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Autor

Interview: Hans Hoff

Fotos: Jürgen Schulzki

verfasst am

31.10.2011

im Heft

journalist 11/2011

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Bild: Jürgen Schulzki

"Suboptimales Aussehen" als Vorteil: Oliver Welke strahlt eine gewisse Harmlosigkeit aus.

Oliver Welke

"Merkel ist der ultimative Test für Interviewer"

Oliver Welke war jahrelang das Sat.1-Sportgesicht, dann tingelte er durch verschiedene Unterhaltungsshows. Inzwischen ist der 45-Jährige Anchor der heute show und einer der bissigsten Journalisten im deutschen Fernsehen. Dabei sieht er sich eigentlich gar nicht als Journalist.

journalist: Herr Welke, Sie haben nicht gerade das klassische Fernsehgesicht.

Oliver Welke: Der Uraltwitz mit dem klassischen Radiogesicht ist für mich gemacht worden. Konsequenterweise hat ja meine Karriere nach einem ganz kurzen Lokalzeitungs-Intermezzo und kurzer freier Mitarbeit beim WDR in Dortmund auch beim Radio begonnen.

Sie verströmen eine gewisse Harmlosigkeit.

Kann sein. Wenn man die heute show ohne Ton sehen würde, könnte man ja tatsächlich glauben, man wäre in die ZDF-Nachrichten reingeraten. Deshalb bin ich ja als Anchor prädestiniert, weil ich dieses latent Seriöse oder, wie Sie sagen, dieses Harmlose ausstrahle. Aber ich behaupte: Wenn man nicht nebenbei bügelt, sondern zuhört, sollte sich dieser Eindruck schnell verflüchtigen.

Ist Ihr suboptimales Aussehen Ihr Vorteil?

Es geht ja nicht um Attraktivität, sondern um dieses Pseudoseriöse, was man mir zubilligt, weil ich als Sportjournalist seit 15 Jahren ernsthafte Ansagen mache. Davon profitiert ja auch der Kollege Martin Sonneborn. Der schafft es immer, unverschämte Sachen so zu sagen, dass die Leute nicht beleidigt sind. Wir haben bei unseren Reportern das Problem, dass man nie Mitleid mit den Interviewten haben darf. Wenn die Sympathie zu denen rübergeht, die befragt werden, dann haben wir verloren. Das hat bei Sonneborn auch mit Physiognomie zu tun. Der ist so ein Osnabrücker Kaltblüter und wirkt so erschreckend seriös, dass die Leute oft erst zwei Tage später merken, dass sie beleidigt wurden.

Ex-Titanic-Chefredakteur Sonneborn ist Ihr gefährlichster Außenreporter?

Würde ich schon sagen. Leider kennen ihn inzwischen alle. Wenn Sonneborn auf einem Parteitag auftaucht, gibt es ein paar Hinterbänkler, die sich Autogramme holen. Aber die, die er haben will, teilen sich wie das Rote Meer, wenn sie ihn kommen sehen.

Droht die Show an der Bekanntheit ihrer Reporter zu ersticken?

In der Szene ist die Bekanntheit schon zu groß. Aber Sonneborn hat ja zum Glück Ideen, die über diesen Guerilla-Effekt hinausgehen. Wenn er und sein Team sagen, wir machen jetzt mal Google-Homeview und klingeln bei den Leuten, ist es ja relativ egal, ob die ihn erkennen oder nicht.

Wegen Sonneborn haben Sie sich angeblich den bislang einzigen Rüffel vom Programmdirektor eingehandelt, weil er sich bei einem Pharmareferenten als Vertreter von heute, also den echten Nachrichten, ausgegeben hat, und der Pharmamann dann ein bisschen zu viel ausplauderte.

Da gibt es verschiedene Versionen. Die eine sagt, dass Sonneborn deutlich heute gesagt hat und der Rest dann irgendwie verhustet war. Ich fand Sonneborns Argumentation ganz schlüssig. Er hat gesagt, er habe sich ja gewünscht, dass das bei heute läuft. In dem Moment konnte ich aber den leisen Frust der Nachrichtenkollegen verstehen, die uns sehr unterstützen und immer wieder auf Dinge aufmerksam machen. Wenn bei deren Anfragen immer die Angst mitschwingt, dass einer von der heute show kommen könnte, dann kriegen die irgendwann gar keine Gesprächspartner mehr. Seitdem sind alle unsere Reporter mit offener Flagge unterwegs. Da ist jetzt keiner mehr undercover.

