hat. Ich hab mir mal den Spaß gemacht, das Wort "Gewalt" zu suchen. Es kommt 12 Mal vor, vor allem in den unkritischen Fragen des Redakteurs. Das reiht sich ein in Überschriften, die ohne "Randale", "Krawalldemo", "Chaoten" sich anscheinend nicht verkaufen lassen. Eine kritische Reflexion der Arbeit ihrer "Scharfmacher" in der Mopo-Redaktion ist überfällig, um der journalistischen Sorgfaltspflicht in Zukunft besser nachzukommen.

Auch Pressemitteilungen der Polizei, wie die über den "Angriff" auf die Davidwache, sollten überprüft und in der Berichterstattung als Zitate kenntlich gemacht werden.

Insgesamt wäre also ein (sprachliches) Zurückrudern der Mopo mehr als angebracht.

05.02.2014 12:06

Alexander Hof

Herr Freitag, danke!

05.02.2014 12:28

Stefanie Möller

Sehr geehrter Herr Freitag,

ich komme nicht aus dem Raum Hamburg, gleichwohl zieht ihr mutiger Schritt mit großem Beifall seine Kreise im Internet . Es erfreut und beeindruckt all jene Leser in diesem Land, denen schon lange klar ist, dass sie den Medien nicht mehr vertrauen können und viele dieser Blättchen -zu Recht- als "Propagandablatt" bezeichnen. Das sind nicht wenige!

Umso wichtiger ist es zu wissen, dass es noch Journalisten mit Rückgrat gibt. Besonders schlimm ist es, dass allein die Tatsache, dass sich ein Journalist zu solchen Schritten genötigt sieht, in eklatanter Weise an die Zeiten erinnert, die wir diesmal verhindern sollten. Diese gruseligen Gedanken unterstreicht dieser Herr Niggemeier mit seiner fehlenden Wertschätzung für Ihre geleistete Arbeit und dieser Herr belegt gleich nochmal schriftlich, wessen Sprachrohr er ist und somit seinen eigenen fehlenden Berufsethos. Das Wort Beruf stirbt ja auch aus, viele schreiben wohl nur, weil es eben ein Job ist. Woran man diese erkennt, dürfte spätestens jetzt klar sein.

Ihren Namen habe ich mir nun verbunden mit positiven Gedanken gemerkt und würde mich freuen, wenn er in einem überregionalen und objektiven Medium vermehrt auftaucht.

Meine Hochachtung.

05.02.2014 12:49

Frank Oldenburg

Wie mann aber merkt hat der Herr Niggemeier ihn nur als Leser angesprochen und alles andere außer acht gelassen meiner Meinung nach nur eine Antwort um alles Schlimmere, was kommen könnte, so klein zu halten wie es geht .. Pfui für die MOPO!

05.02.2014 13:09

Rüdiger Weichelt

Sehr geehrter Herr Freitag,

mit erstaunen habe ich Ihren Artikel gelesen und bin über so viel Mut beeindruckt. Ich wünsche Ihnen alles Gute und Erfolg für Ihren nächsten Schritt. Wie haben hier auch in München gute und selbstständige Journalisten, die den journalistischen Sorgfaltsplichten nachgehen.

Lieben Gruß aus München R. Weichelt

05.02.2014 13:28

Max Schukz

@Frank Niggemeier

Viel erschütternder als der Versuch der Mopo sich als Revolverblatt zu profilieren, ist für mich der Verzicht auf journalistische Arbeit. Es wäre super erhellend, wenn Sie erklären könnten, weshalb es der Mopo nicht möglich war, die Geschehnisse um den "Sturm auf die Davidwache" aufzuklären. Die Reeperbahn war zu dem Zeitpunkt gut besucht, es gibt angrenzende Läden, Lokale und jede Menge potentielle Zeugen. Wieso hat es ein Rechtsanwalt geschafft, diese aufzutreiben, und nicht die Journalisten der einzigen Nicht-Springerzeitung in HH?.

Sind die Recherchekosten nicht mehr im Budget drin?

05.02.2014 13:40

Axel Bronner

Die zahlreichen Kommentare zeigen, wie wichtig dieses Thema ist.

Vermutlich traut nun niemand mehr zu erzählen, dass er für die MOPO arbeitet.

Zur Demo am 21.12.13 kann ich nur sagen: Ich bin als unabhängiger Fotograf hin und kam als Linker zurück.

05.02.2014 13:47

Fabian Hoellerl

Chapeau!

Sie treffen mitten hinein in die ignoranten, konditionierten Gehirne der Propagandaarbeiter dieses Landes!

