Detail-Informationen

Autor

Interview: Lars Radau

verfasst am

07.08.2012

im Heft

journalist 8/2012

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Als erster Rundfunkrat hat der Saarländische Rundfunk einen Piraten in seinen Reihen.

Saarländischer Rundfunk

"Mehr Politisches ins Programm des SR"

Michael Hilberer ist Fraktionschef der Piraten im Saarländischen Landtag – und wird für die Partei im Rundfunkrat des SR sitzen. Ein Gespräch über Erwartungen.

Bild: dapd/Thomas Wieck

Michael Hilberer: "Transparenz ist zentral, auch für meine eigene Arbeit."

journalist: Sie sind der erste Pirat in einem Rundfunkrat. Was reizt Sie an diesem traditionell als klüngelig verschrienen Gremium?

Michael Hilberer: Eben dies. Die Zusammensetzung der Rundfunkräte ist ja so gewählt, dass sie in der Theorie alle gesellschaftlich relevanten Gruppen abbilden und darauf achten, dass diese im Gesamtprogramm ausreichend zu Wort kommen. In der Praxis gibt es aber diese Frontenbildung, weil viele der Vertreter, die aus Vereinen und Verbänden kommen, auch politisch organisiert sind. Dafür war die Wahl des aktuellen Intendanten ein beredtes Beispiel – letztlich ging es um die Frage, ob sich ein CDU-Mann oder ein SPD-Mann durchsetzt. Am Ende waren ein paar Unabhängige das Zünglein an der Waage.

Wollen Sie sich in diese Arithmetik einordnen?

Mit einem Sitz im Rundfunkrat wird man das System realistischerweise kaum sprengen. Ich kenne die Verhältnisse bislang nur vom Hörensagen, meine erste Sitzung ist am 17. September. Aber von den 35 Mitgliedern des SR-Rundfunkrats sind sicher vier oder fünf Unabhängige. Da sehe ich mich am ehesten.

Wie groß schätzen Sie Ihre Einflussmöglichkeiten ein?

Das ist ähnlich wie im Landtag. Im Saarland gibt es eine große Koalition, die eine erdrückende Mehrheit hat. Meine Hoffnung für den Rundfunkrat ist, dass nicht alles direkt abgeblockt wird, nur weil es aus dem Oppositionsblock kommt. Sondern, dass man je nach Thema zusammenarbeitet – und wir unsere Kompetenzen einbringen können.

Bei welchen Themen etwa?
Der Rundfunkrat hat eine beratende Aufgabe bezüglich der Programmgestaltung. Als Pirat liegt für mich der Fokus darauf, dass sich dort das gesteigerte politische Interesse der Öffentlichkeit wiederfindet. Das heißt, dass gerade beim Saarländischen Rundfunk wieder mehr politische Sendungen laufen sollten. Die sind in den vergangenen Jahren immer weniger geworden – so zumindest mein Eindruck. Auch, was Social Media und Rückkanäle angeht, hat der SR durchaus Nachholbedarf.

Was sollte der Sender hier tun?
Da braucht man sich nichts vorzumachen: So ein kleiner Sender hat nur begrenzte Möglichkeiten, selbst eine Community zu schaffen. Aber was mit relativ wenig Aufwand möglich ist: die Plattform so offen zu gestalten, dass andere das tun können.

Die ARD-Anstalten haben ohnehin schon das Problem, dass sie nicht alles im Internet präsentieren können, was sie wollen.

Hier haben wir eine klare Position: Wir fordern die Abschaffung des Depublikations-Zwangs. Der ist weder inhaltlich noch wirtschaftlich sinnvoll. Doch dafür ist nicht der Rundfunkrat das Forum, sondern die bundespolitische Ebene.

Wie verträgt sich der Klüngel-Verdacht der Rundfunkratsarbeit mit dem Transparenzgebot der Piraten?
Transparenz ist zentral, auch für meine eigene Arbeit. Wie das im Rundfunkrat konkret aussehen wird, kann ich noch nicht sagen. Das Minimum wäre aber wohl ein Blogeintrag, worum es in der Sitzung ging, was die Positionen waren, was entschieden wurde.

 

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