War das wirklich die einzige Einmischung?

Tatsächlich. Ich würde wahnsinnig gerne Heldengeschichten erzählen, wie wir uns gegen einen Sender durchsetzen müssen, der uns sagt: Ihr dürft dies nicht machen, oder: Macht mal das über den. Tatsache ist, es gibt da nicht einmal die Andeutung eines Hustens. Das ist fast schon enttäuschend. Neulich gab es ein bisschen Hoffnung. Als wir einen Nachruf auf die FDP gesendet haben, soll ein FDP-Mann in Mainz angerufen und gefragt haben, ob das denn so weitergehen müsse. Aber das habe ich nur über Bande erfahren. Das ZDF legt Wert darauf, dass wir nicht mit so etwas im Kopf an die Sendung herangehen. Das wäre wahrscheinlich auch der Anfang vom Ende.

Rufen Sie nicht manchmal nach Intervention? Das Merkel-Interview von Günther Jauch haben Sie "Arschkriecher-Olympiade" genannt. Das hat sich sonst niemand in dieser Deutlichkeit getraut.

Ich glaube, beim ZDF hat keiner etwas dagegen, wenn man von einer Arschkriecher-Olympiade in einer ARD-Talkshow spricht. Da hätten schon Günther Jauch oder die WDR-Intendantin intervenieren müssen. Aber das trauen die sich nicht. Das Gute bei uns ist ja die Kraft zur Selbstironie. Wir gehen auch das ZDF an. Wulf Schmiese hat mich beim Fernsehpreis angesprochen und gefragt, ob das mit unserer Reihe Mein Gott, Schmiese weitergeht. Und in der Woche darauf hat er dann auf seine ganz eigene Art im Morgenmagazin Steve Jobs verabschiedet. Er hatte die Formulierung "Die Reaktionen auf den Tod von Steve Jobs waren alle die gleichen – alle gleich positiv."

Bild: Jürgen Schulzki

 

 

"Ich glaube, beim ZDF hat keiner etwas dagegen, wenn man von einer Arschkriecher-Olympiade in einer ARD-Talkshow spricht."

Oliver Welke hat keine Angst davor, dass sich der Sender in seine Show einmischen könnte.

 

 

Ist die Nichtintervention aus Mainz nicht eine Ermutigung, härter zu werden?

Das ist nicht der Ehrgeiz. Ich finde es natürlich amüsant, wenn es, wie im Frühjahr geschehen, wilde Verschwörungstheorien gibt, weil bei einem Gespräch mit Michael Mittermeier aufgrund eines technischen Versehens plötzlich Schwarzbild kommt. Da hieß es dann, man habe uns in Mainz den Saft abgedreht. Wenn so etwas von erfahrenen Journalisten kommt, wird es absurd. Die müssten ja wissen, dass wir um 18 Uhr aufzeichnen und das ZDF also ganz andere Möglichkeiten hätte, als die Ausstrahlung ins Schwarzbild zu ziehen.

Es passte zum Timing ganz gut.

Mittermeier hatte über Atomenergie geschimpft und benutzte mehrfach das Wort Wichser. Ich sagte dann: "Das ist ein Wort, das im ZDF viel zu selten fällt." Und nach dem Satz kam das Schwarzbild. Man hätte vielleicht darauf hinweisen können, dass es schon ganz andere Gründe gegeben hätte, uns ins Schwarzbild zu ziehen als dieses Wort.

Sind Sie nicht manchmal verwundert, was Sie sich alles leisten dürfen?

Über das Stadium sind wir hinaus. Wir sind im Jahr drei der heute show. Das erste Jahr haben wir uns noch gewundert, jetzt machen wir einfach. Bei den Sitzungen ist ja auch ein ZDF-Redakteur dabei.

Wird der auch mal losgebunden und vom Knebel befreit?

Der beteiligt sich durchaus an den Gesprächsrunden.

Kommt von ihm nie der Satz: Das versteht der Zuschauer nicht?