Ihr "Boss" ist zur Reflektion nicht mehr fähig, er, fürchte ich, hat seine Replik "reinen Herzens" verfasst und glaubt wohl tatsächlich, noch ein neutral berichtender Journalist zu sein.

Schlicht, warum verschweigt man die Fakten hinter den Dramen? Sie wären es, die jeder ehrenhafte Journalist zuerst zu publizieren hätte.

05.02.2014 13:48

Pat Wagner

Ehre, Mut, Haltung...Berufsethos.
Diese und weitere Begriffe sind in Vergessenheit geraten.
Danach zu leben - viel zu anstrengend...

Auch wenn Herr Freitag z.T. emotional schrieb und Sachlichkeit fordert, so sei es ihm zu verzeihen und ich verstehe es vollkommen. Denn es scheint ihm eine Herzensangelegenheit zu sein und es war die Hoffnung, eine, ja "Maschinerie" zum Einlenken zu bewegen.

Herr Niggemeier hätte besser darauf eingehen können, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren.

Danke an einen Klardenker.

05.02.2014 13:53

Jian Parder

Seltsame Kommentare hier.

Die Mopo liefert doch schon seit Jahrzehnten die gleiche journalistische Qualität wie die Bild-Zeitung: Boulevard + Populismus. Herr Freitag wacht spät in seinem Elfenbeinturm auf und nutzt diesen Brief für sein Selbstmarketing – braucht wohl Follower auf seinem Blog. Die Antwort von Herrn Niggemeier ist genauso skurril, aber immerhin authentisch. Ich meine, wir Schreiben hier über die Mopo... also echt.

05.02.2014 14:06

Klaus Muster

Herr Niggemeier zeigt mit seinem Text eine Überheblichkeit und Nicht-Einsicht, die man leider viel zu oft heute "bei denen da oben" bemerkt.

Zum Glück lese ich ich weder MoPo noch BLÖD und würde diese "Zeitungen" auch niemals kaufen.

05.02.2014 14:09

Jan Westphal

Nach meinem Empfinden war die MoPo qualitativ schon immer auf dem Niveau der Bild. Mit dem Unterschied, dass die Buchstaben nicht so groß sind.

Es sind beides Blätter, die ich zusammengenommen im Leben vielleicht dreimal gekauft habe (und auch nur, weil nichts anderes da war), weil ich kein Geld für emotional unnötig aufgebauschte Lügengeschichten ausgeben möchte, die sich als Informationen tarnen wollen.

Alles Gute für den weiteren Lebensweg, denken Sie weiterhin an Ihre Moral!

05.02.2014 15:18

Torsten Amling

Es ist schon traurig zu sehen, wie die Mopo der Bild immer ähnlicher wird.
Mit den Medien wird es genauso gemacht wie mit den Demonstranten, erst zersplittern und dann die kleinen Gruppen kaputt machen. Was bleibt, ist eine dumpfe Berichterstattung… Armer Journalismus.

05.02.2014 15:19

Henning Behrmann

Seit fast 50 Jahren lese ich die MOPO, habe in schlechten Zeiten für sie "gekämpft" und zeitweise für sie gearbeitet. Die angesprochene Berichterstattung war tendenziös und unwürdig. Und wie ich jetzt gelesen habe, war ich nicht alleine mit meinem Gefühl.

Großen Dank an die ehemaligen "MOPO-Insider" Frank Otto und Matthias Onken für ihre klaren Worte. Und an Jan Freitag: Chefredakteure kommen und gehen.
Man sollte niemals nie sagen. Es wäre so schön wenn Sie mal wieder an einem MOPO-Schreibtisch sitzen würden!

05.02.2014 15:22

Jared Marthéo

Frank Otto formulierte 1999 nach gemeinsamer Übernahme der MoPo mit Hans Barlach vom Verlag Gruner+Jahr: "Wir haben diesen Plan entwickelt, weil die 'Morgenpost' eine wichtige unabhängige Stimme in dieser Stadt ist, die wir erhalten wollen. Außerdem ist das Blatt eine gute Ergänzung unserer bisherigen Medienaktivitäten in Hamburg."

Von diesem Anspruch hat sich die Hamburger Morgenpost nach einigen Verkäufen längst entfernt. Als ehemaliger Stammleser sehe ich die MoPo heute als belangloses Boulevardblatt...

05.02.2014 15:37

Horst Kuntze

Herr Onken,

Sie schreiben in Ihrem Kommentar: "Bei Springer hat sich mir nicht ansatzweise bestätigt, was gerade BILD insbesondere von Leuten, die 10 Jahre keine Ausgabe in der Hand hatten, gern unterstellt wird. Die Mopo noch heute als ,kleineres Übel' im Vergleich zu BILD zu bezeichnen, ist in meinen Augen schlichtweg unlauter."

