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Autor

Svenja Siegert

verfasst am

08.09.2011

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Bild: ZDF/Rico Rossival

Social-Media-Redakteure

Der Erzieher

Michael Umlandt führte das ZDF mit einem falschen Twitter-Account an der Nase herum. Zwei Jahre später bietet der Sender dem heute 24-Jährigen eine Stelle in Mainz an.

Im größten Gebäude verläuft er sich regelmäßig, ein paar Plätze auf diesem Berg kennt er nur vom Lageplan, auf dem Schild neben seiner Tür steht immer noch der Name seines Vorgängers. Es ist Tag 23 für Michael Umlandt auf dem Mainzer Lerchenberg, dem Sitz des Zweiten Deutschen Fernsehens. Er lehnt in einem Konferenzstuhl im dritten Stock des Redaktionsgebäudes. Ein paar Räume weiter sitze Chefredakteur Peter Frey, erzählt er.

Umlandt arbeitet seit Anfang Juli bei zdf.de. Zu seinen Aufgaben gehört es, bei Twitter, Facebook und YouTube auf das ZDF-Programm aufmerksam zu machen. Er füllt den Twitter-Kanal @zdfonline und die ZDF-Facebook-Seite mit Inhalten. Michael Umlandt hat weder eine Hochschule besucht noch eine journalistische Ausbildung oder gar ein Volontariat beim ZDF absolviert. Er ist 24 Jahre alt, trägt ein großes Tattoo auf seinem rechten Unterarm und kam an den Job, indem er den öffentlich-rechtlichen Sender zusammen mit einem Freund an der Nase herumführte.

Im Sommer 2009 startete er mit Marco Bereth den Twitter-Kanal @zdfonline. Sie posteten im Namen des ZDF Programmhinweise und Personalmitteilungen, antworteten auf Twitter-Anfragen von Zuschauern, leiteten heute-Meldungen der Nachrichtensendung weiter. Das taten die beiden so authentisch, dass ihnen schon nach wenigen Monaten 2.000 User folgten. Bereth und Umlandt bekamen kalte Füße. Sie schrieben eine Mail ans ZDF, erhielten statt einer Antwort vom Anwalt eine Einladung nach Mainz – und einen Vertrag als freie Mitarbeiter. Seit diesem Tag twittern sie nun ganz offiziell für das ZDF. Das ist eineinhalb Jahre her.

"Ein Glücksfall für uns und das ZDF", sagt Umlandt heute. "Wir konnten einfach loslegen und haben die Abstimmungsrunden im Haus einfach übersprungen." So wie die beiden zu twittern, das hätte sich damals wohl kein ZDF-Mitarbeiter getraut, und das würden sich auch heute nur wenige trauen. Umlandt duzt seine Follower, liefert sich den ein oder anderen verbalen Schlagabtausch mit der Konkurrenz und wünscht den letzten Fans vor dem Einschlafen eine gute Nacht. Zu den Aufgaben des gelernten Erziehers gehört es auch, den ZDF-Mitarbeitern etwas von seiner Leichtigkeit im Umgang mit sozialen Netzwerken und deren Usern beizubringen.

Als die Meldung von der ungewöhnlichen Personalpolitik des öffentlich-rechtlichen Senders vor ein paar Monaten die Runde durch die Gazetten machte – bis in Umlandts schwäbisches Heimatdorf Schrozberg –, wurde zur gleichen Zeit eine Vollzeitstelle bei zdf.de frei. Michael Umlandt bekam den Job. "Ein Traum, ohne dass ich viel dafür getan hätte", sagt der 24-Jährige über seinen neuen Arbeitsplatz. Heute betreut er nicht nur den Twitter-Kanal, sondern auch die neue Facebook-Seite, die er – diesmal in Absprache mit dem ZDF – Anfang August gestartet hat. Bereits nach einer Woche hatte die Seite mehr als 25.000 Fans. Das Erste hat es innerhalb eines ganzen Jahres nur auf gut 5.000 Fans gebracht.

Auch wenn Umlandt inzwischen offiziell für das ZDF arbeitet, habe sich an der Art und Weise, wie er seine Follower anspricht, nichts geändert. Seine 60 Tweets täglich bewegen sich zwar in einem vorgegebenen Rahmen, aber nur ungern würde er sie einem Chefredakteur vorlegen wollen. "Bei mittlerweile über 45.000 Tweets wäre dies auch ein sehr hoher Arbeitsaufwand." Auch heute schießen er und Bereth – der nach wie vor frei fürs ZDF twittert – daher immer wieder mal übers Ziel hinaus. Als die Blue-Man-Group vergangenen Herbst bei Wetten, dass ..? auftrat und dort Klopapier durch den Saal katapultierte, stand auf @zdfonline: "Das Klopapier war von RTL, da wird mehr Scheiße produziert als bei uns (-; " Zwar hatte der Tweet für Umlandt keine unangenehmen Folgen, aber das ZDF bat dann doch, solche Kollegen-Diffamierungen künftig zu vermeiden.

Als Social-Media-Redakteur will sich Umlandt nicht bezeichnen. Dafür fehle ihm der journalistische Hintergrund. Zwar sei er von Grund auf neugierig, texte Kurznachrichten und recherchiere Antworten auf Zuschauerfragen – aber Journalist? Die Social-Media-Kollegen von heute.de seien Journalisten, er könne es bestenfalls mit der Zuschauerredaktion aufnehmen. Und Social-Media-Manager? Die Berufsbezeichnung klingt Umlandt zu konstruiert. "Das hier ist kein Beruf, sondern eine Berufung", sagt er. "Da muss man mit dem Herzen dabei sein."

Umlandt zweifelt, ob es sein Jobprofil so in drei Jahren noch geben wird. "Man muss sich weiterentwickeln, da sich auch der Journalismus immer schneller bewegt." Umlandt sei nicht der Mensch, der stillstehen kann. Nach seiner Erzieher-Ausbildung sattelte er die Fachhochschulreife auf seinen Realschulabschluss und begann eine Ausbildung als Kommunikationskaufmann beim Heilbronner Radio Ton. Diese kaum abgeschlossen, wechselte er Anfang Juli zum ZDF. Eine Redakteursstelle hat Umlandt nicht. Er überlegt, im nächsten oder übernächsten Jahren ein Studium aufzunehmen.

Bild: Thomas Krause

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