Das ist einer von den Sätzen, den Redakteure im Alter von drei Jahren beigebracht bekommen. Kennen den die Leute? Ist der bekannt genug? Das kommt schon auch mal bei uns. Das hört man sich an, und wenn dann einfach weiter geredet wird, hat sich das Thema schnell erledigt. Manchmal ist der Satz ja auch berechtigt. Wenn ein Gag nicht funktioniert, weil man die Person, um die es geht, nicht kennt, hat man etwas falsch gemacht. Man muss als Medienschaffender immer aufpassen, dass man sich nicht auf diese Meta-Ebene begibt und denkt: Alle Leute beschäftigen sich mit den Formaten der Konkurrenz oder mit dem Kram, der nur eine Handvoll Leute, die bei den Medien arbeiten, interessiert.

Der ZDF-Mann ist so etwas wie der Troubadix der Redaktion?

Nein. Das ist Stephan Denzer. Denzer ist die Comedy beim ZDF. Der liebt das Thema. Es gibt ja genug Unterhaltungsredakteure, die noch nicht mal privat jemals eine Idee hatten. Aber der rennt auch in seiner Freizeit in Comedyprogramme. Weil es ihn interessiert. Das ist einer von dreien, vieren, die sich für das Thema begeistern, das ihnen vom Leben zugeteilt wurde.

Gilt das auch, wenn es um Kirche geht, die ja in den ZDF-Gremien gut vertreten ist?

Da sehe ich schon, wie sich insbesondere in der Brainstorming-Phase sein Gesicht verfärbt. Er muss das verantworten. Vor allem gegenüber den Zuschauern. Beim ZDF wird jede Anfrage beantwortet. Vom Redakteur. Und zwar ernsthaft. Der Mann hat meine volle Solidarität.

Sie haben beim ZDF das Paradies gefunden.

Absolut. Meine feste Überzeugung ist, dass diese Sendung nur im öffentlich-rechtlichen System möglich ist. Ich weiß aus meinen vielen Jahren bei den Privaten, dass dort allein die Anspielung auf einen Politiker oder die Namensnennung als totaler Abschaltfaktor gesehen wird. Da kommt dann auch bei Kurt Beck: Den kennt doch kein Schwein.

Sie wollten es doch früher mal gemeinsam mit Dieter Nuhr probieren. Warum ist daraus nichts geworden?

Wir haben uns gedacht: So etwas wie die Daily Show müsste man mal machen. Aber das ist sehr aufwendig. Da haben wir dann gesagt: Lass uns doch erst einmal etwas Einfacheres versuchen. Das war angelehnt an das englische Unplanned, wo Dieter Nuhr und ich auf einem Sofa auf einer Bühne vor Publikum sitzen, und die Leute können Fragen zur Woche stellen. Wir beantworten die eine Stunde lang, und daraus wird dann eine halbe Stunde zusammengeschnitten.

Das wollte aber keiner.

Wir haben das auch für das ZDF pilotiert. Es lag sehr lange herum. Woran es gescheitert ist, weiß ich jetzt gar nicht.

Bild: Jürgen Schulzki

 

 

"Meine feste Überzeugung ist, dass 80 Prozent der Medienkarrieren auf einer Verkettung von Zufällen basieren."

Oliver Welke glaubt, dass er bei ran nie eine Chance bekommen hätte, wenn er nicht zufällig zur Sendung gekommen wäre, als die Kollegen Kerner und Beckmann auf dem Absprung waren.

 

 

Welchen Sinn machen Politikerbesuche in Ihrer Sendung?

Unsere Facebook-Freunde, von denen es inzwischen mehr als 60.000 gibt, regen sich tierisch auf, dass wir das überhaupt machen. Dabei hatten wir in mehr als 60 Folgen erst zwei Politiker zu Gast, nämlich Claudia Roth und Wolfgang Bosbach. Das ist jetzt nicht gerade eine Schwemme. Es gibt aber auch Leute, die das sehr unterhaltsam fanden. Vor allem im Fall Bosbach, der einen Tag nach der Euro-Abstimmung im Bundestag bei uns war, also an dem Tag, an dem ihn viele andere auch gerne als den Vorzeige-Euro-Rebellen gehabt hätten. Das hat funktioniert, weil er inhaltlich stark war und als alter Kölner auch ein paar Pointen setzen konnte, die vom Timing gar nicht mal so schlecht waren.