Ich und viele andere "unterstellen" der BILD-Zeitung Lüge, Hetze, Meinungsmache. Und zwar anders als Sie schreiben viel übler als die Mopo, denn mit bundesweiter Wirkung auf Leser und Politik.

Aktuelles Beispiel ist die Berichterstattung über Griechenland: http://pantelouris.de/2014/02/05/luegen-wollen/

Wie kann man nur auf die Idee kommen, dass BILD das weniger üble Blatt sei?!? Ein halber Tag im Archiv von bildblog.de reicht, um das zu erkennen: http://www.bildblog.de/ressort/bild/

05.02.2014 15:42

Ralph Boleslawsky

Mein Respekt Herr Freitag, Sie sollten sich bei ARD und ZDF als Intendant bewerben und zur Unterstützung sollte man mindestens eine Open-Petition ins Leben rufen.

Zu Herrn Niggemeier braucht man nichts sagen, er hat seine Seele verkauft.

05.02.2014 17:14

Renate Pinzke

Lieber Herr Freitag,
auch ihre Replik enthält eine augenscheinliche Fehlinformation. Sie schreiben:

"Und die Morgenpost muss ihre Parteilichkeit ja auch gar nicht explizit zum Ausdruck bringen, wenn sie einen CDU-Politiker vor der Roten Flora in Szene setzt, der dort unwidersprochen ihre Schließung fordert; ein vergleichbares Plädoyer für deren Erhalt habe ich nirgends entdecken können.“

Der CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich wurde nicht in der MOPO, sondern in der Bild-Zeitung vor der Roten Flora gezeigt. Und wurde mit der Aussage zitiert: "Die jetzige Nutzung kann es nur weiter geben, wenn Gewaltverzicht versprochen wird."

Mit freundlichen Grüßen,
Erik Trümpler und Renate Pinzke (MOPO-Redakteure)

05.02.2014 17:18

JJ Preston

Es gibt Hoffnung für die Hamburger Morgenpost.

Sie versucht ein Feld zu beackern und eine Klientel zu bedienen, wo die BILD (zu der es wenig überraschend viele Schnittstellen gibt; von der Heyde, Döpfner, Depenbrock und Frank Niggemeier - ich grenze hier mit Vornamen ab, denn für den einen ist die Bezeichnung "Journalist" eine Auszeichnung und für den anderen Berufsbezeichnung - als Springeraner stehen da nur beispielhaft) und ihr Online-Ableger bereits ihre Marktstellungen haben, und die Morgenpost ist nicht die einzige, die sich an den Teil des Pöbels richtet, der sich immer noch für was Besseres halten will. Insofern ist ihre Konkurrenz der Medien hinsichtlich der Zielgruppe ausreichend groß, dass einige Zeitungen und Medienhäuser dabei auf der Strecke bleiben werden.

Insofern gibt es Hoffnung für die Morgenpost - dass sie nicht überlebt. Der Print-Schwund (allein 13.686 in der verkauften Auflage Montag-Freitag - das sind 12,79 % -, 16.521 für die Samstag/Sonntag-Auflage - das sind 13,14 % - von Q2/2011 bis Q4/2013 gemäß IVW) gibt die Richtung vor.

Und seien wir doch mal ehrlich: Wer schon mal in Othmarschen und Ottensen gewesen ist, wird kaum verneinen können, dass die Straßenzüge zwischen Friedensallee und Behringstraße mit der Adolf-Jäger-Kampfbahn als Symbol dringend eine Aufhübschung gebrauchen könnten...

Also, Herr Niggemeier - geben Sie Gas, halten Sie Kurs! Auf dass die Morgenpost eine so glorreiche Zukunft habe wie die Köhlbrandbrücke!

05.02.2014 17:36

Michael Berg

Interessantes und Sehenswertes zum Thema Demo HH am 21.12.13 auf den NDS bei den Videohinweisen (13)
http://www.nachdenkseiten.de/?p=20570#h13

Zum Thema Mopo wurde bereits hier ausreichend kommentiert und es kamen mir dazu 2 Sprichworte in den Sinn.

- Hochmut kommt vor dem Fall
- Lügen haben kurze Beine

Ihnen Herr Freitag alles erdenkliche Gute für ihre Zukunft und bleiben Sie sich selbst. Das bewahrt ihnen ihre eigene Freiheit und Ihr Gesicht in das sie jeden morgen dann noch blicken können.

