Detail-Informationen

Autor

Tilmann P. Gangloff

verfasst am

06.10.2011

im Heft

journalist 10/2011

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  • 27. September 2011: Vertiefte Kooperation zwischen SR und SWR verabredet (swr.de).
Bild: dapd/Thomas Wieck

SR-Intendant Thomas Kleist will weiter kooperieren statt fusionieren.

Thomas Kleist

"Das Pauken überlasse ich anderen"

Seit Juli ist Thomas Kleist Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR). Sein Ziel: den SR als eigenständigen Sender zu erhalten und den Anschluss an die jüngere Generation wiederzufinden.

journalist: Sie sind seit drei Monaten im Amt. Bislang sind von Ihnen keine Paukenschläge zu hören. Weil das nicht Ihr Stil ist oder weil es keine Pauken gibt?

Thomas Kleist: Guter Stil ist es, zuerst mit den Menschen zu kommunizieren, mit denen man im neuen Amt täglich zu tun hat. Das habe ich getan, indem ich gleich am ersten Tag Kontakt zu unseren Hörern, Zuschauern und Nutzern aufgenommen habe: um zu erklären, wer ich bin und was ich vorhabe. Dasselbe habe ich dem Personalrat, den Gremien und kurz darauf auch den Mitarbeitern vorgetragen. Das Pauken überlasse ich dem Paukisten unseres Orchesters.

Aber setzen Intendanten nicht erst mal Themen?

Das habe ich natürlich getan. Die wichtigsten: stärkere Ausrichtung auf Trimedialität, Kampf gegen den Generationenabriss, Reform des SR Fernsehens, Feinjustierungen im Hörfunk. In allen Bereichen ist bereits ordentlich Bewegung.

Das Wirken Ihres verstorbenen Vorgängers Fritz Raff ist unvollendet geblieben. Hat er Baustellen hinterlassen?

Fritz Raff hat das Haus hervorragend bestellt hinterlassen. Aber seit der Digitalisierung gibt es einen starken Veränderungs-Drive in den Medien. Die Rahmenbedingungen ändern sich rasant. Ich kann mich hier aber auf gute Vorarbeit und hervorragende Mitarbeiter stützen.

Was sind Ihre Ziele?

Dass der SR als Rundfunkanstalt in der ARD unverzichtbar bleibt und ein klares Profil hat; dass er identitätsstiftend ist und den Saarländern täglich Heimat und Orientierung gibt; dass er als wirtschaftlicher und kultureller Faktor für das Saarland wertschöpfend ist. Und wenn er dann noch ein Image als Förderer der europäischen Integration hat, haben wir alles richtig gemacht.

Viele Intendanten stehen für bestimmte Forderungen. Peter Boudgoust etwa bringt immer wieder einen Jugendkanal zur Sprache. Was ist Ihr Thema?

Die Erreichbarkeit der Jüngeren und das Bemühen, uns gegen den Generationenabriss zu stemmen, ohne den Qualitätsanspruch aufzugeben. Da bin ich leidenschaftlicher Streiter an der Seite meines Kollegen. Wer die Jugend nicht erreicht, marginalisiert sich über wenige Jahrzehnte in die Bedeutungslosigkeit.

Winzlinge wie der SR sind allein nicht lebensfähig. Wird es Zeit, aus dem SWR eine Dreiländeranstalt zu machen?

Nein, wir setzen weiter auf Kooperation statt auf Fusion. Und da wird es schon in den kommenden Wochen wieder für die ARD Beispielhaftes zu berichten geben. Das Wort "Winzling" weise ich übrigens mit Abscheu zurück. Ein föderales System wie die ARD lebt vom Zusammenwirken großer und kleiner Einheiten.

Aktuelle Kommentare zu diesem Interview

10.10.2011 06:12

Peter Riecke

Ein föderales System wie die ARD lebt von Zwangsgeld, das die meisten Menschen in dieser Höhe eben nicht mehr freiwillig zahlen, sondern nur, weil sie Drohbriefe bekommen. Mit dem Rundfunkbeitragsstaatsvertrag will es sich nun verewigen. In einem Interview hätte ich den Intendanten vor allem gefragt, welche Unterhaltungsangebote er weglassen will und wie sich dadurch das Zwangsgeld reduziert. DAS wäre ein Beitrag zu mehr Akzeptanz. Als wirtschaftlicher und kultureller Faktor ist der SR in erster Linie ein Wertevernichter, denn er nimmt den Menschen vom Netto. Und er bietet passive Unterhaltung an anstelle aktiver Betätigung, zum Beispiel in Vereinen. Der Rundfunkbeitragsstaatsvertrag will Ehrenamt nun noch zusätzlich bestrafen, indem Autos auch ohne Autoradio beitragspflichtig werden, wenn man sie für den Verein nutzt. Auf die Häufigkeit der Nutzung käme es dabei nicht an.
Wann werden Journalisten endlich munter und berichten über diesen Vertrag?

 
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