In dem Gespräch fiel nicht einmal der Name Ronald Pofalla, der in den Tagen danach die Schlagzeilen beherrschte, weil er Bosbach heftigst beschimpft hatte.

Das hat wehgetan. Wir zeichnen um 18 Uhr auf, und um 18.40 Uhr war ich sehr zufrieden mit der Sendung und stand mit Bosbach noch kurz in der Garderobe, bevor er zum nächsten CDU-Termin musste, wo er dann die Katze aus dem Sack gelassen und diese Pofalla-Geschichte erzählt hat. Da habe ich gesagt: Hätten Sie das nicht eben auch bei uns erzählen können? Da sagte er: Nee, er möchte nicht als die große Petze dastehen. Er würde aber glauben, dass es sowieso rauskommt. Und in der Tat hat ihn dann die Welt noch an dem Abend angerufen und mit den Zitaten konfrontiert. Damit war die Geschichte für uns genau eine Stunde zu spät auf dem Markt.

Hatten Sie die Information nicht?

Nein, die hatte ich nicht. Ich habe es erst von ihm nach der Sendung erfahren.

Knapp daneben ist auch vorbei.

Wäre ich tatsächlich Journalist und nicht Fake-Anchor, hätte ich die Nacht danach nicht schlafen können. Hätten wir es gehabt, hätten alle geschrieben "sagte Bosbach in der heute show".

Das hätte Sie noch einmal auf eine andere Ebene gehoben.

Das wäre eine glatte Eins gewesen. In den USA hat Jon Stewart ja auch mit vielen Politikern gesprochen, und da kamen durchaus zitierfähige Sachen heraus. Da sind wird aber noch lange nicht.

Was passiert, wenn jetzt Frau Merkel anruft und sagt, sie möchte in Ihre Show kommen?

Dann kommen wir sehr unter Druck. Ich habe mich ja darüber amüsiert, dass Jauch alle Gäste inklusive Thomas Gottschalk auslädt, weil Angela Merkel anruft und sagt, sie hätte Lust vorbeizukommen. Wir müssten ihr natürlich auch die komplette halbe Stunde geben. Ich glaube aber, wir würden es hinkriegen, dass Markus Schächter und Thomas Bellut sagen würden: Dann macht doch zu der halben Stunde heute show noch eine halbe Stunde mit Merkel.

Die Latte bei der Arschkriecher-Olympiade würde aber sehr hoch liegen.

Ja, damit ich nicht Silber kriege. Ich glaube, dass Frau Merkel der ultimative Test ist für Interviewer, die besser sind als ich. Sie ist erstaunlich gut vorbereitet. Sie ist auch weit schneller und schlagfertiger, als man ihr das von außen oft zubilligt. Man kriegt authentische Reaktionen nur in ihrem Gesicht. Das ist auch für erfahrene Reporter schwer, da etwas rauszukitzeln.

Da attestiere ich Ihrem Wunsch, Frau Merkel trotzdem zu interviewen, doch eine gewisse Vermessenheit.

Das wäre echt mutig. Bei allem, was ich sonst an Spontaneität gut finde, müsste ich das sehr, sehr gut vorbereiten.

Könnten Sie das?

Ohne Hilfe nicht. Wir haben ja zum Glück zwei klassische Journalisten, die nicht fürs Lustige zuständig sind, sondern uns nur montags die Themenlage referieren und dann die ganze Woche recherchieren. Die erklären uns das so, dass wir es verstehen und versuchen können, es für den Zuschauer lustig zu machen, der ja noch weniger im Thema ist.

Sie würden das Gespräch mit Merkel wagen, auch wenn Sie krachend scheitern?

Das müsste ich wagen. Man stelle sich vor, es käme heraus, dass Merkel sich angeboten hat, und wir haben sie nicht genommen. Wie stünde ich dann da?

Sie könnten sagen: Günther Jauch war ihr nicht gewachsen, wir sind es auch nicht.