05.02.2014 18:22

Georg von Grote

Ich habe ja nun auch fast 10 Jahre für die mopo geschrieben und den schleichenden Niedergang, bzw. die nicht mehr zu übersehende Rechtsdrift mitverfolgen dürfen und mich dabei auch immer wieder selbst belogen, indem ich mir einredete: "Du schreibst ja nur für die Kultur und da sind die Gedanken und Worte noch frei." Was letztlich auch nicht wirklich stimmte.

Und ich kenne als freelancer auch diese Arroganz der Chefredaktionen gegenüber den Freien, wie sie mir auch dieses Mal in der Niggemeier-Antwort allzu deutlich wird.

Es bringt auch nichts, die mopo nun mit anderen auf eine Stufe zu stellen, die genauso tendenziösen Journalismus betreiben, ob nun BILD, Berliner Kurier, Kölner Express oder tz München. Mit Boulevard hat das alles nichts mehr zu tun. Boulevard bedeutet nicht, die niederen Instinkte bestimmter Bevölkerungsschichten zu bedienen. Das hat man offenbar in der mopo-Chefredaktion und bestimmter Ressorts noch nicht begriffen, oder, was wesentlich perfider wäre, man macht es mit voller Absicht.

Die Berichterstattung der mopo vor #hh2112, zu #hh2112 und zu dem, was dann weiter geschah, kann man qualitativ gar nicht mehr einordnen, derart unterirdisch und falsch war da, was man lesen musste.

Was da abgelaufen ist, war eine Diffamierungskampagne, die ihresgleichen suchen kann. Die von mir oben angesprochene Berichterstattung, die wohl auch Jan Freitag dazu bewogen hat, diesen, eigentlich unüblichen Weg zu wählen, sollte man sich als Beispiel aufheben für einen tendenziösen, hundsmiserablen Journalismus, wenn man bei den Artikeln, die die mopo bis zum heutigen Tage zu diesem Thema abgeliefert hat, überhaupt noch von Journalismus sprechen will.

Ich picke nur ein Beispiel heraus, mit weiteren werde ich mich demnächst auf unserer fb-Seite ausführlicher befassen:

Der Liveticker anläßlich #hh2112.
http://bit.ly/1cV6ubd

Hat den eigentlich schon mal jemand durchgelesen? Fällt da was auf? Wo waren denn eigentlich die Kollegen wirklich, die für diese "Kriegsberichterstattung" verantwortlich zeichen und haben "live" getickt.

Vor Ort können die jedenfalls nicht gewesen sein. Spätestens dann hätte einer gemerkt, dass allein schon die Zeitangaben nicht stimmen, aber verdächtig eins sind mit den falschen Angaben, die die Polizei noch tagelang behauptete. Und ich will da gar nicht weiter machen, sonst wird es uferlos.

Das, liebe Kollegen von der mopo, das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun.

Georg von Grote
http://www.facebook.com/bunteshamburg

05.02.2014 21:37

Mahdi Hosseini

Wer den Genuss kennen lernt, wenn er auf materiellen Genuss verzichtet, wird diesen Genuss nicht mehr als solchen ansehen. Lieber Herr Freitag, sie haben sich ein Stück mehr von den Fesseln dieser Welt befreien können. Es gibt zwei Sorten von Menschen: die einen verkaufen sich und lassen sich versklaven und die anderen kaufen sich frei. Herzlichen Glückwunsch zu diesem gesunden Charakter
Ps: Verzeihen sie meine Deutsch Kenntnisse, bin erst seit 3 Jahren im Lande.

05.02.2014 22:31

Un Fassbar

Wie andere hier schon schrieben: den Zustand der MOPO erst jetzt zu bemängeln, wirkt reichlich skurril. Lässt sich vielleicht mit der finanziellen Abhängigkeit des bisherigen Autors erklären. Insofern: besser jetzt den Schritt als nie. Dass dann aber noch Herr Onken anfängt, die BILD zu verteidigen, das ist wirklich völlig absurd. Bei Dschungel-Larissa hätte man darüber geschmunzelt...

Das grundsätzliche Problem ist doch, dass es eine tolle Stadt wie HH nicht hinkriegt, wenigstens eine vernünftige Tageszeitung zu haben. Das ist das eigentlich Traurige. Tagesspiegel hat es nicht geschafft, jetzt versucht es DIE ZEIT. Stille Hoffnung auf etwas Niveau. Die anderen Blätter sind nicht ernst zu nehmen.

05.02.2014 23:32

holger stoss

Glaube, das letzte Gute war in der Morgenpest Willy Wacker. Danach hatte Hildegard Knef das singen, von nun ab gehts bergab.

06.02.2014 00:41

holger stoss

Besteht eigentlich ein verwandschaftliches Vehältnis mit dem Stefan Niggemeier, oder wird da eine andere Seite unter Pseudonym ausgelebt ;-) ?

06.02.2014 10:27

Wiebke Tomescheit

Sehr geehrter Herr Freitag,

ganz am Rande und ganz was anderes: Ich schreibe als freie Autorin für die MOPOP-Seite der MOPO (meines Wissens übrigens die einzige tägliche Musik-/Popkultur-Seite einer deutschen Tageszeitung). Sie nennen Bernd Begemann, einen "der vielen klugen Menschen in Hamburg, die Ihr Blatt vermutlich längst meiden wie ein Bild-Leser die taz".

Nun, ich bin mir sicher, dass Herr Begemann an der MOPO wie an wohl jeder anderen Zeitung berechtigte Kritikpunkte findet. Dennoch arbeitet er (mein persönlicher Eindruck) seit Jahren gern und regelmäßig mit uns zusammen und hat immer seinen (verdienten) Platz im Blatt. Ich muss Sie in diesem Punkt Ihres MOPO-Bashings also leider enttäuschen.

06.02.2014 11:14

Inge Tietz

Ein "echter Hamburger", der mal mein Kollege war, las oft die MoPo, und ich konnte so gar nicht verstehen, warum. Eigentlich war er nämlich ein durchaus gebildeter und kritischer Mensch. Offenbar hat er sich die MoPo zu Zeiten angewöhnt, als sie noch gut war. Ich als "Zugereiste" sah aber immer nur den augenblicklichen Zustand und den fand ich schlicht gruselig.

Ich verstehe übrigens auch nicht, wie ein Journalist, der sich auch als solcher bezeichnen möchte, für die BILD oder für die MoPo arbeiten kann. Für mich sind das keine Journalisten, sondern Medienmacher, deren höchste Priorität die Erhöhung der Auflage bzw. der Quote ist. Die Leser werden nicht informiert, sondern emotionalisiert, weil sich mit Emotion Geld machen lässt. Mit der gesellschaftlichen Verantwortung ihrer Zunft wollen sie nichts mehr zu tun haben.

06.02.2014 13:30

Frank Behrens

Wirklich ulkig, dass hier jetzt so peu à peu Mopo-Redakteurinnen und -Redakteure, sogar eine freie Mitarbeiterin dem getroffenen Blatt und Herrn Frank Niggemeier beispringen in dem etwas hilflosen Versuch, das zerstörte Standing des kleinen Hamburger Revolverblattes wiederherzustellen. Selten habe ich eine so inhaltsleere Replik wie die des Herrn Frank Niggemeier gelesen, unter bewusstem Auslassen der wahren Klopfer, die sich das Blatt im Zusammenhang mit den angeblichen, in Wahrheit herbeiphantasierten "linksextremen Krawallmachern" geleistet hat. Stichwort Hirschbiegel-Kommentare, oder im Vorfeld des 21.12. bereits die hanebüchene Berichterstattung über die Esso-Häuser.

Dass man die Mopo nicht ernsthaft mehr lesen kann, ist mir schon länger klar. Das macht die Springer'sche Konkurrenz freilich keinen Deut besser, gell Herr Onken?

BTW, an eine Besserung der Situation des Hamburger Lokaljournalismus ausgerechnet durch die Zeit-Ambitionen mag ich nicht glauben… ich muss mir bloß das dortige Personal angucken, ein ehemaliger Hamburger Innensenator und Scharfmacher als Herausgeber (Schmidt), ein verurteilter Steuerhinterzieher als Editor-at-Large (Sommer), ein Guttenberg-Biograph und Seichttalker als Chefredakteur (di Lorenzo) usw. usf.

Die Lage ist düster.

P.S. Lieber Jan Freitag, ein guter Schritt! Ich als Freier kann nachempfinden, was dies bedeutet.

06.02.2014 20:19

Stefan Kuhsiek

Sehr geehrter Herr Behrens,

nein, es ist nicht 'ulkig' (welch lächerlich machende Wortwahl übrigens, in meinen Augen an sich schon disqualifizierend), dass sich Mopo-Redakteurinnen/Redakteure zu Wort melden, es ist auch kein Versuch, ein Standing zu verbessern - es ist lediglich die völlig legitime Maßnahme, einige Fehlinformatinen des Briefes von Jan Freitag zu berichtigen, die nun mal so in der Form nicht im Raum stehen und in der hier getätigten Form kritisiert werden dürften.