Oder ich würde ihr sagen: Wir sind eine Comedy-Sendung, und Sie sind nicht lustig genug. Nein, nein, da würde mich schon der Ehrgeiz packen. Die Schwierigkeit wäre, es auszuhalten, dass da eine Strecke auch mal drei, vier Minuten nicht lustig ist. Wenn man auch auf dem Feld erfolgreich sein will, muss man das aushalten.

Sie wollen gerne bedeutend sein.

Nein, ich glaube, dass man sich in einer Sendung wie unserer mehr trauen kann und dass die Politiker mehr aushalten, als man denkt. Wenn ich zu einem Politiker wie Wolfgang Bosbach sage, dass ein großer Teil der Abgeordneten Angst vor Neuwahlen hat, weil sie ahnen, dass sie in der freien Wirtschaft unvermittelbar wären, dann glaube ich nicht, dass man das von Plasberg oder Beckmann so hinnehmen würde. Weil wir aber unter der Überschrift Satire segeln, muss man da lächelnd sitzen, es aushalten oder etwas Schlagfertiges zurückgeben. Wir haben eine andere Position, und das kann man ausnutzen.

Irgendwann sind Sie mehr politisch als lustig.

Man muss beides hinkriegen. Zum x-ten Mal das Thema Euro lustig zu kriegen, das ist arschschwierig.

Wie viel Erniedrigung muss man als Moderator der heute show ertragen? Das geht ja von "Ach, Welke" bis zum Würgen durch Ihren Wut-Kommentator Gernot Hassknecht.

Es wäre schwer, wenn ich es nicht ertragen würde, weil ich es meistens selbst so geschrieben habe. Da folge ich dem Prinzip von Rudi Carrell, mit dem ich in seiner Spätphase noch arbeiten durfte. In einem Format, in dem man permanent austeilt, muss man auch einstecken. Wenn mich Dietrich Hollinderbäumer in seiner Rolle als Außenreporter Ulrich von Heesen als Spießer abwatscht, dann finden die Leute das toll. Man muss nur aufpassen, dass das nicht so berechenbar, so Kienzle-und-Hauser-mäßig wird.

Wenn man die Szene ansieht, in der Sie gewürgt werden, kann man Ihre mimischen Talente für ausbaufähig halten.

Absolut. Das ist ja auch der Grund, warum ich in den Wixxer-Filmen immer nur 18 Sätze hatte. Im Vergleich zu richtigen Schauspielern fällt eben auf, wie wenig ich spielen kann. In der Würgeszene musste ich die ganze Zeit lachen, weil ich merkte, dass der Kollege das Würgen nicht andeuten kann. Er konnte es nur, indem er wirklich würgte. Ich habe noch drei Stunden danach gehustet.

In Wahrheit können Sie nix und sind nur an der richtigen Stelle gelandet.

Meine feste Überzeugung ist, dass 80 Prozent der Medienkarrieren auf einer Verkettung von Zufällen basieren. Es gibt Leute, die sagen, sie wussten schon mit zwölfeinhalb Jahren, was sie mit 30 machen. Das ist in der Regel gelogen. Wenn ich nicht zufällig zu ran gekommen wäre, als die Kollegen Kerner und Beckmann auf dem Absprung waren, hätte ich nie die Chance bekommen, das auszuprobieren. Wenn man dann die Chance kriegt, muss man irgendwie funktionieren und was draus machen. Aber dass man die Chance kriegt, ist wirklich Zufall.

Sie sind also zufällig bei der heute show.

Die heute show ist die Summe von glücklichen Zufällen, weil da vieles zusammenkommt, was ich über die Jahre ausprobieren konnte. Ein Impro-Format wie Frei Schnauze bei RTL, was ein bisschen wie Kindergeburtstag auf Ecstasy wirkte, war eine Chance, meine Defizite im Verkaufen und im Spielen auszugleichen. Ich hatte schon immer eine gewisse Schlagfertigkeit, konnte das aber mimisch nie umsetzen. Beim Radio habe ich gelernt, wie man unter industriellem Fertigungsdruck lustig sein kann. Hier kommt jetzt alles zusammen. Ich behaupte, vor fünf Jahren hätte ich das so nicht machen können.

Da hieß es über Sie noch "Jeden Tag 'ne andere Show, die Rampensau im Telezoo".