Und bitte entschuldigen Sie alle folgenden Ausruf: ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte! Denn was einige Schreiber/innen hier von sich geben, ist wirklich unfassbar... Da wird, um die Nähe dieser Zeitungen zu belegen, eine Schnittstelle Mopo/Bild in Form von Personen betont, die für beide Zeitungen gearbeitet haben oder noch für eine arbeiten, während sie eine Vergangenheit bei der anderen haben - ohne dabei aber die vielen 'Schnittstellen' zu berücksichtigen, die (Ex-)Mopo-Mitarbeiter auch mit anderen, sicher auch feingeistigeren Publikationen aufweisen. Da wird der Mopo der Niedergang bis zum Tod gewünscht, mal ganz unabhängig davon, dass damit rund 100 Arbeitsstellen auf dem Spiel stünden - auch übrigens meine, ich bin Mediaberater bei der Mopo, seit über 10 Jahren gerne und mit viel Einsatz, auch oft kritischem... (oh ha, nun meldet sich auch noch ein Verlagsmitarbeiter dieses Blattes zu Wort, wie ulkig...)

Ja, wir sind Boulevard! Und ja, manchmal bin auch ich über Titelseiten erschrocken, die zum Beispiel 'St. Pauli-Hooligans' als Täter des Davidwachen-Angriffes beschuldigen, um es im Artikel an sich dann journalistisch kompetent und korrekt zu relativieren; das Blöde und nicht nur in meinen Augen Unverzeihliche war, dass es auf der Titelseite nun mal anders transportiert wurde. Aber daraus und aus allen anderen hier kritisierten Punkten zu schließen, es gebe bei uns keine 'wahren' Journalisten, bei uns gehe man verantwortungslos mit dem journalistischen Auftrag an sich um (bzw. er existiere bei uns gar nicht), ist eine geradezu menschenverachtende Meinung (ja, Mopo-Mitarbeiter sind tatsächlich Menschen), die aus meiner Sicht einfach falsch ist.

Jeden Tag machen sich diese Menschen darüber Gedanken, die tatsächlich noch über 370.000 täglichen Leser/innen plus zigtausende Online-/Mobile-User mit Informationen zu versorgen, die teilweise wichtig sind, teilweise auch erheblichen Nutzwert aufweisen (und teilweise sogar unwichtig sind, sowas aber auch...). Und nein, es ist nicht Stilmittel der Mopo, ein Gerücht als Fakt zu publizieren, in der Hoffnung, es würde stimmen, dann könne man sich im einmal von zehnmal zutreffenden Fall im Glanz des 'Wir hatten es zuerst' sonnen (das sind die anderen mit den 4 Buchstaben - nein, nicht WELT und ZEIT). Über den Stil an sich, vor allem auf der Titelseite, mag man manchmal trefflich streiten (ja, auch das tun viele hier auf niveauvolle und eloquente Weise - nur eben bei weitem nicht alle), aber nicht darüber, dass die Aussagen von Frank Niggemeier nun mal Hand und Fuß haben - aber das möchten viele hier einfach gar nicht mehr in ihre Kritik einfließen lassen...

Ja, ich würde mich auch freuen, wenn wir wieder mehr 'typisch Mopo' wären - also so, wie man uns in gar nicht so weit zurückliegender Vergangenheit wahrgenommen hat. Aber viele Aussagen hier unterstellen vor allem unserer Redaktion, dass man sich nicht täglich Gedanken über Verbesserungen, Veränderungen macht... Seien Sie sicher, dass aber genau das passiert - auch und vor allem deswegen, WEIL man in dieser schwierigen Zeit des Prints NICHT untergehen möchte. Daher bin sicher nicht nur ich grundsätzlich sehr dankbar für viele Teile der hier aufgeführten Kritik - aber diverse unmögliche Aussagen und Appelle hier haben mich zu diesem jetzt so nicht geplanten, weil viel zu langen Post veranlasst...

06.02.2014 23:09

Julian Lindenblatt

Liebe Frau Tomscheit,

ich bezweifle stark, dass Herrn Freitags Moitiv für das Verfassen des offenen Briefes "Mopo-Bashing" war. Ihr Kommentar jedoch ist symptomatisch für das Verhalten verschiedener Mopo-Redakteure vor und nach den rechtskonservativen Law and Order Exzessen eines von der Leine gelassenen Herrn Hirschbiegel.

Rührend wie Sie sich durch die Zusammenarbeit mit Ihrem Buddy Bernd Begemann in der ach so alternativen MOPOP Redaktion nach links legitmieren. Glauben Sie tatsächlich, dass Herr Begemann die Diskurshegemonie der Chefredaktion und der hysterischen Lautsprecher in der Griegstraße, die endlich mal aussprechen durften, was sich ja sonst keiner zu sagen traut, zustimmt, weil die Jungs und Mädels der Popredaktion so cool drauf sind? Ich habe von ihm und seinem Umfeld gegenteilige Äußeungen gehört und auch gelesen.

Hören Sie sich mal in Ihrer Redaktion um, ob sich dort nicht einige für ihre Vorgesetzten und die Polizeiredaktion mit Standleitung zum umstrittenen Polizeigewerkschafter Rainer Wendt mit seinen unverhohlenen Gewaltfantasien schämen und gleichsam Herrn Freitags Schritt beglückwünschen.

Es ist natürlich unfair von ihm, dass er die einzigartige MOPOP-Redaktion nicht ausdrücklich von seiner Kritk ausgenommen und dadurch unfairerweise"mitgebasht" hat.

07.02.2014 08:58

Michael Conrädel

Seit knapp 2 Jahren beziehe ich das REVOLVERBLATT MOPO. Werde von vielen schief angeschaut. Nach 40 Jahren HA habe ich damit aufgehört. Es kommt mir immer mehr einer BILD-zeitung näher, im wahrsten Sinne von immer größeren Bildern zu meist kürzeren Informationen. Die MOPO ist ein "schlimmes" Blatt, trage es mit Fassung.

Was gibt es in HH viel anderes als diese beiden Blätter mit größerem Bezug auf HH-Infos? Schade!

07.02.2014 10:19

Jan Freitag

@ Renate Pinzke
Liebe Renate, danke für den Hinweis mit dem CDU-Politiker, der die Schließung offenbar in der Bild gefordert hat; das war nachlässig (nicht vorsätzlich falsch) recherchiert und tut mir leid, ändert aber nichts an meiner Kritik und legt ja nur aufs Neue offen, wie verwechselbar Bild und Mopo längst sind. Ein Wort der inhaltlichen Auseinandersetzung mit meinem Brief wäre aber auch schön gewesen. Bislang hört man aus der Redaktion (zumindest offiziell) nur Motzen und Klagen, aber Null Selbstreflexion. Schade.

Schönen Gruß, Jan

07.02.2014 11:36

Lulu Istirritiert

In einer Hinsicht kann ich Ihnen Recht geben: Durch die Bank weg stand in allen Zeitungen nur Mist. Ich möchte meiner Bewertugn aber eine andere Richtung geben: Was Journalisten (auch angeblich so kritische, aber in Wahrheit doch eher linksorientierte) da teilweise behauptet und dargestellt haben, hat mich oft vor den Kopf gestoßen und teilweise auch verstört.

Als Anwohnerin musste ich schon mehrfach hinnehmen, wie "Demonstranten" mein Freiheitsrecht eingeschränkt haben und für Chaos und Gewalt gesorgt haben. Auch ich finde es nicht schön, dass nur von verletzten Polizisten gesprochen wird und hätte mir gewünscht, wenn auch dezidiert die Angriffe auf Zivilisten (unter anderem in Geschäften) oder die Opfer von Friendly Fire (die hat es ja offenbar auch gegeben) berichtet würde. Statt dessen findet weiterhin lediglich eine Debatte auf dem Niveau "Wer hat angefangen" statt.

Herr Freitag, für ihre Heulschrift habe ich wenig Verständnis. Jeder denkende Mensch weiß doch, dass die Auflage den Inhalt bestimmt. Und das wir in Hamburg keine vernünftige Tageszeitung haben, ist auch hinlänglich bekannt. Also was soll diese Schimpftirade? Objektivität und Journalismus gehören doch in diesem Land schon lange nicht mehr zusammen. Wenn mir taz-Journalisten widersprechen, nachdem ich das wunderbare Zitat bringe, wonach ein guter Jounalist sich nicht gemein mache mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, dann weiß ich auch nicht weiter. Es gibt halt keine guten Journalisten. Ich kann ja verstehen, dass man ggf. durch die Informations- und Meinungsflut überfordert ist. Ich finde es trotzdem sehr schade, dass die Presse nur noch Meinung macht und keine neutrale Berichterstattung, die mir als Leser erlaubt, mir ein eigenes Bild zu machen.

Im übrigen konnte jeder, der sich ein wenig schlau gemacht hat, durchaus davon ausgehen, dass ein großer Teil der Demonstranten auf Krawall gebürstet war. Schade um alle, die am 21. friedlich demonstrieren wollten. Noch viel schlimmer ist allerdings die mangelnde Aufarbeitung und Selbstreflexion.