Genau. Oliver Kalkofe über mich. Das war meine Findungsphase, in der ich wie alle Sportmoderatoren dachte: Man muss doch auch was in der Unterhaltung machen.

Was machen Sie, wenn Sat.1 keinen Fußball mehr sendet?

Meine Frau fände es gut, wenn meine Fußballkarriere im Mai 2012 endete. Ich selber tue mich mit dem Gedanken noch etwas schwer, weil das etwas ist, was ich privat gerne mache. Ich gehe gerne ins Stadion und rede auch gerne darüber. Wenn ich dafür bezahlt werde, umso besser. Aber wenn das endet, geht die Welt nicht unter.

Aktuelle Kommentare zu diesem Interview

10.09.2013 18:48

Sandra Eberhardt

Oliver Welke sieht nicht suboptimal, sondern sehr knuffig aus und hat garantiert einen tierischen Schlag bei Frauen!

21.11.2011 05:29

Helga Koehler

Humor ist so was Seltenes ... köstlich die meisten heute-shows ...Wilhelm Busch: der Maulwurf (V-Männer) ...und die Gärtner (Verfassungsschützer und Co) als Anregung ...

03.11.2011 07:58

Klar Denker

Mein Gott wie geil war das noch ... Kalkofe und Welke als Kalk und Welk auf radio nns, ähm, radio fff fff nnnh.

Ich will Frieda und Anneliese, Kalkofes Mattscheibe, die A****krampen, Früstüxradio an die Stelle der Tagesschau!

Die ARD die dicke Fette, gibts bald nur noch auf Kassette !!!

02.11.2011 18:02

S B

@Walter West: Seltsamer Vergleich: Neues aus der Anstalt und heute show. Ich wette, Sie finden auch, der Flachbildfernseher ist dem Expressionismus weit voraus?

Die heute show ist eine Mediensatire, Neues aus der Anstalt ist politisches Kabarett – und um ehrlich zu sein, wenn ich Welke mit diesem cholerischen Almjodler vergleiche, der da inzwischen ständig zu Gast ist, dann ist er eine wahre Wohltat... und ob dieser Rether nun gefährlicher oder spitzer ist oder gut spielt, möchte ich auch bezweifeln. Der ist übrigens in der nächsten Folge wieder zu Gast, zusammen mit Ingo Appelt und Andreas Rebers – da bleibt netto deutlich weniger Gutes als in der heute-show.

01.11.2011 21:56

Walter West

Habe die heute show ein paar Mal gesehen, u. A. die Sendung mit Mittermeier, den ich da sogar mal richtig klasse fand. Ansonsten ist Sonneborn DAS Highlight.

Welke dagegen war fast gar nicht bissig - ich verstehe überhaupt nicht, wie man ihn so bezeichnen kann - im Gegenteil, er war oft plump, platt, harmlos und spielte ganz, ganz mies. "Neues aus der Anstalt" z. B. ist der heute show meilenweit voraus.

01.11.2011 16:18

S B

Ein Interview mit Merkel in näherer Zukunft wäre wohl ein Debakel. Welke als Anchor der heute show ist großartig, ich schaue jede Sendung (wenn auch nicht immer zum Sendezeitpunkt, so dass der Mittermeier-"Skandal" quasi komplett an mir vorbeigegangen ist), aber trotz der Prämisse einer bissigen Satiresendung ist Welke doch ein dankbarer Termin für Politiker. Viel zu scheu und harmlos wirkte der sonst so selbstbewusste Welke, um den Gegenüber irgendwie in Bedrängnis bringen zu können. Ein echter, kalter Politprofi wie Merkel würde damit kurzen Prozess machen; Roth war insofern vielleicht der beste Einstieg, weil sie da genau Gegenteil Merkels ist, aber Bosbach schien mir bereits eine Nummer zu hoch zu sein.
Welke muss da auch noch lernen, die Ehrfurcht vor dem Gegenüber abzulegen - aber das traue ich ihm auch durchaus zu.
Fraglich ist, ob sich die Politiker dann noch zu ihm trauen, andererseits trauen sie sich auch zu Pelzig...

01.11.2011 13:37

M H

Super Interview ! super sympathischer Typ, der welke !

 
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