Einen Hoffnungsschimmer habe ich jedoch: In Gesprächen mit Freunden findet man immer noch eine differenzierte Meinung, die über die platten Attitüden von taz, SZ, Mopo, Bild usw. hinausgehen. Auch in meiner Nachbarschaft gibt es wenig Verständnis für diese skurrile Medienhysterie, die überhaupt nicht das widerspiegelt, was hier vor Ort geschieht. Dafür erstaunlicherweise umso mehr für das Vorgehen des Senats.

07.02.2014 11:56

René Böttcher

Lieber Herr Freitag,

vielen Dank für Ihre Haltung! Wir brauchen mehr von Ihrer Sorte. Doch Haltung ist eine Mangelware geworden, da wir uns von Angst beherrschen lassen. Doch was soll schon geschehen, wenn wir für unsere Haltung aufstehen --- nur Gutes!

Alles Liebe aus Siegburg

07.02.2014 12:38

Tito Villanueva

Die Mopo ist schon lange keine Zeitung mehr, sondern eine Art Unterhaltungsblatt, das grundsätzlich nach dem Prinzip "Sommerloch" gestaltet wird: täglich 80% Belanglosigkeiten. Die restlichen 20% prinzipiell tendenziös. Nicht Information sondern Emotion ist ihr Leitmotiv.

07.02.2014 22:34

Frank Behrens

Och Herr Kuhsiek,

jetzt könnte ich sagen: Getroffene Hunde heulen. Der Unwille zu kritischer Selbstreflexion bei der Mopo ist wirklich evident. Warum wird diese Debatte nicht in Ihrem Blatt geführt? Warum gibt es keine inneredaktionelle Demokratie? Weil es die woanders auch nicht gibt?

@Lulu Istirritiert: Journalismus ohne Mut zur Meinung ist kein Ausweg, eher eine Schimäre. Ich würde mir bei den großen Medien echte Meinungsvielfalt wünschen, da wäre schon viel gewonnen gegenüber der heutigen Situation.

08.02.2014 11:42

Bernhard Schülke

Hallo Allerseits,

was mich interessieren würde, gibt es in Hamburg Projekte wie die "Frankfurter Gemeine Zeitung" (www.kwassl.net)?

An Frank und andere geistig unabhängige Schreiber: Schreibt doch weiter in kritischen Internetmedien. Die gibt es. Bloß zahlen können die allermeist nichts.

10.02.2014 09:39

Arne Strohmann

Sehr geehrter Hr. Freitag,

3-4 Ihrer Anschuldigungen die Sie hervorgebracht haben, haben sich alleine im Laufe dieser (sehr einseitigen) Diskussion als Falsch erwiesen....Sie haben sogar zugegeben das Sie falsch waren.

Es tut mir leid, aber ich kann da nicht mehr glauben, dass das "aus Versehen" war ... es war entweder Absicht oder (was ich eher vermute) völlig schlampige Recherche. Und so einer wie Sie will mir dann irgendetwas über schlechten Journalismus erzählen, der es selber nicht mal auf die Reihe bekommt ordentlich Nachzuforschen und sich dazu bei seinen offenen Brief zu großen Teilen auf "hörensagen" verlässt?

Ganz ganz ganz schlechter stil.

Die Wahrnehmung der Berichterstattung der MoPo (die nebenbei immer Boulevar war und nie die Qualität einer Zeit oder so hatte ... manche müssen da echt eine sehr verquere Wahrnehmung haben) war definitiv nicht einseitig gefärbt ... außer Sie meinen damit, dass sie nicht rein die "linke" Seite hochgejubelt und die "rechte" Seite verteufelt hat. Das ist doch Ihr wahres Problem. In dem Fall sollten Sie vielleicht besser zu TAZ wechseln, da ist es fast einseitig nur Pro Links.

24.03.2014 13:00

Ann-Katrin Timmermann

Man sollte sich mal die Artikel und die frei geschalteten Kommentare unter Mopo.de, Sport/HSV durchlesen! Da können anonyme User - offenbar gerne mehrmals - sich von ihrer "verbalen Diarrhoe" befreien, so dass es einem schlecht wird! Unterstellungen, Mobbing!, persönliche Beleidigungen, Demontagen von anderen Usern, unbewiesene Behauptungen etc...pp....werden ungefiltert veröffentlicht!

Wehrt man sich dagegen, erscheint das natürlich nicht! Was da teilweise abgelassen wird, wäre direkt ein Fall für eine Anzeige gegen - leider - unbekannt! Auch E-Mails an die Redaktion bringen nichts! Keine Reaktion! Widerlich.

 
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